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Die Wahrheit · 1908-04-03 · Heft 14 (3.4.1908) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 14 (3.4.1908)
Date
1908-04-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Die Wahrheit '3 er. 14 Tradilwnsgesang vom Untergange retten könnte. Dort bei Boruch Schorr, sowie hier bei Baum erscheint die Orgel als Ersatzmittel für den einstigen Meschorer. Die Orgelbegleitung ist, mit geringer Ausnahme, innerhalb der Botmäßigkeit der jeweiligen Sieigerintervalle gehalten, selbst die harmonische Ausgestaltung sogenannter moderner Kompositionen steht in rationeller Weise im Banne dieser Botmäßigkeit, und wenn schon weiße Notenkuöpfe — diese anerkannten Wahrzeichen des Kirchengesanges — vorhanden, so wird der Effekt des uns fremdartig berührenden Zusammenklingeus derselben durch die nur den jeweiligen Steigerintervallen innewohnende harmonische Wirkung bedeutsam gemildert und unserm jüdischen Empfinden näher gebracht. Eine Opposition, lediglich um zu opponieren, ist ein vernichtender Gifthauch, von dem jeder rechtlich denkende Mensch ferne bleiben muß, doch eine logisch begründete, wenn auch vollständig gegnerische Anschauung ist unter allen Umständen ein Länterungsprozeß, der entschieden eine wohltätige Wirkung im Gefolge hat. Einer solch' gegnerischen Anschauung stehen wir hier in den Darbietungen des Kollegen Baum gegenüber; wir nehmen jedoch keinen Anstand, die Erklärung abzugeben, daß wir uns aus den eben angedeutelen Gründen derselben sympathisch zuwenden. Resümieren wir, indem wir noch einmal daraus Hinweisen, daß jeder von uns, der sowohl als ausübender Cantor, wie als Componist sein Genügen darin findet, ausschließlich den Bedürfnissen der Gegenwart zu dienen, bei gleichgesinnten Seelen auch aus eine sofortige freundliche Ausnahme rechnen darf. Nur derjenige — und namentlich der Synagvgen-Komponist, der den künstlerischen Inhalt seiner Zeit und der voransgegangeneu Epochen znsammensaßt, um gleichsam vorahnend für die Zukunft den Weg zu bahnen und künstlerische Möglichkeiten zu verkünden, der wird — weil zumeist unverstanden seine Popularität nur Schritt vor Schritt erringen müssen. Die Herrschaft und Bedeutung der ersterett,, der sogenannten Momentschöpfer, steht und fällt aber auch in der Regel mit deren Wirksamkeitsepoche und nur die Schöpfungen der letztgenantlten, die mit ihrem Idealismus gleichsam mit Seherangen in die Zukunft voransbltcken und dieselbe vorzubereiten trachten, nur diese spotten der Flucht der Zeit. Wir nehmen keinen Anstand, es rückhaltslos einzugestehen, daß wir seit vielen Jahrzehnten bei Beurteilung synagogengesattglicher Schöpfungen den oben gekennzeichneten Standpunkt entnahmen. Möge Herr Kollege S. Baum auch bei seinen weiteren eventuellen Darbietungen hieraus auch eine Nutzanwendung für sich in Anspruch nehmen. Verschiedene Nachrichten. Wien. Der „Wiener Synagogensänger-Verein" hielt kürzlich unter zahlreicher Beteiligung der Mitglieder seine diesjährige Generalversammlung ab. Der Obmann, Herr Salo L e m b e r g e r konnte in seinem Rechenschaftsberichte mit Befriedigung auf die gedeihliche Entwicklung dieser hnmanilären und künstlerischen Vereinigung Hinweisen. Dank der Mirwirkung des Vereines bei dem großen Konzerre der unter dem Präsidium des Herrn Dr. Samuely so segensreich wirkenden „Toynbee-Halle", im Hotel Continental, unter der zielbewußten, temperamentvollen Leitimg des Herrn Chordirektors Pros. S u l z e r, sowie der - von den verehrten Präsidenten der isr. Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, Dr. Gustav K o h n und Baurat v. Goldschmidt in diesem Jahre bewilligten Subvention, wurden dem Krankcnunterstützungsfonde namhafte Beträge zugeführt und konnten im Berichtsjahre 400 X für kranke und hilfsbedürftige Tempelsänger verwendet werden. Auch das eigene statutarische Konzert des „Wiener Synagogensänger-Vereines" im Hotel „Bayrischer Hof" am 15. Dezember vorigen Jahres habe durch das einmütige, opferfreudige Zusammenwirken aller beteiligten Faktoren : der Dirigenten Josef Z e l l n i k, Isidor L ö w i t und Julius H e i m a n n, der Solisten : Opernsänger Josef Schwarz von der Volksoper und Oberkantor S. Kw artin. des beliebten Komikers Richard Waldemar und des Organisten M. M e n tz e r, sowie der Vereinsleirung und aller Mitglieder, sowohl in künstlerischer wie in finanzieller Beziehung einen alle Erwartungen übertreffenden Erfolg gehabt, was auch in dem übereinstimmenden begeisterten Lobe der berufenen jüdischen Presse seinen beredten Ausdruck fand. „Wir schulden allen Gemeinden," fuhr der Redner fort, „sowie insbesondere auch dem kais. Rate Dr. Lieben und Herrn Emil Engel für die moralische Förderung unserer Bestrebungen den innigsteu Dank. Ebenso dem Oberlantor Bäla G ut tut aiiii für die namhafte Spende von 50 K, welche er beit humanitären Vereinszwecken Angeführt hat, und allen anderen unterstützenden Mitgliedern. Der unerbittliche Tod hat uns eines derselben, den kais. Rat S. Kohnbcrger leider enttissen und wir werden dem edlen Verblichenen stets ein ehrendes Andenken bewahren." Mit der Aufforderung^ durch harmonisches Zusammenwirken im Gesänge wie in der Menschenfreundlichkeit den Verein und dadurch das Ansehen und die Achtung desganzen Standes zu heben, schloß Herr Lemberger seine mit großenr Beifalle ausgenommenen Ausführungen. Nach Erteilung des Absolutoriums wurden sodann in die Vereinsleitung geivählt: Herr Salo Lemberger als Obmann, die Herren A. Goldenberg als Obmannstellvertreter, Dr. L. L empört als Kassier, I. Kreisler als Schriftführer, die Herren: E s k r e i s. F i n k e l st e i n, H i r s ch m a n n, I. S e r e b r e n i k, und S i l b e r m a n n als Vorstandsmitglieder, S. Redlich und I. W e i ß k o p f als Revisoren, Josef Z e l l n i k, Julius H e i m a n u und I. Kantor Rosenberger als Kontrollore. Wien. Im Museum für jüdische Altertümer, II., Pratersiraße 23, hat der Maler I. B e n e s ch mehrere Porträts ausgestellt, die daselbst noch für kurze Zeit zu sehen sind. Zu besichtigen Samstag und Sonntag, von 11 bis 1 Uhr. Wien. (Unterstütznngs-Berein "svin,,.) Sonntag, den 5. April, präzise 7 Uhr abends, findet im Bereinslokale, II., Große Schiffgasse 21, die ordentliche Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Erstattung des Rechenschaftsberichtes; 2. Wahl des Vorstandes und zweier Revisoren; 3. Eventuelles. Wien. Im Vereinsbethause des Kranken-Unterstützungs-Vereines „Liwias Chen" wurde am 25. März für das vor kurzem verstorbene Ehren- und Vorstandsmitglied, Herrn Salvmon Triger, der sich um den Verein große Verdienste erworben hat, eine Trauerfeier (Hesped) abgehalten, die unter zahlreicher Teilnahme einen äußerst würdevollen Verlauf nahm. Nach Einleitung des Minchageberes durch Oberkantvr M. Seifert aus Baden, hielt Rabbiner Meyersohn die Trauerrede, in welcher er die Bedeutung des Hesped erläuternd, zur Würdigung des Dahingeschiedenen gelangte, dem die Trauerfeier galt und der durch sein gottgefälliges, echt jüdisches, schlichtes und friedliches Leben das Hesped voll und ganz verdient hat. Mit dem ergreifenden Bortrage des Kap. 49 ans Thillim und des „El mole rachamim“ fand die erhebende Feier einen würdigen Abschluß. Wie». - Die Toynbee-Halle, XX., Othmargasse 46, beschließt ihre Vortragssaison 1907/8 Sonntag, den 5. April d. I., mit einem Vortrage des Reichsratsabgeordnetcn Dozenten Dr. Artur Nt a h l e r. Thema: „Wissen und Bildung bei den Inden." — Beginn 7 Uhr abends. Wien. (Trau u n g.) Sonntag, den 5. April d. I., 3 Uhr nachmittags, findet im Tempel, XVIII., Schopenhauerstraße 39, die Vermählung des Frl. Amalie N o s s t g, Tochter des Berhausvorstehers Herrn Josef Nossig, mir Herrn Franz U l l m a n n, Sohn des Oberlehrers Herrn Leopold Ullmann. statr. Wien. Donnerstag, den 9. d. M., um 1 Uhr mittags, findet im isr. Tempel. II., Große Schiffgasse 8, die Trauung des Steinmetz- und Grabsteinhändlers Alfred Kunstadt, II., Rothensterngasse 27, Sohn des Herrn Hermann Kunstadr, mit Frl. Erna S i l b e r st e i n, Tochter des Kanditensabrikanten Herrn Efr. S i l b e r st e i n - Wien, statt. Znaim (W o h l t ä t i g k e i t s s e st.) Der „Znaimer Turnerklub" im Vereine mit dem „Israelitischen Wohltätigkeitsvereiu" veranstalteten am 21. d. M. in den Festräumen des Deutschen Bürgervereinshauses eine Akademie mit anschließendem Tanzkränzchen. Den ersten Teil des Programmes bildeten Darbietungen der Damen Rosa W a g s ch a l, Irma und Sophie R a t ti n g e r, sowie der Herren Handgriff, W e i n b e r g e r, Knüpfer und Fischer. Herr.Kantor Handgriff brachte eine Ballade von Löwe und zwei Schubertlieder zum Vortrag und erntete lebhaften Applaus. Hierauf sang Frl. Wagschal, Opernsängerin aus Wien, welche ihrer wunderbaren Koloratur wegen immer wieder hervorgerusen wurde. Jn bereitwilliger Weise gab sie zwei reizende Lieder zu. Die beiden Schwestern Frl. Rattinger gaben den Einakter „Die beiden Witwen" in köstlicher Weise zum besten, sie sangen und spielten mit einer Routine, um die sie so manche unserer Schauspielerinnen anfangs der Saison beneidet hätte. Nachdem noch Herr Weinberger und Herr Knüpfer Verschiedenes sehr schön vorgetragen, sang noch Herr Fischer vom hiesigen Stadttheater einige lustige Lieder. Sämtliche Programmpunkte wurden auf wahrhaft künstlerische Weise zu Gehör gebracht. Den Schluß der Akademie bildete der Klon des Abends und zwar der von 19 Fräuleins gebildete Reigen der Damenregie des Tnrnerklubs unter dem strammen Konnnando des Herrn Läufer. Bon nun an wurde Terpsychoren eifrigst gehuldigt. In lobender Weise muß auch der von den Damen vielfach beschickten Konditorei Erwähnung getan werden, wobei sich Frau Appelfeld mit einer Monstertvrte hervortat.. Bon den erschienenen Honoratioren seien erwähnt der Obmann des „Deutschen Bürgervereines" Herr Landes-Oberrealschuldirektor E. R a i m a u n, Herr Oberlehrer B e s ch e l, Herr k. u. k. Hauptmann Baue r, Offiziere, Kadetten, Einjährig-Freiwillige und andere. Der Reinertrag des Festes dürfte, trotzdem an Regie nicht gespart wurde, mit Rücksicht auf den erfreulicherweise sehr starken Besuch und auf namhafte Ueberzahlungen ein beträchtlicher sein. Dem Obmann des Turnerklubs Herrn Dr. Sigmund R o s e n s e l d und dem rührigen Damenkomitee mit den Damen Frau Dr. K a h a n. welche sämtliche Gesangsnummern in diskret künstlerischer Weise begleitete, und Frau Hermine Weiner an der Spitze, gebührt vollste Anerkennung. Köln. Die städtische Ratskonimission hat die Annahme und Aufstellung eines der Stadt Köln als Geschenk angebotenen Heinrich Heiner- Denkmals einstimmig abgelehnt.

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