Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1908-04-16 · Heft 16 (16.4.1908) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 16 (16.4.1908)
Date
1908-04-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3063418-3063434--05417-3072337
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 16 Die Wahrten Lette 11. Literatur. Biblische Geschichte und Religionslehre. Für die israelitische Bolksschuljugend. 1. und II. Teil. Bon Moritz Bader. Oberlehrer in Pohrlitz. Schnlbücher-Berlag. Diese neueste biblische Geschichte — I. bis Josefs Tod, II. bis Solomons Tod — ist gefällig ansgestattet und mit passenden Moralsätzen versehen, so daß sie sehr wohl zur Einführung empfohlen werden könnte. Leider ist sie mir so vielen Mängeln behaftet, daß sich kaum ein Fachmann bereit finden könnte, irgend eine eingeführte biblische Geschichte ihretwegen! zu verdrängen. Manche Fehler sind wohl nur der Nachlässigkeit zuzuschreiben. So wenn unter den Dingen, die sich im Heiligtum befanden — der Altar fehlt! Oder wenn es Jeghet statt Jaghet, Nachar statt Nachor heißt. Gehört aber auch dazu „Oo tirzacho"? Ebenso falsch ist P a r s ch a statt P a r a s ch a, Hasthora statt Hafthara. Noch schlimmer sind die falschen Tatsachen, die unsere biblische Geschichte berichtet. So sollten nach ihr mit Sodom noch drei Städte untergehen, während es im ganzen fünf Städte waren, die dem Untergänge geweiht waren, da Z o a r nur aus die Bitte Lots verschont wurde. Ferner ist Charan nicht der Geburtsort Abrahams. Nach Gen. II., 31 ist es Ur-Kasdim, woher die Familie Terachs erst nach Charan auswanderte. — Es ist ein alter Fehler, den Bader nachschreibt, daß die Schöpfung am ersten Tischri begann,. während an diesem Tage Adam geschaffen wurde, vgl. Heidenheim zu mn DVrr — Jeder Neumondstag, schreibt B.. wurde in früheren Zeiten festlich, jedoch ohne Enthaltung von Geschäftstätigkeit begangen. — Das ist nicht wahr. In der prophetischen Zeit war der Neumoudstag ein Feiertag, wie der Sabbath und die anderen Feste. A m o s erzählt uns. wie die Leute mit Ungeduld sprachen: Wann wird der Neumondstag und der Sabbath vorüber sein, daß wir Getreide verkaufen können! — Die Behauptung Baders, daß Bileam nur in M o a b für einen Propheten galt, stimmt weder mit der Darstellung der Thora noch mit der Meinung des Talmud, der den Bileam unter die sieben Propheten der andern Völker zählt. (Baba bathra 15 b.) — Auch der deutsche Ausdruck ist nicht immer korrekt. So heißt es I., 15: Noch war er mit seinem Gebete nicht fertig, kam Rebeka — statt „als R. kam!" Aehnlich ist der Satz II., 54: Kaum hatte David dies vernommen, rief er ans, statt „als er ansrief." Geradezu komisch klingt der Satz: Zur selben (?) Zeit starb Samuel in Ramah, wo sich das ganze Volk Israel versammelte, um den gotrbegelsterten Propheten zu betrauern und zu ewiger Ruhe zu bestatten. — Das Bolk hat sich also versammelt, ehe noch Samuel starb, um ihn zu bestatten! — Undeutsch ist auch die Ueberietzung von Gen. 29, 7: Der Tag ist ja noch groß, es ist noch Zeit, das Vieh einzutreiben (>oll wohl heißen : es ist noch nicht Zeit!) Falsch und direkt gotteslästerlich ist die Uebersetzung von Gen. 28, 20-22: „Wenn Gott mit mir sein wird . . ., so soll der Ewige m e i n G o t t s e i u. Hat unser Vater Jakob Gott nur bedingungsweise anerkennen wollen?! Tatsächlich beginnt der Nachsatz erst mit Vers 22, „dann soll dieser Stein ein Gotteshaus sein", während die Worte ’P'n rrm noch zum Bedingungssatz gehören: „und der Ewige mir zum Gotte sein wird," ähnlich der Verheißung 'rrm Lev. 26, 12. Leider aber ist dieser gefährliche Grundirrtum nicht Baders Erfindung. Ebenso wie feine Wiedergabe des Schaltmonates mit We-Adar, was ein Nonsens ist, da es heißen muß Wa-Adar! Aber hört ein Fehler auf, häßlich zu sein, wenn er nur — nachgesprochen wird? Dr. Kahan, Znaim. Abraham Goldfaden. Der treffliche Vortrag von: „A b r a h a m Goldfaden. Sein Leben nnd Wirken" ist als Lreparatabdruck der „Wahrheit" erschienen und vomVortragendenHerrn Adolf Heinrich Landau. Wiener Neustadt, zum Preise von X 4.— zu beziehen. Ter gesamte Reinertrag fließt dem „Kinderhort" der Toynbeehalle. dem „Waisenhaus" nnd der „Volksküche" in Jerusalem zu. Ost und West. Illustrierte Monatsschrift für das gesamte Jndentum. Herausgegeben von Leo Winz. Verlag von O st u n d W e st, Berlin 8. 42' Organ der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft der „Alliance Jiraälite Universelle". 8. Jahrgang. Heft 4. April 1908. Inhalt: „Volksweisheit". Von Dr. A. C o r a l n i k. „Rast in der Wüste" (Gedicht). Von Josefa M e tz, Berlin. „Der Patriarch Jsak in der bildenden Kunst" (mit 10 Illustrationen). Von G. K u t u a. „Die Jargonliteratur". Bon Dr. I. E l i a s ch o f f. „An einem Erew-Peßach". Von Ben- A m i. „Wiener hebräische Epitaphien". Von Beruh. M ü n z. „Ales Beiß" (Noten). Von Bogumil Z e p l e r. — Mitteilungen aus dem Deutschen Bureau der „Alliance Jsraslite Universelle": I. Die fünfte Tagung der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft der Alliance Jsraslite Universelle am 25. Februar 1908 in Berlin. II. Die Alliance Jsraslite Universelle und die echt russischen Leute. III. Das Hilfswerk in Marokko. IV. Die Allianceschulen in Kairo. V. Die Falaschas. VI. I. M. Bielefeld. VII. Notizen, a) Abschluß der Hilfsaktion für die Opfer der Exzesse in Rumänien, b) Lokal- Komitee Mannheim! c) Der Brand in Hasköl. d) Sammlung für die marokkanischen Glaubensgenossen. — Der Schlemiel. — Inserate. Ker söhnte Ae in de. Von Babette Fried. (Fortsetzung. Er hatte eine heilige Pflicht zu erfüllen, nämlich das Versprechen einznlösen, welches er beim Abschiede aus Böhmen seinen dortigen Gastfrennden gegeben. Die Gewißheit, daß es ilur Eifersucht auf das Bild Doras gewesen, welche der sonst so sanften Rosa jene verletzenden Worte eingegeben, hatte ihn milder gegen sie gestimmt. Die Dankbarkeit, die er für die ihm gewährte vorzügliche Bewirtung schuldete, das Mitleid, welches er mit ihrer verlassenen Lage fühlte, hatten alsbald eine Aussprache herbeigesührt, welche mit vollständigster Versöhnung der jungen Leute endigte. Daß Ludwig bei dieser Gelegenheit es nicht unternommen hatte, von den Gefühlen zu sprechen, welche ihm das liebenswürdige Mädchen einflößte, kam daher, daß er sich für nicht frei hielt nnd sein biederer Charakter es nicht zugelassen hatte, einem der beiden Mädchen treulos zu werden; seiner Verlobten Dora, oder dem Mädchen, das so ganz sein Herz aussüllte. Nein, er selber wollte leiden, aber keines der beiden Mädchen durste durch seine Schuld um ihren Seelenfrieden gebracht werden. Bei seinem Abschiede nun hatte er der itm den verschollenen Bruder besorgten Rosa das Versprechen gegeben, alles aufzubieten, was in seiner Macht stünde, um den jetzigen Aufenthalt des gefangenen Bruders ausfindig zlt machen nnd alles Mögliche zur Verbesserung seiner Lage zu tun. Um nun dieses Versprechen einlösen zu können, hatte Ludwig Urlaub genommen, trotzdem, wie er wußte, seine Kräfte für den Dienst nötig gewesen wären. Er fuhr von einer Festung zur anderen, wo gefangene Oesterreicher interniert waren, und ließ sich überall die Litten der Gefangenen vorzeigen. Dem wohlverdienten Arzte wurde überall bereitwillig jeder mögliche Vorschub geleistet. So waren mehrere Tage nutzlos verstrichen. Goldenkrvn begann schon an dem Gelingen seines Vorhabens zu zweifeln, ja immer mehr drängte sich ihm die Möglichkeit ans, daß der Gesuchte nicht mehr unter den Lebenden weile. „Arme Rosa!" ries er schmerzlich ans, „der einzige Bruder verloren, nnd der Vater fast schwachsinnig geworden, nnd der so ferne, der so gerne Dein rechtlicher Beschützer, geworden märe." Noch einen letzten Versuch wollte er machen. Er nahm von der letzten Fettung ans einen Wagen nnb fuhr in das nahe Schloß eines im Felde gebliebenen höheren Offiziers, das dessen trauernde Witwe ans eigenen Mitteln als Spital eingerichtet hatte. Als er die Liste der Verwundeten, welche hier verpflegt winden, zitr Hand nahm, siel sein Blick auf den Namen: Karl Hermann, Korporal im 75. Infanterieregiment Gras Crenneville, verwundet und gefangen bei Skalitz am. Das war der Gesuchte. Der Doktor hatte sein Ziel erreicht. Es wurde ihm als solchem ein Leichtes, Zutritt in den Krankensaal zu erlangen. Er trat in den großen Saal, der früher zu festlichen Zwecken gedient hatte. Heute bot diese Stätte ein anderes, trauriges Bild. Der Anblick des unsäglichen Jammers, der sich darbot, und der für einen Laien ein Gegenstand des Grausens gewesen wäre, ihn ließ er unberührt. Kranke nnd Verwundete zu sehen und zu pflegen, das war ja sein Beruf, und seine volle Teilnahme galt mehr den mutigen, unerschrockenen Damen, meist in noch jugendlichem Alter, welche in ihrem einfachen schwarzen Kleide mit weißer Haube und Schürze, so liebreich zwischen den einzelnen Lagerstätten herumgingen, den armen Verwunderen Labung und Trost zu spenden. Der am Eingang des Saales beschäftigte Diener wies dem Doktor das Bett, worauf „der Böhme" lag, und vor dem gerade eine jener barmherzigen Schwestern stand, welche dem Kranken eine Schale Suppe reichte. Goldenkrvn ging geradeaus zu diesem Bette. Als ihn die Schwester erblickte, wendete sie sich wie erschreckt ab nnd eilte, so rasch es ihr möglich war, der Türe zu, ohne sich Zeit zu lassen, dem erstaunten Patienten eine Erklärung über die Ursache ihres raschen Enrsernens zu geben. Goldenkrvn stellte sich mit militärischer Kürze dem gefangenen Oesterreicher vor, und unter der Bedingung, daß sich dieser nicht ausregen werde, erzählte er ihm von seinem Ansenthalte in dessen väterlichen Hause, verschivieg aber wohlweislich den traurigen Seelenzustand des Vaters. (Fortsetzung folgt.) Der Pesachfeiertage halber erscheint die nächste Nummer unseres Blattes am 30. April.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.