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Die Wahrheit · 1908-06-26 · Heft 25 (26.6.1908) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 25 (26.6.1908)
Date
1908-06-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 25. Die Wahrheit reite 5. Oberkantor Heller für den mährischen Kantorenverein. Die Rabbinen: Dr. Grunwatd-Wien, Dr. Rosenmann-Wien, Dr. Bach-Wien, Dr. Bauer- Wien. Redakteur Dr. Landau-Wien. Kirschner-München. Zivi-Elberfeld. Friedmann-Berlin. Birnbaum-Königsberg. Sarahsohn-Stettin. Singer- Kattowitz. Henle-Hamburg. Tennenbaum-Stuttgart. Lazarus-Budapest. Kartschmaroff-Gr. Kanizsa. Goldmann-Gr. Kanizsa. Singer-Jungbunzlau. Weiß-Tobitjchan. Piskaty-Linz. Rosenseld-Nemetuyvar. Reiser-Neuern. Haasz-Liptofzentmiklös. Gntmann-Prag. Kohu-Arad. D. L. Rolter-Wien. Stößier-Naußnitz. Lederer-Eger. Weiß-Jglau. Wiener Synagogensänger- Berein. Friedländer-Olmütz. Schönfeld-Tab. Kohn-Budwitz. Lamberg-Kolin. Singermanu-Troppau. Grzyb-Anssig. Liebel-Leobschütz. Stößler-Olmütz. Lamm-Brüx. Brunner Jglan. Geiringer-Gablonz., Grünseld-Wien. Rendi- Agram, Frendes-Beröcze. Präzise 11 Uhr vormittags eröffnet Präsident Oberkantor Singer den Kantorentag mit folgender Ansprache: Hochgeehrte Versammlung! Der Vorstand des österr.-nngar. Kantoren- Vereines begrüßt Sie alle herzlichst, vor allem die verehrten Herren Delegierten der Wiener Kultnsgemeinde und der übrigen Gemeinden, die Herren Vertreter des Betbausvorstandes der Wiener Knltusgemeinde ■ und der anderen Synagogen-Vereine, sowie all die Gäste und Kollegen die von nah und fern gekommen sind, um den 25jährigen Bestand unseres Vereines feierlich zu begehen. Der später folgende Bericht wird alles klar legen, was im Laufe der 25 Jahre geleistet wurde, beziehungsweise die Argumente bieten, weshalb manch Wichtiges nicht behandelt werdet! konnte. Großes Augenmerk hat der Verein der Unterstützung von Witwen und Waisen und notleidenden Kollegen zngewendet und in den meisten Fällen nach Maßgabe des Vermögens den vom Unglück Betroffenen auch eine weitere ersprießliche Lebensbetätignng ermöglicht. Auch in Wort und Schrift haben wir für die fachliche Ausgestaltung unseres Berufes gewirkt, sowie für die Geschichte des Synagogengesanges Material geliefert. Nur eine Hoffnung, deren Erfüllung wir vor 25 Jahren herbeigesehnt, ist uns durch eine eigentümliche Gegenströmung, die leider von jüdischen Kantoren selbst ansgiug, vereitelt worden. Statt durch die Vereinigung aller Kantoren im Rahmen eines großen Vereines ein Bollwerk zu schaffen, lösten sich wiederholt kleine Gruppen los und bildeten Vereine, die teilweise heute nicht mehr bestehen, oder vermöge ihres beschränkten Wirkungskreises der Allgemeinheit nicht jenen Nutzen gebracht haben, als sie durch ihre Lvslösuug Schadet! znsügten, indem sie die Kräfte der Gesamtheit schwächten. Wenn alle Kantoren geeint und bereit wären, einer für den anderen einzntreten, jeden einzelnen in Schutz zu nehmen, dann wäre eine Autorität geschaffen, durch welche jede unverdiente Mißachtung aus der Welt geschafft werden könnte. Eine solche Autorität herbeiznführen, muß die Hauptaufgabe unserer diesjährigen Znsammenknnft sein. Einer unserer wichtigsten Programmpunkte ist die Gründung einer Kantorenschnle. Welche Bedeutung diese für die Zukunft, für die Heranbildung der jungen Kantoren erlangen wird, liegt klar zutage. Rabbiner und Religionslehrer müssen den Befähigungsnachweis erbringen und, meine Herren, gestatten Sie die Bemerkung, selbst Schuster und Schneider müssen die Befähigung für ihr Handwerk erreichen, nur dem Kantor ist es anheim gegeben, ans eigener Initiative ohne Befähigungsnachweis auftreten und sagen zu können: „Ich bin ein jüdischer Kantor." Wir hoffen, daß dies anders und hauptsächlich von der Kantorenschule wohltätig beeinffußt werden wird. Wir appellieren daher an den Herrn Delegierten der Wiener Knltusgemeinde, als Anwalt bei der Gemeinde zur Unterstützung unserer Sache auszntreten und dem verehrlichen Vorstande mitteilen zu wollen, daß eine solche Tat, unter der Aegide des jetzigen Kultusvorstandes ansgeführt, mit goldenen Lettern in der Geschichte unseres Vereines vermerkt werden würde. (Beifall.) Unser Jubeljahr füllt zugleich in das Jubeljahr unseres vielgeliebten Kaisers. Wir erhoffen daher, daß ein Strahl der vielen Wohlfahrtsbetätignngen, die dieses Jubeljahr im Gefolge haben wird, auch hineinleuchten wird in unseren Verein und denselben erhellen und erleuchten wird; in diesem Sinne bitte ich Sie, meine sehr geehrten Herren Kollegen, in den Ruf einzustimmen: Unser glorreicher Herrscher und geliebter Kaffer Franz Josef I., er lebe hoch! (Dreimalige begeisterte Hochrufe, worauf von der ganzen Versammlung die Volkshymne gesungen wird.) Zum Ausdruck dieser spontanen patriotischen Huldigung wird an die kaiserliche Kabinetskanzlei nachfolgendes Huldigungstelegramm abgesendet: An die Kabinetskanzlei Seiner kaiserl. und königl. apostolischen Majestät des Kaisers! Die am Jubiläums-Kantorentage im Sitzungssaale der Wiener israelitischen Kultnsgemeinde zu gemeinnütziger Beratung versammelten Kantoren Oesterreich-Ungarns blicken ehrfurchtsvoll zu dem geliebten Monarchen empor und bitten, den Ausdruck ihrer tiefsten Ergebenheit und ihre patriotische Huldignug anläßlich des 60jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät an die Stufen des allerhöchsten Thrones zu leiten. Als Vertreter des jüdischen Gottesdienstes richten sie das inbrünstige Gebet zu dem Allmüchtigeu, daß er die erhabene und geheiligte Person Sr. Majestät noch lange in ungeschwächter Kraft zum Segen und zum Wohle aller seiner Untertanen erhalten möge. Josef Singer, Präses. Jakob Bauer, I. Vizepräses. Jsak Schiller, II. Vizepräses. Der Vorsitzende dankt dem Vorstande der Wiener Knltusgemeinde für die Ueberlassnng des Saales zu den Beratungen des Kantorentages, sowie allen auswärtigen Knltnsgemeinden, die es ihren Kantoren ermöglichten, an der heutigen Festversammlnng teilzunehmen. Hierauf ergreift der Delegierte der Wiener Kultnsgemeinde, Herr Bezirksschulrat Dr. Markus Spitzer, das Wort und führen wir ans seiner Ansprache folgendes an: Es wurde mir die Ehre zuteil, Sie in diesem Saale, welcher durch das Bildnis hervorragender Männer wie auch Ihres verewigten Altmeisters, unseres allverehrten Oberkantors Salomon Sulzer, geschmückt ist. ans das herzlichste zu begrüßen. Der Vorstand wird Ihre Beratungen mit lebhaftem Interesse und wärmster Sympathie begleiten und Sie können überzeugt sein, daß ihre Wünsche und Bestrebungen die gerechteste Würdigung finden werden. Ich schätze mich glücklich, in dieser Versammlung als Dolmetsch des Kultnsvorstandes zn fungieren, denn ich begrüße in Ihnen die würdigen Repräsentanten einer Institution, die seil Jahrhunderten mit der religiösen Entwicklung unseres Volkes verknüpft ist und insbesondere der kraftvollsten und unverwüstlichsten Lebeusüußernug der Judentums, dem Gottesdienste, das diesem eigentümliche Gepräge gibt, ihm die Jugeudsrische und Ursprünglichkeit erhält und die altehrwürdige Tradition wahrt und hütet. Sie haben alle vor einigen Tagen am Schewnotsest in festlicher Stimmung die Bibelworte verlesen: ..Ich habe Euch aus Adlersflügel erhoben und Euch zn mir gebracht." Erhebung war stets das Losungswort Israels. Erhebung in Stunden des Mißgeschicks und der Trauer durch die Macht des Gebetes. Erhebung über die Niederungen des Daseins in eine höhere geistige Atmosphäre durch die Kraft der Lehre. Erhebung über eine Welt von Haß und Neid durch den unerschütterlichen Gottesglauben. Die kaufe scheorim sind in unserer Zeit das Rabbinat und Kantorat. Hier die Stimme des Predigers, der - durch die Interpretation des Thorastndinms die Geister erleuchtet, dort der Gesaug, der die Herzen erwärmt und begeistert. Diese Stimmen, sie sollten nicht ein augenblicklicher Ohrenschmaus sein, vielmehr im Charakter, in der Lebensweise des Einzelnen, der Familie, des ganzen Volkes zum vollem, sichtbarem Ausdruck gelangen. Wohol hoom raiiim es hakaulans. Wir hören nicht nur diese Stimmen, wir sehen sie überall in ihren segensreichen Wirkungen. Ihre Bestrebungen, die soziale Stellung des Kantorats durch Bernfssreudigkeit zu heben, die Forderungen, eine bessere materielle Lage zu schaffen und eine Kantorenschule behufs Hebung des geistigen Niveaus ihres Standes zu errichten, verdienen gewiß die kräftigste Unterstützung, und jede Gemeinde, die ihre Rabbiner und Kantoren ehrt, ehrt sich selbst. In diesem Sinne und in diesem Geiste begrüße ich Sie nochmals aus das herzlichste und wünsche Ihren Beratungen den besten Erfolg. (Lebhafter Beifall) Der Vorsitzende dankt Herrn Dr. Spitzer für die freundlichen und anerkennenden Worte und nachdem er die

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