Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 11 (13.3.1908)
- Date
- 1908-03-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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'J(IV 11 Die Wahrheit Seite 9. sie sich entschlossen, nach Casablanca zu kommen, wo, wie man ihnen gesagt hatte, die Israeliten gut ausgenommen wurden. Wir haben diese Unglücklichen ausgenommen und werden ihnen dieselbe Fürsorge angedeihen lassen, wie unseren Glaubensgenossen von Mzab. Js. Pisa. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Nachdruck verboten.) Dramatisches Fragment in zwei Aufzügen von Franz Grillparzer. Um drei Aufzüge vermehrt von S. Bineta. (Fortsetzung.) König. Wie alles in dem Mann sich aufgebäumt, Daß er dem Inden Knechtesdienste tu'. Das trifft sich prächtig, soll ich denn allein An diesem Jndenvolk zu tragen haben? -Er auch besudle sich durch die Berührung! Wer hat das Ganze hinter meinem Rücken Denn eingefädelt und mich überrascht, Mich wehrlos diesem Unglück preisgegeben? Daß dieser Mardochai ein Jude auch, Ein neues Rätsel ist's, das gibt zu denken. ' (Ab.) Straße in Susa, Volk im Hintergrund. Mardochai zw Pferde, geschmückt, von H a m a n geführt. Mardochai. Daß dieser possenhafte Auszug nun .Zu Ende, freu' ich mich, denn lautete Des Königes Befehl nicht selbst also, Ich hätte standhaft mich geweigert, glaub's. ' H a m a n. Nun, triumphiere nicht zu früh, dn Jude? Ich bring' dich trotzdem an den Galgen noch. Mardochai. Du weißt, daß ich ein Jude? Ha man. Ja, ich fah's Und roch dir's an, doch, Lieber, nur Geduld! Mardochai. Erst so viel Ruhm und gleich darauf Vernichtung? Das. Guter, mache einem , andern weiß. H a m a n. Dn zweifelst? Hier die Briefe, die Läufer sind Bereit. Befehle werden ausgesandt. In Persien gibt's keinen Juden mehr In Mmidesfrist, getötet werden sie. Leg' selber ab den Purpur jetzt, leb' wohl. (Ab.) Verschaffen, vogelfrei ist jetzt der Jude. - Willst du mein törichtes Vermessen,, setzt An einem ganzen. Volk, das schuldlos, rächen? Verdankst du nicht die Rettung mir? Doch trotzdem Ich fleh' dich selber an, in einen Käfig, Wie wilde Tiere, setze mich gefangen. Und'zeige mich, dem Frevler, deinem Volke. Reiß Glied für Glied mir aus, mein. Volk doch schone. König. Bist du denn von den Deinen hergesandt nicht? M a r d o ch a i. Wo denkst dn hin? Sie sind ganz ahnungslos. In unfern Büchern steht die Prophezeiung: Ein Held wird kommen zu erlösen uns. Der heim uns führt in die verlorne Heimat, Der uns Salomos Tempel neu erbaut. Geduldig harren sie drum des Gesalbten. Ich Tor! Wollt Fürsten-, Menschengnnst erringen, Und schickte dies, mein armes Mädchen aus. Jehowah hat mich nun zu leicht befunden, Denn ilns're Prüfnngszeit ist nicht zu End' noch. Selbst Moses hat der Stimme Gottes nur Gehorcht, jedoch mich hat er nicht gesendet. Drum lass', wie billig, mich allein nur büßen. König. Jehowah nennt ihr euern Gott? Wie heißt Denn der, der ihm genüber steht, der Böse? Mardochai. Es herrscht allüberall nur Er allein Kein Ahriman steht gegenüber ihm. König. Bon wem rührt dann das Schlechte her, von ihm auch? Wer hat dich selbst zu deiner Tat verführt? Mardochai. Das Böse wohnt nur in des Menschen Brust, Er gab uns Freiheit, bös wie gut zu handeln. König. So hat mit solcher Freiheit er ein schlecht Geschenk euch dargereicht. Mardochai. Er gab es uns In seiner unersorschlich tiefen Weisheit. Nicht ziemt es uns zu tadeln, nicht zu richten. Habt ihr der Götter zwei, was hindert euch, Zweitausend ihrer anznnehmen auch? König. Die Priester tun's ja auch, anfänglich freilich Galt Ormnzd nur und Ahriman, die Zwei. Doch ich geb's zu, ihr faßt es würd'ger auf. (Mardochai wirst den Mantel ab, geht ab.) (Stuf und ab gehend, für sich:> Zimmer im königlichen Schlosse. K ö n i g, M a r d o ch a i. König. Dn wünschest mich zu sprechen, fass' dich kurz. Mardochai. So kurz denn: Ist es wahr, daß dn Befehl 'Gegeben, alle Juden auszurotten? König. Ich habe Kürze aufgetragen, aber Nicht Frechheit. Bin ich Rechenschaft dir schuldig? Mardochai. Du lengnest's nicht,, so ist es also wahr. So muß ich denn zum letzten Mittel greifen. Willst du das Volk, dem deine Frau entstammt, Erwürgen? Wie ich hörte, liebst dn sie. König. Ich liebte sie, doch lieb' ich sie nicht mehr, Seitdem ich weiß, daß sie Hebräerin. Mardochai. Zu deiner Kenntnis ist's gelangt also? König. Sie hat reumütig-selbst es eingestanden. Deshalb beschloß ich euern Untergang. (Mardochai wankt.) Mardochai. Sie selbst und ohne Not? So Fluch ihr denn! Doch halt, ich fluche nicht und widerrufe. Das arme Kind, ans königlichem Stamme, In ihren Adern, König Davids Blut, Vermochte zu verstellen sich nicht lange. Mit Freimut hat sie's einbekannt, bevor noch Sie gänzlich dich an sich gekettet hatte. O, lass' mein Volk und sie es büßen nicht, Daß ich die List, der Schwachen Waffe, brauchte. Ich bin ihr Ohm, ich habe sie verleitet, Und widerstrebend nur gehorcht' sie mir. .Ich wollt ja nichts, als Menschenrechte uns Ist das das Volk, das man geschildert mir Als Abschaum, Haß des menschlichen Geschlechts? Für solch ein Volk will dieser Mann sich opfern? Kanus gar so unwert dieses Opfers sein? Man sprach mir oft von Judenfeigheit, Bei diesem da bemerk' ich nichts davon. Man scheint dies Volk verleumdet mir zu haben. (Esther tritt »ein.)! Um alles in der Welt! Hab' ich dir nicht Verboten, ungemeldet einzutreten? > Verfallen wär' nach Recht dein Leben. Doch ich berühre dich mit meinem Szepter, So bist fürs Erste du begnadigt nun. Esther. Nicht nötig ist's. mein königlicher Herr! Ich bitte dich, lösch' aus mein junges Leben. Denn es ist sünd- und schuldbeladen schon. Als zählt ich hundert' Jahre; hier, mein Ohm, Er kann's bestät'gen, wie ich ihn bestürmte, Das törichte Gelüste mir zu stillen, Mir zu erlauben, an den Hof zu zieh'n. Als deine Gattin dünkt ich mich nicht unwert, Weil ich ein Königsspross' von Mutter Seite. Als hätte solches Königtum noch Geltung Bei unterdrückten Völkern, gleich dem unfern'. Doch dies mein armes unglückiel'ges Volk Gefährde nicht; dein Grimm, er treffe mich. Von meinen Kammerfrau'» ward mir die Kunde, Du drohtest meinem ganzen Volk Vernichtung. Ich kenne dich, gerecht bist du und milde. Du wirst an mir dich wohl genügen lassen.