Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 17 (1.5.1908)
- Date
- 1908-05-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 17. Die Wahrheit Seile 13. auch Grabsteine sprechen in diesem Werke zu uns, deren verwitterte Inschriften der Vergessenheit entrissen wurden. -Die erste Persönlichkeit, die in dem Werke genannt wird, ist Simcha L o d z k e r , ein Flüchtling aus W i l n a, den das Wüten Bogdan Chmielnizkis ans dieser Gemeinde vertrieben hatte und der, 1655, nach Altona kam. Er starb, nachdem er Dajan in Altona genwrden, bereits am 20. Siwan 1656. Auch Glücket von Hameln spricht in ihren „Memoireii"9 von den Wilnaern, „die aus Polen gelaufen und nach Hamburg gekommen sind". Und der Letzte, der in dem Buche von Dnckesz angeführt wird, ist Dr. Nathan, der, 85 Jahre alt, in Hamburg gestorben ist und in Langenfelde ncht. Man kann demnach sagen, daß Dnckesz' Werk einen Zeitraum, von 250 Jahren umspannt, ein bedeutungsvolles Stück unser neueren Geschichte in der Tat. In den 145 Lebensbeschreibungen und in den Namen non mehr als 100 Männern, deren sonst in dem Buche gedacht wird, begegnet uns mancher alte Bekannte, aber auch mancher, der weniger gekannt wird und vielleicht erst in diesem Werke seine fröhliche Anferstehnng feiert. Der berühmteste Manu, welchem Dnckesz auch den größten Platz einräuntt, ist: R. Jakob E mden Herschel genannt Jaabeg, Sohn des berühmten C h a ch a m Z e b i A s ch k e n a s i, wahrscheinlich 1698 (nicht 1696) in Altona geboren?) Dieser geriet in den wohl allbekannten Streit mit Jonathan E y b e s ch ü tz. der nach Jecheskel Katzenelnbogens Tode. 1750, nach Hamburg berufen wurde. Der Streit ztvischen E m d e n iinb Eybeschütz wird nach den Akten sachgemäß dargestellt. Dnckesz tritt gleichsam als Sachwalter von Eybeschütz ans, der von GrÜtz und seiner Schule verurteilt wird. Wir müssen dem Verfasser das Zeugnis geben, daß er seine Quellen überall ansührt. Er behauptet nicht, man Hütte nur. sondern größtenteils Eybeschütz nachteilige Akten veröffentlicht. Wir erkennen, nach Dnckesz Darstellung, in Emden einen sehr gelehrten, aber eigensinnigen Mann, einen scharfsinnigen Gelehrten, den aber sein Starrsinn zu weit führt. Schon wegen dieser Biographie allein, die nicht die breit getretenen Pfade etwas befangener Historiker geht, ist das Buch lesenswert. Die Entscheidung wer in dem Streite Emden- Ey beschütz recht hatte, wird wohl kaum jemand heute zu fällen wagen; immerhin ist es das Verdienst von Dnckesz, unparteiisch, nach Prüfung des Aktenmaterials, Licht und Schalten in diesem kulturhistorisch so wichtigen Kampfe verteilt zu haben. In diesem Zwiste spielte Joses Präger Levy ebenfalls eine traurige Rolle; auch ihm tvidmet Dnckesz in seinem Buche eine längere Betrachtung?) Wenden wir uns nun noch einigen markanten Persönlichkeiten zu, die in diesem Werke uns vorgesührt werden. Neben den Vertriebenen Polens ziehen naturgemäß uns insbesondere die N e r t r i e b e n e n Wiens an, die auf den Befehl Kaiser Leopolds I. am 28. Februar 1670 (nicht 1680) diese Stadt verlassen mußten, um sich anderwärts niederzulassen. Auch Jehuda Löb ans Wien, der Sohn des Naftali Herz, war ein solcher Exulant, dem die Gemeiude Altona gastlich ihre Tore öffnete. Als Vorsänger und Talmudlehrer ist er dort, 1707, gestorben. Noch zwei andere Wiener Exelierte ruhen, fern von der Heimat, im Norden ans den Friedhöfen von Ottensen und Altona. Eine höchst interessante Persönlichkeit ist auch Abraham G u g g e n h e i m. Seine Tochter F r u m e t (gest. 1812) war die Frau Moses Mendelssohns. Auch er hängt in gewisser Beziehung mit der Wiener Judenschaft zusammen. War doch sein Vater Josef, Schwager des berühmten Juda Löb Suezheim und Enkel des kaiserl. Hoffaktors Samuel O v p e n h e i m in Wien?) Wir erwähnen noch folgende Männer, die ein besonderes Interesse beanspruchen und in Dnkesz' Buch genannt werden; vor allen Dr. Ahron Emmerich, genannt Gompertz?) 9 Memoiren der Glücke!, S. 36. 9 Chachme rc., S. 17, Nr. 55. 9 Chachme, S. 14, Nr. 48. 9 Die Memoiren der Glückel, S. 159, 160, 246, 267, 263, 269. Zu vergleichen über ihn sind auch die Werke Kaufmanns über Samson Wertheimer und die letzte Vertreibung der Juden aus Wien. 9 „Die Familie Gomperz", von Kaufmann und Dr. Max Verfasser des „Megale Sod", eines Snperkommenrars zum Kommentar des Abraham ibn Esra zu den 5 Megillot, eines Werkes über Religionsphilosophie und eines Judenkalenders aus das Jahr 1729. Besser bekannt, als durch diese verschollenen Werke, ist er als Lehrer Mendelssohns. Er unterrichtete diesen nicht nur im Englischen und Französischen, sondern führte ihn auch in die damals herrschende Leibing-Wolffsche Philosophie ein?) Wir heben noch Dr. L-alomon Ludwig Stein beim,") Arzt in Altona, hervor, geb. 1789, gest. in Zürich 1866. Er wurde dort ans dem christlichen Friedhose begraben. Sein Freund Wolf Marburg ließ seine Ueberreste exhumieren uub in Altona beisetzen. Ueber die Bedeutung dieses Mannes als Religionsphilosoph muß wohl nicht des weiteren gesprochen werden. Seine Werke wurden neuestens herausgegeben. Besonders bekannt ist sein religionsphilosophisches Werk: „Die Offenbarung nach dem L e h r b e g r k f s e der Synagoge." (4 Bände. 1855—1868.) Einige Persönlichkeiten wären noch anznführen, welche die Hochbegabte Glückel von Hameln in ihren Memoiren verzeichnet, vor allen ihr Garte, C h a j j i m H a m e l li,11) dem die zärtliche Gattin in ihren Denkwürdigkeiten eine ewige Erinnerung sichert. Das mitß ein trefflicher Mann gewesen sein, dessen die Gefährtin in so liebevollen Worten gedenkt. Ebenso werden in den Memoiren genannt: Samuel Orgels (Orgillas)?*) Abraham Metz") und Jsachar Cohen?9 Alles in allem ist Dnckesz' Buch, dem wir nur eine bessere deutsche Uebersetznng gewünscht hätten, ein vortreffliches Q n e l l e n w e r k. Es sollte in jeder jüdischen Bibliothek seinen Platz finden. Dr. Max G r ü n f e l d. Tempelweihe in ZlenMschein. Drr Kaiser Franz Joses-Jnbitänms-Tempel der. hierortigen israel. Kiiltusgeineinde, aus dem erösineten Bangrunde m der Legergasfe gelegen, präsentiert sich als ein im rvmanisch-bvzantiiuschen Stile ausgeführter, nlonumental wirkender Bau von schöner Gliederung in allen seinen Teilen. Im Vestibül kündet eine Marmortafel, daß das Gotte-Hans im Jubeljahre unseres Kaisers erbaut ivurde und den Namen unseres erlauchten Monarchen tragt; eine zweite Gedenktafel überliefert die Namen der Mitglieder des Bau-Ausschusses, die sich um die S)urct)iüpruuq des Baues verdient gemacht haben. Der Jnnenrauui, ein müßig großes Läugsschiff, wirkt durch aiifftrebeude, in gefälligen Bogen zufammenlaufende Säulen kathedral; ein d:e beiden Längsseiten und die Hinterseite einnehmendes, geräumiges Empore für die Frauen, auf dem auch die Orgel untergebracht ist, die in künstlerischer Weise ausgeführre Bunüeslade m einer deckenhohen polychrom geschmückten Nische, sowie die durchwegs in Glasmalerei hergestellren Bogenfenster verleihen dem Innern den harmonischen Eindruck seiner Bestimmung, als eines Ortes der Andacht und der Erhebung zu Gott. Sonntag, am 12. April um ^ll Uhr versammelten sich überaus zahlreiche Festreilnehmer im Tempel, um der Einweihung anzuwohnen. Mit Rücksicht aus den Faffungsraum des Hauses konnte nur eine beschränkte Zahl von Einladungen erfolgen; das Schiff und die Galerie waren bis aus den letzten Platz besetzt. Erschienen waren: Herr k. k. Bezirkshauptmaml Zwierziua mit ben Herren Beamten der'BezirkShauptmaimschast, der Herr Krelsgerichtspräsident S t e g m a u lt und Herr Vizepräsident H r n z a. Herr Ober-Staatsanwalt P e t r i c e t die Herren Gememderäte unserer Stadt, die Herren 'Direktoren sämtlicher hierortiger Lehranstalten, ein Presbyter der evangelischen Kirchengemernde, Abordnungen der israelitischen Kultusgemeinden Bielitz. Leipnik. Mahrisch-Weißkirckien, Olmütz, Troppau, Wirkowitz, Mährisch-Oürau und Oderfurt; zahlreiche Festgäste aus unserer Sradr und Mitglieder aus den meisten Orten des GemeindegebieteS. Entschuldigt hatten ihr Fernbleiben von der Feier: Herr Bürgermeister Ferdinand Czeiczner, Herr Laudesausjctmßbeiiltzer Dr. Wilhelm Freister, Herr Reichsratsabgeordneter Wilhelm Nießner und der F r e u d e n t h a l. Frankfurt, bei I. Kauffmailn. Wie niir Duckesz mitteilt. hat er dem gelehrten Dr. Freudenthal in Nürnberg das Hamburger archivalische Material für diese Familiengeschichte mitgeteilt. 9 Bergt, die Biographie Mendelssohns, von K a y s e r l i n g. '9 Es dürfte weniger bekannt sein, daß Dr. Steinheim (Lithodom), der Dichter und Philosoph, viele gelehrte Aussätze im „Israelitischen Bolkslehrer" veröffentlichte, so in den Jahrgängen 1855, 1857, 1859. Besonders hervorzuhebeu ist ein Artikel über „P a v st S i x t u s V. und die Shyloksage", aus welchen wir in einem Aufsatze in einer Wiener Wochenschrift seinerzeit hinwiesen. u) Die Memoiren Glückels, S. 67—308. Rührend ist der Nachruf, den hier die Gattin ihrem treuen Lebensgefährten hält. *9 Die Memoiren. S. 257. 259. 262. '9 Memoiren. S. 234. 240. 241, 245. ") Memoiren, S. 76, 119,121, 163, 164, 165. 168, 177, 178, 212.