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Die Wahrheit · 1908-03-13 · Heft 11 (13.3.1908) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 11 (13.3.1908)
Date
1908-03-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Im Interesse der Erhaltung des Fachblattes werden die geehrten Herren Kantoren dringendst ersucht, den Abonnementsbetrag für das laufende und eventuell rückständige Quartal einzusenden. Der fiidische Organist. (Schluß.) Der nichtjüdische Organist — und sei er ein Job. Seb. Bach — sitzt als Fremdkörper in unserem Fleische, ein Fremder in der betenden jüdischen Gemeinde. Sein Genie, oft auch sein musikalischer Instinkt läßt ihn manches glücklich nachempfinden und in der Stimmung zufällig lreffen. Was wollen diese vereinzelten und seltenen Treffer gegen die vielen Nieten von Entgleisungen, von Stimmungssremdem und durchaus unjüdisch Gefühltem besagen? Die Orgel, das hochreligiöse, kirchliche Musikinstrument kann — mit der notwendigen Registeründerung — die Wandlung zum Synagogalen durchmachen und hat das bereits getan; der nichtjüdische Organist — und mag" er durch jahrelange Uebung noch so „verjndet" sein — wird niemals zum jüdischen Musiker. Und gerade den „jüdischen Musiker" brauchen wir beim jüdischen Gottesdienste. Wir müssen uns endlich dazu bekennen, daß ansgeübte Musik .-,2*6,2 nra-. nasn als Wissenschaft und nicht .als Arbeit anznsehen ist. Wie wenige von uns modernen, doch darum nicht weniger guten Inden nehmen heute noch daran Anstoß, am Sabbath sich am Klavier zu ergötzen und wiederum, wie viele unserer ausübenden Künstler, die im Herzen recht gute Inden geblieben sind, treten am Sabbath vor ein oft vorwiegend jüdisches Publikum und werden von diesem mir Genuß angehört und bewundert! Warum sollen unsere jüdischen Künstler, die aus allen Instrumenten Meisterschaft erlangen, nicht auch, wie ihre christlichen Kollegen, das herrlichste Jnstrnment im Dienste des Höchsten und Heiligsten zum Tönen briitgen dürfen; warum sollen sie ihre religiösen Gefühle nicht in gvttespreislichen Harmonien anslösen dürfen? Wir beklagen es sehr, wenn unsern Kindern so manche Berufswege gesperrt sind und drängen anderseits wieder manchen Stürmer aus unsern Reihen ins nichtjüdische und oft feindliche Lager.. Würden wir dem nichtjüdischen Organisten Abbruch tun, wenn wir fordern: Die Synag 0 gen 0 rgel dem I u d e n! Es wird wohl nicht Vorkommen, daß ein „unverwüsserter" Jude die Orgelbank in einer Kirche einnimmt; hingegen stellen wir uns ein Armutszeugnis ans, indem wir für unsere Synagogen-! musik unter Zurückweisung des Juden, die Kraft des Nichtjuden! mieten und damit das Orgelspiel so recht als ein m’loelio für I diesen hinstellen. | Der christliche Organist ist zumeist nebenamtlich in der! Synagoge, im Hauptamte in der Kirche tätig. Wie nun öfters! die jüdischen Feiertage mit den christlichen Festen zusammenj fallen, so gibt der Organist selbstverständlich seinem Hanptamte in der Kirche den Vorzug und läßt sich in der Synagoge vertreten. Wie störend gerade diese Vertretung sein kann, davon wissen wohl viele Kantoren zu erzählen. Der jüdische Organist hingegen ist Jude, lebt unter uns, feiert mit uns und betet mit seinen Glaubensgenossen, und ich sage nicht zuviel, wenn ich behaupte: Ist erst die Verwendimg des jüdischen Organisten nicht mehr neu — so sind auch die Zeiten nicht mehr fern, wo solche jüdische Organisten erfüllt sein werden von dem Geiste weihevoller und übertragungsfähiger Andacht, wo jüdische Organisten durch ihre Kunst und ihren Kunstgeschmack veredelnd auf die Synagoge einwirken. Der Kantor wird dabei nur gewinnen; ist er doch bei z Begleitung durch einen Nichfinden in fortwährender Nervenl'pannuug. Der Andacht bei dem Gebete darf und kann er sich gar nicht hingeben. Er „schwitzt bei jedem Zufallswörtchen" und lebt immer in tausend Aengsten, Nöten und Besorgnissen,, die alle die Frage in sich schließen: „Ob ich wohl mit dem (nichtjüdischen) Organisten glatt fertig werde oder ob er mir nicht gerade die herzinnigste Stelle durch irgend eine Ungehörigkeit umwirft" u. s. w. Aber auch die Gemeinde gewänne. Der Gottesdienst, bisher ein Zwitterding jüdischen und christlichen Stils, wäre dann wie ans einem Guß und trotz — oder gar durch die Orgel, beziehungsweise durch den jüdischen Organisten wieder ein echt jüdischer geworden. Ja, wenn erst der Jude auf der Orgelbank in der Synagoge sitzt und ihn unausgesprochene aber selbstverständliche Harmonie mit dem musikalisch und wissenschaftlich gebildeten Kantor — denn vom Kantor, der hebräisch nur in lateinischer Transskription unter den Noten wegliest, ist inbezug auf Andacht und Weihe dasselbe zu sagen, wie vom nichtjüdischen Organisten — verbindet, dann können beide, Kantor und Organist, zu Schöpfern ungeahnter Synagogenmusik werden. Dazu ist es aber unabweisbare Notwendigkeit, daß wir den Knnstjttngern die Steine ans dem Wege schaffen, daß wir auf Seminarien und Musikschulen dieses Kunstgebiet vorbereiten und endlich — das Wichtigste: daß unsere sührenden Gemeinden in Israel das gute Beispiel geben, die Orgel in der Synagoge jüdisch e n Organisten anznvertrauen. |)ut)[tlntioneii itegölterr.-img.Jiimtorm-leraneg. Die geehrten Herren Wiener Kollegen werden aufmerksam gemacht, daß die nüchstwöchentliche Probe nicht Dienstag, sondern Mittwoch, den 17. d. M., 7 Uhr abends, im Vereinslokale stattfindet, und höslichst ersucht, an derselben vollzählig teilznnehmen. Eingezahlte Mitgliedsbeitrüge: Samek-Schüttenhofen K 2; Jellinek-Mistelbach K 4; Lemberger-Wien K 2; Kurzweil- 1 Falkenau K 8; Pekarnik-Wien K 4; Tauber-Wien K 4; Bauer-Wien K 8; Schorr-Wien K 6; Cznzka-Wien K 3; Singer-Jungbunzlau K 2; Freisinger-Pilsen K 4; D. L. Rotter-Wien L 4; Grünfeld-Wien L 4; Blum-Schlan K 4; Kartschmarof-Kanizsa K 8: Brnnner-Jglau K 4: Friedländer- Silos Bolhas K 2; Teltsch-Wien K 8; Baßl-Wien K 4; Rosner-Herm. Mestec K 2; Schönfeld-Tab K 2; Schleifer- Wien K 10. Die P. T. Vereinsmitglieder werden gebeten, die Mitgliedsbeiträge pünktlicher als bisher an den Vereinskassier, Herrn I. Kantor S. I u r b e r g e r, Wien, II. Tempelgasse 3. einzusenden. Die Bestätigung der eingezahlten Beiträge erfolgt durch Ausweis im Vereinsorgane. Der Bereinsvorftand. Konkurs. Bei der israelitischen Kultusgemeinde in Rzeszow gelangt die Stelle eines Kantors welche mit einem Jahresgehalte von 2Ö00 Kronen verbunden ist, zur Besetzung. Bewerber sind gehalten, über Aufforderung des Gemeindevorstandes behufs Abhaltung einer Probe in Rzeszow zu erscheinen, ohne Anspruch auf Entschädigung für Zeitverlust und Ersatz der Reisespesen. Gesuche mit den nötigen Dokumenten versehen, sind bis spätestens 1. April 1908 einzubringen. Später angelangte Gesuche bleiben unberücksichtigt. Kulturobmann: Dr. Hochfeld

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