Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 16 (16.4.1908)
- Date
- 1908-04-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3062972-3063418-3063434--05413-3072333- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 16. Die Wahrheit eite 7. wie noch andere mit Artaxerxes II. Allein die Charakterzüge dieser Herrscher wollen nicht zu dein biblischen Bilde des Ahasverns stimmen. Znnz vermutet in seiiier genialen Art. Ahasverns sei Jerxes; dieser halbwahnsinnige König, der in seinem Zorne das Meer hat peitschen lassen, passe zur Figur des lannenhasten Ahasverns. von welchem der Talmud meint rrti’-ians -jb», er sei ein närrischer König gewesen. Znnz' Hypothese wird nnn von nnseren Papyri glänzend bestätigt. Der biblische Name dieses Königs findet sich darin in der Schreibweise snK’tpn, also ohne das Alef prostlieticum und mit Aenderuug des Waf in Jod, und durch bre kalendarische Feststellung ist jeder Zweisel ausgeschlossen, daß darunter ein anderer als Terxes zu denkeil sei! Also der Ahasverns des Buches Esther ist kein Phantom, sondern hat gelebt? 'Aber noch ein anderer Name ist in diesen Papyri zu finden. Ein einzelner Name bloß, der uns aber den Schlüssel zum ganzen Buche Esther liefern kann. Haman wird bekanntlich im Buche Esther als «man jr. Sohn des Hamdatha bezeichnet. In den Papyri 0 und D findet sich als Regimentsinhaber einer persischen Truppe der Name rna\-i. So stehe n d i e T o t e n a u s. um für d i e W a h r h e i t der Bibel zu zeuge n! Wäre es sonst denkbar, daß in einem Romane, der nach Annahme der Bwelkritiker drei Jahrhunderte später in der griechischen Knlkitrwelt verfaßt sein soll, also in einer Epoche, wo längst jeder persische Einfinß verflogen war, ein persischer Name wieder austancht, der in nnseren Papyri, den Zeitgenossen des Lerxes-Ahasverns. enthalten ist? Nein, wenn lvir das Purimfest seierlich begehen und uns über das Mißlingen der Pläne Hamans freuen, so sind wir nicht von der Phantasie irgend eines Dichters geäfft worden. Haman hat gelebt, so leibhaftig — wie all die Hamans der Gegenwart! Das zweite, von uns gewonnene Resultat berührt eine der wichtigsten Fragen der jüdischen Wissenschaft: die Opfersrag e. In der Abhandlung: „D e r U r s p r u n g d e r S y n ag o g e", ist von mir die Theorie verfochten worden, daß das Judentum d e s A l t e r t n m s feinen legalen Kult ohne Opfer gekannt habe. Diese Annahme ist wohl durch die Papyri-Elephantine bestätigt worden. Die Inden dortselbst opfern Weihrauch-, Speise- und Ganzopser. Nun aber taucht der harte Einwand auf: Wie durften sie dies tun? Nach Dellteronomium XII, 13. 14 ist es ausdrücklich verboten, a u ß e r h a l b I e r u s a l e m s Opfer d a r z nb rin gen. Nöldeke, Schürer und aitch andere Forscher Helsen sich damit, daß sie Zweifel äußern, ob schon damals das Buch Deuteronomium vorhanden oder anerkannt gewesen sei. Meines Erachtens läßt sich hieraus der entgegengesetzte and nicht unrichtige Schluß ziehen, u. zw. in folgender Weise: Die Juden in Elephantine haben wohl geopfert, aber per nefas, d. i. in Verstoß gegen Deuteronomium, wie dies auch später Onias in Heliopolis getan. Und gerade weil damals das Deuteronomium schon vorhanden gewesen, gerade weil das Verbot, außerhalb Jerusalems zu opfern, schon in Geltung war, darum erhielten sie ans ihre an den Hohenpriester Jochanau und die rmrr nn gerichtete Bitte, ihnen znm Wiederaufbau des zerstörten Altars in Elephantine zu verhelfen, keine Antwort. Die Jndäer konnten und wollten nicht jenen die Handhabe bieten zur Uebertretung einer biblischen, für das Ansehen Jerusalems wichtigen Vorschrift. Sie schwiegen daher — was sonst befremdlich wäre. So lösen sich gerade durch das Festhalten am bibelgläubigen Standpunkte all die Fragen, die auch Professor Sachau nicht wenig Schwierigkeiten bereitet haben! — Eine alte Sage der Griechen weiß von einem Riesen zu berichten, dessen Kräfte abnahmen, so oft er von der Erde sich entfernte; dessen Stärke aber gewaltig stieg, so oft er die Mutter Erde berührte. Dasselbe darf auch von der modernen Bibelknnde gelten, die riesig angewachsen ist. Sie ist schwach und ohnmächtig, wenn sie sich in das luftige Gebiet der Hypothesen, Theorien und Doktrinen begibt; sie erweist sich aber als stark, sie wirkt, überzeugend, wenn sie sich auf dem Gebiete des Tatsächlichen, des Gegebenen, der Urkunden befindet und bewegt. Durch die Papyri v o n A s s n a n und Elepha nt i n e hat d i e B l b e l k u n d e — dies geben selbst die Gegner zu — i nt positiven Sinne eine namhafte Stärkung erfahren? Die Forschung rastet und rostet Glicht. Neue Papyrifunde werden bereits angekündigt, neue Ausgrabungen sollen veranstaltet werden. Wie werden diese ansfallen? Wir hoffen und sind überzeugt, daß auch diese wie bisher nicht gegen, ) o n t> e r ii für d i e Bibel zeugen werden. Wir hoffen, daß, wenn der S a n d b o d e n A e g y p t e n s u n s mit neue n U r k mibe u aus n u s e r e r V e rg a n g e n h e i t beschenke n w i r d, a n ch v o n d i e s e n das Wort gelten werde: >-72271 p-tsa nax A u s d e m B o d e n s P r i e ß t h e r v o r d i e W a h r h e i t. die Wahrheit unseres herrlichen G o t t e s b u ch e s, die Wahrheit der Bibel? Ethische Lichtstrahlen ans der talmndijchen Halacha. I. Der berühmte Lehrer Samuel tat den Ausspruch: Wer andere als schlecht hinstellt, ist gewöhnlich selber schlecht und zumeist sind es seine eigenen Fehler, die er an anderen sieht und tadelt. An diesen Ausspruch wird man immer erinnert, wenn auf Inden und Judentum geschimpft wird. Was wird nicht alles dem Jndentnme zur Lau gelegt, gibt es auch nur eilten Fehler, der dem Juden nicht beigelegt würde! Die schlechtesten und unredlichsten Gcschäflsantisemiten. die den bei der großen ungebildeten Menge leider vorhandeneil Judenhaß zu ihrem Nutzen und Vorteile, zur Befriedigung ihrer gemeinen Ehr- und Habsucht ansbellten, kann man beständig auf der Behauptung hernmreiteu sehen, daß der Jude im Geschäfte keine Moral, kein Gewissen, kein Mitleid lind Erbarmen kennt, daß er sich kein Gewissen daraus macht, die Notlage eines anderen zu seinem Vorteile alisznbenien, oder ihn auch zugrunde zu richten, um sich vor dem geringsten Schaden zu bewahren. Das soll sich besonders bei gerichtlichen Feilbietungen zeigen, wo oft Hans und Feld eines armen Schuldners um die Hälfte ihres Wertes verkauft werden, weil angeblich Inden es sind, welche in solchen Füllen den Preis herabdrücken. Abgesehen davon, daß Inden auch jetzt in den seltensten Fällen an solchen gerichtlichen Feilbietungen teilnehmen oder gar das znm Verkaufe gelangellde Objekt erstehen, haben die Jllden schon zur Zeit des Talmud, im 3. lind 4. Jahrhundert, so etwas für schiinpflich gehalten. So finden wir mitten in einer scharfsinnigen juristischen Diskllssion darüber, wann ein Verkauf bei einer unrichtigen gerichtlichen Schätzung, oder bei nicht vorangegangener gesetzlicher Verlautbarinig als nngiltig zu erklären ist, eine Bemerkung, die den wahren Charakter des Juden viel richtiger kennzeichnet, als alle ihm angedichteten Fehler und Mängel. In Nahardea, heißt es dort, gereicht es dem Schuldner nur znm Nachteil, wenn der Verkauf seines Feldes öffentlich verlantbart wird, da sich in einem solchen Falle kein Käufer mehr findet, weil niemand den Schimpf auf sich laden will, daß die Bewohner der Stadt mit Fingern auf ihn Hinweisen und von ihm sagen: „Das ist einer, der von den feilgebotenen Feldern verarmter Schuldner lebt." (Ketnboth 1006.) Sollen die Judenfeinde auch nur eine antisemitische Stadt nennen, deren Bewohner moralisch so hoch ständen und so feinfühlig wären wie die jüdischen Bewohner von Nahardea. II. In demselben Talmndtraktat (60 b) wird darüber diskutiert. wie lange eine Frau, die beim Tode ihres Mannes einen Säugling hatte, aus Schonung und Vorsorge für diesen, bis zu ihrer Wiederverheiratnng warten muß, und wird diese Zeit auf 24 Monate, von der Geburt des Kindes an gerechnet, festgesetzt; zugleich wird auch bestimmt, daß selbst, wenn dem Kinde schon früher eine Amme genommen oder dasselbe entwöhnt worden wäre, davon nicht abgegangen werde. Nun wollte ein