Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 8 (21.2.1908)
- Date
- 1908-02-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 8. Franken Monatsgehalt sich und seine ältesten Schwester durchbringen; da taten ihm die Nebeneinnahmen wohl, die er durch Privatuntericht in einer jüdischen Familie verdiente, welche in der Mark Treviso ihre Sommerfrische genoß. Später, als Pfarrer von Salzano, schloß Papst Sarto eine intime Freundschaft mit dem Abgeordneten Leone Romanin Jacur, der sich durch seine rastlosen Bemühungen für die Kanal- und Wasferbananlagen in der Po-Ebene und für die Verbindung des Langensees mit Mailand und Venedig bleibende Verdienste erworben hat. Verschiedene Nachrichten. Wien. Freitag-Abend, den 21. Februar 1908, Predigt im Stadtrempel. Wien. Der Jüdische Kolonisation-Verein veranstaltet am 27. d. M., abends 8 Uhr, nn Festsaale des Oesterreichischen Ingenieur- und Archirekten- Vereines, I., Eschenbachgasse 9, seinen dritten Vortragsabend. Herr Assessor Tr. Arlur Ruppin aus Berlin wird über „Die wirtschaftliche Lage der Juden in Palästina" sprechen. Eintritt frei gegen Vorweisung der Elnladnng, die un Sekretariate des Vereines, II.. Nestroygasse 4, zu haben ist. Wien. Freirag, den 14. l. M.. fand das Leichenbegängnis des ob seines Wohltätigkeit-sinnes in den weitesten Kreisen bekannten Professors Simon H o f m a n n unter zahlreicher Beteiligung statt. Der Dahingeschiedene war lauge Jahre yindurch Obmann des Vereines „Tvmech Ewjonim" zur Ausspeisung armer jüdischer Zugereister, und wurde nach seinem infolge hohen Allererfolgten Rücktritte zum Ehrenobmaun ernannt. In der Leichenhalle sprach Herr Nabbiuatsasscssor B a u m g a r t e n und am Grabe würdigte der Lblnaun des obgenannten Vereines, Herr Lberkantor S ch o r r, die Verdienste des Verblichenen um diesen Verein. Wien. (O e st e r r . - u n g a r. K a n t o r e n - V e r e i n.) Die Proben für die Jubiläumsfeier im Kaiitoren-Vereine finden allwöchentlich Dienstag, Uhr abends, im Vereinslokale, I., Seitenstettengasse 4, 4. Stock, statt, und werden die Herren Wiener Kantoren eingeladen, an denselben vollzählig reilzunehmen. Der Vereinsvorstand. Wien. (G e n e r a l v e r s a m IN l u n g e n.) In den Räumen der israel. Humanitätsvereine Bmai B'rith, IX., Universitätsstraße 4, findet Sonntag, den 1. März d. I.. um 10 Uhr vormittags, die ordentliche Generalversammlung des „Vereines zur Errichtung und Erhaltung von Horten für schulpflichtige Kinder", und um 10 Uhr vormittags, die Generalversammlung des „Vereines der jüdischen Toynbee-Halle" statt. Hievon werden die Mitglieder der genannten Vereine mit dem Bemerken in Kenntnis gesetzt, das; gemäß der statutarischen Bestimmungen eine separate Einladung nicht erfolgt. Die Tagesordnung beider Versammlungen lanrer: 1. Rechenschaftsbericht. 2. Bericht der Revisoren. 8. Wahl des Vorstandes. 4. Wahl der Revisoren. 5. Anträge des Vorstandes. 6. Evenrualia. Wien. (A l l g e in e i n e r K r a n k e n- und Unter st ützungsverein, Witwenu n d W a i s e n f o n d „M o n t e f i o r e".) Der vorliegende Rechenschaftsbericht dieser Vereine pro 1907 entrollt ein Bild besonderen Fortschrittes, sowohl hinsichtlich der Vermögensverwaltung, als des Anwachsens der Mitgliederzahl. Die Vereinsleitung hat damit bewiesen, daß sie ihrer Aufgabe vollkommen gewachsen ist und durch ein zielbewußtes Vorgehen verstanden hat, dem Vereine diesen Erfolg zu verschaffen. In den kürzlich stattgefnndeneu Generalversammlungen haben die Mitglieder durch einstimmige Erteilung des Absolntoriums und Genehmigung des Rechenschaftsberichtes, ihrer Befriedigung über die Tätigkeit des Vereinsvorstandes Ausdruck gegeben. Bei den hierauf vorgeuommcnen Vorstandswahlen wurden im Krankenvereine die ausscheidendcn Vorstandsmitglieder Herren Arnold G u r r in a n n , Moriz Kaiser, Adolf M ärmere k, Emanuel Taub, Leop. W e i n w u r rn wieder- und S. L ö w i n g e r neugewählt. Zu Ersatzmännern wurden die Herren Oskar Blüh und Sam. D e u t s ch b e r g e r, zu Revisoren die Herren Moriz Bondi und Oswald Tauber gewählt. Im Witwenfond-Vereine wurden die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Herren Siegfr. Hahn und Moriz Mund wieder- und Herr Alfred Mattersdorf neugewählt. In der konstituierenden Sitzung wurden im Krankenvereine die Herren Edmund H o f m a n n zum Obmanne, Arnold Hirsch zum Obmannstellvertreter, Sam. L ö w i n g e r zum Schriftführer, Jg. B e ck in a u n zum Kassier, Arnold Guttiuann znin Kontrollor gewählt; im Witwenfond-Vereine wurden die Herren Ignaz Lemberger zum Obmann, Julius M ü h lr a d zum Obniannftellverrreter, Moriz M u u d zum Schriftführer, Emanuel Taub zum Kassier und Alfred Mattersdorf zum Kontrollor gewählt. Mir Bedauern wurde zur Kenntnis genommen, daß Herr Leop. W e i nwur in. welcher im Vorjahre Obrnanu des Krankenvereincs war, und durch 19 Jahre dem Vorstand angehörte, mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand seine Resignation gab und trotz der Bemühung einer Vorstandsdeputation nicht zu bewegen war. sein Mandat weiterzubehalten. Herr Weinwurm war stets bemüht, sein Mandat als Vorstandsmitglied nach bestem Können anszuüben. Wien. (Verein z u r H e b u n g d e r G e w e r b e. I., Wipplingerstraße 25.) Montag, den 24. Februar, 3 Uhr nachmittags, findet eine Exkursion nach der umgebauten und neu eingerichteten k. k. Telegrafenzentrale, I., Börseplatz 1. statt, wobei die nettesten technischen Einrichtungen auf dem Gebiete des Telegrafenwesens (auch drahtlose Telegrafie) unterfachlicher und technischer Führung zu sehen sein werden. Zusammenkunft um 723 Uhr nachmittags im Foyer des k. k. Post- und Telegrafenamtes^ Wien. (Jubiläumsfeier.) Der bekannte Tanzmeister, Herr- Julius Singer, feiert demnächst den 25jährigen Gedenktag seiner Tätigkeit. Der Jubilar ist in den weitesten Gesellschaftskreisen, soioohl als der verdienstvolle Leiter der Tanzschule H e i in a n n - S i n g e r, wie als geschmackvoller Arrangeur erster Bälle und zahlreicher Redouten bekannt und geschätzt, viele gelungene Veranstaltungen waren seiner Initiative zu verdanken und so ist es selbstverständlich, daß seine eirgeren Freunde und Verehrer sich in einem Komitee znsammenfanden, um sein Jubiläum festlich zu begehen. Als Schüler Rabensteiners wandelt Singer in dessen Bahnen, eine Reihe von Varietssteruen hat unter seiner bewährten Schulung die vielbewiinderte grazile Geschmeidigkeit gewonnen und zahllos sind jene, die seiner Lehrtätigkeit und seinem unerschöpflichen Frohsinn glückliche Stunden und Nächte danken. Die Sonntag, den 1. März l. I. stattfindende Jubelfeier — selbstverständlich ein Ball mit vorhergehender großer Akademie — dürfte die Sofiensäle mit einem ebenso zahlreichen, als distinguierten Publikum füllen, das sich ziveifellos glänzend amüsieren wird. Wien. (Jüdischer S ch u l v e r e i n für d e n IX. Bezirk, Wien. IX., Grüne T h o r g a s s e 19). Vor 14 Tagen hatte Herr Schulinspektvr Professor Dr. K a n i tz, wie alljährlich die Güte, die Bereinsschule zu inspizieren, und in den verschiedenen Abteilungen, einzelne Kinder zu prüfen, und hat sich derselbe über die Leistungeil in sehr anerkennender Weise ausgesprochen. Die Schule wird heuer im VII. Vereinsjahr von hundert Schülern besucht, ivelche Tatsache zur Genüge beweist, daß der Verein immer mehr Anklang findet, und bereits zur Notwendigkeit für den IX. Bezirk wurde. Nachdem nun durch die stark zunehmende Schülerzahl, dem Vereine größere Auslagen erwachsen, wäre es dringend nötig, das; zahlreiche edle Glaubensgenossen, die für das wahrhafte Judentum Interesse haben, die gemeinnützigen Bestrebungen des Vereines durch Beitritt oder Spenden unterstützen. Wien. Der Verein zur Bekleidung und Unterst ü tz u n g armer alter Männer lVereinslokal: Wien, II., Zirkusgasse 30) veranstaltet Samstag, den 22. Februar 1908 im Prachtsaale des Hotel „Continental", II., Taborstraße 4, ein Elite-Masken-Fest. Saaleröffiiung 9 Uhr abends. Musikkapelle des k. u. k. Jnfanterie-Negimeutes Freiherr von Praßt Nr. 51. Tanz-Arrangement: Professor Julius Singer. Juxbazar. Damen erscheinen im Domino, Kostüm oder Balltoilette, Herren in Ball- oder Soirsetoilette. Entree X 4.— per Person. Im Vorverkauf sind Einzelkarten ü K 3.— und Familienkarten für 4 Personen zu K 10.— bei den Komiteeinitgliedern erhältlich. Wien. Wie alljährlich, wurden auch diesmal anläßlich des Jahrestages der seligen Stifterin der zweiten israel. Volksküche, Frau Rebecka Hildesheimer, gcb. Brodsky, am 11. und 12. d. M. daselbst die Armen ohne Unterschied der Konfession gespeist und im ganzen etwa 1400 Portionen verteilt. Es liegt in dieser Tatsache, wie auch in der Verabreichung von Speisen in dieser Volksküche an jeden ohne Rücksicht auf seinen Glauben ein wichtiger sozialer Faktor zur Versöhnung und Annäherung der verschiedenen Glaubens-Bekenntnisse, welche, namentlich im 20. Bezirke, rvo die Massen-Armut ebenfalls nicht nach der Art der religiösen Gottesverehrung des Einzelnen sich vorher erkundigt, ehe sie ihre Fangarme nach dem Betreffenden ansstreckt. Wie». Die Generalversammlung des B r i g i t t e n a u e r i s r. Unterstützungsvereines, welche Dienstag, den 11. Februar, im Restaurant Haar, XX., Treustraße, stattfand, lieferte einen eklatanten Beweis dafür, wie dringend die Zentralisierung des Armenwesens geboten erscheint. Dieser Verein, der seit 12 Jahren besteht und bisher, außer dem Frauen-Wohltätigkeitsvereine, die einzige Zufluchtsstätte für die so zahlreiche arme jüdische Bevölkerung dieses Bezirkes in Zeiten der Not und des Mangels, der drohenden Delogierung, Krankheit und Erwerbslosigkeit war, ist infolge Kesseltreibereien einzelner Mitglieder dahin gebracht worden, daß er quasi zu existieren aufgehört hat. Jahre hindurch standen die angesehensten jüdischen Bewohner der Brigittenau an der Spitze dieses Vereines und Herr Adolf Schreiber als Obmann opferte sich förmlich im Dienste der Wohltätigkeit auf. Eine kleine Gruppe von Oppositionsmänuern, die sowohl dem Tempelverein als auch den sonstigen gemeinnützigen Bestrebungen stets Hindernisse in den Weg legt, bewirkt es, daß alle die einflußreichen Männer teils aus dem Vereine schieden, teils ihre inuegehabten Mandate niederlegten. Diesem Terrorismus midi. auch vor Monaten der verdienstvolle Obmann Herr Adolf Schreiber und der ewige Prätendent für erledigte Ehrenstellen in der Brigittenau, Herr Berthold Kaiser, bestieg den kurulischen Stuhl, er wurde der Verweser, oder richtiger gesagt, Diktator des Vereines. Bei der nun am Dienstag stattgehabten Generalversammlung erklärte zunächst der bisherige Gesamtvorstand dezidiert, eine Wiederwahl nicht annehmen zu wollen, und alle anderen in Vorschlag gebrachten Persönlichkeiten, wie die Herren: Hermann E l t b o g e n, Heinrich Weiner, Sekretär Josef K o h n rc. lehnten gleichfalls ab, die Leitnllg des gefährdeten Vereines zu übernehmen. Bloß die Herren K a i >"e r und Frommer spielten sich ans die Retter desselben heraus und nahmen die so znstandegekommene Wahl an. Die übrigen Ausschnßmandate wurden zumeist mit jungen, unerfahrenen Leuten besetzt. X. Ch. Wien. (Jüdischer Turnverein F ü n f h a u s, XV., Herklotzgasse 21.) Am 23. Februar, 10 Uhr vormittags findet die General-' Versammlung des Turnvereines statt. Tagesordnung: Bericht, Neuwahlen