Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 18 (8.5.1908)
- Date
- 1908-05-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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©eite 8. Die Wahrheit Nr. 18. Wien. (I ü d i s ch e r B ü r g e r v e r e i n „I t o" i n W i e n XV.) Am 29. April d. I. setzte der Verein seine Vorträge über die Lage der Juden fort, indem der rühmlichst bekannte Sekretär der Wiener „Israel. Allianz", Dr. Armand K a m i n k a, im Saale des „Cafe Mariahilf" vor einer aufmerksamen Hörerschar über „D ichtung und Wahrheit in der jüdischen E m i g r a t i o n" sprach. Auf Grund einer großen Statistik suchte der Vortragende eine Auffassung der jüdischen Emigration zu geben, die von der althergebrachten wesentlich abwich. Er sucht die Ursachen der Emigration weniger in den politischen Verhältnissen als in volkswirtschaftlichen und hält speziell die jüdische nicht für so groß, wenn man sie mit der anderer Nationen vergleicht. Sie bedeutet ferner den Erwerb neuen Wohlstandes durch unbemittelte Menschen. Auch moralisch stärke sie die ganze Judenheil, denn in den neuen Aufenthaltsorten werde der jüdische Linn gepflegt. Es sei schwierig, die Emigration zu regeln, weil sich einem solchen Vorhaben das egoistische Jnteresie der Auswanderer enlgegenstelle. Diese frappierenden Thesen des Vortragenden verdienen noch eine kritische Beleuchtung, sobald der ganze Vortrag des Herrn Dr. Kaminka, wie wir wünschen, gedruckt vorliegt. Wien. (Jüdischer Verein „E i n h e i t".) Dieser Verein hielt am Sonniag die 2. ordentliche Generalversammlung in der Vereinsrestaurarion. Der zavlreiche Besuch und die lebhafte Diskussion zeigte von der warmen Teilnahme der Mitglieder. Nach dem Rechenschaftsbericht wurden vom 15. September 1906 bis 31. Dezember 1907 180.000 Mahlzeiten verabreicht. Ein Mittagmahl kostet 40 Heller, ein Nachtmahl 30 Heller. Der größte Teil der Konsumenten hatte bei der Gründung dieser streng rituellen Küche, die inner Aufsicht Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner Fürst siehr, von Brot gelebt. Der Erlös betrug X 38.370 07. die Ausgaben für Lebensmittel 66.349 30. Regie X 10.276'17, so daß nach Abzug der Beiträge und Spenden per X 3628-14 ein Abgang von rund X 4200 resultiert, dessen Deckung die Aufgabe des lanseudeii Jahres ist. Die Restauration ist eine Notwendigkeit, ihre Führung allgemein beliebt und es ist nötig, daß unsere Glaubensgenossen bei jeder Gelegenheit des Vereines gedenken, seinen Statuten entsprechend geht der Verein an die Gründung eines Emigrationsbureaus zum Schutze und Beistand der Auswanderer, wozu die behördliche Genehmigung erteilt wurde. Auch hier wird der Verein ohne irgend jemanden zu Liebe oder zu Leide nur das Jnteresie der Arnieu und Hilfesuchenden fördern. Herr H o f b a u e r präsidierte anstatt des Obniannes Herrn S. Weisel; dieser resignierte wegen seines Alters und Gesundheitszustandes, was in Würdigung der Gründe bedauernd zur Kenntnis genommen wurde. Herrn Weisel wurde in Würdigung seiner Verdienste um den Verein (dem er neuerdings einen Jahresbeitrag von X 50 widmet) zum e r st e u Ehrenmitg l i e b e desselben erklärt. Die Generalversammlung votiert allen Spendern den Dank speziell Herrn Aron Weil, der zu jeder Zeit der Küche gedenkt. Den Vorstandsmitgliedern H o s b a u e r, F e l s e n b u r g, K a n i g e l, K o n e st und P a p p e n h e i m wurde besondere Anerkennung ausgedrückt. Bei den Wahlen wurden mit Akklamation gewählt: Obmann Herr B. Hofbauer (I., Tuchlanben 20, an den Zuschriften und Sendungen zu richten sind), I. Stellvertreter Moritz F e l s e n b n r g, H. Direktor Dr. Spreu berge r, IT. Schriftführer Dr: D. R ybae z e w s k i, I. Kassier Fritz Fische r, II. Kassier A. Klei n, Vorsteher Nathan Schiff, Adolf Schwa m m, G. H o f b a u e r. Die 'Restauration (IL, Floßgasse 9) ist im höchsten Grade der Förderung wert und steht zu hoffen, daß das Emigrationsbureau nicht minder segensreich wirken wird. Wien. <Ä d a ß I i s r o e l.) Am 19. April fand die Prüfung an der Privat-Religionsschule dieses Vereines unter Leitung Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner F ü r st statt. Erschienen waren : Herr Kultusvorsteher Dr. Alfred Berger und Dr. Markus S p i tz e r in Vertretung des Vorstandes, Herr Schulinspektor Profesior M. Kanitz, Herr Ortsschulrat Professor M. Autscherl, Vorsteher des Talmud Thoravereines Herr Simon B u ch w a l d, vom Vorstände der Schule Herren H. B o u d i und M. Neu in a n lt sowie zahlreiche Eltern der Schüler. Die Prüfungsresultate waren vorzüglich, wie man dies an dieser Schule seit Jahren gewöhnt ist. Die Meisterleistuiigen des bewährten Pädagogen Herrn N. D. Oesterreicher, der von Herrn Wilhelm Brau n bestens sekundiert wird, sind in den Kreisen, die sich für Religionsunterricht interessieren derniaßen bekannt, daß nur zu wünschen ist, es mögen viele solcher Anstalten entstehen. Die Liebe, mit der die Lehrer ihrem Berufe obliegen, teilt sich an dieser Schule auch den Schülern mit, was zu einem harmonischen äußerst gedeihlichen Wirken führt. Herr Profesior K a n i tz. der diese Schule mit besonderem Wohlwollen überwacht, gab der Anerkennung für die Lehrer in wärmster Weise Ausdruck. Herr Lbmanu N e u m a n n dankte Herrn Rabbiner Fürst für die unendliche Mühe und Sorgfalt, die er der Schule zuwendet und alle Anwesenden schieden mit der Anerkennung, daß hier Wertvolles für die Erhaltung des Judentums geleistet wird. Die Schule befindet sich in den vom Talmud Thora-Schulverein freundlichst zur Verfügung gestellten Lokalitäten II., Malzgasie 16. Dux. (T e in p e l b a u v e r e i n.) Am 12. April 1908. um l/,3 Uhr nachmittags, fand im Vereinsjaale des Sradthotels in Dux die erste Generalversammlung des Tempelbauvereines statt. Der Verein zählt gegenwärtig 67 Mitglieder, von denen die meisten anwesend waren. Nach Verlesung des Protokolles der konstituierenden Versammlung vom 30. Juni 1907 und Bericht über die Ausführung der in derselben gefaßten Beschlüsse, folgte em im. restanter Jahresbericht vom Obmanne Dr. G. W eis; derselbe wurde beifälligst ausgenommen und durch den ausführlichen Tätigkeitsbericht. dessen Inhalt bereits in diesen Blättern veröffentlicht, war, seitens des Schriftführers Religionslehrer M. Mandl ergänzt. Einen ausführlichen Kasiaberichi erstattete der Kassier M. Pollak und nach dem Berichte der Revisoren S. Weinberg und W. L ö w i t erfolgte die Erteilung des Absolutoriuins. Die Abwicklung der weiteren im Programmefestgesetzten Punkte erfolgte unter reger Teilnahme der erschienenen Mitglieder, doch unterblieb der beabsichtigte Vortrag bis zu einem späteren Zeitpunkte. Zum Schluffe drückte der rührige und für jüdische Angelegenheiten sich besonders interessierende Tempelvorsteher M. F r e u d dem Vereinsvorstande den besten Dank aller Anwesenden aus und ermahnte zum Frieden und zur Einigkeit im Vereine. M. M. Budapest Dieser Tage haben wir einen braven Mann zu Grabe getragen. Es war dies der allgemein geachtete Herr Heinrich Adler, Begründer und Seniorchef der einst bestakkreditierten Holz-Großhandlungsfirma Brüder Ad l er. Der nunmehr Verewigte wurde am 12. April d.I. 70 Jahre alt. Sein 70. Lebensjahr konnte er jedoch nicht mehr feiern, da ihn ein überaus schweres Leiden aufs Schmerzenslager festhielt, von dem ihn nun der Tod erlöste. Heinrich Adler gehörte dem Repräsentantenkörper unserer Großgemeinde, sowie unserer Chewra Kadischa durch viele Jahrzehnte an. Er war als Kaufmann beliebt, als Mensch geschätzt und als Jude hochgeachtet. Adler erklomm die lichten Höhen des Glückes, wandelte aber gar oft in den finsteren Niederungen menschlichen Ungemachs. So lebte er ein äußerst wechselvolles Leben, das ihm gar oft zur Last geworden, er ließ sich jedoch vom Mißgeschick nicht niederbeugen und ertrug gottergeben alldas, was über ihn in so reichem Maße heranstürmte. Uni den Seligentschlafenen trauert seine gramerfüllte Witwe, die ihm vier Jahrzehnte hindurch eine Mustergattin gewesen und Freud und Leid redlich mit ihm geteilt. Außer den Kindern und den Enkeln beweint ihn sein einziger Bruder, Herr Ludwig Adle r, Kultuschef der Pcster isr. Religionsgemeinde, sowie ein großer Verwandten- und Freundeskreis. — In der Zeremonienhalle des isr. Gräberfeldes verrichtete Oberkantor Prof. Adolf Lazarus ein stimmungsvolles „XI rnols rao1ik>,rrnir>"-Gebet, und vordem offenen Grabe hielt Rabb. Dr. Moriz W e i s z einen ergreifenden Nachrnfl Frau Franz Popper geborene Anna A b e l e s, eine der besten und vornehmsten Frauen der hauptstädtischen Judenheit, ist ini Patriarchenalter von 102 Jahren sanft verschieden. Sie war kinderlos, doch die Zöglinge des isr. Mädchenwaisenhauses und des isr. Knabenwaisenhauses, welche trauernd ihre schlichte Bahre umstanden, bekundeten, daß sie eine kinderreiche Mutter gewesen. Oberkantor Prof. Adolf Lazarus besorgte unter Assistenz des verstärkten Tempelchores die Trauerzeremonie, worauf Oberrabbiner Dr. Samuel K o h n die hehren Tugenden und den reichen Wohltätigkeitssinn dieser seltenen Frau in beredten Worten pries. Sodann überführte der vierspännige Galaleichenwagen die Ueberreste der ältesten Frau unserer Haupt- und Residenzstadt nach dem Kerepeser isr. Gottesacker, allwo dieselben zur ewigen Ruhe gebracht wurden. D. H. S. Jüdische Kolonialbank. Wie aus London gemeldet wird, ist die jüdische Kolonialbank niit ihrem Ansuchen um Aendernng der Statuten von dem zuständigen Londoner Gerichte kostenpflichtig abgewiesen worden. Kingesendet. . Löbliche Nedaktion! Im wohlverstandenen jüdischen Interesse ersuchen wir um gefällige Ausnahme nachfolgender Zeilen in Ihr geschätztes Organ, im Vorhinein für dieselbe dankend. Jüdisches Volk! Die so lang ersehnte Einigung in der österreichischen Judenheit ist in der Kreierung des Gemeindebundes am 28. April d. I. (Wien) zur herzerhebenden Tatsache' geworden. Unser hartbedrängtes Volk ist nicht mehr verwaist. Es setzt nunmehr eine neue Aera ein — der gemeinsamen Arbeit behufs Wahrung, Vertretung und Verteidigung unserer vitalen Interessen. Diesem Hochgefühle der nationalen Solidarität an allerhöchstem Orte Ausdruck zu verleihen, bedarf es einer Gesamtkundgebnng seitens aller österreichischen Juden, welche wir auf nachstehender Weife znm Ausdruck bringen möchten. Es werde dem Knnstinstitute in Jerusalem, namens Bezalel, der Auftrag erteilt, feine Arbeiten in höchster künstlerischer Pracht und Vollendung, geziert mit jüdischen und kaiserlich österreichischen Emblemen, fertig zu stellen, welche Gegenstände vom Bnndespräsidium Wien namens und als Symbol der geeinigten österreichischen Judenschaft als Jubiläumsgeschenk Sr. k. k. Majestät zu Füßen zll legen wären. Unser erhabener Monarch, der Gönner und Protektor des heiligen Landes, wird bei der huldvollen Entgegennahme jener Arbeiten Gelegenheit finden, die nationaljüdische künstlerische Schaffenskraft zu beurteilen, so ihr die uneingeschränkte freie Betätigung neidlos gegönnt wird. Wir rufen daher alle jüdischen Gemeinderepräsentanzen wie die Vereine der österreichischen Reichshälfte zur Erwägung unseres Vorschlages wie zur Beteiligung auf. Die kleinste Gabe eines halben Schekels 1/2 Krone per Person, fällt niemand zu schwer. Die Leitung des politischen Vereines Schomer Israel. ■ Eventuelle Anfragen sind zu richten: Dr. Rüben Bierer, Lemberg, Smolkaplatz 5. . - ' "