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Die Wahrheit · 1908-04-16 · Heft 16 (16.4.1908) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 16 (16.4.1908)
Date
1908-04-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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:eite 6. Die Wührden Nr. 16. Tatsache; sie bleibt zurecht bestehen, ob sie auch gefällt oder nicht. Von den Juden kam der Heiland — höret es und merkt daraus, ihr Völker der Erde! Aus keinem von euch ist Christus, der Heiland hervorgegangen! Wo irgend jemand von seinen Sünden los werden will, der muß den ans Israel gekommenen Heiland annehmen; einen anderen gibt es schlechterdings nicht! Aus dem Geschlechte Abrahams, vom Stamme Davids ging Christus hervor; eine jüdische Jungfrau, Maria, war seine Mutter, zu Bethlehem im jüdischen Laude stand seine Krippe! Alll die Städte und Märkte, die Berge und Thäler, die Häuser und Gärten, da Jesu heilige Füße gewandelt, da Jesu holdselige Lippen Worte des Lebens geredet, da Jesu segenspendende Hände Wunder der Mach: und Liebe vollbracht, lagen in den Grenzen des jüdischen Landes u. s. w. -Und noch jetzt besteht des Heilands Wort in Kraft: im letzten Grunde sind die Juden die Heils-Vermittler der Well geblieben. Woher nehmen denn die Deutschen, Engländer und Amerikaner und andere Völker die Mittel zur Mission und Evangelisation? Vermögen sie ans Eigenem zu schöpfen? Meine Lieben, ihr wißt: es ist das von den Juden empfangene Gotteswort, das sie verkünden; es ist die von Inden verfaßte Bibel, die sie übersetzen und verbreiten; es ist das von Juden überkommene Lebensbild Jesn, das sie der Welt vor Augen malen. Ein Paulus und Petrus, ein Jakobus und Johannes, die Völkerapostel ans Israel sind es, die auch inmitten der Christenheit noch heule ihres Zengeuamtes warten; sie gehen Hand in Hand durch die Gemeinde, sie stehen abwechselnd auf der Kanzel, sie rufen die Sünder zur Buße; ihre Segenswünsche grüßen uns bei unserem Gottesdienste, ihre Trostworte erquicken uns an unseren Gräbern, ihre Mahnungen begleiten unfern Pilgerlauf von Jahr zu Jahr, von Sonntag zu Sonntag. — — — Was auch die Chaldäer und Phönizier, die Griechen und Römer an Kunst und Wissenschaft der Welt zu Nutz hervorgebracht haben durch Israel haben wir mehr empfangen, eivige unvergängliche Güter des Heils und der Seligkeit, darum sind wir ihm auch zu größerem Dank verpflichtet." n. s. w. (Br. Monaisbl. 1889). Daß der Pastor W. ein für seinen Glauben im höchsten Maße begeisterter Priester, ein streng gläubiger Christ sei, erhellt wohl aus jedem Satze der hier reproduzirten Rede zur Genüge. Würde es nur recht viele seines Gleichen unter den christlichen Priestern geben, wahrlich dann tvürden — von den Geschäftsantisemilen abgesehen — die vorurteilsfreien Bekenner des Christentums die Ueberzeugung gewinnen, daß es töricht, ja sündhaft sei. das Judentum, dem alle kultivierten und zivilisierten Völker der Erde ihre besseren Begriffe über Gott, Mensch und Welt zu verdanken haben, zu verachten und zu verspotten. Bezeichnend ist es, daß die hervorragendsten Lehrer in Israel — sowohl in der talmudischen als in der nachtalmudischen Zeit — trotz des unsäglichen Druckes und der härtesten Ver- , solgungen, denen die Bekenner des Judentums ausgesetzt waren, jeden Haß und Groll gegen Andersdenkende imd Andersgläubige entschieden verboten, allgemeine Menschenliebe und Menschenverbrüderung gelehrt und gepredigt und die hohe Mission der beiden Tochterreligionen zu würdigen keinen Anstand genommen haben. Es würde uns zu weit führen, wollten wir hier alle die diesbezüglichen Aussprüche der Weisen in Israel anführen. Für heute wollen wir bloß einen Passus aus einer Rede, die der allgemein gefeierte Wiener Kanzelredner, der imvergeßliche Prediger Dr. I e l l i n e k s. A., am 12. November 1859 gehalten hat, hier reproduzieren. Dieser lautet: „Haben nicht zwei unserer berühmtesten Lehrer des Mittelalters, R. Jehuda Ha-Lewi und R. Moses b. Maimon, der eine in Spanien und der andere in Egypten, es offen ausgesprochen, daß beiden jüdischen Tochterreligioueu .eine große weltgeschichtliche Sendung an die Heidenwelt nach dem Ratschlüsse der Vorsehung zu Teil werde, und daß beide zur allmähligen Verwirklichung des Gottesreiches auf Erden mächtig mitwirkteu. (Kusari 4, 23, Rambam hil. Melachim 11.) Hat nicht R. Mose b. Nachman diese Ueberzeuguug unserer großen Lehrer vor einem Könige in Aragonien vorgetragen? (Derasch. Rambam S. 5.) Rief nicht der Spanier R. Josef; Jabez aus: Gepriesen sei der Ewige, der Gott.Israels, daß er,! nachdem der zweite Tempel zerstört und Israel zerstreut wurde,! eine der unfern verwandte Schöpfung, Schrift und Offenbarung,! göttliche Bestrafitng und Belohnung anerkennende Religion! entstehen ließ; denn wer weiß, ob wir nicht inmitten der; Heiden wankend geworden wären? (Maamor Hoachdus 3.)! Gehen nicht alle unsere Gesetzeslehrer in Deutschland, Spanien,; Frankreich und Polen, der Deutsche R. Ascher, der Spanier! R. Nissim. der Proveuoale R. Jeritchom, der Pole N. Moses j Jsserls in ihren gesetzlichen Bestimmungen von dem Grundsätze! aus, daß die Anhänger der ältesten jüdischen Tochterreligion > denselben Gott Himmels und Erden wie Israel anrnfen und; bloß durch die Auffassung und Gestaltung der Gottesidee sich , von demselben unterscheiden und trennen? Schrieb nicht R.! Jakob Emden im vorigen Jahrhundert: „Heil uns und Heil j den Bekennern der Heilsbotschaft, wenn sie die liebevolleit und! menschlichen Lehren derselben stets beherzigt Hütten; o dann! hätten sie nie zugeben dürfen, daß unsere Vorfahren zu | Tausenden und Myriaden gemordet wurden". So wurde vor ungefähr einem halben Jahrhundert, in einer Zeit, da die Juden Oesterreichs sich der vollständigen Freiheit und Gleichberechtigung — nicht einmal auf dem Papier — noch nicht zu erfreuen hatten, ans der Kanzel der Wiener israelitischen Kultusgemeinde gelehrt und gepredigt. Geschieht dies auch auf den Kanzeln anderer Konfessionen? _ Dr. M. H. Fr. Einige Gesichtspunkte bezüglich der siidisch nrnmäischen Papyrifnnde in Assuan und Glepsiantine nnd deren Kedentnng für die Kikrlknnde. Von Rabbiner Dr. M. Nosemnann. (Schluß.) ' Der Erfolg blieb jetzt nicht ans. Ein kleiner Papyrus enthält den Befehl — wohl des Königs — in Lapidarstil: „Dil sollst in Aegypten sprechen vor Arsames über das Altarhaus des Gottes des Himmels, welches in der Festung Jeb gebaut war vor unserer Zeit, vor Kambyses, welches Waidring, jener zerstört hatte im Jahre 14 des Königs Darius, es wieder aufzubauen an seiner Stelle, wo es früher gewesen ist. Und Speiseopfer nnd Weihrauch sollen sie darbringen aus jenem Altar ebenso, wie früher getan zu werden pflegte." Dies in Kürze der Ueberblick über diese wenigen nnd doch überaus inhaltsreichen Urkunden. Und nun entsteht die Frage, in welche B e z i e- Hungen können diese im Zeitalter E s r a s u n d N e h e m i a s, also i n d e r s o w i ch t i g e n s o f erischen Epoche e n t st a n d e n e n Papyri z u der B i b e l k n n d e gebracht werden? Gewähren diese auferstandenen beredten Zeugen Aufschluß über manche Probleme, welche die jüdische Wissenschaft seit je so intensiv beschäftigen? Und ist der Gewinn, den wir etwa aus ihnen ziehell dürfen, im positiven oder negativen Sinne zu verzeichnen? Einige Ergebnisse meiner Untersuchungen in dieser Hinsicht glaube ich festhalten zu dürfen. Sie betreffen zunächst das Buch Esther. Die Erzählung des Buches Esther, auf welches unser heiteres Purimfest beruht, wird von uns gläubigen Inden als historisch wahr angesehen. Es gibt aber auch Zweifler, Kritiker, welche die Wahrheit der Begebenheit leugnen und sie für eine Fabel, für eine Allegorie, für eine Dichtung ansehen, für einen Roman etwa, der drei Jahrhunderte später entstanden sei. Es habe überhaupt keinen König Ahasverus gegeben, ebensowenig eiueil Judenfeind namens Haman. Ja, wer sei eigentlich dieser Ahasverus? Die persische Königsgeschichte kennt keinen solchen Namen. Josephns identifiziert ihn mit Artaxerxes Longimanns; die Septuaginta, das Targum, der Midrasch und Eusebius fo*

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