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Die Wahrheit · 1908-05-01 · Heft 17 (1.5.1908) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 17 (1.5.1908)
Date
1908-05-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Die Wahrheil Seite 9. Nr. 17. Aufgabe übernehmen, an der Linderung des jüdischen Elends mitzuarbeiten. Dr. Reich wünscht, daß der Bund nicht nur autoritativer nach außen, sondern auch erziehend nach innen wirken möge. Der Bund müsse auf den breiten Schichten des jüdischen Volkes basieren und deshalb sei es nötig, daß nicht nur die oberen Zehntausend der Kultusgemeinden das Recht haben, in das Komitee entsendet zu werden. Dr. Zweig (Gaya) spricht sich für den Antrag ans, daß eilt 17 gliedriges Komitee ans dem Plenum gebildet und auf einzelne Strömungen Rücksicht genommen werde und schlägt einen Aufteilungsschlüssel hiefür vor. M a r g u l i e s (Czvrlkow) polemisiert gegen die Ausführungen des Dr. Straucher und verlangt eine weitergehende Berücksichtigung der kleinen galizischen Gemeinden und-der überwiegenden orthodoxen Majorität. Dr. L e w y (Brünn) veriveist, anknüpsend an die Ausführungen des Herrn Dr. Feuchtwang, daraus, daß im deutschen Judentag im Badischen Synagogenrat nitb in der französischen .Konsistorialversassnng das rabbinische Element in entsprechender Weise vertreten ist. Es sei selbstverständlich, daß im Komitee die hauptsächlichsten Parteirichtungen und Strömungen ihre Vertretung finden. Redner wendet sich gegen die Ausschaltung aller inneren F.iagen aus dem Wirkungskreise des Zentralorganes, da gerade für die Ausgestaltung des inneren Lebens eine kompetente Leitung liottne. (Lebhafter Beifall.) Dr. Gustav K o h n bemerkt, daß man vorläufig nur einen Organisationsentwurf schaffen wolle und es gleichgültig sei, in welcher Weise man sich für den Entwurf entscheide. Die Debatte wird hierauf geschlossen. Präsident erklärt in seinem Schlußworte, er halte es persönlich zwar für praktischer, dem Vorstande des Bundes das Recht der Kooption zu verleihen, erklärt sich aber mit Rücksicht auf die verschiedenen in dieser Richtung gemachten Einwände mit der Wahl des Komitees durch die Versammlung einverstanden. t Beifall.) Er unterbricht behufs Einigung der Delegierten auf eine Liste die Sitzung auf kurze Zeit. Nach Wiederaufnahme der Sitzung wird zunächst die Resolution des Referenten Dr. Sonnenschein einstimmig angenommen, worauf Dr. S o n n e n s ch e i n als Resultat der bezüglichen Besprechungen einen Wahlvorschlag unterbreitet, der nach längerer Debatte, an welcher sich die Herren Dr. Fenchtwatlg, Dr. Bloch, Dr. Brande, Dr. Kraus (Teplitz), Abeles (Mistelbach), Dr. Rosenbacher, Dr. Tiller, Dr. Körbel. Wollner, Dr. Oppenheim, Böhm, Dr. Fialla (Brünn) beteiligten, mit einigen Ergänzungen angenommen wird. Gewählt wurden: Für Wien: Dr. Stern, Dr. Gustav Kohn, Baurat Marmorek, Oberrabbiner Güdemann. Für Niederösterreich: Ludwig Abeles, Mistelbach. Für die Bukowina: Dr. Strancher, Czernowitz; Dr. Vierer, Radautz. Für Böhmen: Dr. Rosenbacher, Prag; Dr. Kraus, Teplitz-Schönau; Dr. Schanzer, Pilsen. M ähren: Dr. Fialla, Brünn; Dr. Hilf, Mährisch-Ostrau. Schlesien: Dr. Sonnenschein, Troppan. T r i e st: Richetti. Graz: Beruh. Biller.' Galizien: Samuel v. Horowitz, Dr. Schaff, Lemberg; Dr. Tilles, Dr. Rafael Lande, Krakau; Dr. Brande, Abg. Stand, Abg. Gabel, Kleingemeinden; Dr. Ringelheim, Tarnow; Rauch, Stanislau. Ferner zwei Vertreter der galizischen Orthodoxie, deren Namhaftmachung den Kultusvorständen von Krakau und Lemberg anheimgestellt wird. Präsident: Bevor ich die Sitzung schließe, fühle ich mich verpflichtet, den geehrten Teilnehmern meinen Dank für ihr Erscheinen und die geleistete Arbeit anszusprechen. Ich hoffe, daß es uns gelingen wird, hier ein Werk znstandezubringen, welches unserer Judenschaft zum Heile gereicht. (Stürmischer Beifall.) Schluß der Sitzung 3/43 Uhr nachmittags. * Um 1/210 Uhr abends fand sich der größte Teil der Delegierten und Teilnehmer am Bundestage im Restaurant Tonello über Einladung des Vorstandes der Wiener Kultusgemeinde zu einem Bankett zusammen, das in animirtester Stimmung verlies. Eine Reihe ausgezeichneter und geistreicher Toaste, die mit dem vom Präsidenten Dr. Alfred Stern gesprochenen Kaisertoaste eröffnet wurde, fanden jubelnde Zustimmung und mit frenetischem Beifall wurden auch die künstlerischen Darbietungen traditionell jüdischen Gesanges durch Oberkantor G u t t m a n n ausgenommen. * * Sitzung vom Dienstag, 28. April. Der Präsident bringt am Beginne der Vormiltagssitzung die um 10 Uhr eröffnet wird, zur Kenntnis, daß ans der Kabinetskanzlei Sr. Majestät folgendes Telegramm eingelangt ist: Telegramm der Kabinets-Kanzlei. Wien, Schönbrunn. Seine k. und k. apostolische Majestät haben die Huldigung der am Bundestage des Allgein. österr.-israel. Bundes versammelten Vertreter von Kultnsgemeinden ans ganz Oesterreich mit dem Ausdrucke des Dankes allergnädigst entgegenznnehmen geruht. Kabinetskanzlei Sr. k. und k. apostol. Majestät. Die Verlesung dieses Telegrammes wird von der Versammlung stehend angehört und mit stürmischen Beifallsbezeugnngen begleitet. Den ersten Gegenstand der heutigen Tagesordnung bildet eine K u n d g e b u n g gegen d e n v 0 m B u d g e t a u s s ch n ß a n g e n 0 m m e n en A n t r a g d e s Abgeordneten S ch m i d auf K 0 n st a t i e r u n g des Z a h l e u v e r h ä l t n i s s e s der j ü d i s ch e n zu den n i ch r j ü d i s ch e n Mittelschülern. Der Vorsitzende bringt die vom Vorstande des Bltndes vorgeschlagene Resolution zur Verlesung. An der Debatte über dieselbe beteiligen sich die Herren Dr. Zipfer, Dr. I ma l i s-Brody, Dr. Steiner-Marienbad, H i k l-Damboritz, Abg. Dr. Groß, Kustos Dr. F r a u kfurter, Abg. Dr. Straucher und wird dann die über Antrag des Abg. Groß im Schlußpasins abgeänderte Resolution in folgender Fasfuug einstimmig angenommen: „In der Sitzung des Budgelausichusses des österreichischen Reichsrates wurde mit 19 gegen 9 Stimmen der Reiolutiovsautrag angenommen, die Regierung aufzufordern, „Erhebungen darüber zu pflegen, wie das Zahlenverhültnis der jüdischen zu den christlichen Mittelschülern einigermaßen in Einklang mit der wirklichen Bevölkeruugszisser gebracht werden kann; über den Erfolg dieser Erhebungen wäre dem Hanse Bericht zu erstatten". Dieser Resolnrionsantrag bezweckt nichts anderes, als den Juden noch eines der wenigen, ihnen bisher ungeschmälert belassenen staatsbürgerlichen Rechte, das Recht der Lernfreiheil, zu benehmen: es sollen die Inden nicht bloß wie bisher in der Verwertung der erworbenen Kenntnisse behindert, sondern sie sollen von vornherein in der Möglichkeit beschränkt werden, solche Kenntnisse zu erwerben; es soll den Inden die wichtigste Waffe in ihrem durch Glaubenshaß und Unduldsamkeit so sehr erschwerten Kampfe um die wirtschaftliche Existenz systematisch entzogen werden. Die jüdischen Mitglieder des Abgeordnetenhauses haben sich eingedenk ihrer Pflicht zu einer solennen Abwehr dieses neuerlichen Versuches, an den Rechten der Judenschaft Oesterreichs zu rütteln, in einer würdigen Protestkundgebung vereinigt und erklärt, diesen volksbildungsfeindlichen Antrag im Abgeordnetenhause zu bekämpfen. Sie haben feierliche Verwahrung eingelegt gegen eine Aktion, welche in schroffem Widerspruche steht zu dem Sraatsgrundgesetze, das volle Lernfreiheit gewährt, zu dem Streben nach Wissen, welches der Kulturwelt innewohnt, zn dem modernen Leben, das theoretische und faktische Bildung verlangt, um schaffend wirken zn können. Die heute hier versammelten Vertreter der österreichischen Kultnsgemeinden schließen sich der Protestkundgebung nachdrücklichft an und erwarten von den jüdischen Abgeordneten, daß sie auch

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