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Die Wahrheit · 1908-06-12 · Heft 23 (12.6.1908) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 23 (12.6.1908)
Date
1908-06-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 23 Die Wahrlreil Leite 7 und R. Chia, wurden gu Schulinipekloren ernannt. Sie mußten auf Befehl des PlMiarchen das Land bereisen, die Schulen inspizieren, von dem Fleiße und den Leistungen der Lehrer und Schüler sich überzeugen, etwaige Mängel verbessern, und da, wo es an Schulen fehlte, solche ins Leben rufen. Da kamen sie eines Tages in eine Stadt, in der es weder eine Bibel-, noch eine Talmndschille, oder sonst irgend eine Lehranstalt gegeben, wo die Jugend in der Religionslehre unterrichtet worden wäre. Sie verfügten sich zur Repräsentanz der Gemeinde und forderten sie ans, ihnen die Stadlwächter, „Neture karta“, vorzustellen. Sofort erschienen auf Veranlassung der Gemeindevorsteher die Senatoren, „Santore karfca“. und die bis an die Zähne bewaffneteil Sicherheitsorgane. „Das sind doch wohl nicht die Stadtwächter, sondern die Stadtzerstörer, „Ckarube karta“, riefen die Schulinspekcoren erstaunt aus. ..Wenn diese nicht die Stadtwächter sind, wer soll denn die Stadt bewachen?" entgegneten die Gemeindevertreter. „Die Jugendbildner und Jugenderzieher sind die eigentlichen Wächter der Städte.' antworteten die Schnlinspektoren. ..denn es steht geschrieben: Wenn Gott nicht die Stadt bewacht, ist das Bemühen der Wächter vergeblich," d. h. mit anderen Worten, der Umstand, daß ihr für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit so riesig große Opfer bringen müsset, beweist zur Genüge, daß ihr es unterlassen habet, eine Schule zu gründen, eine Schule, in der die Jugend frühzeitig, und zwar durch einen gründlichen, rationellen Religionsunterricht, das Gute und Treffliche, das Hohe und Erhabene schützen, achten und würdigen, das Niedrige, Gemeine und Lasterhafte verachten und verurteilen lernt. (Jer. Ehag., 1, 7.) (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Unchrichten. Wien. Dienstag, den 9. Juni, 6 Uhr abends, fand die von der Kultusgemeinde einberufene konstituierende Versammlung der Zentralstelle für das jüdische Armenwesen statt, an welcher Bertreter fast sämtlicher jüdischer Wohltätigkeitsinstitnte und solcher interkonfessioneller Institute, die sich auch mit jüdischer Armenpflege beschäftigen, reilnahmen. Nachdem Dr. Maximilian Steiner die Anwesenden namens der Kultusgemeinde begrüßt hatte, erstattete kais. Rat Dr. Krüger das Referat, das allgemeine Zustimmung fand. Hierauf wurde das Zentralkomite ans der Mitte der Vereine gewählt und das Regulativ für die Organisation der Zentralstelle angenommen. Das Komitee wurde anfgefordert, alles mögliche zu veranlassen, damit die Zentralstelle bereits am 1. Oktober d. I. in einem von der Kultusgemeinde zur Verfügung gestellten Lokale seine Tätigkeit beginnen könne. Wien. Im Sitznngssaale der Kultusgemeinde fand Mittwoch, den 10. d. M., 1jah Uhr nachmittags, unter dem Vorsitze der Präsidentin, Frau Sophie G r ü n f e l d, die Geueralversammluug des „Kaiser Franz Josef-Ferien hei m" und kurz darauf die konstitilierende Generalversammlung des Vereines „O e st e r r e i ch i s ch e s S e e h v s p i z" bei zahlreicher Beteiligung statt. Aus dem in letzterer durch Herrn Guido Fuchs gelb erstatteten Berichte ging die erfreuliche Tatsache hervor, daß für die Errichtung eines jüdischen Ieehospizes bereits uamhafte Beträge gezeichnet sind, und im heurigen Jahre, da die Errichtung des eigenen Heimes nicht mehr möglich sein wird, 30 Kinder nach Grado werden geschickt werden können. Die vorgelegten Statuten wurden genehmigt und der Zentral-Ausschnß nach den Vorschlägen des vorbereitenden Komitees gewählt. Wien. (50 jähriges D i e n st j u b i l ä u m.) Der Chordirigent des Leopoldstädter Tempels. Herr Julius Hei mann, feiert Samstag, den 22. d. M., sein 50jäbriges Dienstjubiläum. Der Jubilar trat als achtjähriger Knabe vor 50 Jahren in den Tempelchor und wirkt seit dieser Zeit nnuuterbrocheu. Herrn H e i m a n n, der durch seine besondere Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit sich großer Beliebtheit erfreut, werden verschiedene Ehrungen zngedacht. Wien. (Bi i t t e r n ä ch t i g e unb festtägigepatriotifche K nndg e b u n g.) Wie in vielen Bet- und Lehrhäusern unserer großen Gemeinde, fand auch im Talmud-Thora'-Bethamidrasch II., Malzgasfe 16, die feierliche Begehung der ersten Lofts^vrcos-Nacht, wie in den früheren Jahren in den alten Räumen, so diesmal im neuen geräumigen Lehrsaale des imposanten Talmnd-Thora-Schulgebändes, statt. Eine stattliche Anzahl Andächtiger und „Lerueuder" war. zugegen, als nach Mitternacht „Thora gesagt" wurde. Unter den Vortragenden hob Professor A n t s ch e r l die besondere Bedeutung des heurigen Leftk-cviios-Festes im Jubiläumsjahre unseres allgeliebten Monarchen hervor. Alles erhob sich, als die heißesten Wünsche und Gebete für das Wohl Sr. Majestät gesprochen wurden. Der Eindruck dieser mitternächtlichen, patriotischen Feier war ein tiefer. — Am darauffolgenden ersten Lefts-wrios-Feiertage fand im festlich dekorierten Bethause daselbst eine Kaiser-Jubilänms-Huldigungsfeier, angeregt durch den verdienstvollen Bethaus-Präses Herrn Simon B u ch w a l d. statt, der eine zahlreiche Schar Andächtiger beiwohnte, die auch den Tempel in allen seinen Räumen füllte. Kantor S. Weiß brachte mit dem wohlgeschnlten Chor herrliche Gesäuge sehr schön zum Bortrage und Herr Rabbiner Schenk hielt die sehr beifällig aufgenommene Festrede. Die Feier war eine sehr erhebende und würdige. Wien. Auf Veranlassung des Herrn Bernhard H o f b a u e r, Obmann des Bethansvereines (Machsike Hadas)’ I., Judengasse 12. versammelten sich dorti'elbst Sonntag, den 7. Juni a. c., die Delegierten von 23 konservativen Vereinsbethäuseru zur Besprechung der Mikwah-Angelegenheit. Insgesamt wurden 31 Einladungen ausgeschickr, wovon, wie oben erwähnt, 23 Folge lelsteten. Einige waren entschuldigt. Nach Begrüßung der erschienenen Delegierten und der Bertreter der Presse und nach verständuisvoller Erläuterung über den Stand der Angelegenheit durch Herrn Bernhard H o f b a u e r. entspann sich eine animierte Debatte, an der sich die meisten Erschienenen beteiligten. Schließlich wurde von Herrn I. A u st e r l i tz folgende Resolution beantragt: „1. Der Zustand der derzeitigen Mikwah wird als beschämend und unzulässig erklärt. 2. Die Kultusgemeinde wird ersucht, den beschlossenen Mikwah-Bau ungesäumt in Angriff nud zur ehesteii FertigsteÜuug zu bringen. Zugleich erklären die Bersammelteu, dies nur daun als in befriedigender Weise durchgeführt zu sehen, wenn bie_ rituelle Beaufsichtigung dem jeweiligen Rabbinat der Adaß Jisroel (L-chistschuO unter statutarischer Beaufsichtigung durch die Knltnsgemeindr übertragen wird. Es wird im Interesse des Friedens und der Einheit iir der Gemeinde der bestimmten Erwartung einer so bedeureuden Minorität und steuerzahleuden Mitglieder, welche die hauptsächlichsten Fr.quentauten zur Mikwah sind, Ausdruck gegeben, daß diesem begründeten Ersuchen Folge gegeben wird. Sollte wider Erwarten eine Einigung in diesem Sinne nicht zustandekommen. wird die Adaß Jisroel (Schiffschul) amgesordert, mit dem selbstständigen Ban einer Mikwah vorzugehen und wird von den llnterzeichnelen jede erforderliche Beihilfe zngeiagt." Es entspann sich abermals eine lebhafte Debatte. Lebhafte Zustimmung fanden die Auseiuandersetzungeu des Herrn Dr. B l o ch. Derselbe meinte, es iricht zu begreifen, wenn ein Schneider jemanden einen Rock macht und derselbe nicht dem Betreffenden, sondern einem Andern angepaßt wird. Die Mikwah gehört nur für die Orthodoxen und ist es nur natürlich, daß diese verlangen, daß die Aufsicht von dem Manne ihres Vertrauens geschehe. lieber Juterpellariou, warum keine Vertreter der Kullusgemeiude, Schiffschul und polnischen Schul erschienen sind, erklärte Herr Beruh. H o f b a n e r sich nicht dafür berechtigt zu halten, die Kultttsgeiueinde zu zitieren, hingegen die Schiffschul sowohl, als auch die Poluische-Schul (Beth Israel) aus Taktgefühl nicht geladen zu haben. Als einige Herren sich in sehr abfälliger Weise über die Tätigkeit des Herrn Rabbiner Mayersohn äußerten, fand es allgemeine Zustimmnug, daß Herr Bernhard H o f b a n e r diese verhinderte und die betreffenden Herren in ihren Auseinandersetzungen unterbrach mit dem Bemerken: Wir sind nicht hier, über Personen, die nichc zugegen sind, zu richten. Es in überhaupt keine persönliche Frage, sondern nur die eines Prinzipes. Schließlich wurde Herr Bernhard H o f b a u e r von der Versammlung ersucht, ohne Verletzung seiner Prinzipien im Interesse des Friedens inid der Einigkeit der Gemeinde nochmals zu vermitteln und abermals die Delegierten einzubernfen. Inzwischen wollen die Herren ihren Vorstand von dem Heutigen berichten, und sodann mir vereinten Kräften solange Mitarbeiten, bis das Ziel erreicht ist. Wien-Floridsdorf. (I u b i l ä n m s - P e r o ch e s.) Anläßlich des sechzigjährigeu Regierungs-Jubiläums Se. Majestät des Kaisers, spendete Herr Kultnsvorsteher Emanuel G r ü n w a l d für die Buudeslade unseres Tempels, am vergangenen Offenbarungstage, einen prachtvollen Vorhang. Lauge vor Beginn des Gottesdienstes, am Vorabende des Festes, versammelten sich unsere Gemeindemitglieder, um das schöne Stück bewundern zu können. Unser Herr Rabbiner Dr. Rose n ni a n it nahm Anlaß am zweiten Tage des Festes in seiner Predigt, das edle Werk dieses Mannes, sein Tun und Wirken um Gotteshaus und Gemeinde, in Anwesenheit sämtlicher Tempelbesucher zu schildern und unter geistreicher Anwendung eines Bibelverses den Segen Gottes auf den Spender herabzuflehen. Olmütz Am 28. Mai fand in Olmütz eine Konferenz des Verbandes der Rabbiner Mährens und Schlesiens statt. Der Vorsitzende Dr. Fr eint a n u begrüßte in einer längeren Eröffnungsrede den Vorstand der Gemeinde, deren Entwicklung er an der Hand der Geschichte darlegte und übergab den Vorsitz dem Ortsrabbmer Dr. Opp e n h e i m e r. Dr. Kurrein, Teplitz, hielt einen Vortrag „M o d e r n i s m u s n n d R a b b i n i s m n s", welcher mit großem Beifalle ausgenommen wurde. Hierauf referierte Dr. Levy, Brünn, über den Wiener Bundestag und seine Haltung den Rabbinern gegenüber. In dem Referate charakterisierte er den Vorgang des Dr. S u n d, widerlegte alle in diesem geltend gemachten Argumente gegen die Berücksichtigung des Rabbinerstandes bei der Zusammensetzung des Komitees. Mittags vereinten sich die hier versammelten Rabbiner zum gemeinschaftlichen Mahle, welches durch mehrere Tischreden der Rabbiner Kurrein und G o l d s ch m i d gewürzt wurde. Nach Beendigung desselben — Dr. Frankl-Grün wurde mit dem Mesuman-Benscken beehrt — eröffnete der Vorsitzende die Diskussion über den Bortrag des Dr. Levy und die Beratung über die Schritte, welche gegen die Zurücksetzung des Rabbinerstandes unternommen werden sollten. Es wurden auch über die Berbefferung der Pensionsbedingungen Beschlüße gefaßt. Nach der Erledigung mehrerer innerer Angelegenheiten schloß die Versammlung am späten Abend. Um das Zusammenkommen dieser Konferenz und ihren günstigen Verlauf hat sich Dr. Oppenheimer verdient gemacht. Kremfier. Am 2. Tag Schewuoth beging unser allgemein verehrter Vorsteher der Chewra Kadischa, Herr Leopold Kreisler, seinen

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