Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1908-06-26 · Heft 25 (26.6.1908) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 25 (26.6.1908)
Date
1908-06-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3062972-3063418-3063443--05523-3072452
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 6 Die Wahrheit Nr. 25. mittlerweile erschienenen Rabbiner Dr. David und Dr. Feuchtwaug begrüßt halte, ergreift der Vertreter des Synagogen-Vereines „Beth Israel", Herr Zolles, das Wort: „Zuerst meinen besten Dank sür die freundliche Einladung. Ich selbst bin, wenn ich so sagen darf, ein Analphabet in der Musik und im Gesang. Seit meiner frühesten Jugend jedoch habe ich eine glühende Verehrung sür Gesang und Musik. Ich fühle mich zu Ihnen hingezogen, weil Sie selbst zu Zweidrittel Analphabeten sind, nicht nur die anwesenden, sondern sämtliche Musiker, die bereits gestorbenen und noch lebenden sind es, denn zeigen Sie mir einen Musiker, der je ein 1 oder k geschrieben, und darum kennen Sie kaum das ganze Alphabet und sind daher Analphabeten. In der Musik ist die Lehre von der Harmonie sehr wichtig. Sie haben sie, meine Herren, gelernt und gelehrt, Sie üben sie im Verkehre mit dem Vorstand und üben die Musik nach jeder Richtung hin. Aber die Harmonie in sich selbst fehlt. Einer für alle, alle für einen einzntreten, dies fehlt, und dies zu erreichen und zu pflegen, wünsche ich Ihnen herzlichst. Herr Bethausvorsteher W a s s e r v o g e l: Zunächst meinen Dank sür die Einladung. Ich glaube, meine Herren, nicht erst heute mit dem Nachweise kommen zu müssen, welche Liebe ich dem künstlerischen Gesänge entgegenbringe, itnd ich werde dieselbe bis zum Grabe bewahren. Meine Herren, Ihnen Belehrung zu geben, das vermag ich nicht, ich kann nur Mitempfinden und mitsühlen, wenn der Adel und die Vornehmheit des Gesanges vorgebracht wird und erkennen was unsere Andacht und unser Gebet dadurch gewinnen. Ich null neuerlich heute, beim Jubelfeste, das Gelöbnis ablegen, daß ich nach wie vor Ihnen die vollste Sympathie und Verehrung bewahren und für Ihre Interessen eiutreten werde. (Beifall.) Herr Rabbiner Dr. David: Mein hochverehrten Herren Vertreter und Delegierten! Ich bitte mich ob meines verspäteten Kommens zu entschuldigen, da ich nicht dachte, daß die Versammlung so pünktlich eröffnet werden wird. Es ist eine Versammlung im Namen Gottes, und ich wünsche Ihren Bestrebungen das schönste Gedeihen, Es ist schon heute sehr vieles gesagt worden und ich möchte daher nur darauf Hinweisen, daß die Institution des Kainorats eine sehr alte Geschichte besitzt. Der erste Kantor, den wir in der Bibel haben, ist jener Mann gewesen, welcher der erste Verkünder unserer Lehre war, nämlich Moses selbst. Os joschir Mosche. Er hat den ersten Gottesdienst au den Usern des Meeres abgehalten, er war der erste Kantor und Rabbiner zugleich. Zn den bedeutendsten Kantoren zählt auch Maharil, dessen Dichtungen und Melodien sich noch bis auf den heutigen Tag erhalten haben. Die Bedeutung des Kamorats wird noch dadurch illustriert, daß im Schulchan Aruch eine Vorschrift enthalten ist, wonach nicht jeder zu diesem Tische zugelassen wird. sondern nur ein Mann, der dieses Amtes würdig ist; und dies ist nicht nur ein Mann mit Stimme, sondern er muß auch sittlich-religiös sein. Alle jene, welche auf der Höhe dieser Auffassung stehen, sind wahre Priester und bilden die Säitlen des Judentums. Ich begrüße den Verein zu seiner 25jährigen Gründungsfeier, weil er auch das Moralische seiner Mitglieder zu heben sich vorgenommen hat. In sicherer Weise wird dieses Ziel durch die Einführung der Kautorenschnle erreicht werden. Es ist bekannt, daß ich mit größter Sympathie dieser Sache entgegenkomme (Beifall) und ich kann heute meinem Herzenswünsche Ausdruck verleihen, Gott möge alle ihre Bestrebungen segnen und ihre Arbeit mit den schönsten Erfolgen krönen. (Beifall.) Herr Rabbiner Dr. F e u ch t w a n g knüpft an das Wort „Gesänge sind mir deine Gesetze" eine Betrachtung über das Verhältnis des Rabbiners zum Kantor, deren harmonisches und einträchtiges Zusammenwirken den Gottesdienst trägt und und verherrlicht. Präsident Singer ist hocherfreut über die Worte der Anerkennung und Aufmunterung, die hier voit berufener Seite für den Kantorenstand gesprochen wurden und dankt hierauf seinen beiden Mitarbeitern, den Vizepräsidenten Bauer und Schiller, sowie den Vorstandsmitgliedern für ihre werktätige Anteilnahme au den Bestrebungen des Vereines. Vorstandsmitglied Löwit-Wien: Soeben wurde unserer Arbeit als Vorstandsmitglieder gedacht und ich erlaube mir im Namen meiner Kollegen hiefür den Dank abzustatten. An der Arbeit teilzunehmen, war nur unsere Pflicht mtb ich, der ich auch bei der Gründung des Vereines im ersten Vorstande war, danke Gott, daß es mir vergönnt ist, an dieser heutigen Jubelfeier teilzunehmen. Im Rückblicke auf die Tage der Gründung will ich unseres Altmeisters Salomon Snlze'r gedenken sowie unseres Vizepräsidenten Jakob Baue r, der vor 25 Jahren die erste Anregung gegeben hat, eine Vereinigung der Kantoren zu schaffen und sich heute seines Werkes freuen darf. (Beifall.) Unser Präsident Oberkantor Singer hat die Bedeutung dieses Vereines sofort erkannt und als der Berufene die Leitung des Vereines übernommen, dem er noch bis zum heutigen Tage seine ganze Tatkraft zuwendet. Es möge ihm vergönnt sein, nach weiteren 25 Jahren uns auch zum goldenen Jubiläum zu führen. (Beifall). Nicht vergessen dürfen wir jener Männer, die nicht mehr unter itns weilen, der Herren G o l d st e i n, Blatt, Fischer und Stern, sowie der beiden lieben Kollegen K u l k a und Schiller, welche heute unter uns sitzen. Ich wünsche ihnen, daß auch sie das goldene Jubiläum erleben mögen. (Beifall). Präsident Singer: In unserer Mitte weilt ein bescheidener Mann, der nie genannt und von dem nie gesprochen wird, unser Sekretär Dr. L ö w y, der, wie ich weiß, gar viele, kostbare Zeit für unsere Sache geopfert hat, und ich bitte Sie, ihm die gebührende Ovation darzubringen. (Lebhafter Beifall.) I. Vizepräsident I. B a n e r: Hochverehrte Versammlung! Es sei mir gestattet, allen jenen Herrn, welche meiner Person besonders Erwähnung getan, meinen Dank abznstatten. Ich habe kurze Zeit nach meinem Amtsantritte in Wien, wo mir auch keine geringe Aufgabe, die Modernisierung des sephardischen Gottesdienstes übertragen war, das Fachblatt, die „Oesterr.-ung. Kantorenzeitung" kreiert, welche die Anregung zur Gründung unseres Vereines gegeben hat. Mit Wehmut gedenke ich eines meiner Mitarbeiter, des wackeren Moriz Blatt, der leider zu früh von uns geschieden ist. Aber ich freue mich auch, unseren Präsidenten Josef Singer und meinen alten lieben Freund Alois K u l k a, die meinem Unternehmen von Anbeginn an treu zur Seite standen, in der heutigen Versammlung begrüßen zu können. Wenn der Kantorenverein heute noch besteht, so verdanken sie das nur seinem Vorstande, der sich seiner Pflichten stets bewußt war. Leider kann man das von einem großen Teil der Kollegenschaar nicht sagen. Ich richte daher an Sie alle den Appell, unter den Kollegen draußen für den Verein zu agitieren, daß sie ihm ihre Unterstützung leihen, denn nur dann wird es uns gelingen, die Interessen unseres Standes tatkräftig zu vertreten. (Beifall.) Herr L e m b e r g e r betont als Obmann des „Vereines der Synagogensänger", daß die Sänger die Gründung der Kantorenschule auf das herzlichste begrüßen würden, da diese Schule ihre Jünger auch aus den Sängerkreisen nehmen dürfte und schließt .mit dem Wunsche, daß Gottes Hilfe und Segen dem vom Kantorenvereine angestrebten Ziele zuteil werde. (Beifall.) Der Vorsitzende dankt nochmals allen Anwesenden für ihr Erscheinen, wünscht allen Gästen ans der Fremde einen recht vergnügten Wiener Aufenthalt, gibt bekannt, daß die Beratung der Standesfragen Dienstag 10 Uhr vormittags beginnt und schließt hierauf die Festsitzung. Zweiter Verharrdlrrngstag. Präsident Oberkautor Singer eröffnet um 10^ Uhr vormittags die Sitzung. Zunächst wird die auf das gestern abgesandte Hnldignngstelegramm eingelangte Antwortdepesche verlesen, die folgenden Worlant^hat: Herrn Josef Singer, Präsident des Oesterr.-ungar. Kantoren- Vereines, Wien. Seine k. u. k. apost. Majestät danken allergnädigst für die im Namen der am Jubilänms-Kantorentage in Wien versammelten. österreichischen und ungarischen Kantoren dargebrachte Huldigung. Käbiuetskanzlei.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.