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Die Wahrheit · 1908-03-13 · Heft 11 (13.3.1908) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 11 (13.3.1908)
Date
1908-03-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 8. Die Wahrheit Nr. 11. Poppe r, Antal Neu r a t h nnd Jakob K a n n neuerdings' bestellt. Ueber Antrag des Vereinsmitgliedes Deutsch wurde der Vizepräsident des Vereines, Herr Carl Fuchs in Anerkennung seines ausgezeichneten und unermüdlichen Wirkens zum Mrenmitglied ernannt. Nachdem dieser für diä ihm zuteil gewordene Ehre gedankt hatte, hielt Herr Rabbiner Dr.D av id einen überaus interessanten Vortrag über die Pflege der Wohltätigkeit im Sinne des Judentums, und als der Redner unter allgenreinem Beifall geendet hatte, wurde die Versammlung vom Vorsitzenden geschloffen. Wien. Montag, den 16. März vollenden sich 25 Jahre seitdem der Tempelinspektor an der Leopoldstädter Synagoge der.Wiener Kultusgemeinde, Herr Ignatz Hahn seine.Funktionen an diesem Tempel angetreten hat." Dem pflichttreuen Funktionär werden ans diesem Anlasse gewiß nmnnigfache Sympathiebeweise zukommen. Wien. (Kranken- U n t e r st ü tz u n g s v e r e i u Selbst- Hilfe.) Dieser Verein hielt seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab und wurde zur Feier des 60jährigen Regierungsjnbiläums des Kaisers ein außerordentlicher Unterstützungssond für ohne Verschulden verarmte Mitglieder errichtet. In den Vorstand wurden gewählt: Obmann Sigmund F e l d b a u e r. Obmann-Slellvertreter Ignaz S ch u st e r, Kaffier Ignaz P a s ch k e s, Schriftführer Tobias E m e r, Schriftführer- Stellvertreter Phil. R o s e n b a u m, Karl Kaiser Kontrolor, Sigmund G u t m a n tt Kontrolor. In den Ausschuß die Herren Moritz G l ü ckselig. Ludwig H i r s ch s e l d, Jak. L ö w i u g e r, Moriz G r ü n h u t, Max Kaiser, Gustav Breuer, Albert Schulhof, Max E h r e uf e st, Sigmund Weiß, Samuel Glaser. Zu Revisoren wurden die Herren Dr. Max Weiß und Sigmund Jedlinsky berufen. Im Witwen- und Waisenfond wurden gewählt: Sigmund Feldbau er Obmann, Ignaz S ch u st e r Obmann-Stellvertreter, Ignaz Paschkes Kassier, Tobias Em e r. Schriftführer, Philipp R o s e n b a u m Schriftführer- Stellberrreter. In den Ausschuß Max Kaiser, Karl Kaiser, Eduard Fischer. Samuel P o l l a k, Hermann E p st e i n, Sigmund Eisler und Jakob L ö w i u g e r, zu Revisoren Sigmund Marcus und El. S a g l. Wie«. Der Kraukenunterstützungs-Verein „A u s ch e E m m e s" Wien X. Bez. Favoritenstraße 106 veranstaltet am 18. März d. I. in Hoffmanns Rosensälen X. Bez. Favoritenstraße 89 eine Wohltätigkeits- Akademie mir anschließendem Tanzkränzchen. Das zu diesem Zwecke gebildere Fest-Komitee hat keine Mühe gescheut, um das Programm zu einem reichhaltigen zu gestalten. Karten im Vorverkauf a 1 K sind zu haben, beim Obmanne E. Sam. Kraus, Y. Bez. Wiedner Hauptstraße 130, beim Schriftführer E. Ignatz Brodt, Y. Bez. Matzleinsdorferplatz 1, und beim Kassier E. S. Blaustein. IY. Bez. Favoritenstraße 45. Und abends an der Kasia X 1.50. Wiett. (Jüdische Toyubeehalle XY. Herklotzg asse 21.) Mehr als 400 Personen hatten sich zu dem für den 7. d. M. angekündigren Konzerte eingefundeu, das von dem Orchester der Familienmitglieder Paschka und Kommerzialrat Bass unter Mitwirkung von Künstlern des Hofopern-Orchesters arrangiert wurde. Daß jede der Vortragsnummer mit stürmischem Beifall belohnt wurde, wird man wol für selbstverständlich halten. Es war aber eine helle Freude zu sehen, wie die zalreichen Besucher mit innigem Verständnis den vorgetragenen Weisen folgten und den Künstlern dankten. Einen heiteren Einschlag brachten in der Zwischenpause mit Verve und vielem Talent vorgetragene humoristische Deklamationen und Gesangsvorträge. Am 14. d. M. spricht Herr k. k. Hof- und Gerichts-Advokat Dr. Schneeberger über „W a h r h e i t im Rechte" sodann folgen Liedervorträge des Frl. Gisela E l l e n b o gen. Wien. Der neugegründete humanitäre „V e r e i n der T a r n o w e r in Wi e n* hielt am 3. d. M. in der Restauration „Zum goldenen Widder", II., Taborstraße 36, seine überaus zahlreich besuchte konstituierende Generalversammlung ab, in der von sämtlichen Rednern, besonders von den Herren Dr. Salz, Salo Viertel und F. K o r n m e h l auf die Notwendigkeit eines landsmannschaftlichen polnisch-jüdischen Vereines hingewiesen wurde. Der Verein zählt schon bis heute nahezu 100 Mitglieder, und sein Streben, Not und Elend unter den in Wien lebenden armen Landsleuten zu lindern, ist freudigst zu begrüßen. Samstag, den 7. d. M., konstituierte sich der in der Generalversannnlung gewählte Vorstand in folgender Weise: Dr. M. S a l z, Obmann; Salo Viertel, Obmannstellvertreter; Benj. David, I. Kassier; Herm. O st e r w e i l, II. Kassier; Beruh. H a e ck e r. I. Schriftführer; Oskar Kant, H. Schriftführer. Revisoren : Dr. Iakobsohn, H. Schächter. Sal. W a s s e r m a n n. Beiräte: F. K o r n m e h l, Gust. Gewürz, Johann R e y h e r, M. T e i ch l e r, Dav. P r o t t e r, Mor. W e i n k r a u t. Wien. Montag, den 9. d. M., fand in den Mariensälen die „Chewra-Sude" der Chewra-Kadischa für den XU.—XY. Bezirk statt, die einen ebenso erhebenden als animierten Verlaus nahm. Den Vorsitz führte der Obmann, Herr Heinrich N e u f e l d, der die zahlreichen Festgäste begrüßte, und an der Ehrentafel hatten der Präsident der Kultnsgemeinde Dr. Alfred Stern mit dem I. Vizepräsidenten Dr. Gustav K o h n, sowie der Präsident der Wiener Chewra-Kadischa Salo Cohn mit dem Vizepräsidenten Dr. Markus Spitzer und andere Honoratioren Platz genommen. Das vom Restaurateur Neuseld servierte treffliche Mahl wurde durch geistreiche Reden der genannten Persönlichkeiten, weiters der Herren Rabbiner Dr. G r u n w a l d, Dr. T a g l i ch t, Dr. Bauer, des Herrn kais. Rat Wilhelm P o l l a k und Dr. Bloch, sowie durch die ausgezeichneten, mit Enthusiasmus aufgenommeneu gesanglichen Darbietungen des I. Kantors I. Schleifer gewürzt.' Der Präsident der Chewra-Kadischa, Herr Salo Cohn dokumentierte seinen bekannten Wohltätigkeitssinn und seine. Freigebigkeit für gemeinnützige Zwecke, indem er der Fünfhauser Chewra-Kadischa eine. Spende von X 3000 widmete. Wien. (Jubiläum einer Purim-Dichtung.) Am kommenden Purim wexden .es 60 Jahre, daß)in einer animierten Gefell-s schüft gelehrter Talmudlsten ein geistvoller Kollege ein hebräisches Lied' zum Vortrage brächte, das allgemeine.Begeisterung und? freudige Strmmung hervorrief. Der junge Dichter von damals bereicherte seitdem-die .hebräische' Poesie um nicht wenige Perlen in seiner MiAszgu bsotumor und .am vergangenen Sonntag wurde dem durch bald ein halbes Jahrhundert in Jglan segensreich wirkenden Meister der hebräischen Dichtkunst, dem'ehrwürdigen Rabbiner Dr. I. I. Unger hier in.Wien beim Vortrage einiger seiner Original-Dichtungen durch Professor A n t s ch e r l gehuldigt und sein Ljed von 5608 zum Purimliede vom 5668 proklamiert.) Mit Dr. Unger wurde auch der Gelehrte nnd Dichter Herr Emanuel Baum garten gefeiert und des unvergeßlichen Oberrabiners, des großen Josef Weisse s. A. iu Ehren vor zahlreicher Zuhörerschaft im Talmud - Thora - Bethamidrasch, Wien, II. gedacht. Baden. Der in weitesten Kreisen als Wohltäter der Armen bestbekannte Weinhändler und Villenbesitzer, Herr Math. Adler, hat einen schweren Verlust erlitten, indem seine durch Bescheidenheit und wahre Frömmigkeit sich anszeichuende Gattin, Frau Cäcilie Adler, im Alter von 66 Jahren gestorben ist. Das Leichenbegängnis fand unter außerordentlich zahlreicher Teilnahme statt. Bräun. Am 12. März, um 1 Uhr nachmittags, findet im Lesesaal' der hiesigen israel. Kultusgemeinde die Generalversammlung des Verbandes der Rabbiner Mährens und Schlesiens statt. Tagesordnung: 1. Pensionsversicherung und das staatliche Pensivnsgesetz für Privatangestellte. 2. Freie Anträge. Berlin. Das Deutsche Bureau der Alliance Jsraelite Universelle stellt uns nachstehenden Bericht des Allianceschiilleiters Pisa zur Verfügung: Casablanca, 25. Februar 1906. Ich habe die schmerzliche Aufgabe, von einem Unglück zu melden, dessen Opfer unsere Glaubensgenossen von Mzab geworden sind. Am 17. d. M. kamen die Truppen des Generals d'Amade bei ihrem Zug gegen die Mdakras am Fuß der Hügel nahe bei Mzab an. Der Kaid der Kasbah Ben-Ahmed, der volkreichsten des Mzab und die die meisten Israeliten in sich schließt, erklärte den französischen Behörden seine Unterwerfung. Am Tage darauf übten die an deren Bewohnern des Mzab Vergeltung, indem sie jene Kasbah ansraübten, die beiden Judenviertel Stein für Stein zu Grunde richteten, eine große Anzahl von Israeliten umbrachten und die übrigen wie eine Heerde Vieh über die Felder wegführten. Diese Nachrichten sind mir amtlich bestätigt worden. Nach Auskünften von Eingeborenen haben die meisten israelitischen Einwohner jener Kasbah, einige hundert an der Zahl, sich nach Casablanca gewendet. Eine beträchtliche Zahl soll sich auch nach anderen Kasbahs geflüchtet haben. Ich empfing gestern wieder einen 50 Personen bestehenden Vortrupp, von deren Entblößung man sich eine Vorstellung machen kann, wenn man an das Elend denkt, an das die Bevölkerung gewohnt ist, und an die Drangsalierungen, deren Gegenstand sie ganz befonders seit einiger Zeit bildet, sowie an den langen Weg, der bis Casablanka zurückzulegen war. Ich habe für die Israeliten von Mzab dieselben Maßnahmen ergriffen, wie für die Israeliten von Settat: Unterkunft und Unterhalt für einige Wochen, Kleidung, Arbeitsbesorgung für die Männer und allmähliche Verteilung der Familien. Ein drittes Kontingent von Flüchtlingen aus Settat, das am 16. d. M. angekommen ist, brachte die Gesamtziffer auf 315. Wir haben sie alle gekleidet, ihnen Obdach und Nahrung gegeben. Vom 21. d. M. an haben wir angefangen, sie in der Stadt zu zerstreuen, um Raum zu gewinuen für die Unglücklichen, die aus Mzab kommen sollten. Ein erster Versuch, den wir mit 10 Fanlilien machten, bewies uns, daß sie Arbeit und Wohnung finden konnten. Auf diese Weise haben wir in 4 Tagen über 50 Familien untergebracht. Den Rest von etwa 40 Familien werden wir im Laufe dieser Woche versorgt haben. Ungefähr 10 Greise, die zu keiner Arbeit fähig sind, bleiben in der Liste für wöchentliche Unterstützungen, die von Gemeindewegen au die Armen verteilt werden. Für die Flüchtlinge von Mzab haben wir dieselben Maßnahmen getroffen. Js. Pisa. Casablanca, 28. Februar 1908. Zu den 50 Israeliten aus Mzab, die sich nach der Ausräubung der Kasbah hierher geflüchtet hatten, haben sich am 26. und 26. noch zwei weitere Züge hinzugesellt. Die Zahl der aus Mzab Geflüchteten ist dadurch auf 116 erhöht worden. Die neuen Ankömmlinge sind in demselben beklagenswerten Zustand, wie die vorher Eingetroffenen; viele von ihnen versicherten mir, daß sie in Mzab eine gewisse Freiheit genossen, nnd daß die Araber sie all ihrer Habe beraubt hätten. Beinahe Alle sind nicht arbeitsfähig, denn die meisten sind alte Leute, und die übrigen verfügen nicht über die physische Kraft, die schwere Arbeit des Ausladens zu ertragen. Es wird notwendig sein, daß wir sie wochenlang ernähren, um sie wieder ein wenig zu stärken. Wir haben sehr große Ausgaben für die Israeliten von Mzab, weil wir ihre Führer und ihren Transport vou Mzab nach Casablanca bezahlen müssen. Glücklicherweise haben wir die Erlaubnis erhalten, zu diesem Zweck aus dem vön Tanger geschickten Fonds zu schöpfen. Alle 115 Israeliten haben Wäsche erhalten; sie werden untergebracht und auf unsere Kosten ernährt werden, bis wir sie in der Stadt verteilen können. Js. Pisa. Eine kleine Gruppe von 10 Familien, bestehend aus 36 Personen, ist heute morgens aus dem Gebiet von Mdakra angekommen.. Sie wohnten und lebten in dieser Gegend in Frieden mit den Arabern. Aber da das Land von einem Ende zum anderen durch den Krieg verwüstet ist, haben

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