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Die Wahrheit · 1908-05-29 · Heft 21 (29.5.1908) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 21 (29.5.1908)
Date
1908-05-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 21. Die Wahrheit Leite 5. Aber auch in anderen Humanitären und literarischen Vereinen entfaltete er eine eifrige und ehrenvolle Tätigkeit: im Schriftsteller- und. Journalisten-Verein „Concordia" und im Fachschriftstellerverein, in deren Verwaltung er sich betätigte, im „Verein zur Errichtung und Erhaltung der Ersten Wiener Suppen- und Tee-Anstalt", dessen Vizepräsident er lange Zeit war. Auch weit über die Grenzen Oesterreichs hinaus erstreckte sich seine Tätigkeit; es gab nahezu keine gemeinnützige, die Gesamtjudeuheit betreffende Aktion, die nicht an seine Mitwirkung appellierte und an der er nicht lebhaftesten Anteil nahm: so an der aus Anlaß der Vertreibung der Inden aus Rußland in den 80er Jahren, so am „Verein zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina" und am Palästinensischen Hilfsverein „Lemaan Zion", beide in Frankfurt a. M. Nicht verschwiegen darf auch seine langjährige Tätigkeit als Vorstand des Beth-Hamidrasch werden, den er nicht nur durch belehrende Vorträge, sondern auch durch moralische und materielle Förderung wirksam unterstützt hat. Als Beweis seines Einflusses und Vertrauens sei in diesem Zusammenhang auch daran erinnert, daß ein unbekannter Wohltäter durch ihn die nahmhafte Spende von 150.000 Gulden für die Errichtung eines jüdischen Kiuderspitales in Wien gewidmet hat. Das Bild, das hier in skizzenhafter Weife vom Wesen und Wirken Emannel Baumgartens 31t entwerfen versucht wurde, wäre unvollständig, wenn nicht auch wenigstens mit einigen Worten des schönen und innigen Familienlebens gedacht würde, das im Hause Baumgarteus herrschte, insbesoudere der edleu Frau, die im Sinne des Sprnchdichters gewaltet und ihrem Manne nicht nur Lebensgefährtin war, sondern auch eine ihm gleichgesinnte Seele besaß, die ihm bis an ihr vor einem Jahrzehnt erfolgten Ableben das vollste Verständnis für alles, was ihn berührte, entgegeubrachte und fein dem Gemeinwohl gewidmetes Wirken erst ermöglichte. Der zärtlichste Gatte und fürsorglichste Vater, besaß er auch die innige Liebe der Seinen, die ihn mit einer Hingebung hegten und pflegten, die seinen Lebensabend verschönten und verlängerten. Nun ist er eingegangen in die Eivigkeit und ein edles Herz hat zu schlagen aufgehört, aber jene, die ihm nahegestanden, und die Vielen, Pie einen Hauch seines Wesens verspürt haben, aber auch weit darüber hinaus Alle in Nah und Fern, die sein gemeinnütziges und literarisches Wirken 8ins ira et stndio und frei von kleinlichem Geist zu würdigen vermögen, werden ihm ein treues Andenken bewahren als einem Manne von reichen Gaben und von segensvoller Tätigkeit, von edlem und stets hilfbereiteu Sinne, als einem wahrhaft guten Menschen. Auch in der Wiener Gemeinde ist ihm ein treues Gedenken gesichert als der Besten einem, der im Rate der Gemeinde gesessen hat. Dafür werden seine Werke, dafür wird auch das Bild sorgen, das nach einem pietätsvollen Beschluß des Vorstandes den Sitzungssaal zieren soll: znm bleibenden Gedächtnis an den Verewigten und zur Nacheiferung für alle Folgenden. Rechmmgsabschlntz der Wiener Kttltnsgemeittde. In der Mittwoch, den 20. d. M., stattgehabten öffentlicheir Plenarsitzung des Knltusvorstandes wurde, wie bereits in voriger Nummer mitgeteilt, der Rechnungsabschluß pro 1907 vorgelegt, wobei das klar durchdachte, von großer Sachkenntnis und praktischem Blicke zeugende Referat des Referenten, Herrn Kultusvorsteher Max F r a n k, der nicht den gewöhnlichen Amtsschimmel ritt und im eigenen Sattel saß. allgemeine Anerkennung fand. An dieses Referat knüpfte sich, besonders nach den Ausführungen des Herrn Dr. Markus Spitze r, eine längere Debatte, - die viel lebhafter und umfangreicher wurde, als zu Beginn der erst nach langem Warten zur Beschlußfähigkeit gebrachten Sitzung angenommen werden durfte. Offenbar wird dem Gegenstände der Tagesordnung von einem großen Teile der Vorstandsmitglieder, die sich von der Sitzung absentierten, keine besondere Bedeutung beigelegt, und auch im Kreise der Gemeindemitglieder muß man demselben sehr geringes Interesse entgegeubringeu, denn die Oeffentlichkeit war nur durch die Vertreter der jüdischen Presse repräsentiert. Diese Teilnahmslosigkeit scheint uns keineswegs am Platze, denn gleich dem Voranschläge halten wir auch den Rechnungsabschluß für die passendste Gelegenheit, die Wirtschaft ans allen Gebieten des Gemeindelebens öffentlich zu beleuchten, und diese Gelegenheit sollte sich weder der Vorstand noch das Publikum entgehen lassen. Im Nachstehenden der Bericht: Vor Uebergang zur Tagesordnung hielt der Vorsitzende, Präsident Dr. Alfred Stern, dem kürzlich verstorbenen Schriftsteller, Herrn kaiserl. Rat Adolf Lichtblau, folgenden Nachruf: „Der Verblichene besaß eine große Arbeitskraft und Arbeitsfreude, reiche Erfahrnngen, eine liebenswürdige Persönlichkeit und har besonders als Obmann der Bezirkskommisfion für den IV. und V. Bezirk viel Ersprießliches in der Knltnsgemeinde geleistet. Es ist hier nicht die Aufgabe, seiner politischen und literarischen Tätigkeit zu gedenken, aber diese befähigte ihn zu einem weitausschauenden Blicke, und darum ist er wiederholt allen Bestrebungen, die unter Hintansetzung des Gesamnvohles auf Förderung der Interessen einzelner Bezirke abzielten, entschieden entgegengetreten. Dessen muß rühmend gedacht werden. Wir haben alle seine Tätigkeit zu schätzen gewußt und werden ihn in ehrendem Andenken behalten/' Von dem am selben Tage erfolgten Ableben des ehemaligen Vertreters, Herrn Emannel B a u m g a r t e u, machte der Vorsitzende folgende Mitteilung: „Vor wenigen Stunden ist Herr Emanuel Baumgarten dahingeschiedeu. ein Manu der lange Jahre als Vorsteher und Vertreter der Wiener Knltnsgemeinde. sowie als Mitglied des Bezirks- und Landesschulrates für die Interessen der Gemeinde, sowie auf anderen Gebieten gemeinnütziger Wiksamkeit in ausgezeichneter Weise tätig war. Wir bewahren dem Heimgegangenen teilnahmsvolles Gedenken." Die beiden Tranerknndgebnngen werden dem Sitzungs- Protokolle einverleibt. Weiters teilt der Vorsitzende mit, daß in dem Befinden des erkrankten II. Vizepräsidenten, Banrat Ritter v. Goldschmidt, eine erfreuliche Besserung eingetreten sei. und spricht dabei den Wunsch aus, daß es ihm baldigst vergönnt sein möge, an den Arbeiten und Beratungen des Knltusvorstandes wieder teilzunehmen. Nach Bekanntgabe des Spendeneinlanfes erhält Kultus- Vorsteher Max Frank das Wort zur Erstattung des Referates über den Rechnungsabschluß pro 1907, das bereits in der vorwöchentlichen Nummer dieses Blattes vollinhaltlich veröffentlicht wurde. In der hierauf folgenden Generaldebatte bemerkt zunächst I Vizepräsident Dr. Gustav K 0 h n. daß der Referent in seinen sonst allsgezeichneten Darstellungen über den Rechnungsabschluß eine leicht mißverstandene Behauptung aufgestellt habe, die einer Richtigstellung bedürfe. Der Referent habe nämlich gesagt, daß die Kosten des Spitals fast ein Drittel der gesamten Srenerleistnng ansmachen, während bei der Beurteilung betreffs der Opfer der Gemeinde für das Spital nur der Zuschuß, den dieselbe zu leisten habe, in Betracht kommen dürfe, und dieser belaufe sich faktisch ans ungefähr ein Siebentel des Budgets. Richtig sei allerdings, daß die Ausgaben für das Spital im abgelansenen Jahre gestiegen sind, und zwar infolge der größeren Zahl der Verpflegstage, der mannigfachen Anforderungen, die die Wissenschaft an die moderne Ausgestaltung des Spitales, wie Einrichtung eines Röntgen-Institutes rc. stellt, sowie infolge Verteuerung der Lebensmittel. Es ist auch nicht zu leugnen, daß einzelne Ersparungen möglich sind, aber darauf habe bereits der Obmann der Spitalskommission, Herr Wilhelm Kussner, bei Beratung des Rechnungsabschlusses im Vertrelerkolleginm hingewiefen nnd versprochen, diesbezügliche Anregungen in der Spitalskommission vorznbringen. Nachdem der Obmann der Kommission in der heutigen Sitzung nicht anwesend ist, habe

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