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Die Wahrheit · 1908-02-28 · Heft 9 (28.2.1908) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 9 (28.2.1908)
Date
1908-02-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 8. Die Wahrheit . Nr. 9. Meinungen der Juden angepatzt gewesen wäre; sondern er mutzte den allen Menschen.gemeinsamen Meinungen und Ueberzengungen, d. h. den allgemeinen menschlichen und wahren Begriffen angepaßt sein. Schon daraus, daß Gott sich Christus oder seinem Geiste unmittelbar geoffenbarl hat. und nicht wie den Propheten durch Worte oder Bilder, ergibt sich mit Gewißheit, daß Christus die geoffenbarten Dinge in voller Wahrheit erfaßt oder begriffen Hat,*) denn nur dann wird etwas erkannt, weini es mit klarem Geiste ohne Worte und Bilder erfaßt wird. Christus hat also die geoffenbarten Dinge in Wahrheit und vollkommen erfaßt; wenn er sie daher jemals als Gesetze vorgeschrieben hat, so tat er dies wegen der Unwissenheit und Verstocktheit des Volkes" u. s. w. (Schluß folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. (Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur.) Donnerstag, den 5. März 1906. präzise 1ji8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, L, Eschenbachgasse Nr. 9, ein Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Max G r u u w a l d statt. Thema: „Die Anfänge des Chassidismus." Mir Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten. Wien. Sonntag, den 1. März hält unser geschätzter Mitarbeiter, der jugendliche Schriftsteller Herr Adolf Heinrich Landau aus Wiener- Neustadt in der jüdischen Toyuber-Holle. XX., Othmargafse, einen Vortrag über den jüngst verstorbenen jüdischen Volksdichrer Abraham Goldfaden. Beginn 7 Uhr abends, Eintritt frei. Wir werden in der angenehmen Lage sein, den Vortrag in einer der nächsten Nnnimern unseres Blattes abdrucken zu können. Wien. Um dem Prinzipe audiatur et altera pars gerecht zu werden, veröffentlichen wir zur Ergänzung der in voriger Nummer gebrachten Mitteilungen über den Brigittenauer Unterstützungsverein auch nachfolgenden uns zur Verfügung gestellten Bericht: Die Generalversammlung des Brigittenauer ijr. Unterstützung-Vereines fand am 11. Februar 1908 in Haars Restauration statt. Der Öbmannstellvertreter, Herr Berthold Kaiser, als Vorsitzender der Generalversammlung berichtete, daß im verflossenen Vereinsjahre nahezu 4000 X an arme, größtenteils delogierte Familien verteilt wurden. Herr Kaiser dankte namens dieser Armen allen jenen, welche den Verein mit einer Spende bedachten. In fortgesetzter Ausführung bedauert Redner den Austritt einiger Vorstandsmitglieder aus der Bereiusleitung. Die hiedurch wachgerufene, etwas heftige Debatte endigte erst als die Herren Bären köpf und Körner die Erklärung abgaben, in den Vorstand eintreten zu wollen. Diesen beiden Herren ist es zu danken, daß nicht nur altbewährte Vorstandsmitglieder dem Vereine treu geblieben sind, sondern auch junge, tatkräftige Mitglieder ihre Kandidatur anmeldeten. Nachstehendes Wahlergebnis gibt berechtigte Hoffnung, daß die Fortdauer und weitere Entwicklung des Vereines als gesichert erscheint. Gewählt wurden die Herren: Jakob K o h n, Obmann; Berthold Kaiser, Obmannstellvertreter; Isidor Pollitzer, Kassier; Jakob M n n d und Jakob R o ß n e r, Schriftführer; Sigmund Frommer, S. B ä r e n k o p f, Kontrollore; Jg. Körner, Paul Opoczinsky, Em. L u st i g, Jakob Wolfer, Nathan Rotier, Ausschußmitglieder; Hermann K o h n, Bernhard P o l l a k, Jos. Brun, Moritz Schick, Beiräte. Wien. (Jüdische Toynbee-Halle, XV., Herklotzgasse 21.) Am 22. d. M. bot der Schriftsteller Herr Iork-Steiner in einer Vorlesung seiner meisterhaften Erzählungen aus dem jüdischen Volksleben dem nach Hunderten zählenden Auditorium einen seltenen Genuß. Seine humoristisch-satyrischen Erzählungen: „Was soll er werden?" und „Eine gute Partie," entfesselten ebensoviel Heiterkeit als ehrlichen Beifall. Herr Kantor Friedländer entzückte durch seine bekannt herrliche Stimme im Vortrage von Operuarien und erntete reichen, wohlverdienten Beifall. Einem allgemeinen Wunsche entsprechend, wird Herr Oberlehrer Riesenfeld neuerdings, und zwar am 29. d. M. in der Toynbee-Halle (Herklotzgaffe) sprechen. Als Thema har der Vortragende „Das Judenstatut Friedrich II., des Streitbaren, seine Wirkungen und Folgeii" geivählt. Dem Vortrage folgen Gesangsvorträge des Frl. Gisela Ellenbogen. Am 7. März fiiidet ein großer Konzertabend statt, bei deni die Salonkapelle P a s ch k a und die Herren R. und M. Felde» (Gesang) milwirken. Wien. (V er ei n zur Bekleidung und Uiiterstützung armer alter Männer i s r. Konfession. Vereinslokal: H., Zirkusgaffe 30.) Sonntag, den 1. März 1908, 4 Uhr nachmittags, findet rm Sitzungssaale der jsr. Kultusgenieinde, I.. Seitenstettengaffe 4, die ordentliche Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht. 2. Kassabericht. 3. Bericht der Revisoren. 4. Referat über die Statistik der uns zugehörigen Schützlinge. 5. Wahl von vier Vorstandsmitgliedern mit dreijähriger Fnnktionsdaner und drei Revisoren mit einjähriger Funktionsdauer. 6. Anträge und Jnterpellationeii. — Nach Erschöpfung der Tagesordnung: Vortrag Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. E. David. *) Und Moses hat nickt die geoffenbarten Dinge in Wahrheit und vollkommen ersaßt? Heißt es nicht ausdrücklich (4. B. M. 12, 7) : „Nicht jo mein Diener Moses, er ist ein treuer Verwalter in meinem ganzen Hanse. Mund zu Mund rede ich mit ihm, mit völliger Dentlickkeit, nicht in Rätseln (d. h. in Bildern), und er schaut die Gestalt des erscheinenden Ewigen" u. f. w. Szenicz. Am 20. d. M. feierte der allgemein geachtete Herr Josef Reichsseld die 25. Jahreswende seiner Hochzeit. Von nah und ferm wurde dem Jubelpaare die Auszeichnung dcr Verehrung erwiesen. Bei herrlich gedeckter Tafel blieb die Gesellschaft in bester Laune, munter und fröhlich bis nach Mitternacht. Nach der erhebenden Ansprache, die Se. Ehrw. Herr Rabbiner M a r m o r st e i n hielt, wurden noch geistreiche Toaste vom Neffen des Jubelpaares Herrn Prof. Stör, vom Hausarzt.Tr. Grün» selb und vom Neffen Advokat Dr. Donath aus SaSvar ausgebracht. In gehobener Stimmung und mit besten Wünschen verließen alle das gastfreundliche Haus. Berlin. Seitens des Komitees zur Errichtung eines Denkmals für Moses Mendelssohn werden wir um Bekanntgabe des nachstehenden Aufrufs ersucht: „In Berlin, in der Stadt, wo Moses Mendelssohn gelebt und Großes gewirkt, erinnert kein Standbild die Lebenden an den edlen Toten. Mendelssohns Verdienste um die Aufklärung in Deutschland, seine Arbeiten auf dem Gebiete der Philosophie und der Literatur, seine formvollendeten und von edler Gesinnung erfüllten Schriften haben ihre wohltätigen Wirkungen auf das gesamte deutsche Geistesleben erstreckt. Was für die deutschen Juden Moses Mendelssohn gewesen, der ihnen das deutsche Wesen erschloß und sie deutscher Kultur zuführte, bedarf nicht näherer Darlegung. Als sichtbares Zeichen des Dankes soll sich an dem Orte seiner Lebensarbeit das Denkmal dieses Mannes erheben. Eine solche Huldigung, die dem Genius de^ Befreiers und Philosophen gezollt wird, wird in ganz. Deutschland ein Echo wecken, denn sie gilt dem Geiste der Humanität, der Aufklärung und Menschenliebe, die Mendelssohn so eindringlich in feinen Schriften verkündet hat und als deren Vertreter er in Lessings unsterblichen „Nathan" erscheint. Eine solche Huldigung ist für uns und für Generationen der Zukunft der sichtbare Ausdruck der Verehrnng, die in unserer Stadt die Ideen genießen, deren Bannerträger Moses Mendelssohn im Zeitalter des Großen Friedrich gewesen ist. Wir sind der festen Zuversicht, daß viele Gleichgesinnte und Gleichempsindende es mit uns für eine Ehrenpflicht halten werden, sich an der Errichtung eines Denkmals für diesen Mann zu beteiligen. Beiträge für diesen Zweck bitten wir unseren Schatzmeister Herrn James Simon (Klosterstr. 80/82) zusenden zu wollen. lieber die Ausführung deS Werkes werden die öffentlichen Blätter zur Zeit das nähere berichten". Das Komitee bilden die Herren Moritz M a n h e i m e r, Vorsitzender, James S i m o n. Schatzmeister, Prof. Max L i e b e r m a n n. künstlerischer Beirat, Justizrat T i m e n d o r f e r, Schriftführer, Geheim. Kommerzienrat Eduard Arnhold, Justizrat Bernhard Breslauer, Landtaqsabgeordneter Geheimer Jnstizrat Dr. Oscar Cassel, Justizrat Dr. Engen Fuchs, Prof. Dr. Ludwig Geiger, Geh. Kommerzienrat Ludwig Max Goldberger, Justizrat Dr. H v r w i tz, Julius I a k o b y, Vorsitzender deL Vorstandes der jüdischen Gemeinde Berlin, Dr. Gustav K a r p e l e s. Geheim. Justizrat Prof. Dr. M o s s e, Stadtverordneter Dr. Paul Nathan, Prof. Dr. Martin P h i l i p p s o n. Jnstizrat Dr. Veit S i m o u und Rabbiner Dr. S. W e i s s e. London. Aus Odessa wird gemeldet: Die jüdischen Rabbiner wurden heute zum zweitenmal zum General T o l m a t s ch e w berufen, der kürzlich zum Geueralgouverneur und Präfekten von Odessa ernannt wurde. Der springende Punkt in der etwas langen Ansprache des Generals war eine e r n st e Ermahnung an die Rabbiner, ihren moralischen Einfluß auf die jungen männlichen Mitglieder ihrer Gemeinden anszuüben, um sie von allen revolutionären Gr n p p e n und verbotenen politischen Parteien fernzuhalten. Den Rabbinern selbst sprach der General seine Anerkennung über ihre stets korrekte Haltung und Loyalität gegen den Zaren und das Vaterland aus. In der Lage der Dinge in Odessa liegt keine besondere Veranlassung zu diesem Appell an die jüdische Geistlichkeit. Der wiederholte Appell ruft zweifellos insoferne eine schädliche Wirkung hervor, als er von den „Schwarzen Hundertschaften" zur Gefährdung der friedlichen Judenbevölkerung ausgebeutet wird. Odessa. Dienstag, den 3 März findet im Hause Mr. Besredka 199 Rue Vangirard in Paris die Trauung des Frl. Gisela Minkowsky, Tochter des Herrn Oberkantor Minkowsky der Brodier Gemeinde zu Odessa, mit Herrn Dr. Alexander Besredka statt. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Nachdruck verboten.) „Myer."') Dramatisches Fragment in zwei Aufzügen von Franz Grillparzer. Um drei Aufzüge vermehrt von S. Bineta. (Fortsetzung.) König (zur Türe). Man rufe her die Königin. Esther (tritt ein). Du wünschst, mein Herr? König. 'Nur eine Kleinigkeit, Mein Lieb, dem frechen Pfaffen muß ich stillen Die schnöde Neubegier, denn stellen will er Das Horoskop, kennt deine Abkunft aber nicht. Ich selbst, o Schatz, ich frage nicht darnach. Wer fragt die Blume denn, die blüht im .Öag, *) In voriger Nummer haben sich zwei sinnstörende Druckfehler eingeschlichen: S. 10, rechter Spalten, Zeile 22 von unten, soll es richtig heißen : „f r o m m e n mag dem Volke". Ferner die beiden Worte: „Nun wohl!" 6. Zeile von unten bleiben an dieser Stelle weg und gehören alsletzte Zeile an das Ende des Spaltens. (Die Redaktion.)

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