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Die Wahrheit · 1908-06-19 · Heft 24 (19.6.1908) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 24 (19.6.1908)
Date
1908-06-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ahrchsit »tedatlion ». Sldittniiili»lioii: Wien, 11/, Vivvaragassü 21. XrlrUbi'it Jirr ‘f'iiutcisi 3520S Aliakhängrge Zeitschrift für Mische |i «»»iliizlaviiu . . . ft 14.—;| Hxlbjävria » 7 - K. k. östcrr. Postsparkaffa- Scheck-Konto Nr. 100.918. Internem - Für lLnltttSl'ruinte: iluJevaU* Die viermal geivnttene Noiivareillk-Zeiie 25 Heller. Erscheint jeden Kreitn.;. \ 'V.i.inl.ltlMit Jf lll. iViiv AiieNund: »ibouucuiculSil. Nuiciuonrbetrage und iu ülSien zahlbar i4luilM<lt)lHl!> 'Wl.ii? und flurtOiu. Motto: „Das Siegel (sotlea iai Wahrheit.!*' i rt Utiivel »der >>t »c» 19. Juni 1908. F »stall: Prinz Liechtenstein nnd die Auferstehung. -- Eingesender. — Ein Seehospiz für arme jüdische Kinder. — Baron Hirsch-Stiftung. — Feuilleton: Die alte Nebezin. — Jnbilämiis-Kancorentag. — oOjähriges Teinpeldienst-Jubiläum. — Ein Kanroren-Iubilänin. — 25jähriges Jubiläum. — Berschiedene ^lachrichten. Wir ersuchen um freundliche Einsendung des Abonnementsbetrages und bitten gleichzeitig jene geehrten Abonnenten, welche Sommerfrischen oder : Kurplätze aufsuchen, uns rechtzeitig die genaue Adresse anzuzeigen, damit ihnen das Blatt dorthin regelmäßig zngesendet werden kann._ §Mttf Liechtenstein nnd die Anserstestnng. Der „große Prinz," wie die Wiener Journale den Prinzen Liechtenstein zu nennen pflegen, hat am 2. d. M. im Reichsrate eine merkwürdige Rede gehalten. Im ersten Teile dieser Rede hat er, der einstige Held des ehemaligen slawisch-klerikalen Ringes, versucht, die deutschen, liberalen Parj teien an die christlichsoziale anzubiedern, um so die deutsche Gemeinbürgschaft gegenüber der drohenden Gefahr der slawischen! Hochflut zu festigen und dieses Konkubinat in eine legitime Ehe l umzugestalten. Doch dieser erste Teil seiner Rede interessiert uns j weniger; wurde sie doch schon von einzelnen freisinnigen Rednern; gehörig gewürdigt. Wir wollen uns vielmehr mit dem Schlüsse! dieser Rede beschäftigen, die bisher weniger Beachtung fand, i weil sie ausschließlich den Juden galt. In demselben sagt er'! wörtlich:! „Die Universitäten sind ein Parteiinstitut eines hochmütigen und dünkelhaften Freidenkertums geworden. Sie bilden einen Ring, in welchen kein Andersdenkender eiudringen darf. Diese fanatische Exklusivität ist allerdings nicht eine auf Oesterreich beschränkte Erscheinung; es hat auch im Deutschen Reiche der große katholische Geschichtsschreiber Jansen keine Lehrkanzel in seinem Vaterlande erhalten dürfen, weil ein knlturkümpserischer Liberalismus es nicht duldete. Da haben es in diesem paritätischen Staate die Juden, weiß Gott, besser als wir! Haben wir es nicht erlebt, daß bei den letzten Ernennungen an der deutschen Wiener Universität von a ch t Dozenten sieben unzweifelhafte Juden zu außerordentlichen Professoren ernannt wurden. Und auch von dem achten hieß es, man werde es am jüngsten Tage, wenn die Menschheit hüllelos aus ihren Gräbern vor ihren Schöpfer tritt, erfahren, ob dieser Mann ein Jude ist." Letztere Bemerkung rief, nach dem stenographischen Pro- > tokolle, lebhafte Heiterkeit bei den Christlichsozialen hervor. Also j der Schluß dieser groß angelegten Hetzrede gipfelte nicht nur in! einer Schmähung der.Universitäten, die da als Parteiinstitute eines dünkelhaften Freidenkertums hingestellt werden, sondern auch als rohe Beschimpfung der Inden. Und diese Beschimpfung kulminiert in der derben Lüge, daß von den nenernannten acht Uuiversitütsprosessoren sieben Inden gewesen seien und daß selbst der achte Professor — hier fulminiert der große Redner mit einem rohen, schamlosen Witze — am jüngsten Tage, also am Tage der Auferstehung, wenn er „hüllelos," also nackt, vor dem Herrn erscheinen wird, sich als Getaufter, beziehungsweise als ursprünglich Beschnittener präsentieren wird; denn sonst hätte es ja keiner besonderen Hinweisung ans den „hüllelosen" Zustand bedurft. Beim Lesen dieses rohen Witzes fiel mir ein Artikel ein, der bereits im Oktober v. I., als das „Deutsche Volksblatt" einen Artikel „Jüdischer Index" gebracht hatte, in der Wiener „Mittags-Zeitung" meine besondere Aufmerksamkeit erregte. Es war ein Artikel unter der Ueberschrift: „Der jüdische Index und Dialoge über die Auferstehung." In diesem Artikel wird zur Widerlegung des vom „Deutschen Volksblatt" ersnndenen „Jüdischen Index" die zitierte Talmudstelle wörtlich wiedergegeben und auch eines Dialoges erwähnt, den die geile Königin Kleopatra von Aegypten mit dem Rabbi Meier über die Unsterblichkeit führte, indem sie die Frage an ihn richtete, wie er sich die Auferstehung denke, ob die Toten im nackten Zustande, oder bekleidet wieder auferstehen werden und von diesem Rabbi einfach die Antwort erhielt: „Wenn schon das Weizenkorn, das bloß und nackt in die Erde versenkt wird und dann im Frühlinge in Halm, Blättern und Schale gehüllt, wieder aitsersteht, dann müssen umsomehr die Frommen, die doch nur in Kleidern gehüllt, ins Grab gelegt werden, wieder in Kleidern gehüllt auserstehen." Also die stolze, geile Königin, die geschichtsbekannte Mailresse des römischen Triumvir Antonius, erhielt auf ihre ironisierende, schamlose Frage eine sehr kluge, eine sie gewiß beschämende Antwort; eine Antwort, die auch von dem deutschen Dichter Herder in seiner Abhandlung „Ueber die Unsterblichkeit der Seele" als Beweis für dieselbe herhalten muß. Die geile Königin erhielt hiedurch über ihr loses Maul einen ordentlichen Klaps. Es ist nur schade, daß sich im sogenannten „Jüdischen Klub" des Reichsrates nicht auch wieder ein Rabbi Meier gefunden, der dem großen Prinzen in seiner frivolen Liebe für nackte Leiber geradeso heimgeleuchtet hätte, wie es seinerzeit Rabbi Meier der Kleopatra gegenüber getan. Prinz Liechtenstein scheint also bei der Kleopatra in die Schule gegangen zu sein, oder doch wenigstens sein geistreiches Aperen beim Redeschluß aus dem talmudischen Dialoge der geilen Königin Kleopatra mit dem bescheidenen Talmudisten entlehnt zu haben.

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