Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 21 (29.5.1908)
- Date
- 1908-05-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Ar: 21. Tie Wahrheit Seite 7. der „Allianz" Herr Dr.Ka m ink a an Ort nnd Stelle, um im Verein mit der Leitung der Filiale in Czernowitz nnd dem Grenzkomitee in Suczawa-Jtzkany die Hilfe za organisieren. In der hierauf am 5. Mai 1907 in Wien abgehnttenen Konferenz der Organisationen, bei der die Allianze Jfraelite Universelle in Paris, der Hilfsverein der deutschen Inden in Berlin, das Hilfskomitee von Frankfurt, die englischen und amerikanischen Komitees, sowie die Komitees von Bukarest und Jaffy vertreten waren, wurde die gesamte Führung des Hilfswerkes der Wiener Allianz übertragen. Die von der österreichischen Organisation aufgebrachten Spenden in der Gesamthöhe von über K 176.500 bilden auch den größten von einer europäischen Organisation für diesen Hilfszweck zustande gebrachten Beitrag. (Dem Hilfsverein der deutschen Juden in Berlin sind, wie ans seinem soeben ebenfalls ausgegebenen Geschäftsberichte hervorgeht, für Rumänien ans ganz Deutschland im ganzen Mark 109.988. zngegangen.) Einen ähnlichen Betrag hat noch das amerikanische Hilfskomitee aufgebracht, das unter der tatkräftigen Leitung des Herrn Dr. P. A. Siegelstein in New-IorkFrc. 176.591 gesammelt hat. Von der Alliance in Paris und vom Berliner Hilfsverein unter Beteiligung von Frankfurt wurden von der Wiener Zentrale ans Grund der Koufereuzbeschlüsse zu Gunsten der geschädigten Familien je Frc. 87.500 zur Verfügung gestellt. Das Komitee in London sandte K 30.829. Außerdem brachten die Komitees in Bukarest und Jassy selbst.durch Sammlungen über Frc.'85.000 ans. Die Listen der Geschädigten wurden nach Anordnung der Wiener Allianz von den in Rumänien eingesetzten Distriktkomitees sorgfältig redigiert und von Vertrauensmännern in Bukarest (Herrn Oberrabbiner Dr. M. Beck nnd Herrn Js. A st r u c) überprüft. Ueberdies hat der Sekretär der Allianz Herr Dr. Kaminka im Laufe des Jahres wiederholt an den Beratungen der Komitees in Jassy, Botosani, Jtzkany und Bukarest behufs Sicherung einer gerechten Verteilung der Unterstützungen teilgenommen. Ans diese Weife gelang es, das große Werk brüderlicher Hilfe an mehr als 3000 durch barbarische Hetze in Not und Elend gebrachte Familien in mehr als 40 Städten nnd Ortschaften, soweit es die Verhältnisse in Rumänien znließen, in vollkommen befriedigender Weise durchznführen. Ans der Uebersicht der geleisteten Hilfe geht hervor, daß im Distrikt Bukarest (Aktion geleitet durch die erwähnten Vertrauensmänner und Herrn Adolf Salomo n) Frc. 60.836-95. im Distrikt Jassy (Aktion geleitet durch die Herren M. S ch n ü r e r, M. Wachte l, Dr. N i e m i r o w e r, Dr. Steuer m a u n und Dr. B u rsty n) Frc. 105.265*75, im Distrikt Vaslni durch das Komitee Jassy Frc. 85.553, im Distnkt Roman ebenfalls durch das Komitee Jassy Frc. 68.852, im Distrikt Botosani durch die Herren M. M o s k o v i c l, A. Wahr in a n n, Rabbiner M. L. Landau und Spanier Frc. 142.558 nnd im Distrikt Bnrdnjeni-Bncecea (durch die Herren Oberrabbiuer Dr. I. R o f e n f e l d, Prf. Dr. L. K e l l n e r und den Bürgermeister von Jtzkany kaif. Rat S. Hellmann) Frc. 89.329 90 zur Verteilung gelangt sind und die Ausgaben für diesen Teil der Hilfe zusammen Frc. 552.396 55 ausmachen. Im Herbst 1907 hat die Allianz im Einvernehmen mit den anderen Organisationen eine besondere Aktion zu Gunsten der aus den Dörfern vertriebenen Inden einleiten müssen. Es wurden hiefür von der Wiener Organisation nnd ebenso von Paris und von Berlin (unter Beteiligung von Frankfurt) separat je Frc. 22.500 bewilligt. Die separate rumänische Aktion der Wiener Allianz erforderte neben den an das gemeinsame Hilfswerk geleisteten Beiträgen eine Ausgabe von K 29.288 für den Unterhalt von Flüchtlingen auf österreichischem Gebiete, sowie für Bahnbefördernngen und Unterstützungen in denjenigen Füllen, wo nach den Konferenzvereinbarnngen aus den gemeinsamen Mitteln die Hilfe nicht zu gewähren war. Ferner hat die Allianz infolge der besonderen Not zahlreicher rumänischer Gemeinden zur Verköstigung armer Schulkinder einen Beitrag von Frc. 3000 geleistet und zahlreichen rnmänisch-jüdifcheu Schulen, so den Knabenschulen in A d j u t, Vaslni,. P i a t r a, S n l i tz a, der Schule Or Thore in B o t o f a n i, C u l t u r a in B a c a u, der H a u s h a l t u n g s s ch u l e Lumina in G a l a tz, der Schule in F nt m usica namhafte Beitrüge gewährt. Eine umfassende Fürsorge wurde ferner den jüdischen Emigranten ans Rumänien zugewendet. Durch das Entgegenkommen der Jewisch Colouisation Assoziation konnten die Ende! 1906 sistierten Grnppenbeförderungen rvieder ausgenommen werden I und es wurden während der letzten Monate 1907 durch Ber-! mittlnng der Allianz nach Kanada 1071, nach den Vereinigten Staaten 146, nach Argentinien 52, zusammen 1269 Personen in Gruppen, außerdem 146 Personen einzeln befördert. Aus der Gesainttabelle der Emigrantenfürsorge des Wiener Bureaus! ergibt sich, daß im Jahre 1907 durch dasselbe registrierte russische! und rumänische Emigranten zusammen 2596 befördert wurden, j In dieser ßatfl sind nicht enthalten die zahlreichen Answanderer,! die auf kurzem Wege auf der Durchreise in Wien von der! Allianz Unterstützttngen erhielten nnd die nach taufenden zählenden Personen, denen die Komitees der Allianz in Czernotvitz, Brody und Krakau ihre Fürsorge znwandten. Der Bericht erwähnt ferner die Schnlaknou der Allianz in Galizien und die Kooperation der Allianz mit dem Hilssverein für die notleidende jüdische Bevölkernrig in Galizien ■ zur Förderung des Unterrichtes in der Spitzenklöppelei, durch welche einer großen Anzahl jüdischer junger Mädchen und Frauen aus den ärmsten Kreisen ermöglicht wird, fichr edlich ihr Brot zu verdienen. Die Allianz hat dem Hilssverein zur Entsendung von 5 Lehreriitnen pro 1908 einen Beitrag von K 5000 bewilligt : und das Zusammenwirken ist dadurch erleichtert worden, daß ein Mitglied des Allianzvorstandes zum Vizepräsidenten jenes Vereines erwählt wurde. Für die Abgebrannten in K o n st a n t i n o p e l (Haskyeu) wurde dem Komitee der Allianze Jfraelite Universelle ein Beitrag von Frc. 3000 überwiesen. Der Lämelschule in Jerusalem wurden, wie im vorhergehenden Jahre K 3000 bewilligt. Die Allianz beteiligte sich auch durch einen Beitrag an der; von der All. Jsr. Univ. in Paris entlaubten Expedition nach . Abessynien zwecks Aufsuchung der des Schutzes bedürftigen ' Falaschas.! Der Bericht über die Situation in Rußland hebt! hervor, daß sich die Lage der Juden im verflossenen Jahre leider wieder wesentlich verschlechtert hat, da sie in ihrer Hoffnung, bürgerliche Rechte zll erlangen um mehrere Jahrzehnte zurück-; gedrängt erscheinen und sich nicht einmal die liberale Kadetten- : Partei, ans welche so große Hoffnungen gesetzt wurden, einen : Antrag zu Gunsten der Juden 51t stellen getraut. Interessant ist i die Mitteilung des jüdischen Abgeordneten Nisselowitsch, welche : in russischen Blättern erschien und im Berichte zur Charakteri- ' sierung der Situation wiedergegeben wird. „Seil fünf Monaten gehöre ich in der Duma der Kadetteni fraktiou an. Es hat aber noch nie ein Mitglied derielben in! seinen Reden die Judensrage berührt, als würden die beispiellosen Gesetze, Verordnungen und temporären Vorschriften gar nicht bestehen, durch welche über fünf Millionen Menschen im j Riesenghetto des Ansiedlungsrayons zusammengedrüligt, der Verelendung preisgegeben werden. Auf mein Drängen sagt man mir immer, die gegenwärtige Duma sei für ein judenfrenndliches Gesetz nicht günstig. Während aber z. B. Roditschew es für möglich gehalten hat, glänzende Reden zu Glinsten der Polen zu halten, gegen welche ja ein ebenso feindlicher Geist herrscht, haben unsere liberalen Freunde nicht nur selbst kein Wort bis jetzt zu unseren Glinsten gesprochen, sondern auch mich jedesmal daran gehindert, weuli ich als Jude unsere Verhältnisse zur Sprache bringen wollte. Vor einigen Wochen kündigte ich Herrn Miljukow an. daß ich anläßlich der Besprechung des Budgets für das Ministeriilm des Aeußeru über die jüdischen Em i g r a n t e n sprechen möchte, denen unsere auswärtigen Konsulate auf ihren leidensreichen Wanderungen durch fremde Länder nicht den, jedem Staatsangehörigen sonst von den Organen desselben im Auslande znstehenden Schutz gewähren. Bei dieser Gelegenheit wollte ich von unserer Emigration überhaupt sprechen und von