Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1908-02-14 · Heft 7 (14.2.1908) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 7 (14.2.1908)
Date
1908-02-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3062972-3063418-3063425--05297-3072208
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 6. Die Wahrheit Nr. 7. Friedensbruches geklagt, was nach dem Gesetz als Verbrechen galt. Die Kirche kehrte den Spieß aber um und klagte die Juden an, einen katholischen Priester angegriffen zu haben, um so die Schmach, einen Priester wegen Störung des Gottesdienstes in einer Synagoge verurteilt zu sehen, von sich abznhalten. Für die Juden war damals keine Gerechtigkeit zn erlangen, und so wurden vier Juden gebrandmarkt und ausgewiesen und der Tempel wurde niedergerissen. Es brauchte 35 Jahre schwerer Arbeit, ehe die Verordnung, daß an dieser Stelle nie mehr ein Gotteshaus errichtet werden dürfe, zurückgenommen wurde. In der Vorrede zu diesem Werke bemerkt Baumgarten sehr richtig, daß die damalige Haltung der Juden, ihr entschlossenes und würdevolles Benehmen weitaus demjenigen derer vorzuziehen sei, die, wie es jetzt manchmal beliebt ist, meinen, Skandal durch Skandal zn bekämpfen. Schon in vorgerückten Jahren steuerte Baumgarreu einige Artikel für die jüdische Encyclopädie bei und schrieb eine Broschüre „Die Juden in Steiermark". Mir persönlich ist er wert und teuer als ein Mann, dem das Interesse der Studierenden immer am Herzen lag und außerdem als Freund meines Vaters, der in seiner Jugend Hofmeister in einer vornehmen jüdischen Familie in Kremsier war. Dieser schwelgte gern in der Erinnerung an die vornehme und echt jüdische Atmosphäre, welche vor 60 Jahren in dieser mährischen Kehilla herrschte." Znr Ginbernfung des nngar tänditchcn ifraet. Kandes-Kongrejfes. Am 17. Jänner ist der Leitung der israelitischen Landeskanzlei ein Erlaß des Kultus- und Unterrichtsministers zugekommen, in welchem die Regierung den Wunsch ausspricht, einen israelitischen Kongreß einzuberufen, der über die Schaffung einer einheitlichen Organisation der israelitischen Konfession beraten und beschließen soll. Wann dieser Kongreß tagen wird, ist noch unbestiulmt, aber im allgemeinen Interesse wäre es wünschenswert, die zwischen den Neologen und Orthodoxen bestehenden religiösen Differenzen nicht zu berühren, und das Hauptgewicht nur auf die Schaffung einer einheitlichen Organisation zu legen. Jeder Hader und jeder Streit muß bei Seite bleiben, denn Israel steht noch heute als unverwüstliches Monument der Vorzeit da, und jeder Einzelne ist ein unentbehrlicher Teil, der zur Aufrechterhaltung des Ganzen beizutragen hat. Jahrtausende trennen uns zwar von jenem großen Zwiespalt in Israel, den uns die heilige Schrift schildert, die Anhänger eines Korachitischen Systems hat schon längst der Boden verschlungen, und man sollte glauben, mit ihrem Untergange wäre Zwietracht aus der Mitte Israels für immer geschwunden. Und doch, gestehen wir's nur offen, schießen auch in unseren Tagen wieder Korachiten aus den Boden auf, gleich einer Giftpflanze, die wie ehemals, zur gefährlichen Frucht reift. Gibt es nicht auch heule Gemeinden, ui denen oft wegen Kleinigkeiten dem Prinzipe Korahs gehuldigt wird? Und zumeist sind es nicht die angegriffenen Satzungen der Thora, die den Zündstoff zur Meuterei liefern, es sind nicht die Schaufäden oder die Mesusah über deren Ausübung wie in den Tagen Korahs mit solcher Bitterkeit gestritten wird, da diese wie bekannt, bei vielen der Modernen längst außer Kurs gekommen sind. Es sind vielmehr meist unbedeutende Tempelgebräuche, um deren Sein- und Nichtsein willen die aufgeregten Gemüter sich in den Haaren liegen, und das Vermögen der Gemeinden zwar nicht wie das des Korah von der Erde, sondern durch langwierige Prozesse allmälig verschlungen wird! So lange dieser Zwist, der einen düstern Schatten auf die Gemeindezustände im ungarischen Israel wirft, nicht beseitigt, kann es zu einer ruhigen und gedeihlichen Entwicklung nicht kommen. Diesem Ziele sollten also alle besonnenen Elemente im neologen und orthodoxen Lager mit aller Energie zustreben. Sigmund Läufer. Tempelban Wieden-Margarethen. Im Sitzungssaale der israel. Kultusgemeinde fand Sonntag, den 9. d. M. die konstituirende Sitzung des Exekutiv-Komitees für den Tempelbau statt. Kultus-Vizepräsident Dr. Gustav Kohn begrüßte die in großer Zahl erschienenen Komitee-Mitglieder, -welche das Werk in jeder Hinsicht fördern wollen, und versicherte sie des regsten Interesses der Kultusgemeinde. Tempelvereins-Obmann Adolf H o f m a n n, einstimmig zum Vorsitzenden der Versammlung gewählt, teilt mit. daß der Baugrund zu dem Tempel V., Mittersteig-Siebenbrunnengasse unmittelbar an den IV. Bezirk angrenzend, bereits käuflich erworben und dank der bedeutenden Subvention der Kultusgemeinde baar bezahlt wurde. Mit Rücksicht darauf, daß der Bau des Tempels noch im Jubiläums-Jahre unseres a llverehrten Monarchen fertig gestellt und anläßlich des Jubiläums seiner Bestimmung übergeben werden soll, müßtenalle Anstrengungen gemacht werden, um das zum Baue und der Einrichtung des Tempels noch erforderliche Kapital so rasch als möglich durch Sammlungen aufzubringen, was bei der Geneigtheit unserer Glaubensgenossen zu dem Jubiläum durch Schaffung eines gemeinnützigen Werkes im Sinne des hohen Jubilars ihr Schärflein beizutrageu, voraussichtlich möglich sein wird. Da die beiden Bezirke die einzigen in Wien sind, welche bis jetzt ein würdiges, räumliches entsprechendes Gotteshaus entbehren, ist dessen Erbauung ein dringendes Bedürfnis, welches der werktätigen Mithilfe aller Glaubensgenossen in jeder Weise würdig ist. Nach einer eingehenden Debatte, an welcher sich insbesondere die Herren Dr. Bernhard Singer, Dr. Bloch, Dr. L ö w y, Friedrich Wiener, .Josef Sonnenschein, Emil Wieseltier. Franz Frankl u. a. lebhaft beteiligten, wurden die Wahlen in das engere Exekutiv-Komitee vorgenommen und die! Herren: Ehrw. Oberrabbiner Moritz Güdeinann und Herr! David Ritter v. Gutmann als Ehrenpräsidenten, zum Ob- I mann Friedrich Wiener, znm Obmann-Stellvertreter Josef S o n n e n s ch e i n, zum Schriftführer Alexander T a u ß k y, zum Kassier Emil W i e s e l t i e r, zu Beiräten die Herren Rudolf Brück, Ingenieur Otto Ehrenfest, Dr. Rudolf Freund und Leopold Walter einstimmig gewählt. Dieses Komitee übernahm die Aufgabe, geeignete Vorschläge zn erstatten und diese dem. aus dem Gesamt-Borstande des Tempelvereines und den Komitee-Mitgliedern bestehenden großen Komitee zur Annahme und Durchführung zu übergeben. Die bei der Versammlung zutage getretene Arbeitsfreudigkeit sämtlicher Komitee-Mitglieder läßt es zuversichtlich erhoffen, daß der Tempel rechtzeitig zur Jubiläumsfeier erstehen und Zeugnis von der frommen und patriotischen Gesinnung unserer Glaubensgenossen geben wird. _ Kerthold Auerbach and das Judentum. (Fortsetzung.) In dieser Zeit verlor er seinen alten, daheim in Nordstetten lebenden Vater und ließ sich durch den Wunsch, das Andenken an diesen und die schwäbische Heimat zu verewigen, von einer schon kurz vorher gefaßten Idee vollends erfüllen, als deren Verwirklichung 1842 die ersten der „Schwarzwälder Dorfgeschichten" erschienen. Mit ihrem Erfolg, der tatsächlich bald mehr als ein europäischer werden, sollte, war Auerbachs Lebensgeschick befestigt: auf ihre literarische Bedeutung einzugehen, sei hier nicht erst versucht, nur soviel in Kürze erwähnt, daß selbst der von Auerbach in seiner früher erwähnten Schrift „Das Judentum und die neueste Literatur" heftig angegriffene Wolfgang Menzel sich ihrer Wirkung nicht entziehen konnte und diese Erzählung als „gesunde Kost" und „wahrhafte Natur" dem von Unnatur und Konvenienz überreizten Gaumen des Lesepublikums warm empfahl. Bekannt ist das begeisterte lange Gedicht, mit dem Ferdinand Freiligrath die Dorfgeschichten in der „Kölnischen Zeitung" (November 1843) begrüßte; unbekannt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.