Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 7 (14.2.1908)
- Date
- 1908-02-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 7. Obmannstellvertreter Anton Pick; erster Schriftführer Nathan Mechor; zweiter Schriftführer Bernhard Herzog; hebräischer Schriftführer I. Gehlbard; erster Kassler S. M. Hönigsberg; zweiter Kassier, S. Bernhard; Beiräte: Julius Baad. Kommerzialrat L. Baß, Dr. H. R i e g e r, B. K a h a n e, Prof. R. Pick, Oberrevident S t r a ch, Prokurist I. S t r a s ch n o w. Schiedsrichter wurden die Herren : Dr. M. Deutsch, S. D e i ch e s, S. H o f f m a n n, M. S t e r n und S. Stern. Als Revisoren wurden, ernannt: B. Freund und H. Stöger. Dann hielt Herr Rabb Dr. M. H. F r i e d l ä n d e r einen Vortrag über „Die letzten Ziele des jüdischen Bürgertums", der durch die strenge Gliederung, die Fülle der Gedanken und die großzügigen Betrachtungen lauten, immer sich wiederholenden Beifall weckce. Seine These war: Nationalitär ohne religiösen Inhalt ist im Judeiitume ein leerer Begriff. Wie«. (Kaiser Franz Josefs-Ferien hei in.) Die Anmeldungen für die diesjährigen Rekonvaleszenten-, Herzkranken-, Skrofulosen- und Erholungskolonien des „Kaiser Franz Josefs-Ferienheun" werden vom 15. d. M. ab, an den Tagen Mittwoch, Donnerstag und Freitag und in der Zeit von 4-6 Uhr nachm, im Vereinsbureau, IX. Türkenstraße 17, eutgegengenommen. Hiezn haben sich die Angehörigen des betreffenden Kindes (Varer, Mutter, Vormund oder Pflegeeltern) mit d e in Kinde im Vereinsbureau einzuflnden. Mitnahme eines Mittellosigkeitszeugnisses erwünscht. Es wird schon jetzt darauf ausinerksam gemacht, daß nach Abschluß der Anmeldungen, welche anfangs April erfolgt, einlaufende Gesuche keine Berückstchtiguug mehr finden können. Wie». (Jüdische T o y n b e e h a l l e, Wien XV. Herklotzgaffe Nr. 21.) Der Vorrrag des Präsidenten der -jüdischen Toynbeehalle Herrn Dr. I. Samuely am 8. Februar d. I. „Von der alte st e n K u 1 t u r" beschäftigte sich mir den durch die Ergebniffe der babylonischen Ausgrabungen erbrachten Beweisen von dem Hochstande der babylonischen und jüdischen Kultur Jahrtausende vor der heutigen Zeitrechnung und insbesondere die vorgezeigten Abbildungen erweckten das hochgradige Interesse der Zuhörer, die deu instruktiven Ausführungen des Redners lebhaften Beifall zollten. Namens des Lokalkomites sprach Herr Kommerzialrat Baß dem um das Wirken und Gedeihen der Toynbeehallen in Wien so hochverdienten Präsidenten den Dank aus. In der dem Vortrage folgenden musikalischen Veranstaltung trug Frl. Adele L e i b l am Klavier Chopin's ..His-moU-Polonaise" und Herr Leo G o l d i s (Violine) Tschaikowski's „Barcarole" und Raff's „Cavantme" sehr bravourös vor. Zum Schluffe entzückte Frl. Laura Kraus die Zuhörer durch einige meisterhaft vorgetragene und von Herrn Ing. Baß accompagnierre Lieder. Wien. „Zur Reform der jüdischen A r m e n p f l e g e. Der israelitische Hilfsverein „Maskil el Dol“ geht daran, in der Armenversorgung eine nützliche Verbesserung einzuführen. Statt die armen Familien mit Geld zu unterstützen und Almosen zu verabreichen, will er Lebensmittel zu billigsten Preisen abgeben an arme Familien derart, daß der Verein mit Kaufleuten die Vereinbarung trifft, daß sie den Familien, die die Lebensmittel mit Anweisungen des Vereines beziehen, diese zu eiiiem um ein Drittel ermäßigten Preise aussolgen und dieses Drittel vom Verein ersetzt erhalten. Um die Mittel für seine humanitären Zwecke zu kräftigen, veranstaltet der Verein im Rainmud-Theater am 18. Februar d. I. eine Wohltätigkeits- Borstellung. Als Premiere gelangt an dieser Bühne Sudermanns „D i e Ehre" zur Aufführung. Die Karten zu gewöhnlichen Abendpreisen gelangen an der Theaterkaffe zur Ausgabe. Wien. Sonntag, den 2. Februar d. I.. veranstaltete der „Jüdische Bildungs- und Geselligkeitsverein für den XVI. und XVII. Bezirk" einen literarischen Abend, bei dem Schriftsteller Herr Jork-Steiner aus seinen eigenen Werken u. a. „Eine gute Partie" zur Vorlesung brachte. Das zahlreich erschienene Publisttm spendete diesem trefflichen Vortrage reichen Beifall. Das Cello-Solo des Frl. Erna Seifer, sowie die gelungenen Vorträge des Frl. Frieda Bram er und des Konzertsäugers Herrn U h r i ch wurden ebenfalls mit großem Beifall begrüßt. Wie«. Sonntag, den 9. Februar, hielt Herr Dr. Otto Neurath in der Toynbeehalle im XX. Bez. Othmargasie einen Vortrag über das Thema: „W i r r s ch a st l i ch e Organisationen". — Der Vortragende beleuchtete in populärer Form das Wesen und den Zweck des wirtschaftlichen Zusammenschluffes, der Arbeiterverbände, Gewerkschaften und Kreditgesellschaften und führte aus, daß solche nicht absolut auch politische Tendenzen verfolgen müssen, sondern rein wirtschaftlicher Natur fein können. Das einzelne Individuum kann sich am wirksamsten gegen die mannigfachsten Wechselfälle des Lebens schützen, beziehungsweise versichern, wenn es sich der gleichen Berufsgruppe anschließt resp. wenn solche sich organisieren. Die gegenwärtigen Arbeitergewerkschaften hingegen gleichen im gewiffen Sinne Monopolen oder vormärzlichen Zünften, zumal alle dadurch gebotenen oder erzielten Vorteile bloß denjenigen Branchenangehörigen zugute kommen, die in der Gewerkschaft ausgenommen worden sind. Herr Dr. Neurath kam zum Schluffe feiner trefflichen Ausführungen auf das jetzt in Oesterreich im Zuge befindliche Gesetz der Alters- und Jnvaliditätsversicherung und bezeichnete das Projekt als mangelhaft deshalb, weil diese Versicherung nicht dem gesamten im Staate lebenden Proletariat zum Vorteile gereichen wird. Es gebe, sagte Dr. Neurath, nicht bloß einen vierten Stand, die Arbeiterschaft, sondern auch einen fünften, und es ist die ernste Frage, ob nicht dereinst dieser fünfte Stand eine Revolution gegen deu Vierten in Szene setzen wird. — Der Vater des Vortragenden weiland Dr. Wilhelm Neurath, gewesener ord. öff. Professor der Hochschule für Bodenkultur für die Fächer der Nationalökonomie und Agrarstatistik, ging als Forscher und Lehrer für das Volkswohl stets seine eigenen Wege, ohne sich von einer Partei oder Gruppe oder einer vorherrschenden Richtung in das Schlepptau nehmen zu lassen. Wie wir nun sehen, verfolgt sein würdiger Sohn, der jugendliche Gelehrte Dr. Otto N e u r a t h^ welcher erst im 25. Lebensjahre sieht und das gleiche wissenschaftliche- Gebiet sich erkor, dieselben Ziele, welche darauf hinausgehen, der gesamteu ' bürgerlichen Gesellschaft in gleicher und gerechter Weise zu dienen. X. 05. Graz. Sonntag, den 16. Februar, 4 Uhr nachmittags, findet in der hiesigen Synagoge die Installation Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner Dr. David Herzog statt. Prag. Montag, den 17. d. M., 2 Uhr nachm, findet im Sitzungssaale des jüdischen Rathauses die II. ordentliche V o l l v e r s a m lung des Verbandes der israelitischen Religionslehrer an den Mittelschulen in Böhmen mit folgender Tagesordnung statt; 1. Geschäftsbericht. 2. Kaffabericht. 3. Berichterstattung über Standesangelegenheiten. 4. Ergänzungswahlen. 5. Wahl der Revisoren. 6. Freie Anträge. Abends, präzise 7 Uhr, findet im Saale des Hotel Bristol (Langegasse) statutenmäßig eine Diskussion statt über das Thema : „S ch u lr e f o r m und R e l i g i o n s u n t e r r i ch t." Referent: Herr Professor Dr. Alex. Kisch, Prag. Das Referat, über welches unmittelbar nachfolgenddie Diskussion stattfindet, behandelt nachfolgende Thesen: 1. Der Unterricht, der biblischen und späteren jüdischen Geschichte hat in konzentrischen Kreisen in den unteren und oberen Klaffen der Mittelschulen statrznfinden. 2. Glaubens¬ und Pflichtenlehre soll erschöpfend im engsten Anschlüsse an die hebräische Lektüre gelehrt werden. 3. Die von der modernen Pädagogik für andere Lehrgegenstände so warm empfohlene Fühlungnahme zwischen Schule und Haus ist für unsere Disziplin besonders zu empfehlen. 4. Der Lehrer kann nur dann würdig und wirksam tätig sein, wenn er nicht nur in gediegener Fachkenntnis, sondern auch im allgemeinen Wissen auf der wissenschaftlichen Höhe der anderen Mittelschnllehrer steht. 5. Der Religionsunterricht hat an allen Mittelschulen obligat zu sein. 6. Er hat möglichst in sovielen Abteilungen stattznfinden, als die Anstalt von jüdischen Schülern besuchte Klaffen hat. 7. Lektüre ausgewählter Kapitel der Bibel und des Gebetbuches im Urtexte bilden einen integrierenden Teil des Religionsunterrichtes an Mittelschulen. Diejenigen Herren, welche zur Diskussion das Wort zu ergreifen gedenken, werden höflichst gebeten, dies dem Obmanne (Prag, 27—1) bis zum 16. Februar 1908 schriftlich bekannt zu geben. Für den Verband der israelitischen Religionslehrer an den Mittelschulen in Böhmen: Rabbiner Sal. K n ö p f e l m a ch e r, d. z. Obmann. Preßburg, (I. Preßburger Mäunergesangs-Verein Schir-Chadas ch".) Zu Gunsten des isr. Waisen-Mädchen-Vereines veranstaltet der unter der Leitung des Herrn Kantors G. K i e w s k y stehende Männergesangsverein einen großen Konzertabend, welcher Sonntag, den 23. Februar, 8 Uhr abends, im Prachtsaale des Hotel König v. Ungarn unter gefälliger Mitwirkung der Herren: Michael Stricks, Mitglied der k. k. Hofoper (Wien), L. K i r s ch n e r Opernsänger (Wien). Am Klavier der Kapellmeister und Pianist Herr M e n z e l (Wien). Prof. Nascher aus Wien hält eine humoristische Vorlesung. Neutitschein. Für die hiesige Kultusgemeinde wurde Herr Salomon Urich (Schüler des Oberkantors Bauer! als erster Kantor einstimmig gewählt. Herr Urich ist Absolvent des Wiener Konservatoriums und genießt als stimmbegabter Sänger einen guten Ruf. Paris. Der Großrabbiner von Lyon, Alfred L e w y, wurde an Stelle des verstorbenen Oberrabbiners Zadoc Kahn zum Großrabbiner von Frankreich gewählt. Kileralnr. Ost und West. Illustrierte Monatsschrift für das gefaulte Judentum. Herausgegeben von Leo Winz, Verlag O st u n d W e st. Berlin 8 42. Organ der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft der „Alliance Jsraslite Universelle". 8. Jahrgang. Heft 2. Februar. 1908. Inhalt: „Der Messias von Wien." Von B. Samuel. „Ein Moses Mendelssohn- Denkmal." Bon Dr. Simon B e r n f e l d. „Jüdische Büchersammlung in alter und neuer Zeit." Eine kulturgeschichtliche Skizze (II). Von A. B e n e s r a. „Die Opferung Isaaks in der bildenden Kunst." (Mit 14 Illustrationen.) Von G. Kutna. „In der Verbannung." (Erzählung.) Von Adam S z y m a n s k i. „König Oskar II. von Schweden." Von Dr. M. Fried, Stockholm. „Das Lied vom Vögele." Jüdisches Volkslied. (Noten.) Mitteilungen aus dem Deutschen Bureau der „Alliance Jsraslite Universelle": I. Bekanntmachung. II. Das neue Heim der Alliance Jsraslite Universelle in Paris (mit 5 Illustrationen). III. Die Israeliten in Marokko. IV. Die Juden in Tunis. V. Leroy-Beaulieu über die europäische Einwanderung nach Amerika. VI. Die gegenwärtige Lage der Inden in Rumänien. VII. Die Falaschas. VIII. Fürst Urnssow über die I. C. A. IX. Notizen, a) Sammlung für die marokkanischen Glaubensgenossen. 5) Komm.-Rat Leopold A. Guttmann in Göppingen, o) Lokal-Komitee in Leipzig, d) Neues Lokal-Komitee in Liffa i. P. Illustrationen nach Kunstwerken von: S. H i r s z e n b e r g, P. P. R u b e n s, I. L i e v e n s z, R. van Gherven, Domenichino, I. W. Schirmer, G. P. Reutern, R e m b r a n d t, S o d o m a, Lorenzo G h i b e r t i, Filippo Brunellesco, G. B. Piazetta, A. del Sarto. ' Uebersiedlungsanzeige. Unseren geschätzten Mitarbeitern diene zur Kenntnis, daß der Chefredakteur unseres Blattes, Herr Dr. M. Löwy, nach II., Haidgasse 4, übersiedelt ist, und bitten wir dieselben, sich bei ihren gefälligen Einsendungen von nun ab obiger .Adresse zu bedienen. Die Redaktion.