Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 9 (28.2.1908)
- Date
- 1908-02-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Leite 6. Die Wahrheu Nr. 9. nütziges Pensionsunternehmen ins Leben gerufen worden. Und wenn'L so doch nicht ginge, dann bliebe uns noch immer die Gründung der Kasse unter Anlehnung an eine große, leistnngssähige Lebensversicheruugsgesellschaft übrig; ein Verfahren, das nichts Ungewöhnliches im Betriebe der Pensionskassen bedeutet. Daß sich diese Gesellschaften auch für unsere Bestrebungen — -natürlich aus geschäftlichen Rücksichten — zu interessieren vermögen, zeigt ein Artikel des Direktors der „Viktoria", der eine solche Verbindung der Pensionskassen mit seiner Gesellschaft, wenn auch in anderem Sinne, wie wir es hier meinen, vorschlägt. Gewiß werden erfahrene Finanzpolitiker unter unseren Gemeinde-Interessenten noch andere Vorschläge dafür zu machen wissen. Fm übrigen dürfte gerade hier das Wort gelten: „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg." Die Aufbringung der sonstigen Mittel für die Versicherung denken wir Ulis ans b e st i m m t e n Beiträgen d e r G emein d e n und d e r B e a m t e n. Wo eine Gemeinde ihren Beamten den Beitrag dafür erlassen kann, wird sie es gern tun in dem Gefühl, daß sie ihn damit erst den Beamten im öffentlichen, staatlichen Dienste gleichstellt. Aber Bedingung für die Gewährung der Pensionsversichernng braucht es nicht zu sein. Auch die öffentlichen Beamten haben lange Zeit Zuschüsse zu ihrer Versorgung zahlen müssen, und in den meisten Fällen wird dies von den Angestellten noch heute verlangt. Ebenso würde ja auch eine künftige staatliche Versorgung Beiträge von den Beamten selbst erheischen. Jedem Beamten ist auch die gesicherte Fürsorge für sich und seine Familie' viel zu viel wert, als daß er eine mäßige Ausgabe dafür scheuen würde. Natürlich muß sie in allen Füllen im Rahmen seiner Leistungsfähigkeit liegen. Im allgemeinen wird man wohl ein Drittel des Gesamtbeitrages aus seinen Teil rechnen dürfen. Dabei soll die bekannte traurige Lage vieler unserer jüdischen Beamten und Gemeinden nicht übersehen werden. Gewiß wird es auch Gemeinden sowohl wie Beamte bei uns geben, die wegen ihrer allgemein dürftigen Verhältnisse die von der Pensionskasse erforderten Beiträge absolut nicht anfbringen können. Diese aus der allgemeinen Fnrsorgevorkehrung ganz auslassen, hieße den betreffenden Beamten ein doppeltes Unrecht zufügen und den Gemeinden eine Pflicht erlassen, die mit ihrem ganzen Verhältnis zu ihrem Beamten zusammenhängt und die ebensowenig davon getrennt werden darf, wie etwa die Pflicht der Leistung eines eigenen Betrages für das Gehalt desselben. Soweit man diese Verhältnisse zu berücksichtigen trachtet, wird es sich immer nur darum handeln können, den betreffenden Beamten .mib Gemeinden ihre Beiträge zur Pensionskasse nach Erfordernis zu ermäßigen, bezw., da das Versichernngs-Aufsichtsgesetz Ausnahmen gegenüber dem Einzelnen nicht zuläßt und dies auch für die Leistungsfähigkeit der Kasse gefährlich wäre, daß mau ihnen aus besonderen Hilfsfonds Zuschüsse zu den Pflichtbeiträgen.gewährt. Für die Beamten sind solche Hilfsfonds bereits vorhanden in ihren fast in allen Bezirken bestehenden H i l f s- und Uuterstütznngskassen (auch Pensionskassen genannt). Wo es solche lokale Kassen nicht gibt, erfüllen die für ganz Deutschland geltenden Hilfskaffen (Achawa, Kantorenkasse rc.) ihre Aufgabe. Wohl haben diese Kassen gegenwärtig nicht die Bestimmung der Unterstützung ihrer Mitglieder zur Erwerbung einer Vollpension bei einer anderen Pensionskasse, aber es läge doch kein grundsätzliches Hindernis vor, sie in solcher Weise zwecklich auszugestalten, wenn sich das für ihre Mitglieder allgemein empfiehlt. Wir meinen, daß diese Kassen ihre Gelder gar nicht nützlicher und zweckdienlicher verwenden könnten. All ihr Streben geht doch zunächst auf die Gewinnung einer voll befriedigenden Versorgung für ihre Mitglieder, und wenn sie diesen Zweck ans eine andere Weise, als sie es bisher erstrebt, so viel leichter und schneller gewinnen können, wie heute, warum sollen sie da nicht freudig und gern ihren Plan danach ändern wollen? Hier ist doch der Zweck Alles und der Weg Nichts! Die Kassen brauchen ihre zeitige Bestimmung, wonach auch Beamte, die bereits eine Versorgung nach staatlichen Grundsätzen erlangt haben, einen ergänzenden Zuschuß von ihr erhalten, nicht ganz aufzugeben. Das Bedürfnis dafür ist bei den bescheidenen Grenzen, in denen i . die staatliche Versorgung stch immer hält, gewiß auch, in dieser Hinsicht anzuerkennen, nur wird es zwecklich natürlicherweise der Gewinnung einer allgemeinen Grundpension für die Mitglieder nachzustehen haben, und wird es nur gerecht sein, daß diese Kassen denjenigen ihrer Mitglieder, die noch gar keine Versorgung haben, einen größeren Anteil von ihren Mitteln dafür zukommen lassen. Das ist gewiß auch im Sinne der Wohltäter, die zum Bestehen dieser Kaffen so Wesentliches beitragen und denen gewiß das Interesse der Beamten ohne jede gesicherte Versorgung im Maße der staatlichen Fürsorge am nächsten steht. Im übrigen glauben wir, daß die Vertreter dieser Kaffen, wenn es erst einmal gelten wird, das Versorgungswesen für unsere gesamte Beamtenschaft zu regeln, in ihrem sozialen Empfinden und Handeln anderen Kreisen nicht nachstehen werden. Die dies-, bezügliche Berücksichtigung derjenigen unserer Beamten, die in die bestehenden Hilfskassen ihrer Bestimmung nach nicht ausgenommen werden können, wird keine besonderen Schwierigkeiten machen. Wir haben dafür Vereine und Stiftungen genug. Für die Unterstützung der Gemeinden zu solchem Zwecke dürften in erster Reihe die Fonds der „Friedrich-Wilhelm- Viktoria-Stiftnng", der „Philippson-Stiftung" und sonstige Mittel des D. I. G. B. in Betracht kommen. Die bedeutenden Aufgaben, die den bestehenden Kaffen und Stiftungen solcher Art auch neben der allgemeinen Pensionskaffe nach unserem Plane verbleiben, machen es natürlich und notwendig, daß diesen Kaffen ihre wesentlichste Einnahmequelle, die Wo.h l t ätig keit, durch die allgemeine Kaffe nicht geschmälert werden darf. Die allgemeine Kasse hat nnr Zweckkasse zu sein und sich mit den gesicherten Einnahmen zufrieden zu geben, die ihren geordneten Betrieb verbürgen. Alle Propaganda für Wohltätigkeitsbeihilfen hat sie den Nebenkaffen zu überlassen. Sv wird auch jede Konkurrenz der allgemeinen Kaffe mit den bestehenden Hilfskaffen ausgeschlossen sein. Die Schaffung eines so großen Werkes, wie die Gewinnung einer allgemeinen gesicherten Fürsorge für alle jüdischen Gemeindebeamten in Deutschland, bedarf natürlich vieler gutwilliger Kräfte und eines entschlossenen, geeinten Willens aller, wenn es gelingen soll. Die Bedingungen dafür sind wohl vorhanden; nur bedarf es auch eines großen Abnehmers, der die Sache gut zu leiten und zu fördern weiß. Wir haben jetzt so viele dienstwillige große Vereine für die Gesamtinteressen unserer Judenschaft. Welchen von ihnen möchte eine solche Ausgabe, wie wir sie hier entwickelt haben, reizen? Wer hält sich zur Lösung solcher Aufgabe im Interesse unserer Gesamtheit berufen und verpflichtet? Es ist eine Sache der Humanität, der sozialen Pflicht und der fördernden Beihilfe für unsere Religion! Die Aufgabe muß gelöst werden! Wer wollte sich die Ehre gewinnen, ihrer Erfüllung großer Helfer gewesen zu sein?! Ans der Wiener Knltnsgemeinde. (Oeffentliche Plenarsitzung des Knltusvorstandes vom 23. Februar 1906, unter dem Vorsitze des Herrn Präsidenten Dr. Alfred Ster n.) Im Einlaufe befinden sich an Spenden: Sofie von B o r k e n a lt zur Errichtung einer Grüfterhaltuugswidmuug X 5000.—, Rosalie G o l d s ch m i d t anläßlich des Sterbegedächtuistages des fei. Herrn Karl Goldschmidt für das Bersorgungshaus X 600.—, zur Verteilung an Arme X 200.—, für die Chewra Kadischa K 200.—, für den Verein für Krankenpflege und Unterstützung Handlungsangehöriger Israeliten K 200.—, für den Waisenverein X 200 — zusammen X 1400.—. Anton Winter anläßlich des Sterbegedächtnistages seiner Mutter zur Verteilung an Arme X 200.—, Mathilde P e r g e r für die Brigittenauer Schulküche X 100.—. Weiters: Ein Dankschreiben des Ehepaares Moriz und Julie Unterberger für die Gratulation und das Ehrengeschenk ^des Vorstandes anläßlich ihrer goldenen Hochzeit. Im Präsidialberichte teilt der Vorsitzende mit, daß sich der erkrankte Vizepräsident Baurat Theodor Ritter v. G o l dschmidt auf dem Wege der Besserung befinde. Diese Mitteilung wird mit lebhafter Befriedigung zur Kenntnis genommen.! Der Präsident wird ersucht, Herrn Vizepräsidenten Baurat von | Goldschmidt den Ansdruck der Sympathien des Vorstandes zu > übermitteln.