Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 7 (14.2.1908)
- Date
- 1908-02-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7. Die Wahrheit Sette 9. empfindliche Lücke gerissen. Ignaz Fischt ist nicht mehr. Eine vornehme, durch und durch noble Natur, stand er an der Wiege der israelitischen Knltnsgemeinde Marienbad. Mit unermüdlicher Tätigkeit hat er mi Jahre 1870 getrachtet, daß die Gründung der neuen Kultnsgemeinde Marienbad zustande kam und wurde deren erster Vorsteher. Durch zwanzig Jahre stand er hierauf an der Spitze dieser Gemeinde und hat an dem Entwicklungsgänge dieser sich immer mehr entwickelnden religiösen Körperschaft ein bedeutendes Verdienst sich erworben. Er gab die Veranlassung. daß man der Gründung des so schönen Gotteshauses näher trat, welches unter dem Vorsteher Herrn S. Singe r gebaut wurde, er erwarb selbst mit mehreren anderen Glaubensgenossen vom hochwürdigen Prämonstratenserstiste Tepl den Grund zum Marienbader israelitischen Friedhofe. Wie wohl ein sehr guter Jude in Wort und Tat, gehörte er der modernen Richtung an und in diesem Sinne und angemessen der Bedeutung -es Weltknrortes Marienbad führte er die Gemeinde, solange er an der Spitze derselben stand. Das Fischl'sche Ehepaar war ein vornehmes israelitisches Ehepaar, in dessen Kreise sich ganz hervorragende Persönlichkeiten aus dem Knrpnbliknm gerne aufhielten. Als vor drei Jahren die Gattin des Verstorbenen, Frau Marie Fischt geborene Hoffmanu, starb, erschien von Hevesi in der ..Neuen Freien Presse" ein Artikel, welcher den vornehmen, schöngeistigen Verkehr dieses Zirkels schildert. Frau Marie Fischl war ein Enkelin des Jsac Bondy, dieses geistvollen, vornehmen Juden, der schon im Anfang des 19. Jahrhunderts in Karlsbad einen hervorragenden Kreis um sich zu sammeln wußte. Es ist leicht einznsehen, daß eine solche Persönlichkeit wie die Fischlls auch von christlicher Seite entsprechend gewürdigt wurde. Ignaz Fischl wurde seinerzeit in den Gemeindeausschuß der Karstadt Marienbad gewählt und war Gründer und langjähriges Ausschußmitglied der Marienbader städtischen Sparkasse. Er war auch Mitbegründer und Mitdirektor des Marieubader israelitischen Knrhospitales. Als die Nachricht von dem Ableben des Herrn Ignaz Fischl in Marienbad eintraf, hörte man allgemeine Teilnahme. Die Leiche wurde nach Sabbatausgang vom Bahnhöfe in Anwesenheit der Vertreter der Stadtgemeinde und der städtischen Sparkasse, des Herrn Stadtrates k. k. Hanptmann im R. Kraus (Waldmühle) und Herrn Stadtverordneten Johann D i e t l, des Gesammtvorstandes der israelitischen Knltnsgemeinde Marienbad und vieler früherer Vorstandsmitglieder eingeholt und zur Zeremonienhalle geleitet. Zn beiden Seiten des Leichenwagens schritten die Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr mit brennenden Fackeln. Am nächsten Tage fand hierauf die Beisetzung der irdischen Ueberreste des Verblichenen statt. An derselben beteiligten sich Herr Altbürgermeister Kr oha, Herr Bürgermeister und Direktor der städtischen Sparkasse Dr. Heinrich Reiniger, mit Mitgliedern des Stadtrates, des Gemeindenusschusses und der städtischen Sparkasse, Herr k. k. Statthaltereikonzipist Ganghofner in Vertretung der politischen Behörde, mehrere andere landessürstliche Beamte, Mitglieder des ärztlichen Kollegiums, eine Vertretung der freiwilligen Feuerwehr, der gesamte Vorstand der israelitischen Kultnsgemeinde mit dem Kultnsvorsteher Dr. Josef Steiner, viele ehemalige Vorstandsmitglieder der israelitischen Kultusgemeinde, Vertreter der Lokaldirektion des israelitischen Kurhospitals und zahlreiche Trauernde ohne Unterschied der Konfession. Die Leiche wurde von jetzigen und ehemaligen Borstandsmitgliedern zu Grabe getragen. Der Rabbiner Herr Dr. Goldberger widmete dem Verstorbenen einen tiefgefühlten Nachruf,.welcher das Lebensbild des Verstorbenen in wirksamer Weise entrollte. Verschiedene Nachrichten. Wien. (I s r a e l i t i s ch e K u l tu s g e m e i n d e.) Sonntag, den 16. Februar, Präzise 10 Uhr vormittags, findet eine öffentlicöe Plenarsitzung des Borstandes der israelitischen Kultnsgemeinde. I.. Seitenstettengasse 4, II. Stock, statt. Tagesordnung: 1. Einlaus. 2. Präsidialbericht. 3. Berichte des Vertreterkollegiums: a) Periodische Unterstützungen und Gnadengaben (Budgetüberschreitung). t>) Aufnahmen in die Bersorgungsanstalt (Siechenabteilung), c) Koscher-Selchwarenerzeugung. ä) Aenderungen des Tax- und Gebührentarifes. e) Subventionen, f) Eventuatia. Wien (Dank an die „I s ra e t i t i f ch e A l l i a nz" aus Amerika.) Die „Israelitische Allianz zu Wien" erhielt von der „Hebrew Immigrant Aid Society" in New-Iork folgendes Schreiben: „New-Iork, 28. Jänner 1908. Sehr geehrte Herren! In der Jahresversammlung der Hebrew Aid Society, welche Sonntag abends, den 26. Jänner 1908, im Auditorium der Educational Alliance, Ecke East Broadway und Jefferson Streets, New-Iork, stactfand, haben alle Anwesenden, ca. 1500 Personen zählend, einstimmig Ihrer geehrten Organisation den Dank votiert für die edlen Dienste, welche Sie den unglücklichen jüdischen Emigranten während des verflossenen Jahres erwiesen haben. Ferner wurde Ihnen der Dank ausgesprochen, für die gütige Mitwirkung, welche sie den Vertretern unserer Gesellschaft bei der Durchführung des Hilfswerkes für so viele Unglückliche gewährt haben. Die Versammlung beschloß auch, daß Ihrer Gesellschaft dies mitgeteilt und Ihnen die Versicherung ausgesprochen werde, daß in dem von dieser großen Versammlung votierten Danke die Gefühle der gesamten Judenheit Amerikas zum Ausdruck kommen.' Mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung seitens der Funktionäre und der Mitglieder der Hebrew Aid Society verbleibe icb Ihr sehr ergebener A. F r a n k l i n na. p., Sekretär." Wien. (Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur.) Donnerstag, den 20. Februar 1908. präzise ,/2S Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, I., Eschenbachgasse Nr. 9. ein Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. David F e u ch t w a u g statt. T h e m a : „Ninives Glück und Ende." Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten. Wien. (R e l i g i o n s l e h r e r v e r e i n „E s r a". Am Sonntag, den 9. Februar hielt Sr. Ehrw. Herr Rabb. Dr. Rosenmann im Sitzungssaale der Kultnsgemeinde den angekündigten Bortrag über „Die jüdisch-aramäischen Papyrifunde in Assuan und Elephantine und ihre Bedeutung für die Bibelkunde" vor einem zahlreichen Publikum ab. Der Vortragende entrollte vor den Augen der aufmerksam lauschenden Zuhörer ein klares Bild des inneren und äußeren Lebens der einst im alten Pharaonenlande bestandenen jüdischen Kolonien, wie es sich aus den jüngst gemachten Ausgrabungen in Assuan und Elephantine ergibt. Wie in allen Ländern der Diaspora zeigt sich auch hier, daß die Inden unschuldig gequält und verfolgt werden, so daß durch die Verleumdung der Feinde sogar ihr größtes Heiligtum, der Tempel in Elephantine, bei einem Pöbelaufstande zerstört wird. Erst nach langem Leiden wird ihnen Gerechtigkeit zuteil. Im zweiten Teile seiner Ausführungen zeigte der Vortragende, welcher Gewinn durch diese Funde sich für die Bibelknude ergibt, wie insbejonders die für uns nie zweifelhafte Echtheit des Buches Esther, trotz aller Bibelkritik bestätigt wird. Rauschender Beifall folgte den Worten des Vortrageuden. Zum Schlüsse sprach der Obmann des Vereines Herr Breuer im Namen aller Anwesenden den Dank für den glänzenden Vortrag aus. W. T. Wien (B et h - H a m i d r a s ch Talmud-Thora. II., Malzgasse 16.) Außer den jeden Samstag, um ll*/4 Uhr vormittags, stattfindenden allgemeinen Vorträgen werden daselbst Spezialvortrüge für junge Leute an Samstagen und Sonntagen von 11 — 12 Uhr vormittags abgehalten. Selbe erfreuen sich einer sehr regen Beteiligung. Zuhörer willkommen. Wien. (H u m a n i t ä t s v e r e i n für die w e st l i ch e n Bezirke Wiens „N a ch l a t I e s ch u r u n".) Anläßlich seines vierzigjährigen Bestandes, sowie zum Gedächtnis des sechzigjährigen RegierungsjubiläumS Sr. Majestät des Kaisers, beschloß die Franensektion des genannten Vereines die Gründung einer Koch» u n d Wirtschaftsschule für arme jüdische Mädchen. Der erste Schritt zur Realisierung dieses Projektes ist die Veranstaltung einer Vorstellung für Kinder und E r w a ch s e n e. die im Apollo-Theater Samstag, den 22. Februar, 3 Uhr nachmittags, stattfindet. Das Programm ist abwechslungsreich und unterhaltend und richtet der Verein an alle Wohlgesinnte die Bitte, durch Kartenabnahme den gedachten Zweck zu fördern. Karten erhältlich bei : Frau Dr. Sidonie K a h n. VII., Nenbangasse 11; Frau Sofie Bäck, VII., Mariahilferstraße 74a; Herrn Hermann König. VII., Seidengasse 28 und an den Kasten des Apollo-Theaters, I., Rotenturmstraße (Bazar) und VI., Gnmpendorferstraße. Wien. (II. ordentliche Generalversammlung des j ü d i s ch e n B ü r g e r v e r e i n e s „I t o" in Wien XV.) Sie fand am 29. Jänner d. I. im Saale der israelitischen Kultnsgemeinde in Wien, Turnergaste 22. statt und war sehr gut besucht. Als Gäste waren erschienen die ehrwürdigen Herren Dr. M. H. F r i e d l ä n d e r und Dr. G e l b h a u s, der Schriftsteller Dr. I. S. B l o ch, der frühere Sekretär der Baronin Hirsch, Dr. Friedländer, dann Dr. Arnold Ascher und Dr. Josef Z i p s e r. Der Obmann des Vereines, Herr Tr. S. Kr e n b erg e r, erstattete den Rechenschaftsbericht, wonach der Verein 87 Mitglieder zählt, die den wohlhabendsten und intelligentesten Kreiselt angehören. Der Verein veranstaltete eine große Versammlung in den Marien-Sälen und gab drei Flugschriften in Hunderten von Exemplaren heraus. Die Tätigkeit Z a n g w i l l s begleitete der Verein stets mit Teilnahme. Seine Regelung der Emigration und die Bemühung um ein Jtoland verdienen den Dank und die Anerkennung des ganzen Judentums. Der Vorsitzende verlas eine Dankadresse an Zangwill, die unter Beifall genehmigt und von allen Anwesenden unterschrieben wurde. Der Kassenbericht wurde vom Revisor, Herrn Bernhard Freund, erstattet und für günstig befunden. Dem Kassier. Herrn S. M. Hönigsberg und dem ganzen Vorstande wurde mit Dank das Absolutorinm erteilt. Die Neuwahlen ergaben folgendes Resultat: Obmann Dr. S. Kren berge r. erster Obmannftellvertreter S. Mohr: zweiter