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Die Wahrheit · 1908-03-27 · Heft 13 (27.3.1908) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 13 (27.3.1908)
Date
1908-03-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 13. Die Wahrheit L-eite 7. ivill die Mischna das Bad im geschlossenen Raum nicht gestatten, vgl. Orach Cliajim 326, L, II. Das hat aber mit der Benützung der Elektrischen gar nichts zu tun. Die Gruudbestimmung bleibt bestehen, daß man die Arbeit eines Nichtjuden, die für Nichljnden verrichtet wurde, am Sabbath benützen darf, wenn die Möglichkeit ausgeschlossen ist, daß der Nichljude wegen des Inden m e h r arbeiten wird. Der berühmte Danziger Rabbiner Israel Lipsch ü tz, Verfasser des Mischna-Kommeutars HxnL" mxan, wirft in der Einleitung zn Sabbath rntr die Frage auf, ob man ein Dampfbot am Sabbath besteigen dars, und kommt znm Resultat, daß, „selbst wenn man am Sabbath das Feuer an-! zündet nnd das Wasser kocht zu dem Zwecke, daß Inden und j Nichtjuden darin fahren sollen, ein Jude das Dampfboot am! Sabbath besteigen dars. wenn er seinen Platz schon am Freitag! bestimmt hat (nn^ n;ptr ).'J Letztere Borkehrttng ist nur not-! wendig, wenn man außerhalb der Sabbathgrenze fahren will. Nur die Benützung der E i s e n b a h n („Dampfwagen")sei verboten, weil der Boden des Wagens von der Erde keine zehn Handbreiten entfernt ist — eine Bestimmung für die Erlaubnis znm Fahren außerhalb der Sabathgrenze. Innerhalb derselben aber ist auch die Eisenbahnfahrt erlaubt, also in Wien die S t a d t b a h n! Diesen berühmten Gaon dürste jeder Fachmann lassen. Und dabei bleibt es: Die Benützung der Elektrischen, des Omnibus eines Nichtjnden und der Stadtbahn ist am Sabbath nach talmndischem Rechte jedem Juden erlaubt, wenn er sich die Fahrkarte vor Sabbath verschafft hat. — Es gibt unter den frommen Inden ein Sprichwort: Fromm soll man sein, aber nicht frömmer als der Schulchatt Arnch! Rabbiner Dr. Kahan, Znaim. Wir erhalten folgende Zuschrift: Czernvwitz. den 16. März 1908. Sebr geehrter Herr Redakteur! Ich bitte in Ihrem geschätzten Blatte gefälligst richtig stellen zu wollen, daß Herr Rabbiner Dr. Kahan getviß irrtümlich sich ans mich berief, da ich niemals lehrte, geschweige denn als nn’yab rcbn gestattete, die elektrische Bahn am Sabbath zn benützen. Hochachtungsvoll Dr. Rosenfeld^ Oberrabbiner. Zur Krists im israel. Heirals- Attsstaltnttgs-Uerein. Sehr geehrter Herr Redakteur! Ich ersuche höflichst um Aufnahme folgender Zeilen und bin überzeugt, daß Sie damit einem großen Teil der jüdischen Bevölkerung Wiens einen sehr großen Dienst erweisen. Der jüdisch-humanitäre Ausstattnngsvereiu für heiratslustige Mädchen, welcher vor Jahresfrist von 30 Interessenten gegründet winde, hat nunmehr solche Dimensionen angenommen, von denen sich selbst die Gründer bei Inszenierung keinen Begriff machen konnten. Der Verein hat heute zirka 5000 Mitglieder. Es ist selbstredend, daß der damals gewählte Vorstand, welcher einen Verein von nur einigen Hundert Mitglieder ins Auge faßte, nicht die nötigen Vorsichtsmaßregeln treffen konnte nnd auch nicht getroffen hat, welche ein Verein in der jetzigen Größe erfordert, und so kam es, daß der Verein in eine Situation geriet, die seine Lebensfähigkeit m Frage stellt. Ueberdies-scheint der jetzige Vorstand der Sache nicht gewachsen zn sein, was sich bei der am 22. März 1908 abgehaltenen Generalversammlung zeigte. Es wurde demselben bei dieser Gelegenheit die schlechte Verwalmug, die Vergeudung der Vereiusgelder zum Vorwürfe gemacht, der Rechenschaftsbericht wurde als falsch deklariert und wäre derselbe auch von den 800 dort versammelten Mitgliedern nicht zur Kenntnis genommen worden, wenn der Präsident es nicht vorgezogeu hätte, dadurch weil er nicht in der Lage war, die tatsächlich nachgewiesenen Ungeheuerlichkeiten in der Gebarung zu entkräften, die Generalversammlung vor der Abstimmung aufznlösen. Nun steuert der Verein ins Uferlose weiter; jedes Mitglied beschleicht derzeit ein unheimliches Gefühl. Man ist im Zweifel, ob man dem Verein den Rücken wenden und die bisher eingezahlten Beträge verfallen lassen soll, um nicht noch mehr zu verlieren, oder soll man ausharren und mit weiteren Opfern die Klärung der Situation abwarten. Es ist evident, daß der Verein sich in der heutigen Fassung nicht halten kann, denn einerseits ist die Mehrzahl der Mitglieder nicht in der Lage, den Verpflichtungen, welche sich auf Grund oberflächlicher Berechnung bei dem heutigen Stand aus ung.sühr 500 bis 600 Kronen jährlich belaufen dürsten, nachzukommeu, anderseits bietet der jetzige Vorstand, welcher nicht in der Lage war, die gegenwärtigen mißlichen Verhältnisse hintanzuhalren, keine genügende Garantie, daß man einen solchen Verein beruhigt in seinen Händen belassen könnte. Es ist daher unbedingt eine dringende Umgestaltung notwendig, es müssen Leute an die Spitze gestellt werden, welche uneigeunützig und selbstlos im Interesse der guten Sache die Leitung übernehmen, es müssen im Gegensätze zu dem jetzigen Vorstände gebildete Fachleute, welche der Sache gewachsen sind, die Führung in die Hand nehmen. Auch die Statuten müssen ilmgeändert und den gegenwärtigen Verhältnissen angepaßt werden, denn nur so ist es möglich, den Fortbestand des Vereines zu sichern. Das könnte nun nur auf die Weise erreicht werden, daß von der Mehrzahl der Mitglieder verlangt wird, der Verein möge seine Tätigkeit für 3 Monate eiustellen, während welcher Zeit die Mitglieder iveder Pflichten noch Rechte Hütten, und inzwischen soll die Umgestaltung gründlich durchgesübrt werden. Die jetzt bestehende Opposition unter der Führung des Bize-Obmanues Herrn Jakob Süß strebt wohl diese Verbesserungen in der nachdrücklichsten Weise an, jedoch hört man. daß sie mit dem alten Vorstände in Kompromiß-Verhandlnngeil getreten ist. um einige Mandate zu erlangen, und! damit beweisen sie nur zu deutlich, daß anch diese Leute nicht die richtigen Männer für diesen Verein sind. Man muß vor allem Zeit gewinnen, um die bestehenden Mängel zu beheben und eine gesunde Basis zu schaffen. Ans der Wiener Knltnsgemeinde. Spendeneinlauf. Im Spendeneinlanfe wird unter anderem bekanntgegeben, daß der vor kurzem verstorbene Großgrundbesitzer Julius Frankl, XIII., Anbosstraße, dem Altersversvrgungsbanse der j israel. Knltnsgemeinde 50.000 K, zur Verteilung an Arme j 20.000 K nnd als Kaddisch-Stiftung für fick) nnd seinen Vater j Wilhelm Frankl 2000 K testiert habe. Ferner zur Errichtung j einer Familien-Stiftnug ans den Namen Julius und Emma > Frankl 500.000 X. Die Erträgnisse dieser Stiftung sind alljährlich an 10 Personen, die ihre Zugehörigkeit zn der Familie des Testators oder dessen Gattin nachzuweisen haben, zu verteilen. Die Ausschreibung hat alle drei Jahre zu erfolgen. Wenn binnen drei Jahren kein Anspruch seitens Familienangehöriger erhoben wird, so sind die Zinsen des Kapitals dlirch den Vorstand der Knltnsgemeinde, respektive durch das im Sinne des Testameirtes einznsetzende Knratorillm an dürftige Bewerber ohne I Unterschied der Konfession zu verteilen. Erfolgt durch neun Jahre j kein Anspruch seitens Familienangehöriger, dann ist die Familien-! Stiftung in eine allgemeine Stiftung jür Inden und Christen! umzttwandeln. j Diverse Anträge. j Bei Uebergang zur Tagesordnung werden die Anträge des Verlreterkolleginms betreffend: 1. Berufung der Frau Sopdie S e l l g m a n n in das EhrenOamen-Komitee des Altersveriorgungsnnd Siechenhanses: 2. Umwandlung der Hilssarzlens-stelle an der internen Abteilung des israel. Spitales nnd Herstellung einer Wohnung für denselben: 3. Erhöhung der Subvention au die Armenanstalt für die Mazzes-Berteilnng von 5000 K ans 7000 K; 4. Unfall- und Krankenversicherung der Schächter und Maschgichim debattelos genehmigt. Die erwähnten Angestellten werden für ben Todesfall auf 4000 K, für dauernde Invalidität auf den gleichen Betrag nnd für vorübergehende Invalidität auf 4 K täglich versichert. Erhöhung der Betfitzpreise im Leopoldftädter Tempel. lieber den vom Bethausvorüande für die Gemeindetempel im I. und II. Bezirk im Einvernehmen mit dem Vertreterkollegium gestellten Antrag, die Preise der Betsitze in den ersten Reihen des Mittelnnd Seitenschiffes sowie der Frauengalerie im Leopolbstädter Tempel um zirka 12 Perzent zu erhöhen, was einen Mehrerlös von 5588 X ergeben würde, entwickelt sich eine längere Debatte. Dr. Markus Spitzer erklärt sich entschieden gegen die geplante Erhöhung, zumal die erzielte Summe im großen Budget der Gemeinde keine Rolle spiele. Die erste Aufgabe einer Kultusgemeinde sei die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse der gelten! (Oeffenrliche Plenarsitzung vom 22. März 1908 unter dem Vorsitze des Herrn Präsidenten Dr. Alfred Ster n. Beginn 10 Uhr vorm.,

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