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Die Wahrheit · 1908-03-06 · Heft 10 (6.3.1908) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 10 (6.3.1908)
Date
1908-03-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seile 8. Die Wahrheit Nr. 10. der Glaube und -die Liebe zum einzigen Gotte standhaft macht und aufrecht hält. In den Zeiten seiner argen Bedrängnis sind dem Judentum äüenthalben große Söhne erstanden, die ihm in herrlichen Poemen Mut und Ausdauer zusprachen. Nun aber, da sich die Verhältmffe im Westen ein wenig besser gestalteten und nur der Osten in der dichten Finsternis . der. Unkultur schmachtet, da erschienen - den Juden auch am östlichen Himmel manch große Sterne, die das dustere Gemüt der Schwergeprüften einen leisen Schimmer von Freude und Hoffnung brachten. Einer der eisten und größten unter ihnen war Abraham G o! d f a d e n. Sein Leben und Streben, sein Wirten und Schaffen — es galt dem jüdischen Volke allein Sein ganzes Können, seine ganze Kraft gab er seinem geliebten jüdischen Volke! Dafür sei ihm Dank, inniger, aufrichtiger Dank. Und nun wollen wir mit ihm auf den Gipfel des Ruhmes steigen, den zu erreichen ihm noch bei Lebzeiten vergönnt war, und Umschau halten über sein reichbewegtes, sorgenvolles Leben, Umschau halten über all das, was er dem jüdischen Volke gewidmet und geschenkt. Das Mindere soll um des Besseren und Besten willen nicht verachtet werden, denn nicht mit dem strengen, kalten Blick des Krilikers wollen wir ihn mustern. Wir wollen dem großen, jüdischen Volksdichter, der seine Angen für immer geschlossen, ein Zeichen der Dankbarkeit und Liebe auf sein noch frisches Grab legen. Abraham Goldfaden wurde im Jahre 1840 in Alt- Konstantin, einem Städtchen des Gouvernements Wolhynien, geboren. Das Jahr 1840 ist für das Judentum mit einer grausen und bitteren Erinnerung an jene unmenschlichen Greuel verknüpft, die unzählige schuldlose Opfer und auch winzige Kindlein erdulden mußten, weil in Damaskus ein Kapnzinerpater Thomaso mit seinem Diener verschwunden war. Den jüdischen Heroen Cremieux, Rothschild und lagt, not least Sir Moses Moutesiore, ist es gelungen, eine Schmach eines verblendeten Menschenhasses zu tilgen, eine Schmach, d i e a u ch jetzt im XX. Jahrhundert ein schuldloses Opfer in Oesterrreich in dumpfen Kerkermau e r n l e i d e n l ä ß t! Im russischen Reiche regierte damals Zar Nikolaus I. Er war der Vater des berühmten Zar-Befreiers Alexander II., der durch eineil Ukas vom 3. März 1861 23 Millionen Menschen von der schändlichen Leibeigenschaft befreite und der seinem Volke eine Konstitution gegeben hätte, wäre er nicht einem nihilistischen Anschläge zum Opfer gefallen. Zar Nikolaus I. führte ein strenges, despotisches Regiment. Von einem gewaltigen, ja übermäßigen Bewußtsein seiner eigenen Herrschaft und der Festigkeit und Macht des russischen Reiches erfüllt, sah er auf die europäische Kultur mit Verachtung herab. Düstere Wolken ballten sich plötzlich über das Haupt der russischen Juden. Es kamen die sogenannten „Nikolauszeiten", die jede jüdische Familie mit Angst und Schrecken erfüllten. Um die Juden dem Russentum vollständig zu assimilieren, sollten alle Knaben von 8 Jahren aufwärts ihren Eltern entrissen werden, damit sie bei russischen Bauern erzogen, als kräftige Jungen, ihrem Stamm und Glauben entfremdet, ins russische Heer eingereiht wurden. Den kleinen Abraham Goldfaden sollte dasselbe Geschick treffen. Sein Vater, Reb Chaim Lippe Goldfaden, war zwar nur ein simpler Uhrmacher — war ja der Vater des großen Dramatikers Shakespeare anch nur ein Handschuhmacher gewesen — aber er wollte seinen Kindern eine bessere Zukunft sichern und so ließ er seinen älteren Sohn Abraham nicht nur in die jüdische Wissenschaft einführen, sondern auch deutsch und russisch mußte er leruen. So wurde schon frühzeitig ein Samenkorn in das kindliche Herz gestreut, das später zur herrlichen Frucht reifen sollte. Mit zehn Jahren verfaßte Goldfaden sein erstes Gedicht in hebräischer Sprache, betitelt: „Pidjon baP'cbor" (Auslösung des Erstgeborenen). Mit Stolz und Freude zeigte sein Vater allen Bekannter: dieses Werk seines kleinen Sohnes, der zum Dichter prädestiniert schien. (Fortsetzung folgt.) Ans dem Keben zweier indischer Skeptiker des 17. Jahrhunderts. Von Dr. Unbefangen. . ..... (Schluß.) . .. .. .. . . " Erscheinen diese Aenßerungen nicht sonderbar? Hat Spinoza, der in .seiner Frühesten Jugend ein vorzüglicher Schüler der Amsterdamer Talmud-Thora-Schule. war, denn nicht gewußt, daß nach Ansicht unserer von den Judenfeinden und anch von ihm bestgehaßten Weisen (Pharisäer), die Thora vorn Anfänge an bestimmt war, Gemeingut der gesamten Menschheit zu werden? Dbora nitna bemokaum hefker. Die Offenbarung hat rrichl in Palästina, sondern irr der Wüste, die nicht Eigentum eines Herrn, sondern Gemeingut aller ist, stattgesunden, damit jeder Mensch an derselben teilnehmerr und die Völker nicht sagen könnten: Wir hätten ja gerne diese Lehre angenommen, allein wir wurden von der Beteiligung an der Feier von Matan Thora ausgeschlossen (Mechilta Jitro). Ebenso ist aus der Pesikta Bar. (21, 3) zu ersehen, daß außer Israel kein einziges der damaligen Völker sich für die Annahme der Thora bereitwilligst erklärt habe, weil ihnen die Gesetze der Humanität, der Moral und Sittlichkeit, die die Thora enthält, als unerträglich erschienen. Und da will Spinoza dennoch behaupten, daß die Israeliten damals bezüglich ihres tugendhaften Lebenswandels mit anderen Völkern auf gleicher Stufe starrden! Wahrlich, da war Bileam, der bezüglich des sittlich reinen Familienlebens Israels begeistert ausrief: „Wie schön sind deine Zelte, Jakob, deine Wohnungen, Israel", noch gerechter, als der jüdische Philosoph. Und wenn Spinoza weiter von den Inden behauptet, „daß ihre Auserwählnng und Berufung nur in dem zeitlichen Glücke und Vorteilerr ihres Staatswesens bestand, weil ihnen für den Gehorsam nichts anderes als andauerndes Glück des Staates und andere - Annehmlichkeiten des Lebens verheißen wurde", so wird jeder vorurteilsfreie, mit dem jüdischen Schrifttum nur einigermaßen vertrarrte Leser einsehen, daß rrur der unversöhnliche Haß dem großen Skeptiker diese Worte in die Feder diktiert haben. Wie! Die Thora, dieses älteste Religionsbuch der Welt, in welchem die drei goldenen Worte "Weohawto lereacho komocho, Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, verzeichnet sind, Worte, die später von den Töchterreligionen angenommen und als oberster Grundsatz hingestellt worden sind, die Thora, die die schönsten, herrlichsten, menschenerfrenenden,menschenbeglückenderr Lehren, Gesetze und Vorschriften enthält, die heute noch, trotz Kultur und Bildung, ihrer Verwirklichung unter den Völkern der Erde harren, sollte kein anderen als materielle Zwecke verfolgen? Xi lau al halecbem lewaddau. jichje hoodom. Der Lebenszweck des Menschen ist nicht, irdische und zeitliche Güter zu erwerben, um sie ausschließlich der Genußsucht zu verwenden, sondern, um sich einerseits vergeistigen, veredeln und vervollkommnen und anderseits wohltätig im Kreise der menschlichen Gesellschaft wirken zu können. Und hat nicht der „Pharisäer" Antigonos der Sochite seinen Schülern zugernfen: „Seid nicht wie die Knechte, die da dienen dem Herrn, um dafür belohnt zu werden, sondern seid wie die Knechte, die da dienen dem Herrn auch ohne die Absicht, dafür belohnt zu werden; ' es muß die Ehrfurcht Gottes fein über euch?" (Sprüche der Väter, 1, 3.) Und am Schluffe dieses den Inden gewidmeten Kapitels irr dem „Theologisch-politischen Traktat" heißt es: „Was aber den Umstand betrifft, daß sie trotz jahrelanger Zerstreuung und ohne eigenen Staat sich erhalten haben, so kann man sich nicht wundern, wenn man bedenkt, daß sie sich von allen Völkern in einer Weise a b s o n d e r t e n, die ihnen den Haß aller Völker zuziehen wußte; und zwar diese Absonderung nicht bloß in äußerlichen Bräuchen, welche denen anderer Völker schnurstracks entgegen sind, sondern auch im Zeichen der Beschrreidung, die sie gewissenhaft beobachten" u. s. w. Diese Behauptung — ab-! gesehen davon, daß Haman schon auf das Prioritätsrecht derselben Anspruch zu machen berechtigt war, wedoschem schaunaus mikol hoamim — ist grundfalsch. Wenn Baruch Spinoza

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