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Die Wahrheit · 1908-05-22 · Heft 20 (22.5.1908) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 20 (22.5.1908)
Date
1908-05-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Die Wahrheit Seite 5. Nr. 20. zühalten, wie es ja auch-bei den staatlichen Krankenhäusern der Fall ist, die weitaus nicht so generös dotiert werden, wie unser Spital, und es darf absolut nicht mehr Vorkommen, daß man uns einfach vor vollendete Tatsachen stellt, die das Budgetrecht des Plenums einfach illusorisch machen. — Es ist einer der Hauptzwecke eines Budgets dadurch den einzelnen Ressorts mitzuteilen, welche Höchstbeträge ihnen aus den Gesammtmitteln zur Verfügung gestellt werden können, und die sichere Annahme ist dabei, daß dieses Maximum durch weise Sparsamkeit nicht erreicht werden wird. Für die meisten Kapitel trifft dies ja auch zu. Wenn dies bei dem Krankenhaus nicht der Fall ist, so ist dort, obgleich ich den Einfluß der im Budget nicht vorhergeseheuen Steigerung der Lebensmittelpreise vollkommen würdige, wie es scheint nicht nur ein Mangel an Sparsamkeit im allgemeinen, sondern hauptsächlich auch der Mangel an Rücksicht für die durch das Budget gezogenen Grenzen. Alle diese angeführten Tatsachen, die eine objektive Darstellung unserer Gemeindewirtschast zu bringen versuchen, werden Ihnen m. H. die Ueberzeugnug gegeben haben, wie unbedingt notwendig es ist, ernstlich an die Erschließung neuer Einnahmsqnellen zu denken, wenn wir weiterhin den an uns gestellten immer größer werdenden Anforderungen genügen sollen. Ich habe mir in dem Budgetreferat erlaubt, Jhuen diesbezüglich eine Reihe von Anregungen zu unterbeiten. Man hat bisher nicht die Zeit gefunden, diesen Anregungen zu folgen oder sie durch bessere zu ersetzen. Und doch, ich wiederhole, werden' wir uns ans die Dauer dieser Aufgabe nicht entziehen können, wenn wir nicht zu dem mit Recht auch bei uns selbst unbeliebten Mittel der Erhöhung der Steuer greifen wollen. Und dabet harren nufer in naher Zukunft weitere größere Aufgaben, denn nur Scheu vor Initiative kann ich es nennen, wenn wir zwar alle tiesinuerlich überzeugt sind, daß die baulichen Verhältnisse unseres Amtshauses für die Dauer ja doch unhaltbar sind und wir uns trotzdem nicht dazu aufschwingen können, endlich einmal ein unserer Gemeinde würdiges Gebäude zu errichten, das uns vor den Augen der gesamten Bevölkerung in der Stadt würdiger repräsentieren würde, als es heute der Fall ist, und welches schon äußerlich zum Ausdruck bringen müßte, daß die Wiener Judenschaft, mit ihren fast 180.000 Seelen ein Faktor ist, mit dem man rechnen muß. Eine Reihe größerer und kleinerer Provinzstädte sind nach dieser Richtung der größten Gemeinde des Reiches weit voransgeeilt mit» es wäre tief betrübend, wenn wir auch noch aus anderen Gebieten unsere führende Stellung verlieren würden. Dies zu verhindern nicht nur im Interesse unserer Gemeinde allein, sondern in dem der gesamten Judenschaft des Reiches muß unser stetes Streben sein. Bevor ich schließe, muß ich noch für die anerkennenswerten Leistungen unserer Buchhaltung und ihres Amtsleiters Herrn Rusi unseren allerbesten Dank aussprechen und bitte Sie gleichzeitig den Rechnungsabschluß zur Kenntnis zu nehmen." Kehrplan-Gntwnrs für den ijraet. Religionsunterricht an den Uolksnnd Kiirgerschnlen in Wien. Der Vorstand der israel. Kultusgemeinde in Wien veröffentlicht hiermit in Ausführung eitles Plenarbeschlusses den Entwurf eines neuen Lehrplanes für den Religionsunterricht an den Volks- und Bürgerschulen zu dem Zwecke, daß den sich für denselben interessierenden Kreisen (Eltern und Fachmännern) Einblick in denselben geboten und die Gründe für die Ausarbeitung dieses Entwurfes dargelegt werden. Schon im Jahre 1900 trat der Vorstand an die Konferenz der Religionslehrer an den Volks- und Bürgerschulen mit der Aufforderung heran, einen Lehrplan, gestützt auf die gewonnene Erfahrung, auszuarbeiten. Der ans dieser Körperschaft gewählte Ausschuß und das hiezu bestimmte Komitee haben ihr Bestes getan, um die mit großen Schwierigkeiten verbimdene Aufgabe auf Grundlage des alten Lehrplanes zu lösen. Alleiil der so ins Leben gerufene Lehrplan zeigte, bei vielen Vorzügen, mancherlei Mängel. Es wurde nämlich das praktische Moment weniger berücksichtigt, so daß die israel. Schuljugend die Vertrautheit mit dem Gebetbuche und der Liturgie nicht in jenem Maße erlangen konnte, das zur Teilnahme derselben an dem öffentlichen Gottesdienste unbedingt notwendig, aber bei der geringen wöchentlichen Stundenzahl sehr schwer zu erreichen ist. Wenn auch nicht zur gänzlichen Behebung dieser Schwierigkeit, so doch zur möglichen Verminderung derselben, hält der Vorstand den gegenwärtigen Zeitpunkt umso geeigneter, als auch das hohe k. k. Ministerium flir Kultus und Unterricht, einen neuen Lehrplan für Bürgerschulen herausgegeben hat. Wie der nunmehr in Kraft getretene Normal-Lehrplan des k. k. Ministeriums geht auch der vorliegende Lehrplan-Entwurf von dem Gesichtspunkte ans, daß den Anforderungen des praktischen Lebens mehr Rechnung getragen werden müsse. Der pädagogische Grundsatz, daß Lehre und Uebung Hand in Hand gehen müssen, gilt, wie bei jeder Disziplin, auch beim Religionsunterrichte, zumal iubeztlg aus die anzubahnende Teilnahmssühigkeil der Jugend am öffentlichen Gottesdienste. Daher strebt der vorliegende Entwurf in erster Linie an, daß die israel. Schüler schon in der Volksschule die technischen Schwierigkeiten im Hebräischlesen überwinden sollen, so daß der Bürgerschule eine breitere Basis für den Unterricht in der jüdischen Geschichte und den Bibelnnterricht im Urtexte (für Knaben), in der deutschen Bibellektüre (für Mädchen) geschaffen werde. Damit aber auch das notwendige Verständnis für die Liturgie angebahnt werde, müssen zunächst schon von der dritten Klasse der Volksschule angefangen, die wichtigeren Gebelstücke nach Maßgabe der Aufuahmsfähigkeit der Schüler übersetzt, bis zur Vertrautheit mit denselben eingeübt, und von Klasse zur Klasse fortschreitend, bei steter Wiederholung der bereits in den vorangehenden Klassen übersetzten Gebete, diese zum geistigen Eigentume der Schüler gemacht werden. Da beim Religionsunterrichte das erziehliche und gemütbildende Moment in den Vordergrund zu treten hat, müssen auch der Geschichtsunterricht, die deutsche Bibellektüre, die Religions- und Pflichten lehre sorgfältig behandelt werden. Bei der Behandlung des Geschichtsunterrichtes soll insoferne eine Aenderung eintreren, daß au Stelle der systematischen Geschichte die Vorführung von Geschichtsbildern gewählt werde. Diese haben den Vorzug, daß sie mit Hinweglassung des Nebensächlichen, nach allen Seilen abgegrenzt und in sich geschloffen, auf das kindliche Gemüt besser einzuwirken vermögen. Wenn dann die Hanptfaktoren der Erziehung, nämlich Elternhaus, Lehrer und Schule, einträchtig Zusammenwirken, dann ist wohl der erwünschte Erfolg zu erhoffen. Die Heranwachsende Jugend wird nicht nur in ihrem religiösen Empfinden einen festen und sicheren Halt für den späteren Kampf im Leben besitzeti, sondern sie wird sich auch durch Glaubenstreue und Hingebung für die angestammte Religion als eine feste und sichere Stütze des Judentums bewähren. .A.. Volksschulen für Knaben. Er st e K l a s s e. a) Erzählungen aus der biblischeu Geschichte: 1. Schöpfungsgeschichte (Schabbos). 2. Adam und Eva. 3. Kain und Abel. 4. Noa—Sintflut. 5. Abraham (Berufung, Friedensliebe, Tapferkeit, Gastfreundlichkeit). b) Hebrüisch-Lesen: Nach dem II. Quartal ungefähr die Hälfte der in der eingeführten Fibel enthaltenen Buchftaben-Uebungen. c) Uebersetzen und Memorieren: Schema bis Echod. Zweite Klas f e. a) Erzählungen aus der biblischen Geschichte: Wiederholungen der für die I. Klasse vorgeschriebenen Erzählungen und Fortführung der Geschichte Abrahams (Uneigennützigkeit, Menschenliebe, Sarahs Tod, Jsak). b) Hebräisch-Lesen: Bis zum Ende des Hl. Quartales vollständige Kenntnis aller Buchstaben mit einschlägigen Lese-Uebungen. Von da ab Lesen in der Fibel: „Schema“ bis „uwischorecho“, Tischnnd Nachtgebet je ein Absatz.

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