Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 14 (3.4.1908)
- Date
- 1908-04-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nrdaktiou ». Ülbmuuln'utiou : j Wien, II/, vivvaragaisL 21.j Trlrl»tliMi bficre£ 15SUS K. k. österr. Postsparkaffa- I Scheck-Konto Nr. 1W.S18. jin Icrati: Tiuieimat gribulteue Nonvoreilie-Zeile 2r> Heller. flboiuicmeuis* u. berrnge sind m 2l5ien jubibav und flau bat. Unabhängige Heitschrift für jüöiscbi . InLere^en. Erscheint jeden Kreitng. Motto : „Das Siegel Dolles ist Wahrheit!“ iMuiijIiiDi'iij ... ff. u. -- 6nibiäijvia . ff. 7 ■ j: tViiu (SnltiiSbeamte: 'M.iiuuitjua ff io |i Fn> Vtiiolmtö : ji «UiiiMlilOvivi 'Ulavf J 6 Rudel oder »6 NcL! Nr. 14. Wie», 3. April 1308 Inhalt: Haeckel und Darwin. — Alfred Dreyfns, der Jude. — Galizischer Hilfsverein. — Pester Chewra Kadischa. — Das Brandnnglück von Hasköi. — Abraham Goldfaden. — Nene Synagogen-Gesangswerke. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: „Persöhnte Fenide." Die geehrten Kerren Aöonnenten werden um umgehende Krneuerung des Abonnements für das am 1. April begonnene 2. Huartat ersucht, damit die regelmäßige Krpedition des Mattes keine Unterbrechung erleide. Abonnements-Bedingungen: Ganzjährig Kr. 14.— Kalvjährig Kr. 7.—, HZierteljährig Kr. 3.50. K. k. Postspartassen-Konto 1VV.S18. Die geehrten Herren Abonnenten werden ersucht, bei Ein- J iendung des Abvnnementsbetrages den beiliegenden Erlag-! schein zu benützen. Die Redaktion. > —. .. - - i Hackel nnd Darwin > nach a lttest ainentari sch er Anschauung. j Der Steinwurf, der gegen den berühmten Naturforscher! Professor Ernst Hackel in Jena in dessen Studierstube stog, hat in der europäischen Presse viel von sich reden gemacht, und den Namen dieses Gelehrten in Kreise getragen, die früher j denselben kaum kannten. Ein führendes öfter reichliches liberales! Organ hat ofort am anderen Tage an leitender Stelle einen; von tiefer philosophischer Gelehrsamkeit triefenden Artikel gebracht, j in welchem das Wirken dieses Mannes als Verbreiter der! Darwinschen Lehren in Deutschland geschildert und sogar ungescheut der Gedanke ausgesprochen wurde, der Stein sei nicht! unverdient geschleudert worden; denn Hackel selbst habe in den i Glaubensgarten vieler Gläubigen der positiven Religionen j manchen Stein geworfen.; Ich war nun recht begierig, über Häckel. den ich nur dem; Namen nach kannte, etwas Näheres zu erfahren, namentlich : seine Geisteskinder etwas näher kennen zu lernen. In einer hiesigen Buchhandlung ist es mir nun gelungen, eines dieser; Kinder sofort habhaft zu werden. Es war das einzig vorhandene Exemplar der Broschüre: „Der Monismus als Band zwischen Religion und Wissenschaft". Da dieses Kind schon nach seiner; Aufschrift auf dem Titelblatte, also nach seinem Nationale, sich i als „Glaubensbekenntnis eines Naturforschers" in 8. Auflage; prüfenterte, so griff ich mit Begierde darnach. Ich merkte aber! iofort, daß das Kind kein eigentliches Kind mehr, sondern bereits ' i. I. 1892 geboren, also bereits 16 Jahre alt sei. Ich fand ferner,! daß seiner Taufe eine große, gelehrte Gesellschaft assistierte, denn > es rtpräsentiert sich auch als Rede, gehalten beim 75jährigeu Jubiläum des Natnrforschenden Vereines in Altenburg. Das erweckte meine Neugierde doppelt. Ich studierte auch den Umschlag von Innen und Außen und da fand ich, wie es bei fruchtbaren Schriftstellern vorznkvmmen pflegt, eine Masse Geschwister mit Namen anfgezählt, die alle Häckel zum Vater haben. Ich vertiefte mich bald in die Lektüre des Buches selbst und fand hier, wenn auch nicht gerade viel Neues, doch manches Interessante. Einige bekannte Ideen Darwins über die Entstehung der Arten, über die Entwicklung der anorganischen und organischen Welt etc. Der Grundgedanke dieses Buches kann wohl darin gefunden werden, daß der Autor, sowie viele andere Philosophen und Metaphysiker der alten und neuen Zeit, sich mit den Geheimnissen der Welt, den sogenannten Welträtseln, dem Werden nnd Vergehen, namentlich der Entstehung der Welt als Kosmos, sowie des Menschen als Individuum, sowie anderer organischer Wesen sich befaßt nnd deren Entstehung ans der Zelle abznleiten sich bemüht. Es ist nun ganz natürlich, daß er durch solche Theorien, namentlich durch den Satz, daß der Mensch vom Affen abstamme, mit der biblischen Schöpfungsgeschichte und den Grundideen der monotheistischen Glaubensbekenntnisse in harten Konflikt geraten und sich, nicht nur seitens der katholischen und protestantischen, sondern auch der jüdischen Theologen bitteren Haß zngezogen und so einen Sturm der gelehrten Geister gegen sich heraus beschworen hat. Beim Lesen dieses Buches, namentlich der etwas verschwommenen Partie über „Zellseeleu" oder „Seetenzetlen" etc. fiel mir ein Satz aus den Sprüchen Salomos ein, der mir kürzlich gelegentlich der Uebersetznng des „Liedes vom braven Weibe", welches bekanntlich den Schluß dieser Sprüche bildet, begegnet war und meine volle Aufmerksamkeit gefesselt hatte. Es ist das ein Satz aus dem 30.. also dem vorletzten Kapitel der „Sprüche Salomos", der sich mir beim Leien tief in die Seele eingeprägt hatte, weil er nicht nur den grübelnden philosophischen, sondern auch den poetischen Geist des Autors bekundet. Hierbei hatte ich eine allerdings interessante, mich selbst frappierende Wahrnehmung gemacht. Ich fand nämlich, daß dieses Kapitel nicht das Werk Salomos des Weisen selbst ist, sondern eines gewissen Azurs, des Sohnes Jakes, der gleich am Eingänge des Kapitels als Autor genannt wird, der aber trotz seiner tiefen philosophischen Betrachtungen in seiner Bescheidenheit, sich einen Unerfahrenen, einen der Weisheit völlig baren nennt und einige Zeilen später einen schönen Satz ausspricht, der sowohl durch poetische Form, als auch durch seinen philosophischen Inhalt den Sinn eines jeden deiikenden Lesers gefangen hält. Nach Luthers Uebersetznng lautet die Stelle: