Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 10 (6.3.1908)
- Date
- 1908-03-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Sprache in weit geringerem Grade stammverwandt, als die sogenannten Antisemiten und Jüden. das Vvlksblatt miteingerechnet. Auchdie Hindus müssen ihrer bräunliche Hautfarbe zufolge aus der-Reihe der ..arischen" Völker gestrichen werden. ' > - Ja, ja liebes Volksblatt, der Haß zwischen Verwandten ist der ärgsteaber glaube beileibe nicht, daß wir uns eine Ehre ans der Verwandtschaft machen und daß wir uns dir anfdrängen wollten. Wie sagte doch Montezuma zu den räuberischen Mexikanern? Er wolle kein Christ werden und verzichte auf den Himmel, da er ja dort seinen verhaßten Feinden begegnet müsse. Wer weiß übrigens ob die Theorie endgiltig seststeht. Und wenn auch, haben wir uns nicht mit den Ergebnissen des Darwinismus abfinden müssen, mit der Deszendenz von dem Affen? Ich übergehe die ganze Schatzkammer blühenden Unsinns, das ganze Arsenal der Waffen, mit denen unsere vielgenannte Zeitung die Professoren angreift, weil sie es gewagt in der „Neuen Freien Presse" anläßlich der Masaryk'schen Debatte in den an sie gestellten Rundfragen iit punkto Rasse Ansichten zum Ausdruck zu bringen, welche mit ihm. dem Volksblatt divergieren. In seiner oft und gut eingeübten Taktik imputiert es den Professoren, daß sie Rassenverschiedenheiten überhaupt läugnen und witzelt wie folgt: —„Somit wäre allerdings zwischen einem menschenfressenden Botokuden und einem deutschen Professor gar kein Unterschied, und daß der Herr Professor in der Regel kein Menscheusteisch zu verzehren pstegt. ist offenbar nur auf die „Gemütsroheit" dieses letztereil zurückzuführen!" — Im Namen der Professoren möchte ich darauf in ähnlicher Weise repliziren, obwohl keine Ursache vorliegt, ihre Partei zu nehmen, denn mancher quietschende Mißlaut, mancher nur dünn übersirnißte. Antisemitismus produzierte sich ans deren Mitte. Aber ich erhoffe mir mit meiner Retourwitzelei einen guten Abgang, einen abrundenden Schluß: Somit wäre allerdings zwischen einem menschenfressenden Botokuden und einem niederösterreichischen Antisemiten gar kein Unterschied, oder wenigstens nur ein minimaler. Der Botokude ißt zum Frühstück Menschenfleisch ohne Kaffee; der Antisemit, ein schon mehr wählerischer Heißsporn, kapriziert sich auf die Delikatesse, die Judenleber-Pastete bildet, verschlingt gleich ein Dutzend davon nnd schwemmt sie mit Kaffee hinunter. Und dieser kleine Unterschied — wenn er einer ist — ist offenbar auf seine „Gemüts- und sonstige Bildung" zurückzuführen. 8. Vineta. Ans der Woche. Angesichts des fortwährenden Steigens der klerikal-antisemitischen Hochflut in Oesterreich, das anch in den letzten Delegationsberatungen durch den Zusammenschluß der Feudalen des Herrenhauses mit den Christlichsozialen des Abgeordnetenhauses zum Ausdrucke kam, ist die Ulieinigkeit und Zerfahrenheit, die unter den jüdisch-politischen Parteien sowohl in Oesterreich als auch in Ungarn herrscht, tief zu bedauern. Eine Folge davon ist auch der Ausfall der Landtagswahlen in Galizien, wo die Juden, trotzdem sie mehr als 10 Prozent der Bevölkerung ausmachen, nur 1 Städtemandat, und dieses nicht aus eigener Kraft, sondern nur durch die Gnade der Schlachta, erringen konnten und im Uebrigen nur noch die 3 Mandate der Handelskammern Krakau, Lemberg und Brvdy behaupteten. Bei einem einträchtigen Zusamnienwirken aller jüdischen Parteien wäre wohl ein anderes Resultat erzielt worden. * * ■I* In der letzten Plenarsitzung der „Israelitischen Allianz zu Wien" machte der Vorsitzende, Herr David R. v. Gutm a n n, die Mitteilung, daß die gemeinsame Aktion der Hilfsorganisationen zu Gunsten der bei den Exzessen in Rumänien im Frühjahr 1907 geschädigten Juden bereits abgeschlossen ist und die Schlußabrechnungen sämtlicher rumänischer Komitees vorliegen. Dagegen sei die im Herbste begonnene Hilfsaktion für die aus den Dörfern vertriebenen Familien noch schwebend und es sind an derselben mit je einem Drittel der Kosten beteiligt die „Israelitische Allianz zu Wien", die „Alliance Jsraslite Universelle" in Paris und die vereinigten deutschen Organisationen (-Hilfsverein der deutschen Juden" in Berlin und „Hilfskomitee für die osteuropäischen Juden" in Frankfurt a. M.). Unabhängig von dieser Aktion wurde das separate Hilsswerk der Wiener Allianz aus eigenen Mitteln geleitet. Dem eingehenden Berichte des Sekretärs, Herrn Dr. Kaminka, über den finanziellen Stand der diversen rumänischen Hilfswerke ist zu entnehmen, daß die Aktion für die Geschädigten insgesamt L 584.204'85 erfordert hat, wovon ungefähr die Hälfte durch das Zentralkomitee in Jassy und die ihm unterstehenden Subkomitees in Roman und Vaslui, ferner zirka 235.000 Francs durch Herrn Astruc und das Komitee in Bukarest, 87.000 K durch die Filiale der „Israelitischen Allianz" in Czernowitz flir die Bezirke Burdnjeui und Bucecea zur Verteilung gelangt sind. Eingegangen sind zugunsten der gemeinsamen Aktion für den rumänischen Zentralfond von der „Allianz" zu Wien 87.500 Francs, von der „Alliance" in Paris 87.500 Francs, vom «Hilfsverein" in Berlin 58.334 Francs, vom „Hilfskomitee" in Frankfurt a. M. 29.166 Francs, vom Komitee in London 30.829, aus New-Aork vom rumänischen Hilfskomitee 176.591 Francs, aus Philadelphia 19.520 Francs, mit Einrechnung der Sammlungen des Comitss in Jassy und Bukarest zusammen X 614,786.25, so daß die Restbeträge, welche teils bei der Zentrale in Wien, teils in Bukarest vorhanden sind, rund 30.000 K ansmachen. Es wurde beschlossen, den Anteil der Wiener Allianz an diesem Saldo dem neuen Fonds zu Gunsten der vertriebenen Familien zu überweisen nnd einen dahin gehenden Antrag auch den anderen beteiligten Organisationen unter Erstattung eines aussührlichen Berichtes über die abgeschlossene Aktion zu stellen. Der Vorstand nahm ferner den Bericht des Sekretärs zur Kenntnis, wonach zn Lasten des neuen Fonds an Herrn A st r u c zur Unterstützung vertriebener Familien bereits 32.000 Francs überwiesen wurden, für welchen Fonds außer den Restbeträgen der früheren Aktion noch die von der „Allianz" in Wien, von Paris und von Berlin (in Verbindung mit Frankfurt) bewilligten je 22.500 Francs zur Verfügung stehen. Die separate Aktion der Wiener Allianz für die Subventionen an Schulen und gemeinnützige Anstalten hat über 60.000 Francs erfordert, so daß die von Wien für rumänische Zwecke verausgabten Gelder cirka 170.000 Francs betragen. * * * Dienstag, den 25. Februar, hat die ans den deutschen Mitgliedern des Zentral-Komitees der Alliance Jsraslite Universelle bestehende Deutsche Konferenz-Gemeinschaft der A. I. U. ihre fünfte Jahrestagnng in Berlin im Saale des Brüdervereins gehalten. Die zur Teilnahme Berechtigten aus allen Teilen Deutschlands und die Mitglieder des Berliner Lokal- Komitees waren fast vollzählig erschienen, oder hatten legitimierte Vertreter entsandt. Vom Zentral-Koniitee in Paris war dessen Geschäftsführer delegiert. Den Vorsitz führten die Präsidenten der Deutschen Konferenz- Gemeinschaft, Geheimrat Goldberger-Berlin und Charles L. Hallgarten- Frankfurt a. M., die den ausführlichen und mit allseitiger Zustimmung aufgenommenen Rechenschafts- und Arbeitsbericht für das Jahr 1907 erstatteten und den Arbeitsplan für 1908 entwickelten. Mit Befriedigung wurde festgestellt, daß die Zahl der Mitglieder im vergangenen Jahre wieder um.Tausende gewachsen ist, dank der von der vorigen Tagung beschlossenen und inzwischen fast vollständig durchgesührten strafferen Zentralisierung, einer eifrigen Propagandatätigkeit durch Vorträge und der Verbreitung des Organs der Konferenz-Gemeinschaft, der illustrierten Monatsschrift „Ost und West." Im Laufe des Jahres 1907 sind 48 neue Lokal-Komitees der Alliance geschaffen, 21 bestehende erweitert worden. Die helfende, aufrichtende und unterrichtliche Tätigkeit der Alliance Jsraslite Universelle blieb auch im vergangenen Jahre weltumfassend: in 42 Elementar- und Vorbereitungsschulen für Knaben und Mädchen, in Handwerker- und Ackerbauschulen, die über drei Erdteile verbreitet sind, werden 45.000 Zöglinge unterrichtet, vielfach auch gekleidet und gespeist. Für dieses Hilfswerk hat die Alliance im ordentlichen Etat IVa Mill. Francs aufgewendet. Mit besonderer Genugtuung wurde die Mitteilung entgegengenommen, daß in den jüngsten Tagen w ied er in Constantinopel- G a l a t a e i u e A l l i a n c e s ch u l e mit deutscherUuterrichtssprache eröffnet worden i st. — Durch den Geschäftsführer des Pariser Zentral-Komitees, Herrn Bigart, wurde davon Kenntnis gegeben, daß die Falascha-Expedition der Alliance bereits bei dem N e g n s von A bessynien eingetroffen ist, und daß die Alliance, sobald die Ratsamkeit sich ergeben hat, alle erforderlichen Maßnahmen zur erziehlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Hebung der Falaschas treffen wird. Die Tätigkeit der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft war vornehmlich auch den räumlich näherliegenden Arbeitsfeldern zugewendet: den durchwandernden russischen Glaubensgenossen, und namentlich den Ausgewiesenen, widmete sie ihre