Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 22 (5.6.1908)
- Date
- 1908-06-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22. Die Wahrheit Sette 7. Unterstützung der Allianz zu den Falascha in 'Abessinien gesandten Expedition, Herrn Prof. Nahoum, an den Sekretär der Allianz eingetroffeu, wonach bald nach der Rückkehr Nahoums nach Europa er sich in Wien aufhalten werde, um über die Ergebnisse der Expedition Bericht zu erstatten. (Beifall.) Die Versammlung wird hierauf geschloffen. D. K. Spitzer. Budapest, 1. Juni 1908. Am 26. Mai, nachmittags S1/.-, Uhr fand die Leichenfeier -es Herrn D. H. Spitzer unter wahrhaft imposanter Beteiligung aller Gesellschaftsschichten der Hauptstadt statt. Anwesend waren: Generalrat Alex.' von Deutsch, eine Abordnung der Pester isr. Kultusgemeinde unter Führung der Vorsteher Dr. Wilhelm G r a u e r und Ludwig Adle r. der Tempelvorsteher Moritz Rosenberg, Julius Eisler und Dir. Arnold K o h n, eine Abordnung der Pester Chewra Kadischa unter Führung ihres Präsidenten Generalrat Julius Winterberg und der Vorsteher Em. Weiß nnd Moritz Lindenb a u m, der Präsident des isr. Spitals Julius Adle r, Reichstagabgeordneter Paul Sandor, die Großindustriellen Leo und Eeza von Weiß, eine Abordnung des Pester isr. Handwerker¬ und Ackerbauvereines unter Führung des Dir. David K e m 6 n y, die Direktoren resp. Direktionsprüsidenten Emil Strauß, Ferdinand Groß, Bela Frei b erg er, Alex. Forstner, Bela Beer, Gabor Kohn, Emil Neuschloß, die Rabbiner Elias Adle r, Moses F e l d m an u, Oberkantor Israel T k a t s. zahlreiche Aerzte, Advokaten rc. rc. Rabbiner Dr. Julius Fischer würdigte in gehaltvoller Rede die seltenen Tugenden des Verblichenen, indem er hervorhob, welche hervorragenden Dienste der Verblichene den verschiedenen Institutionen der Gemeinde durch hingebungsvolle Tätigkeit geleistet hat nnd wie unerschrocken er für die ewigen Wahrheiten des Judentums mit der Feder Jahrzehnte hindurch gekämpft hat. -Nachdem Oberkantor Prof. Lazarus mit dem Tempelchore ein tief empfundenes Gebet exekutierte, wurde die Leiche nach dem Kerepeser Friedhofe, wohin eine große Menschenmenge dem Sarge gefolgt war, gebracht; daselbst hielt in der .Zeremonienhalle im Namen des Talmndvereines Rabbiner Herschkovitz folgende Rede: „SmaS rrc Ss-nr ':z ::n* amrx rrzS mmsz iSn Sy r rr ♦130" npia Jeder bei seiner Fahne nach dem Zeichen seines Stammhauses sollen sich lagern die Kinder Israel, von Fern rings um das Stiftszelt sollen sie sich lagern" so lautet in dem dieswöchentlichen Abschnitt der Auftrag Gottes an das wandernde Jsraelvolk. Geehrte Trauerversammlung! Tief bewegt und heftig erschüttert trete ich vor diesen Sarg, in welchem die irdischen Ueberreste eines wackern, rechtschaffenen, ehrenhaften Glaubensbrnders zur ewigen Ruhe gebettet sind, um im Namen unserer Sasz-Chewra, dessen langjähriges, eifriges und tätiges Ausschußmitglied dieser treue Verblichene war, den Tribut der Liebe und Hochachtung, des Dankes und der Anerkennung an seiner Bahre niederzulegen. Wenn in unserer Zeit, in der die Wahrheit nnd die Rechtschaffenheit so spärlich zu finden sind nnd der Mann so selten ist, der ein offenes, freies Wort für die Wahrheit zu sprechen und zu schreibeit wagt, ein Mann wie D. H. S p i tz e r dahingeht, der vermöge seiner konservativen jüdischen Gesinnung, vermöge seiner Intelligenz und seiner journalistischen Begabung sür die Reinheit, Heiligkeit und Unantastbarkeit unserer ewigen jüdischen Wahrheiten zu allen Zeiten durch Wort und Schrift gekämpft, gerungen und gestritten hat, der mit der Macht seiner Feder, die er meisterhaft zu handhaben verstanden hat, für die Verteidigung unseres wahren, unverfälschten Glaubens, mutig und unerschrocken eintrat, der mit besonderer Hochachtung, Wertschätzung und Ehrfurcht frommen Gelehrten entgegenkam und deren geistigen, erbaulichen Vorträgen mit besonders andächtiger Aufmerksamkeit lauschte — ja wenn ein solcher Mann von dannen scheidet, so müssen wir dies als einen allgemeinen schmerzlichen Verlust tief betrauern und beklagen. »rur Ski®' nrn *nS rr nnr m. sagt der Prophet, der für Gott, für die Heiligkeit des jüdischen Glaubens schreibt und dieselbe furchtlos und kühn in die große Welt hinaus verkündet, dem gebührt mit vollem Rechte der Name Gottes Streiter, der ist dieses Namens vollkommen würdig, denn so lautet das Gebot in dem dieswöchentlichen Abschnitt "!n iSn Sr rrr, darin besteht der hehre Berns Israels, die Fahne des unverfälschten Vaterglanbens, ohne Scham und Scheu, weithin sichtbar zu entfalten, für deren Reinheit und Heiligkeit mit glühendem Feuereifer zu allen Zeiten in die Schranken zu treten, wenn auch „Fortschritt" das Losungswort ist, dem allgemein gehuldigt wird. Eines aber darf unsere Zeit nicht aus dem Auge verlieren SmaS r>zc die jüdischen Stämme müssen sich immer rings um das Stiftszelt schaaren, die religiösen Heiligtümer, der Gottesglaube, die Gottesverehrung müssen und sollen zn allen Zeilen den Mittelpunkt des wahren jüdischen Lagers bilden, denn i:rr nrsz so sie hier im diesseitigen Leben im Schatten dieses hehren Glanbensbanners sich gelagert hatten, so sie während ihres irdischen Seins bestrebt waren, ihre heilige Lebensaufgabe nach jeder Richtung hin zu lösen, :rc* p so ausgerüstet und ausgestattet mit der herrlichen Macht des Glaubens, der Tugend und der Menschenliebe können sie am Ziele ihrer irdische Laufbahn angelangr, ohne Bangen und Zagen in das Himmelreich einzieheu, um dort der geistigen, seeligeu Freuden und Wonnen teilhaftig zu werden. In diesem Sinne hat dieser teuere Dahingeschiedene gedacht, gehandelt und geschrieben. Deshalb rufen wir ihm schmerzerfüllt zu: ySrz iS Ziehe hin in Frieden, in die Gefilde ewiger Seligkeit, lege dort vor den Stufen des allerhöchsten Trottes innige Fürbitte ein für Deine hier znrnckgelassene tiefbetrübte, vor Gram gebeugte Witwe, mit der Du eine lange Reihe von Jahren hindurch in Frieden und Eintracht, in Liebe und Zärtlichkeit ehrlich verbunden wärest; bete für Deine um Dich trauernden Kinder und Enkel, denen Du mit allen Fiebern Deines Herzens, mit allen Fasern Deiner Seele in aufopfernder väterlicher Liebe zugetan wärest und die Dir in kindlicher Pietät ein treues Andenken bewahren werden; bete für Deine Verwandten und Freunde, bete für die Entwicklung nuferer snzn er, deren Gedeihen nnd Aufblühen Du zu allen Zeiten mit Deinem besten Können und Wollen zit fördern Dich bestrebtest. Möge mit Deinem Hinscheiden jede Trauer, jeder Kummer und Schmerz sowohl in Deiner verehrten Familie als auch in ganz Israel ausgeschlossen sein!" Nachdem die ergreifende Rede verklungen war. wurde Spitzer in ein Ehrengrab zur ewigen Ruhe gebettet. Möge sein jüdischer Sinn stets bei uns weilen und uns für die hehren Wahrheiten unseres Glaubens begeistern. Dr. 8. Die Erforschung -er Fulaschas. (Schluß.) Addis-Abeba, den 27. Mürz 1908. Ich überreiche Ihnen hierin Abschrift und Uebersetzung des kaiserlichen Geleitbriefes, dessen Text vom Kaiser selbst diktiert worden ist. Diese Dokumente werden sonst nur den fremden Ministern und den offiziellen Gesandtschaften gegeben. Im anderen Falle stellt die Polizei eine Art Paß aus. auf dem Namen und Zahl der Reisenden verzeichnet sind, sowie die Zahl der begleitenden Soldaten nnd Diener, auch die Zahl der Maulesel und das Reiseziel. Ein solches Dokument hatte man uns in Dirs-Daua für unsere Reise in die Hauptstadt gegeben. Diese kaiserlichen Briefe werden gewiß in einigen Jahren verschwinden; sie sind deshalb von den Sammlern sehr gesucht. Baron Kulmer, ein österreichischer pensionierter Offizier, der sich auf der Durchreise in Addis-Abeba anfhielt und in unserem Hotel wohnt, bat mich, ihn eine Photographie von unserem Geleitbrief nehmen zn lassen. Ich habe nicht geglaubt, ihm die Ermächtigung geben zu dürfen. Ich besorgte mir weiter vier Empfehlungsbriefe, einen an den