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Die Wahrheit · 1908-06-26 · Heft 25 (26.6.1908) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 25 (26.6.1908)
Date
1908-06-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nl. 25. Die Wahrheit Leite 9. Westösterreich auf die kantorale Ausbildung Bedacht genommen. I Mit der Lösung der Frage der Kantorenschule wird der Grundstein gelegt sein, auf welchem sich die Zukunft des Kantorenstandes sicher aufbauen kann. Meine Herren! Ich bin mit meinem Berichte zuende und erlaube mir, namens des Vorstandes folgende Resolutionen zur Annahme zu unterbreiten. (Lebhafter Beifall.) R e s o I u t i o n I. „Der Kautorentag spricht die einmütige Ueberzeugung aus, daß die Jnvalidität's- und Altersversorgung, sowie die Versorgung für die Witwen und Waisen der im Amte verstorbenen Kantoren nicht auf dem Wege der alleinigen Selbsthilfe, sondern nur unter Mitwirkung der Gemeinden durchgeführt werden kann. Er begrüßt die nach dieser Richtung im Gesetze über die obligatorische Versicherung der Privatangestellten (worunter auch sämtliche Knltusbeamte verstanden sind) gegebene Initiative und spricht die Hoffnung aus, das; das auf dem letzten jüdischen Gemeindetage in Wien im April d. I. angeregte Projekt der Gründung einer eigeilen' Pensionskasse für alle jüdischen Knltnsbeamten in absehbarer Zeit zur Verwirklichung gelangen werde." Resolution II. „Zur Beseitigung der zahlreichen Uebelstände, die derzeit bei der Anstellung und Entlassung von Kantoren, sowie während der Dauer ihres Vertragsverhältnisses mit den einzelnen Gemeinden zu Tage treten, sind, möglichst im Einvernehmen mit den Gemeinden, sowohl von diesen als auch von den Kantoren einzuhaltende Normen anfzuftellen, die dem Ansehen der israelitischen Kultusgemeinden, sowie per Würde und Bedeutung des kantoralen Berufes entsprechen. Besserung der Verhältnisse ist jedoch nur durch einmütiges und einträchtiges Zusammengehen aller Kollegen zu erreichen. Um der Willenskundgebung der kanroralen Bernfsgenosseuschaft größeres Gewicht zu verleihen und einen möglichst großen Teil derselben an die Einhaltung der anfgestellten Normen zu binden, ist nicht nur allseitiger Eintritt der Kollegenschaft in den Oesterr.-ungar. Kantoren- Verein erwünscht, sondern auch die Herstellung eines innigeren Kontaktes zivischen den einzelnen Fachverbünden anznstreben." R e s o l u t i o n III. „Der Kantorentag ist von der Notwendigkeit einer mit staatlicher Autoritär ausgestatteten Kantorenschule durchdrungen, die nicht nur durch Hebung des allgemeinen Bildungsniveans bedeutungsvoll für den kantoralen Nachwuchs, sondern auch auf die Förderung der sozialen und materiellen Verhältnisse des gesamten Kantorenstandes von wohltätigem Einflüsse sein wird. Da aber der kantorale Funktionär in jeder israelitischen Knltusgemeinde unentbehrlich ist und da es besonders durch die in vielen Gemeinden notwendige Verquickung des kantoralen Amtes mit dem des Religionslehrers auch im Interesse der Kultusgemeinden liegt, ein durch bestimmten Studiengang für alle Funktionen des vielseitigen Amtes möglichst ausgebildetes Materiale zu beschaffen, erachtet der Kantorentag es als Aufgabe der Gemeinden und Gemeindeverbände, auf eigene Kosten. im Anschluß an die Lehrerseminare Kantorenschnlen zu errichten, deren Absolventen der gesetzlich zu schützende Titel Kantor und die staatliche Anerkennung als Religionsdiener zuteil werden soll. Mit besonderer Befriedigung nimmt der Kantorentag die Mitteilung des Vorstandes des Oesterr.-ung. Kantoren- Vereines zur Kenntnis, daß im Einvernehmen und mit Unterstützung der Wiener Knltusgemeinde und des Allg. öjlerr. israel. Bundes und im Anschluß an die von ersterer erhaltene oder von letzterem in Aussicht genommene Religionslehrer-Bildungsanstalt eineNantorenschuleerrichtetwerdensoll. Jnsolange nicht für die Anstellung eines Kantors die Vorlage eines Reifezeugnisses einer .Kantorenschule als .gesetzliches Erfordernis gilt, möge das Bestreben des Allg. Oesterr. Israel. Bundes, sowie des Oesterr.-ung.Kantoren- Vereines dahin gerichtet sein, die Gemeinden zu veranlassen, nur Absolventen von Kantorenschnlen als Kantoren anzusteüen. Für die gegenwärtig amtierenden Kalttoren ist auch bei späterem Stellenwechsel der Nachweis der abgelegten Fachstudien zu erlassen. Der Allg. Oesterr. Israel. Bund wird ersucht, bei den Vorarbeiten für die geplante Gesamt-Organisation der österreichischen Jndenschaft die in dieser Resolution niedergelegten Wünsche des Kantorentages zu berücksichtigen " Resolution IV. „Mit der Durchführung aller Arbeiten, die zur Verwirklichung der in den Resolutionen angestrebten Ziele führen follen, wird der Vorstand des Oesterr.-nngar.Kantoren- Vereines betraut." Der Vorsitzende dankt dem Sekretär für seine ausführliche und ausgezeichnete Darlegung der Geschichte des Vereines und der Bestrebungen des Kantorenstandes bis zum beutigen Tage und eröffnet somit die Debatte über den Bericht und die vorgeschlageueu Resolutionen. I. L ö w i t - Wien null versuchen, sich in den einzelnen Punkten die Frage vorzulegeu, was zu tun sei, um dies oder jenes abzuschaffen? Zlierst müssen wir mit uns ielbsi sprechen, denn sagen wir es offen, an dem meisten silid lvir selbst schuld. Sehen Sie unseren Kantorentag an '. Wir waren gar nicht aufgelegt zu jubilieren, denn die Erfahrungen, die wir mit der Kollegenschaft gemacht haben, geben wenig Veranlassung zur Freude und zum Jubilieren. Wenn wir dennoch heute zusammenkamen, so haben Sie dies nur allein dem Vorstande zu verdanken. Wir wollen henle der Kollegenschaft zeigen, daß der Verein eine Notwendigkeit ist. Ich verwerfe nicht die Bildung kleinerer Vereine, denn jede Vereinigung ist zu begrüßen, aber eine Zentrale muß sein und zwar in Wien, von wo denn auch alle bisherigen Aktionen ansgegaugeu sind, und wenn derDentscheKanwrenverband in seinem Begrüßungsschreiben den Gedanken ausgesprochen, sich mit uns näber zu verbinden, so ist dies nicht genug hoch zu schätzen. Durch das Zuströmen ungebildeter Elemenre wird der wahre, gebildete Chasen geschädigt und jüngere nnberusene Elemenre haben oft den ältern braven Kollegen verdrängt. Wir müssen daher solche Zuströmuugen zu verhindern suchen, und das wird durch die Kantorenschule möglich sein. Was haben wir nun in erster Linie anznstreben? Jeder einzelne von Ihnen muß es sich zur Aufgabe machen, wie ein Pionier hinauszutreten und jeden Kollegen zu veranlassen dem Vereine beizntreten. Hier gibt es aber kein persönliches Interesse zu verfolgen, keine Orden und Ehrungen werden hier vergeben und nur wer für die Gesamtheit eintreten und arbeiten will, möge zu uns kommen. Wer nicht das Herz hat, zu uns zu kommen, besonders Kollegen in Wien, die vielleicht ans verletzter Eitelkeit nicht kommen, die brauchen wir nicht. Mich wird man nie beleidigen und nicht hinausekeln aus diesem Verein und ich werde nur daun weichen, wenn es mir nicht mehr möglich wäre zu arbeiten. Jeder ist ein Verräter, der nicht dem Vereine angehört. Hier bei uns ist der Ort, wo jeder seine Meinung und seine Gegengründe Vorbringen kann, nicht aber im Kaffeehaus, in der Kileh und soweiter. Nur ein Bruchteil der Kantoren und leider auch der Wiener sind dem Vereine angehörig, doch ich will hoffen, daß sich alle umunsere Fahnen schaaren werden. Wir müssen einen Schutz finden gegen willkürliche Entlassung, und in den letzten Jahren hat in dieser Beziehung das Präsidium sehr wirkungsvoll eiugegriffen. Ich fragte mich, ob wir nicht den Schutz der Behörde in Anspruch nehmen könnten, und dies ist nach den Ausführungen unseres Herrn Sekretärs tatsächlich der Fall. Aber in den meisten Fällen einer solchen willkürlichen Entlassung haben sich die Betroffenen weder an die Behörde, noch an unseren Vorstand um Schutz gewendet. Jene Gemeinden, welche sehr viel wechseln, müßten in Evidenz gehalten werden, und im Laufe der Jahre werden wir über so viel Material verfügen, daß wir erkennen können, was hier und dort überall vorgeht. Dadurch wird man auch erfahren, welche Elemente und Kollegen nicht würdig sind, unser heiliges Amt zu bekleiden:

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