Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 17 (1.5.1908)
- Date
- 1908-05-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seile 10. Die Wahrheu 'H 17. in Hinkunft mit derselben Entschiedenheit wie bisher ihren Stand-; Punkt im Abgeordnetenhause vertreten werden." i Außer den auf dem Bundestage vertretenen Gemeinden haben auch noch 80 andere Kultusgemeinden Oesterreichs ihre Zustimmung zu dieser Resolution aus telegraphischem Wege ausgesprochen. Hieraus erstattet Sekretär Jakob Kraus den Thätigkeitsbericht, der gleichzeitig mit dem Anträge auf Schaffung eines R e i ch s v e r b a n d e s zur U n t e r st ü tz u n g von Witwen und Waisen jüdischer Knltusan gestellter zur Debatte gestellt wird, an welcher die Herren Abgeordneten Dr. Gabel, Rabbiner Stein-Radnitz, Dr. Körner - Göding, Dr. Rosenbacher - Prag, kais. Rat Pollak Bielitz, Dr. Reich- Ottyma, H i k l - Damboritz und Abgeordneter Dr. Groß theilnahmen. Nach durchgeführter Debatte, in welcher von zionistischer Seite auch die Frage des allgemeinen Wahlrechtes in den Kultusgemeinden und die notwendige Demokratisirung der letzteren aufgeworfen wurde, erklärt Präsident De. Stern, daß die gegebenen Anregungen, insoferne sie nicht aus der Tagesordnung stehen, den Vorstand des Bundes wohl beschäftigen werden, aber nicht Gegenstand einer Abstimmung in diesem Kreise bilden könnell. Dagegen werde über die beiden Punkte der Tagesordnung, Rechenschaftsbericht des Vorstandes und Schaffung eines Reichsverbandes zur Unterstützung von Witwen und Waisen jüdischer Kultusangestellter, abgestimmt werden. Bei der folgenden Abstimmung wird der erstattete Rechenschaftsbericht einhellig zur Kenntnis genommen. Bezüglich des zweiten Punktes wird beschlossen, daß sich der Vorstand des Bundes mit der Frage der Schaffung eines Reichsverbandes zur Unterstützung von Witwen und Waisen jüdischer Kultusangestellter beschäftige, darüber die erforderlichen Erhebungen pflege und aus dem nächsten Bundestage Bericht erstatte. Ueber einen aus der Mitte der Versammlung gestellten Antrag wird beschlossen, die Wahlen in den Vorstand per Akklamation vorzunehmen. Hiebei werden mit allen gegen eine Stimme gewählt: Dr. Alfred Stern, Wien; Dr. Rosenbacher, .Prag; Dr. Gustav Kohn, Wien; Beruh. Biller, Graz; I. PH. Gläsinger, Teschen; Wilhelm Pappenheim, Wien; Dr. Theodor Sonnenschein, Troppau; Dr. Benno Strancher, Czernowitz; Dr. Alois Hilf, Mähr.-Ostrau; Oberrabbiner Dr. Güdemann, Wien; Dr. Hieronymus Fialla, Brünn; Dr. S. Tilles, Krakau; Dr. I. Sachsl, Chrudim; Dr. Josef Schanzer, Pilsen; Doktor- Arnold Ascher, Dr. Alfred Berger, Dr. Mahler, Wien; Doktor Simon Schaff, Lemberg; Dr. Nathan Löwenstein, R. A; R. A. Dr. Arthur Mahler, Banrat Oskar Mamorek, Wien. Hierauf wird die Sitzung geschlossen und die Fortsetzung für nachmittags vier Uhr anberaumt. - Der restliche Teil der Tagesordnung wurde in der Nachmittagssitzung erledigt. Die beiden Punkte: einheitlicher Lehrplan für den Religionsunterricht und Schaffung einer Lehrerbildungsanstalt für Westösterreich, rufen eine größere Debatte hervor, und wird schließlich dem Anträge des Landesschulrat Dr. Gustav Kohn zugestimmt, der vorschlägt, man möge sich heute bei der Abstimmung darauf beschränken, ob für Westösterreich die Schaffung einer solchen Religionslehrerbildungsanstalt zu empfehlen sei. während die Behandlung der Fragen hinsichtlich des Sitzes dieser Anstalt und des einheitlichen Lehrplanes zu vertagen sei. Die nächsten Punkte: Vorarbeiten zur Jubiläumsgeschichte der Juden in der österr.-ungar. Armee und Gründung eines Zentralarchives der österr. Kultusgemeinden werden gemäß de Anträgen des Bundesvorstandes angenommen. Ein Antrag des Delegierten S ch m o r a k- Stryj, gegen die geplante Gründung eines jüd.-theol. Seminars in Galizien Stellung zu nehmen, weil mit derselben eine gewisse politische Tendenz verfolgt werde, wird nach längerer Debatte, in welcher Dr. B raub e, Dr. Gabel und Dr. Reich pro und Abg. Dr. Groß und kais. Rat R a u ch (Stanislau) contra sprachen, vom Präsidenten nicht zur Abstimmung gebracht, da derselbe nicht rechtzeitig angemeldet wurde und auch nicht zur Kompetenz des Bundes zu gehören scheine. Mit der Zuweisung einer vom Religionsprofessor Dr^ Hausner eingebrachten Resolution in Angelegenheit der Systemisierung. von Religionslehrerstellen an Mittelschulen undder Mitteilung über die geplante Gründung eines Seehospizes für jüdische Kinder ist die Tagesordnung erschöpft und wird dem Präsidenten Dr. Stern durch Delegierten Hikl und- Dr. Bloch der Dank der Versammlung für seine große Mühewaltung, für sein liebenswürdiges Entgegenkommen und für seine Unparteilichkeit bei der Leitung der Verhandlung ausgesprochen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Der Präsident dankt gerührt für die ihm dargebrachte Ovation und bemerkt, daß er den Delegierten danken müsse für die ihm gewährte Unterstützung, die es ihm ermöglichte, alle zu Tage getretenen Differenzen auszugleichen. Es wird wohl nicht viele Versammlungen heutzutage auswärts geben, die in gleich würdiger Weise ihren Verlauf finden. Aber auch als Präsident der Israelitischen Kultusgemeiude Wien, im Namen des Vorstandes dankt er den Herren Delegierten und gibt der Freude darüber Ausdruck, daß es geglückt sei, die Vertreter von über 150 Kultusgemeinden, die Vertreter der Rabbiuerverbäude, die jüdischen Abgeordneten, kurz die Elite des Judentums, hier zu vereinigen und durch einhellige Kundgebungen und Beschlüsse, denen 80 nicht vertretene Gemeinden telegraphisch die Zustimmung erteilten, die Einmütigkeit der gesamten Judenschaft vor aller Welt zu dokumentieren. Die Erinnerung an diese heutige Versammlung werde eine kostbare Verschönerung seines Lebensabends bilden. Somit erkläre ich die Versammlung für geschlossen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Schluß der Sitzung 3/s8 Uhr abends. Oesterreichijch - Israelitische Union. Im großen Saale des „Hotel Guth" fand am 27. d. M. die diesjährige Generalversammlung der ,>Oesterreichisch-Jsrael. Union" statt. Unter den zahlreichen Versammlungsteilnehmern bemerkte man auch viele Mitglieder aus der Provinz, darunter die Delegierten Max Steiner aus Koliu, Ludwig Moser ans Karlsbad, L a p p e l t aus Falkenau, Singer aus Waidhofen a. Th., Dr. P o r g e s aus Karolinenthal, G e i st aus Wr.-Neustadt, kaiserl. Rat Pollak und Dr. Landau aus Bielitz, ferner die Wiener Kultusvorsteher S ch r a m e k und Steiner, Gemeinderat Dr. Hein, rc. . . Nach Eröffnung der Versammlung durch Vizepräsidenten Dr. O r n st e i n erstattete Sekretär Fleischer den Rechenschaftsbericht, der sich zunächst mit der Schilderung der derzeitigen politischen Verhältnisse in Oesterreich beschäftigte, dem übermächtigen Einfluß der christlichsozialen Partei auf die Regierung, der schmählichen, Freisinn und das Prinzip der Gleichberechtigung verleugnenden Haltung der sogenannten Deutschfreiheitlichen, die besonders gleich nach Zusammentritt des Reichsrates bei der Zurückweisung der im fortschrittlichem Club Aufnahme werbenden Reichsraths-Abgeordneten Hofrat K n r a n d a und Baron Hock, sowie in jüngster Zeit beim.Resolutionsantrage S ch m i d deutlich zu Tage trat. Hierauf wendet sich der Bericht der umfassenden Thätigkeil des Rechtsschutzbureaus, die zum großen Teil aus den monatlichen Mitteilungen in weiteren Kreisen bekannt sein dürfte, referiert dann über die internen Vereinsvorgänge und spricht schließlich allen Vertrauensmännern der „Union", ferner den Anwälten und Abgeordneten, die in selbstloser Weise ihre Bestrebungen gefördert haben, sowie der Presse den innigsten Dank aus. Die Verlesung des Berichtes wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Im Namen des Vorstandes der „Union" beantragte sodann Vizepräsident Dr. O r n st e i n unter eingehender Würdigung der Verdienste des Präsidenten Sigmund. Mayer um das öffentliche Wohl und um die Interessen der österreichischen Judenschaft insbesondere die Ernennung des Herr n Sigmund Mayer zum E h r e n m i t g l i e d e des Vereines. Der Antrag wurde unter stürmischer Akklamation