Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 12 (20.3.1908)
- Date
- 1908-03-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 12 Die Wahrheit Seite 11. Die Sitte uralt und geheiligt durch Die Ueberlief'rnng darf er nicht verletzen, So brennend auch der Wunsch in seinem Herzen. Ihr bürgt mir also nochmals dafür, Hauptmann, Daß uns're sogenannte Königin, Vor kurzem noch 'ne schmutzige Jüdin war? Haupt m a n n. Hab ich sie rekrutiert doch. OberMagier. Dunkel aber Bleibt's dennoch, warum du sie znrückgewiesen nicht? Hauptmanu. Kein weiblich Wesen, annehmbar nur halb. Ln finden war, sollt' ich mit leeren Händen Zurücke kehren? O b e r m a g i e r. Das ist znzngeben. Der kluge Haman hat dir überdies Nicht viel zu unterscheiden aufgetragen. Haman. Ich bitte euch, nur mich laßt aus dem Spiel, Was soll in eurem Munde denn mein Name? Glaubt nicht, daß ich an eurem Hochverrat Beteiligen mich will. Za res. So geh' znm König, Lu seiner Frau und warn' das saubere Paar Vor diesem Tag und diesem Feste. H a m a n. Das nicht! Ich bin nicht für und bin nicht gegen euch, Ihr wißt es wohl. Zar es. Sehr wohl weiß ich, daß du -Ein Zwitterwesen, kläglicher als keins, Nicht Fleisch noch Fisch, ein eckler Weib-Mann bist. Die Schicksalsfäden hast mit feiger Hand du So namenlos verwirrt, daß selbst das Fatum Die liebe Mühe hat, sie zu entwirren. Die Königin Basthi, du hast sie vertreiben Geholfen, warst der neuen Ehe Stifter, Mein armer Bruder kam durch dich zu Falle. . . H a m a n. Verzeih! Er stieg hoch über sein Verdienst. Zur rechten Zeit erinnerst du an ihn, Ich geh' von euch. Z a r e s. O gingest du zur Hölle, Du Scheusal! H i r a m. Zankt zuhause lieber euch. ' Gewicht'ge Dinge sind's, die zu besprechen, So wollt ihr auch dem König an den Leib? Das edle Königshaus der Achmüniden Stirbt mit ihm aus, wer soll ihm folgen denn? Und was gewinnt denn Basthi, meine Herrin, Dabei, wenn ihr der Gatte fehlt? Magier. Kommt Zeit, kommt Rat, Erst müssen beide weg wir haben. Hiram. So lebt wohl, Ich habe nichts gemein mit diesem Pfaffen. Bightan. Du zielst nach Priesterherrschaft, nach der eig'nen, Ich acht' es nicht, doch hast du auch bedacht, Das Volk, das heute den Altar umgibt, Vor wenig Tagen hat's gelernt ganz anders Zn sprechen und zu denken von den Inden? Es fielen Tausende von ihrer Hand, Die sie um Gut und Leben bringen wollten. Wird's da verfangen, wenn du ihnen sprichst Verächtlich von den Inden, die nun Helden? Und wird dies Volk antasten mögen heute Des Königs Majestät? Magier. Du täuschest dich. Der Pöbel nimmt es übel seinem König, Daß er zu Raub und Mord das Heer gelieh'n^ nicht, Mit dessen Hilfe sie „gesiegt" doch hätten. Und dann die Inden uns'rer Hauptstadt sind Die wohlgenährtesten und mutigsten. Aus den Provinzen warte ich die Kunde, Da wird die Metzelei vollständig sein! Seid wohlgemut! Ich Hab' es wohl erwogen. Ihr, Hauptmanu, werdet öffentlich verklagen. Ihr sagt, ihr hättet sie wohl ansgewählt Und auch darum gewußt, daß Jüdin sie. Doch nimmer hättet ihr geglaubt, daß sich So glänzende Verwandlung würd' vollzieh'n. Ein Kebsweib hättet ihr vermeint zu finden. Doch dieser König Hütte wohl im Sinne, Den Glauben Zarathustras abzuschaffen Und allgemein Beschneidnng einzuführen. Das Volk erbost sich und ihr sordert's aus. Daß es das Königspaar ins Feuer werfe. Doch still! Sie nah'«, ein klein' Gefolge nur! (Mit Gefolge König und Esther, nehmen auf dem Thronsessel Platz.) Bevor zu den Gebeten ich nun schreite Und feierlich zu den Beschwörungen, Hat dieser Hauptmanu etwas vorznbringe». H a n p t m a n n. So höre denn mein Wort, o Volk von Susa! So hör' mein König, gnäd'ge Königin! Es plant euch zu verderben dieser Priester Im Bund mit diesem Weibe, diesem Mann. (tUuf Zares und Bightan weifend.) Er träumt davon, das hohe Königspaar Verglüh'n zu lasten in dem Opferfeiler. Doch zwei Kohorten Hab' zum Schutze ich Im nahen Wald versammelt. Esther, Lass' sie abzieh'n, Zn weit trieb dich der dienstbefliss'ne Eifer, Denn wir vertrauen uns'rem guten Volke. Man will mich als Verbrecherin brandmarken : Daß eine Jüdin ich — nun ich bekenn's. Ich schäm' mich meines Volkes nicht und Glaubens, Und was von meinem Gotte ich erflehe. Ist meines Königs Wohl, das Wohl des Volkes, Um das ich mich bestreben will und werde. (Rufe: Die Königin hoch!) König. So wisse denn mein Volk: Von allen Teilen meines Königreiches Kommt mir die Kunde, daß die Juden sich Gar tapfer zeigten, ihre Feinde schlugen Und ihrer siebzigtausend mordeten. Ich habe selbst den Plutbefeh! erlassen. Ihr lernt: Die Juden nicht zu unterschätzen. In einem Krieg vermehr'» sie uns're Macht. Gleich stellen will ich sie an Rechten euch. So werden uns're Brüder sie und Freunde. Es hört der Handel ans, die einzige Beschäftigung zu sein, Gewinnsucht schwindet. So schwindet auch die Zwietracht. Besser wird's! Ich geb' in meiner Ehe euch ein Beispiel. Denn euer König fühlt sich überglücklich Mit Esther — glaubt es ihm — wie nie mit Vasthi. (Rufe: Der König und die Königin hoch, hoch!) Doch nun zu strafen: Obermagier, du Und Zares, Bightan habt den Tod verdient. (Zum Hauptmanu) Man hänge allsogleich sie aus. Esther. Mein König! Egtweihe nicht mit Blut dies Friedenssest. Verbanne außer Landes sie. König. Es sei! So eilt, so weit die Füße tragen euch. (Zares, Bightan, Magier ab.» (Zum Hauptmanu:) Du bist mein Oberkämmerer und gehst Zum kleinlich wankelmüt'gen Haman gleich. Nimmst ihm den Ring, gibst ihn dem Mardochai, Er sei Minister nun au seiner Statt. Sag' ihm, ich sorge, daß nun bald erstehen In seiner heiligen Stadt des Tempels Reste, Zu stolzem Ban Ruinen sich erheben.