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Die Wahrheit · 1908-02-14 · Heft 7 (14.2.1908) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 7 (14.2.1908)
Date
1908-02-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Zum Uereinssttdiliittm. Die Vorbereitungen zn den anläßlich des 25-jährigen Jubiläums des österr.-ungar. Kantoren-Vereines anfangs Mai d. I. geplanten Veranstaltungen sind im vollsten Zuge und das lebhafte Interesse, das sich für dieselben in den weitesten Kollegenkreisen des In- und Auslandes knndgibt, läßt erwarten, daß das Vereinsjubiläum Anlaß zu einer imposanten Kund? gebung des heutigen Kantorentnms und zn ernster fruchtbringender Arbeit geben wird. Dienstag, den 11. d. M. fand die erste Probe für die Synagogenfeier statt, an welcher nachfolgende Wiener Kollegen Teilnahmen: Baffer, Smotritzky, Löwit, Czuzka, I nrb erg er, Rosen b er g, D ünmamt, Singer, Serebrenik, Schleifer, Guttmann, Matyas, Baßl, A. Rotier. S ch o r r, S ch l e s i n g e r, W e i ß m a n n, Menkes, Friedländer, Kohn. Entschuldigt waren: Bauer, Hirsch, K l ä g e r, P e k a r n i k, L a n d a u. Die nächste Probe findet Dienstag, den 18. d. M. statt, und ist zu erwarten, daß auch die übrigen Wiener Kollegen sich bei derselben zn gemeinschaftlicher künstlerischer Arbeit zusammenfinden werden. Ihre Mitarbeiterschaft an der Festschrift haben bisher folgende Kollegen zngesagt, resp. die betreffenden Beiträge bereits eingesandt: F r i e d m a n n -Berlin, Heule -Hamburg, Z i v i - Elberfeld. K i r s ch n e r -München. Singer -Kattowitz. B i r n - bau m -Czenstochau, L a z a r u s -Budapest, Singer -Wien, Gold m a n 11 -Kanizsa, Singerma tt ti-Troppau, Singer- Jnngbunzlau. Diejenigen Herren Kollegen, welche während der Festtagungeti Referate über Standesfragen erstatten wollen, werden gebeten, die Themen dem Vereinsvorstande rechtzeitig an^umelden. er söhnte Kein de. Bon Babette Fried. (Fortsetzung.) „Unbestreitbar!" antwortete Hanna, „aber muß es denn heute sein?" „Heute, liebe Tante! Es ist etwas Unangenehmes, das entnehme ich ans Deinem Zaudern — — — je eher ich es erfahre, desto eher überkomme ich es auch." Die so in die Enge getriebene Tante stieß einen tiefen Seufzer aus. Sie ging zn einem Schrank, woraus sie einen in Papier gehüllten Gegenstand entnahm, den sie dem Doktor reichte. „Dies habe ich nach Doras Entfernung gefunden und gelesen, überzeuge Dich nun selber. Aber verzweifle nicht, mein Kind, es wird nicht so schlimm sein, wie es da drinnen steht; kennst Du nicht das alte Sprichwort: Es wird nicht so heiß gegessen, wie es gekocht. Diese sogenannten gebildeten Mädchen — jede ist auf diese oder andere Art eine Schwärmerin. Zu meiner Zeit hatten die Mädchen andere, praktischere Ideen im Kopfe." „Du auch, Tante," meinte lächelnd der junge Doktor. „Was ich von Deiner Vergattgenheit vernommen, hat mir die Meinung eingeflößt, daß Du selber recht unpraktisch warst und nur für andere gelebt hast. Unser Lessings Ausspruch, daß der Mensch meist von den Eigenschaften spricht, die ihm fehlen, trifft auch bei Dir zn." Tante Hanna wehrte die in diesen Worten versteckte Schmeichelei ab, indem sie eifrigst mit dem zierlichen Köpfchen schüttelte; dann nahm sie herzlichen Abschied von dem so geliebten Neffen und ging in ihr Schlafzimmer, während sich der heimgekehrte jnnge Mann anschickte, das seine aufzusuchen. Rieke brachte eine Kerze, um dem jungen Herrn die Treppe hinaufzuleuchten. Der Doktor ließ dies nicht zn, sondern meinte, daß er sich für heute ganz wohl selber bedienen könne. Morgen werde schon fein Bursche hier sein. Für heute habe er ihm freigegeben, damit er ttach langer Abwesenheit ebenfalls seine Bekannten aufsuchen möge. Goldenkron hatte noch kaum die Hälfte der steilen Wendeltreppe, die zu seinem Zimmer führte, erreicht, als er sich angerufen hörte. Rieke war ihm nachgekommen und überreichte ihm das Buch, welches ihm seine Tante übergeben hatte, und das sie ihm zum Lesen empfohlen. Gleichzeitig machte ihm das gute, im Dienste ihrer Herrin ergraute Mädchen aufmerksam, ja nicht achtlos an seiner Stnben- > türe vorüberzugehen.; „Das hätte ich ja ohnehin nicht getan, liebe Rieke, denn! ich merkte sofort beim Betreten des Hauses, daß Ihr großartige! Vorbereitungen zn meinem Empfange getroffen habt." i Der Doktor nahm das ihm dargereichte Buch zur Hand! und ging die Treppe weiter hinauf. Da stand er in dem kleinen; Vorhause an seiner Zimmertüre, die ganz von Blumengewinden j umgeben war. lieber derselben prangte ein Transparent: Will-! kommen daheim, und darunter die Bibelworte: Gesegnet sei, der! da kommt im Namen des Herrn!! Als Dr. Goldenkron einer frommen Eingebung folgend,! die Hand ansstreckte, um die an dem Pfosten befestigte Mesusa I mit seinem Finger zu berühren, und demselben dann zum Munde! zu führen, berührte er eine weiße Rose, welche die sinnige Tante! hinter die Mesusa versteckt hatte. Er wußte, er fühlte es, ein i gut jüdisches Hans war es, daß er heute wieder betreten, und j angeweht von dem Geiste echt-jüdischer Religiosität vergaß er! auch alle Beschwerden, welche er in jüngster Zeit mitgemacht, und allen Gram, der ihn in der jüngsten Zeit heimgefncht hatte. Auch sein Zimmer, das er nun betrat, prangte im schönsten Blumenschmücke, und jeder Gegenstand, der hier zti seiner Benützung aufgestellt war, bewies deutlich, wie sehnsüchtig er hier! erwartet wurde und wie geschäftig die lieben Hände seiner Tante > gewesen, ihm sein Heim auszuschmücken ilnd feine Ankutlft aufs! würdigste zu feiern.; Goldenkron mußte sich zugestehen, daß er in diesem Hanse! niemals Elternliebe und Elternsorgfalt vermißt hatte. Seine! Mutter hatte er nicht gekannt, seinen Vater kaum. Ueber seinem! Studiertische hing ein Oelgemälde, welches seinen Vater darstellte.; Er mußte ein schöner, stattlicher Mann gewesen sein. Bor diesem! Bilde fand er gar oft seine gute Tante in Gedanken stehen und j Tränen rieselten ihr über die zarten, bleichen Wangen, wenn sie! sich unbemerkt wähnte. Wenn so der Doktor halbe Nächte lang bei dem Lichte; seiner Studierlampe an diesem Tische gesessen, war öfters Tante : Hanna die Treppe heraufgeschlichen und hatte ihm eine Er-! frischnng gebracht, ihn auch hie und da anfgefordert, sein überj eifriges Studieren abzukürzen und sich zur Ruhe zn begeben.! Niemals versäumte sie alsdann, vor diesem Bilde neben zu bleiben und leise Seufzer verkündeten dann dem jungen Studenten, wie sehr die Erinnerung an den schon längst Dahingegangenen die gnte Tante erregte. Und doch war der Verstorbene nicht ihr Bruder gewesen und war es ihr immer unangenehm, wenn sie über den Verwandtschaftsgrad zwischen ihr und den Goldenkrons befragt wttrde. weswegen es Ludwig auch unterlassen hatte. Wozu auch die zarte, nervöse Dame unnötigerweise anfzuregen? Ihm genügte, daß er bei Tante Hanna war. Wann und auf welche Weise er in ihr Haus gekommen, das wußte er sich nicht zu erinnern. Seit er überhaupt denken konnte, war er das Kind des Hauses, der erklärte, wenn auch nicht verzogene Liebling der Tante. (Fortsetzung folgt.)

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