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Die Wahrheit · 1908-04-16 · Heft 16 (16.4.1908) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 16 (16.4.1908)
Date
1908-04-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Leite 10. Die. Wahrheit 16. Wien. (9111 gern. 'O est e r r. Israelitischer Bund.) Montag, den 27., und Dienstag, den 28. April d. I., findet im Beratungssaale der Wiener isr. Kultusgenieinde, Wien. I., Seitenstettengasse 4. ein Bundestag statt. Tagesordnung: Montag, den 27. April, vormittags 10 Uhr: Beratnng über die Vereinigung der Gemeinden zu einer autoritativen Gesamtorganisation. Dienstag, den 28. April, vormittags 10 Uhr: 1. Tätigkeitsbericht des Vorstandes: a) Schaffung eines Reichs-Verbandes zur Unterstützung von Witwen und Waisen jüdischer Kultusangestellter: b) Einheitlicher Lehrplan für den Religionsnnterrichr und Schaffung einer Lehrerbildungsanstalt für Niederösterreich; c) Mitteilungen unserer Rechtsschutz-Sektion; ä) Bericht über die Vorarbeiten zur Jubilüumsgeschichte der Juden in der österreichisch-ungarischen Armee; 6) Regelung des jüdischen Archivwesens in Oesterreich. 2. Wahlen in den Vorstand. 3. Anträge und Interpellationen. Wien. Samstag, den 11. d. M., fand im Stadttempel die Barmizwah des Konfirmanden Rafael K u r a n d a, Sohn des Reichsratsabgeordueteu Hofrat Camillo K u r a u d a und dessen Gattin Elfe, geborene Engländer, statt. Im Gorteshause hatten sich Angehörige und Freunde der Familie Knranda eingefunden und unter diesen der Direktor des Wiener Bank-Verein, Felix Kur an da, Hof- und Gerichts-Advokat und Vorsteher der Israel. Kulrusgemeinde Dr. 'Arthur K n r a n d a, Frl. Livia Knranda rc. Hofrat Knranda und Direktor Felix Knranda wurden zur Tbora gerufen und spenderen größere Beträge zu wohltätigen Zwecken. Oberkanror-Stellvertrcter Fu ch s und Oberrabbiner Dr. G üd em ann sprachen über den Barmizivah, der als Maftir zur Thora gerufen wurde, den üblichen Segen, worauf dieser die Segensjprüche und die Hafthara mit verständuisvollem Ausdrucke zum Vortrage brachte. Nach Schluß des Gottesdienstes wurde den Ettern und Familienangehörigen von Seiten der zahlreichen Tcmpelbesucher die herzlichste Gratulation ausgesprochen. Mögen die vornehmen jüdischen Familien die Hochhaltung der Vätersitten und die Achtung der jüdischen Tradition, wie sie im Hause Kuranda geübt wird, sich zum Muster nehmen und ihre Kinder auch in diesem edlen und lvahrhasr frommen Sinne erziehen. A. W. Wien. (O e st e r r e i ch i s ch e s Jto-Komitee zur Regelung der j ü d i s ch e n A u s w a u d e r u n g.) Dieser Tage fand in Wien die Gründung des österreichischen Jto-Komitees zur Regelung der jüdischen Auswanderung statt. Zweck dieses Komitees ist, ivie sein Name schon besagt, durch Errlchttliig von Jnformationsbureans in ganz Oesterreich, insbesondere in Galizien und Bukowina, die in den letzten Jahren stark angemachsene ungeregelte jüdische Emigration, im Einvernehmen mit der Londoner Zentrale und den bedeutendsten jüdischen Organisationen Europas und Amerikas, in gesunde Bahnen zu lenken. An den der Gründung vorangegangenen Vorberatungen haben Männer teilgenommen, die durch ihre leitenden Stellungen in den einzelnen hiesigen jüdischen Korporationen und Organisationen in der Lage sind, sowohl die Stimmung in diesen Kreisen, als auch die dringende Notwendigkeit einer Regelung der heute noch planlos vor sich gehenden Auswanderung der Juden aus den östlichen Teilen des Reiches, genau zu kennen. Auf Grund des erzielten Einverständniffes hat sich Freitag, den 10. April, das obgenannte Komitee gebildet, dem sich die folgenden Herren angeschloffen haben: Dr. Alfred Stern, Präsident der Wiener isr. Kultusgemeinde, Landesschulrat Dr. Gustav K o h n, Vizepräsident der Wiener isr. Kultusgemeinde. Dr. Leopold K o h n, Mitglied des Vertreterkollegiums im Wiener Kultusvorstande, ferner die Mitglieder der B'nai B'rith-Vereinigungeu: Prof. Dr. S. E h r m a u n, Max Frank, Dr. W. K n ö p f m a ch e r. Dr. Moritz Schnabl und Dr. Alois K 1 e m p e r e r, das Vorstandsmitglied der Israelitischen Allianz zu Wien Wilhelm Pappen heim und das Mitglied des Czernowitzer Allianz-Komitees Prof. Dr. Leon Kellner, die Vertreter der jüdisch-territorialistischen Organisation: Dr. I. Sa m ue 1 y, Richard Rappaport und M. S ch m i d t. Ferner die Herren Baurat Wilhelm S t i a ß n y, Dr. Jakob Engel, Präsident des Mariahilfer Bethausvereines, und Schrifsteller Dr. I. S. Bloch. Das Komitee hat sich das Recht der Kooptierung Vorbehalten. Zum Obmanne des Koniitees wurde einstimmig Herr Dr. I. S a m u e 1 y und zum Ehrensekretär Herr M. Schmidt gewählt. Das Komitee hat seine Arbeiten bereits ausgenommen. Wieu. (Verein „T o m e ch E w j o n i m" zur Ausfpeifung und Unterstützung armer jüdischer Zugereister.) Sonntag, den 5. d. M., fand die zahlreich besuchte XV. General-Versammlung dieses Vereines, der in Verttetung der israel. Kultusgemeiude Herr Popper beiwohnte, statt. Der Obmann, -Herr Oberkantor M. S ch o r r, begrüßte die Erschienenen, gedachte des verblichenen Ehren-Obmannes, Herrn Prof. Dr. S. H o fm a n n, uud brachte schließlich anläßlich des 60jährigen Regierungs- Jubiläuuis Sr. Majestät ein Hoch aus, in das die Versammlung begeistert einstimmte. Den Rechenschaftsbericht erstattete in Vertretung des erkrankten Schriftführers der Obmann-Stellvertreter Herr Sigmund F i g d o r. Der gewählte Vorstand konstittlierte sich Dienstag, den 7. d. M., wie folgt: Oberkantor M. S ch o r r. Obmann; Sig. F i g d o r, Obmann- Stellvertreter; Arnold R o f e n f c 1 d, 1. Schriftführer; Sigmund F u ch s, 2. Schriftführer; Geza Brau u, Kassier; Michael F i g d o r, Kontrollor; Naftali A r d e 1, Adolf Fischer, Gabriel Fischer, Max H o f b a u e r, Wilhelm K o h n. Michael S t e r n f e 1 d, Vorüandsmitglieder. Essegg. Oberkantor Jakob Schlechter hat sich mit Fräulein .Hermine Steiner aus Nagybecskerek verlobt. Hamburg. (Das 25 jährige Aintsjubiläum des Predigers Herrn Dr. D. L e i m d ö r f e r.) Unter außerordentlicher Teilnahme aller Kreise Hamburgs fand die Jubelfeier des allbeliebten Kanzelredners und Seelsorgers seiner Gemeinde statt. Nach einer Morgenandacht am 2. d. M. und einem Ständchen des Tempelchors unter Leitung des Oberkantors Herrn M. Heul e, erschienen zahlreiche Deputationen mir kostbaren Ehrengeschenken im Hause des Jubilars. Vor allem der Gesamlvorstand und das Repräsentanten-Kollegium der Gemeinde unter Führung des greifen Vorsitzenden Herrn Josef S ch ö n f e 1 d, der tiefbewegt das musterhafte Wirken und die zündende Beredsamkeit des verehrten Seelsorgers schildernd, den Dank des Tempelverbandes und als dessen Zeichen eine namhafte Ehrengabe überreichte. Gerührt dankte Dr. Leimd ö r f e r und sprach von den hohen Zielen der Religion und des Knlturfortschriltes des Judentums, denen er seine besten Kräfte stets gewidmet und weiter weihen wolle. Es folgten Delegationen aller bedeutenden israelitischen Körperschaften, Ivie: Vorstand der Deutsch-israelitischen und portugiesischen Gemeinde, der Neuen Dammtor-Synagoge, der Bne Brith- Loge, der zahlreichen Wohltätigkeits-Institute, der Ferien-Kolonien, des Jugendbundes,. des hnmanitären Frauenvereins, der Erziehungsanstalt Ahlem bei Hannover usw. Der langjährige Freund des Jubilars. Herr Pastor Clemens Schultz der St. Pauli-Kirche, sowie hervorragende Persönlichkeiten der Stadt, Herr Prediger Savitz äus Rostock gaben ihren Gefühlen treffenden Ansdrnck. Ehrendiplome und Huldigungsadreffen, Zuschriften uud Depeschen, wunderbare Blumenarrangements in großer Fülle lösten einander den ganzen Tag über ab. Die Heimatsgemeinde Hlinik (Ungarn) ernannte den Jubilar zum Ehrenmitgliede, der berühmte Bildhauer Professor Engen Börmel (Berlin) übersandte eine vollendet ansgeführte Büste des Jubilars, Meister Rudolf Schildkrant eine Reliesgravüre ,/sabbath-Ansgang". Der Verein für Gesiindheitspflege überreichte ein Brvuzestatue „Nathan der Weise", der langjährige Kollege Dr. Seligmann in Frankfurt a. M. eine Demosthenes-Büste, die Familie ein kostbares Beipult und einen achtarmigen Leuchter für das Weihefeft, die Deputation des Ungar-Vereins eine Riefenpalme mit Bändern in den Landesfarben und Inschrift. — Namens des deutschen Rabbiner-Verbandes gratulierte Professor Maybaum-Berlin, namens der Alliance Jsraelite Präsident Leven von Paris. Die Oberrabbiner von Cöln, Straßburg, Graf Logothetti, österr.-ungar. General-Konsul, die Wiener theologische Lehranstalt Beth-Hamidrasch, das Kuratorium der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, Berlin, der Deutsche Isr. Gemeindebund, der Zentralverein Deutscher Staatsbürger I. G-, zahlreiche Gelehrte von ganz Europa, auch Dichter des In- und Auslandes, schickten prosaische und poetische Huldigungen. Samstag, den 4. d. M. fand im Tempel ein Festgottesdienst statt, zu dem auch als Vertreter des Senats die Herren Senator Dr. von Melle und Senatssekretär Ludwig erfchienen waren. Die Mitglieder des Senats wurden am Eingang vom Vorstand empfangen und vom Präses des Direktoriums Herrn Gemeindevorsteher Jos. Schönfeld zu den Ehrenplätzen vor dem Allerheiligen geleitet. Unter den Klängen der Orgel wurde Herr Dr. Leimdörfer zu feinem festlich geschmückten Platz geführt. Nach dem Vorlesen des Wochenabschnittes aus der Gesetzesrolle sprach der Amtskollege des Jubilars Herr Dr. Rieger ein besonders für diesen Tag verfaßtes Gebet und erflehte den Segen Gottes für das weitere Wohlergehen des Herrn Dr. Leimdörfer und seiner Familie. An dieses Gebet schloß sich ein besonderer Chorgesang. Als nun Herr Dr. Leimdörfer die Kanzel bestieg zur Festrede, stimmte der Tempelchor unter Leitung des Herrn Oberkantor M. Henle den Gesang „Du bist's, dem Ruhm und Ehre gebührt" an. Der Festredner sprach sodann der Gemeinde mit tiefbewegten Worten seinen Dank für die unverdiente Anerkennung feiner schwachen Verdienste aus und dankte insbesondere dem hohen Senat, der durch fein Erscheinen dem feierlichen Gottesdienst eine besondere Würde verliehen. Anknüpfend an ein Wort ans Hosea verbreitete sich der Redner dann über die Pflichten eines Seelsorgers. Mit einem Gebet fyr Kaiser und Reich, Senat und Bürgerschaft und für das weitere Blühen und Gedeihen der Tempelgemeinde schloß die wirkungsvolle Rede, die bei der Gemeinde einen tiefen Eindruck hinterließ. Nach Beendigung der vorgeschriebenen Gebete, welche von den Kantoren M. Henle und I. Mandl vorgetragen wurden, begaben sich die Senatsmitglieder, die Ehrengäste und die Vertreter der Geistlichkeit in die Loge des Dr. Leimdörfer, um ihre besonderen Glückwünsche auszusprechen. Ihren Wunsch, die Festrede zu veröffentlichen, versprach der Gefeierte zu erfüllen. Ausruf, zu Gunsten der Hinterbliebenen des hebräischen Schriftstellers Juda Steinberg. Vor einigen Wochen starb in Odessa in besten Mannesalter einer der sympathischesteu, begabtesten und feinsinnigsten nenhebräischen Schriftsteller, Jehuda S t e i n b e r g, dessen Essais uud Erzählungen von den Hebräisten in der ganzen Welt als wertvolle Bereicherung unserer Literatur geschätzt werden. Als armer Lehrer hatte er bei Lebzeiten sich und die Seiuigeu kümmerlich ernährt und nun, nach seiuem frühzeitigen Hinscheiden, sind feine in gänzlicher Mittellosigkeit gebliebene Witwe nebst drei unmündigen Kindern dem größten Elende preisgegebeu. Ein in Odessa von dem Schriftsteller A. Lewinsky, dem bekannten Dichter Ch. N. B i a 1 i k und dem Buchhändler Ch. R a w n i z k y gebildetes Komitee appelliert an edle Wohltäter, besonders an alle Freuude der hebräischen Literatur, zu einem Fonds für die Versorgung der armen Witwe und Waisenkinder beizutragen. In Oesterreich, wo der Verblichene zahlreiche Leser uud Bewunderer hatte, werden hochherzige Spenden für diesen Zweck dankend in Empfang genommen von Rabb. Dr. Armand Kamiuka, Wien, HI., Obere Weißgärberstraße 24.

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