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Die Wahrheit · 1908-03-20 · Heft 12 (20.3.1908) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 12 (20.3.1908)
Date
1908-03-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 12. Die Wahrheit Seite 9. Verschiedene Unchrichte». Wien. (I s r a e l i t i s ch e K u l t n s g e m e i n d e.) Sonntag, den 22. März, präzise 10 Uhr vormittags, findet im Sitzuugssaale, I., Seitenstettengasse Nr. 4, eine öffentliche Plenarsitzung des Kultusbörstandes mit folgender Tagesordnung statt: I. Einlauf. II. Präsidialbericht. III. Berichte des Vertreterkollegiums: 1. Angelegenheiten der Bersorgnngsanstalt: n) Vermehrung der Plätze in der Siechenabteilung, b) Berufung eines neuen Mitgliedes in das Ehrendamen-Komitee. 2. Spitalsaugelegeiiheiten: Umwandlung der Hilfsarztensstelle an der internen Abteilung in die Stelle eines Sekundararztes und Herstellung einer Wohnung für denselben. 3. Ansuchen des Vereines „Adaß Jisroel" betreffend Schüchtgebühren. 4. Friedhofsangelegenhciten: Reservierung von Grabstätten. (Prinzipielle Frage.) 5. Subventionen. 6. Unfallversicherung der Angestellten im Friedhof- und Schächtdienste. 7. Eventualia. Wien. (O e st e r r, - u n g. K a n t o r e n - B e r e i n.) Die Gesangsgiroben für die Jubiläumsfeier finden von nun ab jeden Dienstag und Donnerstag, 7 Uhr abends, statt. Es wird ersucht, bestimmt zu erscheinen. Wien. (T o y n b e e - H al l e n - K o n z e r t e.) Allsamstaglich zieht Musik und Poesie in jene Räume ein, die an den Abenden der übrigen Wochentage der populär-wissenschaftlichen ernsten Belehrung dienen. Kopf an Kopf gedrängt, harren an diesen Tagen jene des Einlasses in die „Toyubee-Halle". denen die Mittel fehlen, sich anderweitig Kunstgenuß zu verschaffen. Bereitwilligst stellen sich die Künstler in den Dienst dieser guten Sache und freuen sich des herzlichen Beifalles der Armen, denen sie frohe Stunden bereiten, oft mehr, als dessen eines zahlenden Publikums. Und .oft können die Mitwirkeuden wahrnehmen, daß ihre Zuhörerschaft nicht nur aufrichtig dankbar, sondern auch durch das häufige „Hören" sachverständig ist. Die Konzerte der letzten Wochen brachten ebenso abwechslungsreiche als interessante Darbietungen. An einem Samstag war es ein Dilettanten-Orchester. das. von Frau W o d n i a n s k y zusammengestellt und von Herrn Adolphe Wiener mit Routine dirigiert, in klassischen und modernen Piecen durch die Exaktheit des Zusammenspieles überraschte. Ein vom Bassisten Salo L e m b e r g e r des Stadttempels arrangierter Konzertabend brachte nebst wirkungsvoll vorgetragenen Buffo-Liedern des 'Arrangeurs, Klavierpiecen, die der 11jährige Felix Le mb erg er mit erstaunlicher Geläufigkeit und Empfindung spielte und schließlich einige köstliche humoristische Konferenzen des Schriftstellers Prof. N a i ch e r. Zwei Samstag-Konzerte arrangierte die bekannte Gesangsmeisterin Frau Else F r e u n d - F u n k mit ihren Schülerinnen. Man konnte an diesen Abenden der Meisterin sowohl zum Schülermaleriale. als auch zu den Unterrichtserfolgen herzlich gratulieren. Die Liedervortrüge des Frl. Fried mann, die Duette der Damen : Frl. B i n k o und Frl. F i s ch b e i n sowie Frl. F i s ch b e i n und Frau Dr. H r v n e w e c k a, die Koloraturarien des Frl. G ü n z b u r q und nicht minder die Klaviervortrüge des Frl.L i e b s ch e r boten reiche, treffliche Leistungen, die berechtigten, lebhaftesten Beifall fanden. Stürmische Ovationen wurden der Arrangeurin dargebracht, als diese selbst im Vortrage der großen Arie aus „Aida" ihr reiches Können und ihre prächtigen Stimmittel zu zeigen Gelegenheit hatte. Es ist ein wahrhaft edles und schönes Unternehmen, wert aller Anerkennung, würdig der kräftigen Förderung aller Besitzenden. Wien. (H i l f s v e r e i ii für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizie n.) Sonntag, den 29. d. M.. genau um 10 Uhr vormittags, findet in den Räumlichkeiten des israel. Humanitäts- Vereines „Wien" B'nai B'rith, IX., Univcrsitütsstraße 4, die v r d e n tl i ch e Generalversammlung des Vereines statt. Wien. (Jüdischer Turnverein in Fün fh a ns.) Samstag, den 4. April, findet im großen Saale des Verbandsheimes, VI., Königsegggasse 10, ein Tnrnerkränzchen mit vorangehenden turnerischen Vorführungen statt. Beginn präzise ^9 Uhr abends. Musik: Kapelle des k. und k. Juf.-Reg. Kaiserin und Königin Maria Theresia Nr. 32. Tanzarrangement: Adolf Viola. Entree X 2.—. Familieukarte (4 Personen) K 6.—. Turnhalle: XIV., Herklotzgasse 21. Turnzeiten: Herrenturnen : Dienstag, Donnerstag 1/28 —1/210 Uhr. Damenturnen: Montag, Mittwoch '^8—^210 Uhr. Kindertnruen: Montag 5 — 6 Uhr, Mittwoch 2—3 Uhr, Samstag 2-3 Uhr. Exekutiv-Komitee: Rudolf El kan, Obmann. Kommerzialrat L. Baß. Börsenrat Salomon Beer, Obmann- Stellvertreter. Gustav W a l d m a n n, I. Schriftführer. Wien. (Jüdische Toynbee-Halle, XV., Herklotzgasse 21.) .In seinem am 14. d. M. vor einem zahlreichen Auditorium gehaltenen Bortrage: „Die Wahrheit im Rechte", entwickelte der bekannte Rechtsnnwalt Dr. S ch n e e b e r g e r, in ebenso geistreicher wie gemeinverständlicher Weise die Grundlagen des Rechtes und bewies, mit welchen Schwierigkeiten selbst im modernen Rechtsleben die Erforschung der Wahrheit -verbunden ist. Seine Einstreuungen, den Fall H i l s n e r betreffend, fanden verständnisinnigen Beifall. Namens der Vereiusleitung dankte Herr Ober-Revident Strack dem ausgezeichneten Redner. — Eine gegebene Zusage einlösend, trug sodann Frl. Ellenbogen, wieder eine Anzahl inniger Lieder vor und sowohl sie als ihr trefflicher Begleiter, Herr Part, konnten abermals ans dem reichen Beifall entnehmen, wie dankbar ihre wirklich hervorragende Kunst ausgenommen wurde. — Samstag, den 21. d. M, wird Herr S. Strauß „Jungjüdische Dichtungen" zum Vorträge bringen. Nachher sollen, gewissermaßen als Nach-Purimfeier, Musik- und heitere Borträge eines bekannten Wiener Humoristen folgen' Wien. (Israelitischer Tempelverein für den XIX. Bezirk.) Die am 8. d. M. %10 Uhr vormittags stattgehabte ordentliche Generalversammlung dieses Vereines wurde vom Obmanne, Herrn Julius Ü e b e r e r eröffnet, der die erschienenen Gäste und Mitglieder herzlich willkommen hieß und hierauf einen Ueberblick über die Tätigkeit des Vereines im abgelaufenen Jahre gab. Nach Erstattung des Berichtes nahm der als Delegirte der Kultusgemeinde anwesende Hofrat Dr. B. Rappaport Anlaß, dem Bereinsvorstaude die Anerkennung und das Vertrauen des Knltusvorstandes auszudrücken. — Nach Erschöpfung der Tagesordnung wurde die Wahl des Vorstandes vorgenommen und folgende Herren wiedergewählt: Julius Le d e r e r. Obmann; Paul von Fischer und Karl F l a n d r a k, Obmannstellvertreler: Moriz K a l l a i, Schriftführer; Rudolf Lion, Kassier; Adolf Adler. Dr. H. Beer. Julius B e r g e r. Dr. Siegm. F i s cd e r, Bernhard H a r t m a n n, Emanuel K o h u, Johann K o t a n y i, Wilhelm K r o n st e i n, Simon L o t h, David Müller, Moritz Müller, Dr. Max O b e r s o h n. Moritz P o l l a k, Alexander Sternlicht, Louis Z e r n e r, Zum Schlüsse hob Herr Direktor T. H e l l e r in wirkungsvoller geistreicher Rede die fruchtbare Tätigkeit des Vorstandes — insbesondere seines aufopferungsvollen Obmannes — hervor. Die vom Vorstande am 9. d. M. pietätvoll veranstaltete Trauerfeier für die verstorbenen Vereinsmitglieder verlief äußerst würdig. Nach einem Trauerchoral, den der Chor unter Leitung des Kantors Siegfried K o h n wirkungsvoll zu Gehör brachte, hielt Herr Rabbiner Dr. F e u ch twang eine tiefempfundene Gedenkrede und der stimmbegabte Ooerkantor Herr Jakob Landau hob durch seinen gemütvollen Vortrag die Weihe der Trauerandacht. Wien. In der am 14. d. M. siattgefundeneu Vorstandssitzung des Brigittenauer Temvelvereine» wurde die Resignation des langjährigen Vorstehers, Herrn Adolf Schreiber, mir Bedauern zur Kenntnis genommen und'Herr Michael Reiter, öffentlicher Gesellschafter der Firma Benedikt, Schneid & Reicer. I., Zeliukagasse 12, durch einstimmigen Beschluß in den Vorstand kooptiert. Durch diese Kooptierung har der Tempelvorstand dem Wunsche eines großen Teiles der Brigittenauer Judenschaft Rechnung getragen. Wien. Unter großer Beteiligung fand vorige Woche, Dienstag, das Leichenbegängnis des im III. Bezirke bestbekannten und allgemein beliebten Arztes Nscl. Or. S. Sinnreich statt. Der Verblichene, der einer hervorragenden Gelehrtenfamilie entstammte, war ein seelensguter Mensch und strenggläubiger Jude, der in seinem Berufe sehr oft in die Lage kam, Werke der Barmherzigkeit und Wohltätigkeit zu üben. Dr. Sinnreich war auch durch mehrere Jahre Obmann des „Vereines der Szenitzer in Wien". Prag. Unter Teilnahme der angesehensten Mitglieder der Gemeinde wurde am 10. d. Herr Advokat Dr. Siegmund Schneider, ein gebürtiger Tuöaper. zu Grabe getragen. Er war mit Leib und Seele Jude, hatte ein warmes Herz für unser hartbedrängtes Judentum, war Mitglied der Repräsentanz der Prager Kulcusgemeiilde und zahlreicher jüdischer Vereine. Sein Tod bedeutet sür die Prager Gemeinde wie das gesamte Judentum einen schweren Verlust. Sein Gedenken bleibt gesegnet! In Wien verschied am 10. d. Herr David Srianskh. ehemals Rabbiner und Oberlehrer der isr. Gemeinde in Melnik. Er war ein hervorragender Lehrer, der durch seinen Scharfsinn wie seine pädagogische Umsicht und Kenntnis der Kindesseele ersolgreich für die Verbreitung der Gotteslehre wirkte. Seine Fürsorge und Hingebung galt auch in hervorragendem Maße dem israelitischen Lehrerverein wie dem israel. Lehrerpensionsvereine, dessen langjähriges Vorstandsmitglied er war. Er rat viel für dies Schmerzenskind der jüdischen Sache. Traurig und betrübend genug, daß durch Sammlungen die Altersversorgung der Religionslehrer kleiner Gemeinden Böhmens mitgeschaffen werden muß. Hier sollte die Tätigkeit der Regierung, Landesjudenschaftsrepräsentanz und der Gemeinden einsetzen, um endlich menschenwürdige Verhältnisse zu schaffen und damit auch sür geeigneten thorakundigen Nachwuchs zu sorgen. Dies sagte mir der Verblichene gelegentlich eines Zuiammeurceffeus in Karlsbad, bei dem ich den Scharfsinn wie die reiche Erfahrung und das warme Interesse des Schulmanues für die arg vernachlässigte Sache der jüdischen Lehrer, von denen manche wohl alles verlangen, denen aber dafür oft die geringste Anerkennung versagt bleibt, bewunderte. Seine Kinder werden gewiß gleich dem Vater die hehre Sache des Glaubens pflegen und fördern, dafür bürgt ihre Erziehung wie ihr Charakter. — Seine Majestät der Kaiser hat die anläßlich der Vereinigung der Zigeuuer-Großenhof- und Neusynagoge von Rabb. Dr. Aladar Deutsch. Prediger des aus genannten Synagogen erstandenen Kalser-Frauz-Josef I. Jubilüumstempels herausgegebene Denkschrift über die drei vereinigten Synagogen für die k. k. Familien-Fideikommiss-Bibliorhek anzunehmen geruht. — Der Rabbiner und Prediger der Kultusgemeinde Weinberge bei Prag, Dr. G. Weiner erhielt vom Unterrichtsminister den Titel „Professor". Dr. Weiner studierte am Wiener Rabbinerseminare und der Berliner Lehranstalt für die Wiffenschaft des Judentums und wirkt seit Rücktritt Rabbiner M. Stacks als deutscher und böhmischer Prediger. Er erfreut sich ob seines liebenswürdigen, uneigennützigen Wirkens allgemeiner Wertschätzung. Mit dem vor kurzem verstorbenen und unter seltenen Ehren bestatteten böhmischen Dichter Svatopluk ^'ech, der in seiner edlen Einfachheit jede Auszeichnung ablehnte, schied ein großer Mann, ein edler Vorkämpfer der Menschlichkeit und des Freisinns aus dieser durch Haß und Berfolgungssucht getrübten Welt. In seinen herrlichen Werken zeigt sich ein zur reinsten Höhe emporstrebender Geist der Gerechtigkeit und Menschlichkeit. Er hat gewiß als der Besten einer Anteil an der künftigen Welt. Möge das böhmische Volk aus seinen Werken den Geist der Duldsamkeit und Gerechtigkeit einsaugen! Königswart. Am 15. d. verschied hier Frau Louise L ö w y, Gattin des dortigen Herrn Rabbiners D- L ö w y. Sie war eine ssobss oftail, eine biedere Frau, die durch ihre Herzenstugenden wie ihr bescheidenes Wesen sich allgemeiner Wertschätzung erfreute.

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