Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 20 (22.5.1908)
- Date
- 1908-05-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Die Wahrheit 'Ja. 20. einmal ein Kapital von K 1000 oder K 2000, so kann sie mit mit demselben, namentlich aus dem Lande oder in der kleineren Stadt, sich leicht eine neue Existenz gründen und ihre Kinder dadurch vor Not und Elend bewahren. Und gerade wenn eine Familie in jüngeren Jahren von dem Unglücke betroffen wird, daß ihr der Ernährer plötzlich abstirbt, da ist die einmalige Kapitalsleistung vom besonderem Borzuge. Einer jungen Witwe, die mit einigen kleinen Kindern zurückgeblieben ist, wird es in den meisten Fällen zu schwer, allein die große Last durchs Leben zu schleppen, mit X 1000 erwirbt sie aber schon ein namhaftes Heiratsgut, um eine Wiederverehelichung und hiemit eine Teilung der Lasten anzustreben. Ans diesem Grunde haben wir auch die einmaligen Abschlagszahlungen an die Witwen in die Be^xchnuug ausgenommen und ihr, vorausgesetzt der behördlichen Genehmigung, schon darum das Wort gesprochen, weil man die Gründung des Pensionsfondes nicht durch Ausbürdung allzugroßer Lasten erschweren darf. Es wird vielleicht manchem ungerecht erscheinen, daß nicht für alle Lebensalter eine gleichmäßige, einheitliche Prämie festgesetzt wurde, wodurch eine teilweise Entlastung der älteren Kräfte durch die jüngeren eingetreten wäre. Abgesehen davon, daß ein Pensionsstatut mit unbilliger Belastung der jüngeren Jahrgänge zugunsten der älteren die Genehmigung der hohen Regierung nicht fände, wäre dies für den Pensionsfond selbst nicht von Vorteil. Der Pensionssond tvird ja nicht nur für jetzt, sondern für alle Zeiten gegründet, und wenn derselbe eininal besteht, werden ihm ja zumeist jüngere Kräfte beitreten, da wir ja annehmeu müffen. daß jedermann, sobald er Knltusbeamler wird, durch Beitritt zu dem Pensionssonde auf möglichst billige Weise seine und seiner Angehörigen Zukunft wird sicherstellen wollen. Es handelt sich also nur um jene Berufsgenossen, die gegenwärtig die älteren Jahrgänge repräsentieren. Eine weitere allgemeine Frage ist die, ob es für den einzelnen Kultusbeamten nicht günstiger wäre, sich bei einer Versicherungsgesellschaft zu versichern, als dem Pensionssonde beizutreleu. Aus diese Frage müssen wir mit einem eutschiedeneti „Nein" antworten. Ein Einblick in die Prämientabellen der bedeutendsten Versicherungsgesellschaften lehrte uns. daß ein Kultnsbeamter, um sich bei einer Privatgesellschaft das zu sichern, was ihm von dem projektierten Pensionssonde geboten wird, unbedingt eine höhere Prämie zu zahlen hätte. Und ganz dasselbe gilt auch von dem allgemeinen staatlichen Pensionsinstitute, das übrigens in allen Berufssphären starken Widerspruch findet. Und noch Eines: der Vertrag mit einer Gesellschaft erlischt mit dem Leben des Versicherten, resp. mit der Auszahlung der Prämie; wer aber dem Pensionssonde Beitritt, sorgt nicht nur für seine eigene Zukunft, sondern nimmt zugleich Anteil an der Gründung einer Institution, die für ewige Zeiten der Berufsgenossenschaft zum Segen gereichen soll und sicher geeignet ist, das Ansehen des Kullusbeamtenstandes durch Verbesserung der materiellen Grundlagen desselben zu heben. Und nun zu der letzten und wichtigsten Frage: Ist es auf Grund der angestellten Berechnungen möglich, durch vereintes Zusammenwirken der Gemeinden und Kulmsbeamten einen Pensionssond zu gründen? Diese Frage ist unzweifelhast zu bejahen. und in Anbetracht des Umstandes, daß für beide Teile die Pensionsfürsorge obligatorisch ist, erscheint die Errichtung einer eigenen Pensionskasse der jüdischen Kultusbeamten, resp. die zu diesem Zwecke auf dem Gemeiudetage angeregte Gründung eines Reichsverbandes der Kultusgemeinden als die natürlichste und glücklichste Lösung der Pensionsfrage. Es bedarf hiezu auch keineswegs, wie vielfach irrtümlich angenommen wird, eines großen Fondes. Ein solcher würde allerdings, besonders zur Entlastung kleinerer Gemeinden und deren Beamten, gute Dienste leisten, ist aber nicht absolut notwendig. Unbedingte Voraussetzung für die Errichtung einer Penfionskassa ist nur die nötige Anzahl von Mitgliedern, und da bei der in den vorstehenden Berechnungen gedachten Pensionskassa von der Regierung die Mindestzahl mit 200 augesetzt wurde, so wäre auch dieses Ziel, bei einigem Willen und Verständnis der Gemeinden und Kultusbeamten, nicht schwer zu erreichen. —ly.— Rechmmgsabschlntz der Wiener Knllnsgemeinde, In der Mittwoch, den 20. d. M. V26 Uhr abends stattgehabten öffentlichen Plenarsitzung, über derer: Verlauf wir in nächster Nummer noch ausführlicher berichten werden, wurde der Rechnungsabschluß über das Jahr 1907, der Gesamteinnahmen von X 2,645.677-70 und Gesamtausgaben von X 2,578.150 77 (K 2,433.027 83 ordentl. und X 145.122 94 außerordl. Ausgaben) ausweist, vorgelegt. Der Referent, Herr Max Fr an k, knüpfte an die Vorlage folgende einleitende Bemerkungen: ..Ich beehre mich, Ihnen hiemit den Bericht über den Rechnungsabschluß für das Jahr 1907 vorzulegen, der mit einem Gebaritngsüberschuß von X 67.526 schließt. Der Voranschlag für das gleiche Verwaltungsjahr hatte einen Fehlbetrag von K 122.138 vorgesehen und so könnte denn auf den ersten Blick die Meinung anskommen, als ob hier ein besonders günstiges und für die Zukunft vielversprechendes Ergebnis vorläge. Ein detailiertes Studium der einzelnen Einnahme- .und Ansgabeposten, wie sie nun in endgiltiger Gestalt vorliegen, zeigt jedoch, daß nur der Entfall in Aussicht genommener größerer Ausgaben und Verschiebung solcher auf die folgenden Rechnungsabschluß- Jahre, nicht in letzter Linie zufällige Erhöhung der Einnahmen, deren Wiederkehr nicht regelmäßig zu erwarten ist, das befürchtete Defizit gebannt haben, allerdings ohne die Voraussicht, dies auch für das Jahr 1908 zu bewirken. Von allgemeinem Interesse dürfte es sein, daß, während die Gesamteinnahmen um den Betrag von X 36.600 gegen das Jahr 1906 gewachsen sind, die Gesamtausgaben, ganz abgesehen von der Gehaltsregulierung, eine Steigerung von zirka X 74.000 aufweisen. Es ist also das Plus der Einnahmen gegen das Anwachsen der Ausgaben um X 37.000 zurückgeblieben, welche Tatsache allein schon geeignet erscheint, allzu sanguinische Hoffnungen im Keime zu ersticken. Hiezu kommen noch die zirka X 57.000, welche die Gehaltsregulierung unseres Beamtenkörpers erfordert und die naturgemäß eine weitere ständige Belastung unserer Leistungen därstellt. Drei große Posten sind es hauptsächlich, denen das Schwinden des Defizits zu danken ist und deren Anführung genügt, um zit zeigen, daß wir es hier mit zufälligen Ergebnissen zu tun haben. Mit anderen Worten, wären diese Posten budgetmäßig ztir Verwendung gelangt, so wäre der Gebarungsüberschnß bereits in einen Fehlbetrag verwandelt. Es sind dies X 60.000, die als Ausgabe für den Tempelverein IV. V. Bezirk präliminiert, aber als Darlehen gegeben wurden und deshalb derzeit noch als Aktiva figurieren. Ferner X 12.000 für bauliche Herstellungen in der Mikwah, deren Inanspruchnahme und Auszahlung ans bekannten Gründen unterblieb, und endlich als reine Zufallspost eine Mehreinnahme von X 24.000 von zahlenden Kranken in unserem Spital gegen die budgetierte Einstellung. Gestatten Sie mir bei dieser Gelegenheit bei der Post „Spital", von der ich eben sprach, einige Zeit zu verweilen. Die ordentlichen Ausgaben dieses Kapitels weisen, abgesehen von den Gehaltserhöhungen per X 7000.—, eine Steigerung von ca.- X 27.000.— gegen das vorhergehende Jahr ans. Ich brauche nicht erst zu betonen und kann mich dabei einfach auf meine diesbezüglichen Ausführungen anlässlich der Vorlage des Budgets per 1908 beziehen, daß ich voll und ganz die segensreiche Wirksamkeit dieser unserer Institution ebenso anerkenne, wie die Verpflichtung der Gemeinde, was in ihren Kräften steht, zu tun. Die angeführten Ziffern aber gehen bereits über unsere Kräfte, bedenken Sie doch m. H., daß die Gesammlkosteu des Spitales im Jahre 1907 nicht weniger als nahezu ein Drittel jenes Betrages erreichen, welchen wir unseren Gemeindemitgliedern als Steuer auferlegen, und mehr als das Dreifachedes Einganges, ans dem-zu diesem Zwecke bestehenden Stiftungen und Widmungen. Ich wiederhole und betone, es liegt mir vollständig ferne, etwa eine Sparsamkeit auf Kosten armer Kranker befürworten zu wollen, aber die unausgesetzte, unsere Leistungsfähigkeit schon weit übersteigende Erhöhung der Bedürfnisse legt uns die Verpflichtung auf, endlich einmal auch kaufmännisch zu rechnen. Es müssen eben Mittel und Wege gefunden werden, das Präliminare ein-