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Die Wahrheit · 1908-05-15 · Heft 19 (15.5.1908) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 19 (15.5.1908)
Date
1908-05-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 19. Die Wahrheit Seite 5. Tabelle II. Jährliche Prämie für Witwen-Peusioueu. Die Witwen-Peusion ist eine fixe und wird jederzeit, mag das Ableben des Mannes wann immer erfolgen, mit 40°/g der Maxmial-Pensivn des Mannes berechnet, d. i. von je 100 X Invaliditäts-Pension 40 X Witwen-Pensiou. Bei der nachstehenden Tabelle, welche für eine Witwen- Pension von 40 X berechnet ist, wird eine durchschnittliche Altersdifferenz von 5 Jahren zwischen Mann und Frau angenommen. Beitrittsalter j des Mauues!Jährl. Prämie zur Kassa | Beltratsalrer des Mannes zur Kassa Jährl. Prämie 25 K 7-08 38 K 9-70 26 7-19 39 9-95 27 7-33 40 10-22! 28 7-49 41 10-49 29 7-66 42 10-77 30 7-84 43 1107 31 8-05 44 11-38 32 8-26 45 1170 33 8-48 46 12 04 34 8-71 47 12-39 35 8-95 48 12-75 36 9.19! 49 18 11 37 9.44 50 13.47 Eine Witweu-Pensiou von 80, 120. 160, 200, 240, 320, 400 X bedingt eine 2-, 3-, 4-, 5-, 6-, 8-, 10-sache Steigerung der obigen Prämie. Tabelle IN. Vierteljährige Prämie für einen einmaligen Witwenbeitrag von 1000 X, zahlbar nach dem wann immer erfolgenden Ableben des Mannes. Beitritrsalter zur Kassa i Vierteljährige Prämie Beirrittsalter zur Kassa Vierteljährige Prämie 25 K 3-82 38 K 6-02 26 3-94 39 6-26 27 4-06 40 6 50 28 4-18 41 6-76 29 4-34 42 7-04 30 4-48 43 7-32 31 4-64 44 7-64 32 4-84 45 7-96 33 5 - 46 8-30 34 5-18 47 8-66 35 5-38 48 9-04 36 5-58 49 9-46 37 5 -80 50 9-88 Bei einem Witwenbeitrage von 2000 X muß die obige Prämie verdoppelt werden. —ly.— (Ein weiterer Artikel folgt.) Gin Uorjchtag;ur Kinderbekleidung. Es ist eine bekannte Tatsache, daß der mangelnde Konnex zwischen den zahlreichen Kinderbekleidungs-Vereinen in Wien oft mißbraucht wird, nnd nicht selten kommt es vor, daß trotz der Einführung der Schnlbekleidungsbögen einzelne Kinder doppelt beteilt werden und dadllrch andere, die es viel nötiger brauchten, verkürzen. Um diesem Uebelstande, der jüngst auch in einer Kommisslonssitzung des Wiener Kultnsvorstandes besprochen lvurde, entgegenzmvirken, wurde von fachkundiger Seite folgende Anregung gegeben: Die Doppelbeteilung eines Kindes wäre intu in der Weife zu vermeiden, wenn das Kind, das einen Schulbekleidungsbogen erhalten bat. verpflichtet wäre, den Bogen dem Direktor zu retonniren. Allenfalls müßte der Direktor ein alphabetisch geordnetes Vormerkbuch haben, um bei Nachfragen Auskunft geben zu können: 1.) wann das Kind den Bogen erhalten; 2.) für welchen Verein es diesen benötigt; 3.) welche Erledigung vorgemerkt ist. Diese Anregung könnte im Wege vorläufig den Direktoren der Schulen des II., IX. und XX. Bezirkes gegeben werden. Eine Beteilung ohne Schulbogen sollte in keinem Falle, auch wenn die beachtenswerteste Protektion vorliegt, erfolgen. Das leben nnd Wirken der Inden in Oesterreich in normär;lichen Zeilen. Ein Beitrag zur Kulturnud Sittengeschichte. Von Dr. M. H. Friedländer. Einleitendes. Trotz des unsäglich schweren Druckes, unter dem unsere Ahnen Jahrhunderte lang seufzten. trotz der Ausnahmsgesetze, die sie lief zu Boden drückten, herrschte doch in den Gemeinden und besonders in den engeren Kreisen der Familien am Sabbatbe wie an den hohen Festen innige ungetrübte Freude, Frohsinn und Zufriedenheit. Liebe, Freundschaft, brüderliche Teilnahme, Gemütlichkeit und Geselligkeit bildeten die schönstetl Blumen in dem Kranze der Tugeirden, der die Juden in vornrarzlicher Zeit schmückte. Mit dem Momente aber, als die Mauern des Ghetto gefallen nnd die Strahlen der Sonne der sogenannten „Freiheit" auch in die Wohnungen der Söhne Israels zu dringen vermochten, ist die wahre, innige, ungetrübte Freude, nnd somit auch die Zufriedenheit aus Israels Gemeinden nnd Familien geschwunden. Wie, höre ich erstaunt ansrufen, unsere Väter waren glücklicher als wir? Bildeten sie nicht unausgesetzt den Gegenstand des Hasses und der Verachtung? War es ihnen überhaupt gestaltet, ein menschenwürdiges Dasein zu fristen? Dursten sie in die große Gesellschaft kommen? Wurden sie nicht verfolgt nnd bedrückt, geächtet nnd geknechtet? Wie kannst du es also wagen, zu behaupten, daß sie glücklicher gelebt haben, als wir? Sollen wir uns etwa nach dem alten Ghetto sehnen und jede Freiheit perhorreszieren? Tn wirst doch hoffentlich nicht Die Zeit der Reaktion heranfbeschwören wollen? Gewiß nicht! Die Freiheit ist nnslreirig das kostbarste Kleinod der Menschheit im allgemeinen nnd Israels insbesondere. Ich bin für die persönliche Freiheit, für Gedankenfreiheit, Redefreiheit und Glaubensfreiheit so erglüht, wie jeder andere Sohn meines Stammes. Die echten urid rechten Vorkämpfer für Freiheit, sagen unsere Weisen, sind diejenigen, die ihre Zeit nnd Kraft ausschließlich dem Studium der Wissenschaft, besonders der religiösen Wissenschaft widmen. Eu loch ben elo ini scheosek betalmud Thora. (Sprüche der Väter. 6.) Allein trotz meiner Freiheitsliebe kann ich es nicht unterlassen, die Wahrheit laut nnd vernehmlich zu verkünden, und wahr ist es, daß wir lange nicht die innige, ungetrübte Herzensfreude empfinden, die unsere Väter, besonders am Sabbath und an den Festen im Kreise ihrer Angehörigen empfunden haben. Die Hand auss Herz! Empfindet der moderne Jude, selbst der höchstgeftellte und angesehenste, draußen in der großen Gesellschaft die innige, wahre ungetrübte Freude, die unsere Väter im Ghetto empfunden haben? Kommt man ihm nicht trotz aller Liebenswürdigkeit und Ehrerbietung kühl bis ans Herz hinan entgegen? Läßt man es ihm nicht fühlen, daß man ihn nur äußerlich achte? Muß es ihm, wenn er noch einigermaßen jüdisch fühlt, nicht die Schamröte in die Wangen treiben, so man ihm sagt: Tu bist eine Ausnahme, wären alle deine Glaubens- und Stammesgenossen so wie du, so würden wir sie ebenfalls achten. Und da will man behaupten, daß wir glücklicher sind, als unsere Väter es waren? Nein und abermals nein. Wir empfinden lange nicht die ungetrübte Herzensfreude, die unsere Väter au ihren Sabbalhen und Festen empfunden haben. Die Freude, die der Jude früherer Zeiten empfand, war mehr eine höhere, ideale, weniger eine materielle und sinnliche. Der alte Jude freute sich in Gott und mir Gott. Der Glaube an das Dasein Gottes, des Einig-Einzigen, hatte feste Wurzel in seinem Herzen gefaßt, und weil er fest nnd unerschütterlich an Gott glaubte, war er auch dem Glauben der Väter mit allen Fasern seines Lebens treu anhänglich und stets bestrebt, das Wort Gottes, das ihm heilig war, die religiösen Satzungen und Vorschriften streng zu beobachten. Seine ganze Lebensweise war eine religiöse; er bewegte sich immer auf dem Boden des „Gesetzes", von dem er unter keinen Umständen abzulenken es gewagt hätte. Wie gesagt, er lebte und wirkte im Sinne und im Geiste der Religion und daher zeichnete er sich durch Fleiß. Redlichkeit, Herzensgüte und sonstige Tugenden aus. 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