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Die Wahrheit · 1908-07-10 · Heft 27 (10.7.1908) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 27 (10.7.1908)
Date
1908-07-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 27. Die Wahrheit Der Bericht gedenkt zunächst in warmen Worten der Verdienste des verstorbenen Charles Hallgarten und geht dann auf die Tätigkeit der Jca im Berichtsjahre ein. An erster Stelle stand auch im verflossenen Jahre das K o l o n i s a t i o n s w e r k in Argentinien. Diese jüdischen Kolonien, die die Jca selbständig gegründet hat und deren älteste jetzt 15 Jahre besteht, fahren nach dem Berichte fort, sich günstig zu entwickeln. Die Totalbevölkernng, die Anfang des Jahres 11974 Seelen betrug, belief sich zu Ende des Jahres auf 13.212. Die Flüche des bearbeiteten Gebietes stieg in diesem Zeitraum von 58.400 ans 64.000 Hektar, die Zahl des Viehes wuchs von 104.000 auf 142.000. Ebenso wie der eigentliche Ackerbau stieg auch die Viehzucht, die eine der Hanpterwerbsquellen der Landwirtschaft in Argentinien bildet. Mit Genugtuung verweilt der Bericht bei der Tatsache, daß die Besserung der Verhältnisse eine allgemeine war und daß auch diejenigen der Kolonisten, die bisher unzufrieden waren, sich erholt haben und ihr Auskommen finden. In Moisesville, wo die klimatischen Bedingungen der Großkultur nicht günstig sind, sind die Kolonisten dazu übergegangen, die Zucht der Luzerne, die auf diesem Boden sehr gut gedeiht und im Lande leicht abgesetzt wird, in größerem Maßstabe zu betreiben. Zugleich gestattet diese Kultur eine Vermehrung der Viehzucht. In den Kolonien der Provinz Entre Rios, die insgesamt ungefähr 7000 Seelen zählen und bisher unter Schwierigkeiten zu leiden hatten, beweisen die Resultate der beiden letzten Jahre, daß tüchtige Arbeiter dort genau so wie anderswo zu Wohlstand gelangen können. In allen unseren Kolonien wissen die Kolonisten Nutzen zu ziehen ans den Hilfsmitteln, die wir ihnen zur Verfügung gestellt haben; sie verstehen es jetzt, Floraknltur und Viehzucht zu verbinden, Milch zu gewinnen und zu verkaufen uiw. Sie arbeiten mit Hilfe ihrer Kinder und fast nur jüdischer Arbeiter, und das Bewußtsein, Arbeit zit finden und in einem jüdischen Milieu leben zu können, wird in den Kolonien immer gewisser. Bemerkenswert ist auch der Geist der Solidarität, der unter den Kolonisten herrscht, uub die Leichtigkeit, mit der sie ihre Gemeindeangelegenheiten regeln; überall haben sie Genossenschaften gegründet, die die Grundlage einer autonomen Verwaltung bilden, der Selbstverwaltung, die zu erzielen wir bestrebt sind. Die Mehrzahl der öffentlichen Lasten, die Kosten des Sanitätsdienstes, Unterhaltung der Synagogen, Bäder und Friedhöfe, der Verkauf des Koscherfleisches, des Bibliothekdienstes ufw. wird heute von den Kolonisten selbst ansgebracht. Die Jca trägt nur noch zn dem Etat der Schulen bei. Hierbei beteiligen sich auch die Provinzverwaltnngeu. Auch gibt die Jca alljährlich an Bedürftige Vorschüsse ans die Ernte. Der Erfolg des Kolonisationswerks hat die Jca bestimmt, es auszubauen. Hiesür kommen zutlächst die Arbeiter in Betracht, die bereits in den Kolonien leben. 12 Familien sind solcherart im Jahre 1907 neu etabliert worden, und 200 weitere folgen in diesem Jahre. Damit keine Stockung in der Ansiedlnng eintritt, ist der Erwerb neuer Terrains nötig. Der Grundbesitz der Jca in Argentinien belief sich im letzten Jahre auf 463.000 Hektar; neilerdings hat sie 10.000 Hektar bei der Kolonie Leloir Mid 35.000 Hektar beim Hafen Bahia Blanca hinzu erworben. Weitere Neuerwerbungen sind in Aussicht genommen. Die Resultate der letzten Ernte sind zufriedenstellend. Insgesamt sind 436.926 Zentner Produkte geerntet worden, die einen Wert von Fcs. 4,800.000 repräsentieren. Die Kolonisten kommen ohne Mühe ihren Verpflichtungen gegen die Gesellschaft nach. Durch Vermittlung der Administration wurde im Jahre 1907 von den Kolonisten an in Rußland zurückgebliebene Verwandte die Summe von 136.000 Frcs. geschickt. An die Verwaltung wurden zirka 280.000 Frcs. gewährte Darlehen zurückgezahlt. In B r a s i l i e n sind die Kolonisten infolge einer zweijährigen Dürre entmutigt. Indessen haben wir die Kolonie reorganisiert und wir hoffen, daß sich ihre Lage günstiger gestalten wird. In den Vereinigten Staaten unterstützen wir seit Jahren durch die Jewish Agricultural and Industrial Aid Leite 5. Society die Etablierung jüdischer Ackerbauer. Deren Zahl kann man auf ca. 10.000 schätzen, die sich über alle Staaten verbreitet haben, so daß es fast keinen Bezirk mehr gibt, wo nicht jüdische Ackerbauer wohnen. Einige dieser Gruppen, insbesondere in New-Jersey und Neu England, gedeihen sehr gut. Auch in Kanada gibt es zwei bedeutendere Gruppen. In den p a l ä st i n e u s i s ch e n Kolonie n hat sich der in unserem letzten Berichte konstatierte moralische und materielle Fortschritt weiter befestigt. Seit zwei oder drei Jahreti war die Ernte gut, die ökonomische Lage der Kolonisten hat sich gebessert, sie erwarten jetzt den Erfolg, der in erster Linie von ihrer eigenen Initiative abhängt, und verlassen sich viel weniger als früher auf fremde Hilfe. Die persönliche Arbeit bringt ihre Früchte, und die Existenz der Kolotiisten ist jetzt durch sie selbst gesichert. Man arbeitete überall sehr fleißig. Das Gedeihen mehrerer unserer Kolonien wurde nicht nur von uns selbst, sondern auch von den gelegentlichen Besuchern sestgestellt. Der Bericht behandelt sodann die Lage der Inden i n Rußland, wo die Jca ein großes Schnlwert unterhält, das natürlich ebenfalls unter der entsetzlichen Lage der russischen Inden leidet. Auch die von der Jca in Rußland organisierten Hilsskassen entfalteten eine segensreiche Tätigkeit. 1906 bestanden 166 solcher Darlehenskassen, im letzten Jahre sind allein 223 neue Kassen eröffnet worden. Tie von der Jca im Jahre 1907 unterstützten 100 Leihkassen repräsentierten eine Mitgliederzahl von 59.923; sie hatten für Rubel 5,826.212 Darlehen gewährt, wovon Rubel 4,500.866 zurückgezahlt wurden. Auch in Galizien bewähren sich diese Kassen sehr gut. Dort bestanden Ende des Jahres 17 Kassen mit 11.130 Mitgliedern und 261.310 Kronen Haftsumme. Diese Kassen verfügten über einen Fond von K 1,073.946, die im letzten Jahre bewilligten Darlehen betrugen K 1,636.036. Außerdem verfügten sie über einen Reservefond von K 78.000. Der Bericht schließt mit dem Hinweis ans die Eignung der Juden für den Ackerbau und erwähnt, daß die Jca bestrebt sei, der Ansiedlnng der Juden neue Regionen zn erschließen. Zn diesem Zwecke habe sie Herrn Nivgo nach dem Lrient entsandt. Die einzigen Länder, wo eine agriknltnrelle Kolonisation der Juden unmöglich sei, seien die, von wo das Kolonistenmaterial herkomme. Diese Länder wissen noch nicht, was sie gewinnen würden, wenn sie denjenigen die Freiheit und das Recht des Eigentnms gäben, denetl sie es jetzt verweigern. Die Fra« in orientalischer Delenchlnng. <-,«.) Und nun mögen noch einige andere Denker des Orientes, wenn auch nur kurz, zu Worte kommen, ohne Unterschied, ob sie dem Babylonier oder dem Palästinenser beistimmen, ob sie Pro- oder Kontraredner sind. Einer von ihnen meint, weil die Frau ans der Rippe, an welche das Herz sich lehnt, erschaffen worden ist, darum ist sie ganz Herz, voll Liebe, Mitgefühl und Barmherzigkeit. Und da die Alten sich das Herz auch als Sitz des Verstandes und des Denkens dachten, so behauptet ein anderer, daß der Schöpfer das Weib auch mit mehr Einsicht, mit einer rascheren Erfassung des Wesens der Dinge und besonders des Menschencharakters, als den Mann ausgestatter habe. Dieser Ansicht steht wieder eine andere entgegen, nach welcher die Weiber einen leichten Sinn haben, d. h. ohne rechten Ernst sind und immer nur an der Oberfläche haften bleiben; auf sie sei in wichtigen Dingen, welche ein tiefes, mühevolles Eindringen erfordern, kein Verlaß. Die Meinung eines dritten hält sich ziemlich in der Mitte. Die Fran sei allerdings ein wenig leichten Sinnes und schwätze viel; „während sie aber schwätzt — sagt er — spinnt sie", d. h., schafft sie etwas Nützliches, ist sie tätig fürs Haus. Der Mann bringe Weizen und Flachs vom Felde, aber das emsige Weib schaffe den Weizen in schmackhaftes Brot und den Flachs in gläuzendweißes Linnen um, durch sie erhält erst des Mannes Arbeit ihre Vollendung und Brauchbarkeit, sie verschönert und veredelt alles. Es erinnert das an das Schillerfche „Ehret die Frauen".

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