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Die Wahrheit · 1908-03-27 · Heft 13 (27.3.1908) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 13 (27.3.1908)
Date
1908-03-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Die Wahrheit ')ii\ 13. „Bar Kochba" liegt die geschichtliche Tatsache der heroischen Kämpfe des Titelhelden und seiner tapferen Scharen und die Fülle der Roheiten und Grausamkeiten der Römer und ihres Statthalters Rufus zugrunde. Mit einer spannenden Handlung und wunderschönen Weisen ist dieses - Werk Goldfadens ausgestattel. «Fortsetzung folgt.) Uerschiedrne Pn,t,richten. Wien. «K a i s e r - I u b i l ä rl m s - W o h l t ä r i g k e i t s - Borst e l l u u g im Deutschen B o l k s t h e a t e r.) Für die am 29. d. M. im Deutschen Volkstheater statlfindende Kaiserjubiläums-Wohltätigkeitsvorstellung, welche der Verein z n r H e b u n g d e r G e w e r b e veranstaltet und deren Erträgnis der vom Vereine gegründeten Kaiserjubiläums- Wohltäligkeltsstiftnug zugeführt wird, gibt sich namentlich in industriellen Kreisen lebhaftes Jntercsie kund. Außer dem beliebten Volksstücke „Onkel Toni" kommt noch ein vom Vorstandsmitgliede Franz Frankl verfaßtes Festspiel in Versen: „Des kleinen Meisters Kaiserjubelfeier" zur Aufführung. Nachdem bereits eine große Anzahl von Logen und Sitzen vvrgemerkt wurden, so ersucht die Vcreinsleitung die Gönner und Freunde des Vereines ihre Kartenanmeldungen ehemöglichst vorzunehmen. Kartenanmeldungen nehmen entgegen: Der Präsident des Vereines S. B r o d, I.. Wipplmgerstraße 25; der Obmann des Exekutivkomitees Leopold G n t t m a n n, VI., Mariahilferstraße lb; sowie die Vorstandsmitglieder Franz Frankl, V., Schönbrunnerstroße 125 und S. Fried m a n n, 1., Weihburggasse 26. Wien. «Für das Kind.) Getreu dem Wunsche des Kaisers, die Kundgebungen loyaler Gefühle ans Anlaß des Regirrungsjubilänms dem Wohle des Kindes zu widmen, hat das „Kaiser Franz Josephs- Ferienheim" ein Komitee hervorragender Männer und Frauen berufen, das sich die Errichrnng eines Seehospizcs für skrofulöse Kinder an der Adria zur Aufgabe gestellt hat. In diesem Hospiz sollen kranke Kinder ans allen Kronländern Oesterreichs Aufnahme finden. Wien. Se. Majestät der Kaiser hat .dem Schwiegersohn des Herrn Baron Gustav Springer, Herrn Eugen F v u l d, die Baronie verliehen und wird derselbe von nun ab den Namen Baron Engen Springer- F o u l d führen. Wien. Freilag, den 20. März, l/28 Uhr abends, fand sich im Saale des Eisenbahn-Klubs, I., Eschenbachgasse 11, eine überaus illnstre Gesellschast ein, die gekommen war, um dem Lieder- und Rezitationsabend der bekannten und beliebten Sängerin Nini Polatschek und des Rezitators Arnold Kirsch beizuwohnen. Den Anwesenden wurde aber auch sowohl durch den gesanglichen, als auch durch den deklamatorischen Teil des Programmes ein wirklicher Kunstgenuß geboten. Meister Kirsch trug mit prächtigem, alle Register menschlichen Gesühllebens leicht beherrschendem Organe eine Reihe Gedichte vor, unter anderen drei Gedichte von Fräulein Livia Kn ran da, die ob ihrer geistreichen Distinktion und wahren Gesühlsinnigkeit stürmischen Beifall fanden. Die Gedichte entstammen einem Heftchen reizender Poesieblüten, die Frl. K u r a n d a vor längerer Zeit nur in wenigen Exemplaren für ihren Freundeskreis erscheinen ließ. Unseren "Lesern wollen wir mitteilen, daß Frl. Livia K n r a n d a die Tochter des unvergeßlichen Präsidenten der israel. Kultusgemeinde Dr. Ignaz K u r a n d a ist. Wien. Vor ungefähr zehn Jahren veranstalteten die Wiener Philharmoniker ein Wohltätigkeitskonzert, wobei die IX. Symphonie Beethovens zur Ausführung gelangte. Der geniale Kunst- und Musikschriftsteller Max K a l b e k schloß damals seine feuilletonistische Besprechung mit den Worten: „Opfere dein Herz auf dem Altar der Menschheit und lasse deinen eigenen Schmerz untergehen in der allgemeinen Freude." So oft ich seither ein jüdisches Wohltätigkeitsfest besuche, kommen mir immer wieder diese herrlichen Worte in den Sinn. Die meisten der in Wien bestehenden Unterstützungsvereine, fristen ja ihr Dasein hauptsächlich von dem Reinerträge ihrer Festveranstaltungen. Die Mitgliedsbeiträge sind in der Regel minimal und die Spenden, welche einem solchen Vereine zufließeu, nicht allzureichlich. Wenn sonach die jüdische Jugend und jüdische Väter und Mütter zu einer Akademie oder Tanzunterhalmng geladen werden, und eS geschieht dies im Laufe des Winters öfter als manchem erwünscht ist, so sei immer darunter zu verstehen, daß mau sein Herz opfere auf dem Altäre der Menschheit. So war es auch auf der Maskenredoute des Bngitteuauer israel. Uurerstützungsvereines, die am 17. d. M. (am Purim-Äbend) im Kursalon stattfand. Nahezu raufend Personen, ein durchwegs ausgewähltes Publikum, strömte durch die Säle. Trotz der Klänge einer Militärkapelle und der Kommandorufe des Tanzmeisters Herrn D n r a n t und eines Assistenten herrschte doch keine ausgelassene Fröhlichkeit, es war eben ein jüdisches Wohltärigkeitsfest. Die verdienstvolle Präsidentin des Brigittenauer israel. Frauen-Unterstützungsvereines. Frau Dr. Emilie Weiß, die sich in der Rekonvaleszenz nach einer schweren Operation befindet, betätigte sich an dem Werke in einer Weise, daß sie vor Erschöpfung fast zusammenbrach. In gleich verdienstvoller Art wirkten die Damen Frau Sekretär Marie K o h u und die Gattin des Obmannes, Frau Juwelier K o h n. Von den sehr geschmackvollen und originellen Gruppen und Einzelmasken erhielten den I. Preis die „Pilsenetzcr Gruppe". 6 Damen: Frau Kaiser, Frau Bern köpf, Frau Politzer, Frau Brünn, Frau Schick, Frau Halpern, ferner die „Trauernden Schneeschaufler", 6 Damen, geführt von den liebreizenden Töchtern des Herrn Bernhard Körner. Im ganzen wurden 12 mit je 4 Preisen a je K 80.—, 20.— und 10.— prämiiert, alle aber haben die erhaltenen Beträge sofort wieder dem Vereine gewidmet- Ferner wurden 3 Schönheitspreise zuerkanut. Den I. Preis, eine goldene Damenuhr, erhielt Frl. Elsa Gold, den II. Preis, ein goldenes Armband, Frl. Heneriette Schick und den III. Preis, einen goldenen Ring, Frl. Deiches. Unter den anwesenden Ehrengästen bemerkten wir: Herrn Hermann Eltbogeu, Sekretär Josef K o h n, Hanptmann D e rm a n c e k s. Gemahlin, Heinrich W einer, Adolf F e u e r s. Gemahlin. Sigm. L i f c z y c s. Gemahlin, Michael Reiter s. Gemahlin, Dr. Krauß s. Gemahlin, Jg. Barchel es s. Gemahlin, Adolf Gold s. Gemahlin, Architekt Süß, als Obmann des Jungherren-Komitees, Herr N e u h a u sr 'Dr. Barcheles, Dr. I. R o t h, Dr. Freu n d, B. Schick s. Gemahlin u. v. A. N. Ch. Wien (I f r. Tempelverei n für d e n X. G e nrie i n d cbezirk.) Montag, den 30. März 1908, präzise 8 Uhr abends, findet im Lehrsaale des jüdischen Schulvereines, X., Hasengasse 7, die 32. ordentliche Generalversammlung des Vereines statt. Tagesordnung: 1. Jahresbericht des Vorstandes. 2. Vorlage des Rechnungsabschlusses und der Bilanz pro 1907. 3. Bericht der Revisoren. 4. Wahlen in den Boistand. 5. Wahl der Revisoren. 6. Anträge und Interpellationen. — Gemäß § 7 der Statuten erfolgt die Neuwahl auf die Dauer von drei Jahren für die Herren : Wilhelm C o h l m a n n, I. B. Klei n, Emil Müller. S. B. Salpeter, Karl S e l i g m a n n, deren Mandatsdauer abgelaufen ist; ferner eine Ersatzwahl auf die Dauer von zwei Jahren für den aus dem Vorstande freiwillig, ausgetretenen Herrn Philipp Goldman n. Anträge an die Generalversammlung müssen gemäß § 14 der Statuten spätestens sechs Tage vor derselben dem Vorstande schriftlich bekannt gegeben werden. Die P. T. Vereinsmitglieder werden ersucht, die Generalversammlung zahlreich zu besuchen. Wien. (I ü d i s ch. e T o y u b e e h a l l e, XV., Herklotzgasse 21.) Eine Auswahl der herrlichen Dichtungen unserer jungjüdischen Kunst, von Herrn S. Strauß meisterhaft vorgetragen, entfesselten am 21. d. Dt. wahre Beifallsstürme. — Samstag, den 28. d. Alk., findet ein großes Konzert statt, arrangiert von der Gesangsmeisterin Frau Else F r e n n d- Fuuk. Eintritt frei. Beginn 8 Uhr. Wien. (I ü d i s ch e r B ü r g e r v e r e i n „I t v" i n W i e n XV.) Am 31. d. M., 1I29 Uhr abends, wird Herr Dr. Arnold A s ch e r, Schriftsteller und Sekretär der Baron Hirsch-Stiftung, im Saale des Kinderhortes, XV., Herklotzgasse 21, einen Bortrag: „Der Pauperismus unter den Juden Galiziens" halten. Damit beginnt der jüdische Bürgerverein „Jto" eine Enquste über den materiellen Stand unserer Glaubensgenossen, wozu er Autoritäten geladen und gewonnen hat. Die rühmlichst bekannte Person des Referenten sichert der Erhebung selbst einen großen Erfolg. Wien. Der humanitäre Geselligkeitsverein „Die Szeniczer in Wien" veranstaltete anläßlich seines 10-jährigen Bestandes einen „Familien- Abend" im Festsaale des Hotel Franz Josefs-Bahn, zu welchem sich ein zahlreiches Publikum eingefuuden hatte. . Die Akademie begann mit einer Klavierpiece, sehr hübsch vorgetragen von Fräulein Lina K o h u, worauf die Begrüßungsansprache des Obmann-Stellvertreters Oberkantor Bauer folgte, welcher eineu Appell an die Landsleute richtete, dem Vereine beizutreten. Die Rede schloß mit einer spontanen Ovation für den Kaiser und König, worauf die Volkshymne intoniert wurde. Lebhaft begrüßt, bestieg Schriftsteller Jork-Steiner, ein geborener Szeniczer, die Tribüne und hielt die angekündigte Vorlesung „Eine gute Partie", der alle Anwesende mit großem Interesse lauschten. In der folgenden Programmnummer zeichnete sich die jugendliche Koloratursängerin, Fräulein Rose Wagschal, durch ihre glockenreine Stimme und brillante Vortragsweise aus, ebenso trug Fräulein Jda Gerstel, Absolventin des Wiener Konservatoriums, einige schöne Gedichte mit feinem Empfinden vor. Beide Damen wurden mit Beifallsbezeugungen überhäuft. Die beiden Komiker Fischer und Wiesenthal hatten alle Lachlustigen auf ihrer Seite. Die artistische Leitung versah in bewährter Weise Herr Max Bellak. Linz. Sonntag, den 15. d. M., verschied hier Frau Charlotte P o l l a k, Gattin unseres langjährigen Tempelvorstehers Herrr Elias P o l l a k, im 70. Lebensjahre. Die Verblichene erfreute sich infolge ihres biederen Charakters und ihrer Frommgläubigkeit allseits großer Beliebtheit. Das Leichenbegängnis fand Dienstag, am 1. Tage Purim, unter sehrgroßer Beteiligung statt. Mißlitz. Unsere Gemeinde hat durch das am 14. März d. I. erfolgte plötzliche Ableben ihres Oberkantors Herrn Isidor Zlotczenko einen schmerzlichen Verlust erlitten. Oberkantor Zlotczenko, der vordem in mehreren größeren Gemeinden n. zw. in Tyrnau, Siklos und Holics als Oberkantor fungierte, erfreute sich im Allgemeinen und in Kollegeukreiseu im besonderen vieler Sympathien. Während seiner leider nur zu kurzen Amtsdauer in hiesiger Gemeinde hat er es verstanden durch besonderen Pflichteifer und eine seltene Hingabe an sein heiliges Amt sich die größte Wertschätzung zu erwerben, welche bei seinem am Vorabende des Purimfestes stattgefundenen Leichenbegängnisse beredten Ausdruck fand. Die Vertretung der Kultusgemeinde, der Vorstand der Jsraelitengemeinde, die Damen des Frauenvereines, dir Lehrer der Volks- und Bürgerschulen, mit einem Worte, Jung und Alt eilte herbei, um dem verdienstvollen Beamten das letzte Geleite zu geben. Die Trauerfeier fand in der Synagoge statt, wobei Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. S ch o r st e i n einen vor Tränen der Rührung nnterbrochenen, tiefempfundenen Nachruf hielt. Die entseelte Hülle des Verblichenen wurde sodann auf den Friedhof gebracht, wo II. Kantor Holzer unterstützt von einem Männerquartette die üblichen Treuergesänge exekurierte. Das Andenken des Dahingeschiedenen wird unsere Gemeinde-in dankbarer Pietät bewahren.

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