Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 9 (28.2.1908)
- Date
- 1908-02-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 9. Die Wahrheil Leite 9. Ob ihren Samen hergeweht der Wind Weit über fremde Zonen, oder ob Der Falter ihn ans seinen Flügeln nnr Aus nächster Nähe hergebracht? Allein . . . Du wirst so. blaß — o fürchte nichts, mein Kind! Ob deine Wiege in Chaldäa stand. Ob oben hoch in Mediens Gebirgen, Ob deine Sippschaft Bauern oder Ritter, Ob Iran deine Heimat: mir ist's gleich. Wär's wichtig hätte ich darnach geforscht. Mein Liebling, sprich nnr immerzu. E st h e r. Mein Herr! Ich fömtt' es leugnen, doch mir widerstrebtes, So wisse denn, daß eine Jüdin ich. König. Was, hört ich recht? Aus diesen Kenlenschlag War freilich nun ich nicht gefaßt, allein, Unmöglich ist's, nur prüfen will mich Esther. Esther. Nicht würd' id)'* wagen, Herr, daß dein ich spotte, -Es ist so, wie ich sagte. König. Wagen, sagst Du? O, das ist köstlich! Wagen aber konntst Dn's, Mir zu verheimlichen dein Judentum Als ich das Diadem auf's Haupt dir setzte. Esther. Mein König, hör' meine Rechtfertigung . . . König (im höchsten Affekt). O, schweige still, denn deine Worte würden Als leerer Sä)all nnr an mein Ohr gelangen. Und ganz gewiß, ich faßte ihren Sinn nicht. Weiß ich doch and), was du mir sagen willst. Du kannst did) ruhig bocf) darauf berufen,. Daß du von niemandem gefragt bist worden. Ach! Als Du mir den Mangel an Vertrauen Arglistig vorwarsst, schloßst du mir den Mund. Id) Tor! Wie bin id) unerhört betrogen, Wie könnt ich ahnen, daß die heil'ge Dreiheit: Die Schönheit, Anmut und der hellste Geist, Den Thron bei einer Jüdin ausgeschlagen. Ach, deine Lippe log mit Worten uid)t, Darin nnr, was heimtückisch sie verbarg. Mein eingebildet Glück, es stürzt zusammen Wie eines Kindes leichter Kartenbau! So höre, Esther, nun mein letztes Wort. Zwar glaub' ich nicht, daß ich den Schlag verwinde, Allein so jählings aus dem Herzen reißen Dein Bild — es tut so weh — id) kann's uoch nicht; Doch meinem Angesicht erschein' nicht eher, Denn ich did) ruf', es wäre sonst dein Tod. (König ab.) E st h e r. O, wüßte Mardochai, was ich getan, Welch herrlich Meisterwerk id) Hab vollbracht! Mein teurer Ohm, du tadeltest mich oft, Daß nicht heroisch meine Denkungsart. Was würdest du jetzt sagen? Deine Träume Bon der Erhebung uns'res Volkes ans Knechtschaft Zerschellen an der harten Wirklid)keit. Denn große Pläne wollen große Mittel. -Ein liebend sd)waches Weib ist. das Gesäß nicht, Den Feuergeist der Tat hineinzugießen. Wie lieb ich ihn, als wär er meines Stammes, Der mit arglosem, kindlichem Gemüt Mir unbedingt vertrant, den id) getänsd)t. Ach, über meine Fähigkeiten ging's, Berstellnngskünste bis ans Ende üben. Jedod), ich hatt's begonnen, folglich mußte ich Es unerbittlich auch zu Ende führen, Des Oheims Ziel, es war' vielleicht erreicht. Des Königs Liebe war nur zu erhalten, Wenn zu Beginn id) offen vorgegangen. Ich war zu stolz, nur Favoritin werden, Allein zur Herrscherin fehlt mir die Größe. Bald liebt ich ihn zu wenig, bald zu viel, Und. so ist beides, Glück und Ehre hin. O, Mardochai, könntest du die Nichte sehen, Du schmähtest nicht, beklagtest mich wohl gar. Doch id) Unwürdige verlange Mitleid, Wo er, der arme alte Mann, enttäuscht. Er schwelgt wohl schon in stolzen Hoffnungen, Die ich mit plumper Hand unklug zerstört. Was ist ein Mann doch für ein ander' Wesen? Der Tür bescheidener Hüter, sitzt er draußen. Hat sich dies Amt aus eigner Kraft verschafft, Von dort hat er den König sich verpflichtet, Wo ich, in so viel günstigerer Lage, Den Untergang besiegle mir und ihm. Dod) sei es d'rum, er ist so gottesglänbig. Und sieht den Finger des Allmächt'gen drin. Doch bin ich morgen schon vielleicht gestürzt. Die Königin hat heut' noch ihre Pflichten. (Geht eilends ab.) Park im Schlosse zu Susa. Eine Allee und Büsche, an einem der Bäume Theres' Leiche. H a m a ii kommt. H a m a n. So hoch hat dich die Sd)wester, meine Frau, Gebracht, so geht's, folgt man dem Franenvolk. Hätt'st lieber aus den Schwager du geachtet, Dn wärst ans einen grünen Zweig gekommen, Statt aus die grünen Zweige, gleich dem Vogel. Hier dieser Ring des Königs. Neigst du dich nicht? Mit dir, du Hoher, gibts kein Rechten freilich, Doch dieser Schurke Mardochai, der lebt Und will mir nicht die Reverenz bezeugen. Nun wart, dich stell ich kalt und hoch wie Theres. Wie nur der Schlaue sich ins Amt geschlichen? Doch ist's kein Wunder, ist er doch eine Jude. Hebräisch sind die Zeichen seiner Rolle, Nicht zu verkennen ist der Sdirist Charakter, Quadratisch, wohl basiert, mit trotz'gen Kanten, Ganz so. wie auch die Seele dieses Volks. Reich, doch geknechtet, dürsten sie nach Geltung, Verdrängen uns am Ende noch vom Hof. Möcht' jeder Knecht doch gern znm Herren werden. Gefahr, Gefahr! Denn dieser Mardochai Ist leichtlich nur ein ansgesanoter Fühler. Des fremden, kleinen Volks, das wir verpflanzt Ans dem judä'sd)en Winkel und das hier, Dem Parasiten gleich, sehr wohl gedeiht. Steht so die Sache? Nun, mein wackrer Kops, Wozu Hab' ich den Ring? Euch will ich Helsen. Doch horch, man kommt, im Busche will ich lauschen. (Berfteckr sich.) H i r a m. B r g h t a u, Z a r e s, Magier treten aus, Z a r e s. Mein armer Bruder, so bist Du ein Opfer Der Treue zu der angestammten Fürstin. Doch wie gelangt' es zu des Königs Kenntnis? Ich glaube, daß mein Gatte der Verräter. H i r a m. Ich bin ganz deiner Meinung, edle Frau. B i g h t a n. Ich pflichte euch nicht bei, denn Haman dünkt mich So überklug und überschlau, daß er Mit niemand es sich ganz verderben will. Er wartet ab, aus wessen Seite sich Die Wage neigt. Magier. Du scheinst mir recht zu haben. Er hälts mit allen und zugleid) mit keinem. Doch sagt mir an, wie kömmt es. daß der König Mir das Geburtsregister seiner Frau Nicht sandte? Ganz gewiß in Aussicht stellt' er's. Euch Hab ich mich bis jetzt nicht augeschlossen, Doch fortan stell' ich mich in euern Dienst. Denn mir kommt ein Verdacht; was birgt der König So ängstlich seiner Gattin Abkunst denn? Wenn Midas, das was er berührt, sich flugs Und fluchbeladen ihm in Gold verwandelt,