Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 6 (7.2.1908)
- Date
- 1908-02-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 6. Die Wahrhell oder die Athene mit der Artemis verwechselten. Aber der Israelit; konnte seinen Gott mit keinem andern verwechseln, weil es eben! für ihn keinen andern gab — wozn also der Eigenname Gottes?! Diese Schwierigkeit gab auch manchem christlichen Gelehrten! Veranlassung anznnehmen, daß der Gott Israels nicht etwa als der einzige Gott verehrt wurde, sondern nur als einer unter vielen, nur daß die vielen von den anderen Völkern verehrt wurden, wie der eine von Israel als sein Nationalgott. Zu dieser sonderbaren Verwirrung konnte man gelangen, weil man sich nicht vor Augen hielt, daß der Begriff der Gottheit bei dem Volke Israel grundverschieden war von dem anderer Völker. Schopenhauer bemerkt richtig, daß wir ganz sälschlich das Brahm der Hindu und das Tien der Chinesen mit „Gott" übersetzen. Der eigentliche Theismus, sagt er, sei allein in der jüdischen und den beiden ails ihr hervorgegangenen Religionen zu finden, (eb. Reklam I, 619) Was ist aber für Schopenhauer der eigentliche Theismus? Was war nach ihm das Wesen der Gottheit bei' den Juden? — Das, was schon die ersten Worte der Thora besagen: Gott ist nur der, der die Welt geschaffen! Und wie es der Prophet Jeremia so köstlich ausspricht: Saget ihnen also: Götter, die Himmel und Erde nicht geschaffen, die müssen verschwinden von der Erde und unter diesem Himmel (10, H)! Auf den Namen Gott hat eben bei Israel nnr der Schöpfer Anspruch. Sollte nicht dieses Eigenartige im Wesen des Gottes Israels durch -den Namen, den ihm Israel beilegte, zum Ausdruck gekommen sein? Wir wollen uns diesen Eigennamen näher ansehen. Eigentlich gibt es nach dem Zeugnis der heiligen Schrift drei Eigennamen Gottes. Als Gott dem Moses zuerst erschien — so lesen wir Exodus III, 13 ff. — da sprach Moses zu Gott: Siehe, ich komme zu den Kindern Israels und werde ihnen sagen: Der Gott Eurer Väter schickt mich zu Euch. Da werden sie zu mir sprechen: Wie ist sein Name? Was soll ich ihnen sagen? Da sprach Gott zu Moses: Ehjeh ascher Ehjeh. Und sprach ferner: Also sprich zu den Kindern Israels: Ehj eh schickt mich zu Euch. Es sprach aber ferner Gott zu Moses: Also sprich zu den Kindern Israels: JEVE der Gott Eurer Väter . . . schickt mich zu Euch. Das ist m e i n N a m e für immer und das meine Benennung für ewige Zeiten! — Hier haben nur also zwei j Eigennamen: Ehjeh und JHVH. Dazu kommt noch ein dritter:! JEVE Zebaoth, von dem Jesaja viermal und Jeremia achtmal sagen, er sei der Name Gottes, abgesehen von anderen unzähligen Stellen in den Propheten mib Psalmen, wo Gott! so genannt wird. Was bedeuten nun diese Namen? Von Ehjeh könnten wir absehen, weil sonst Gott nirgends so benannt wird. Aber Raschbam meint: Gott nennt sich selber Ehjeh (Ich bin), wir aber nennen ihn JEVE (Er ist), wonach also diese beiden Namen identisch wären: Der ewig Seiende, .der Ewige. Aber wenn dem so wäre, so müßte es immer, so oft Gott sich selber nennt, „am Ehje“, nicht aber „ani JEVE“ heißen! Trotzdem ist es seit Mendelssohn üblich, JEVE mit Ewi ger wiederzugeben. Gelesen müßte es dann werden Jihve nicht Jehve, wie Franz Delitzsch in seinem Kommentar zur Genesis meint. Daß die Lesung Jehov a falsch ist, setze ich als bekannt voraus. — Aber von den Kirchenvätern Theodoret und Epiphanins, die es wahrscheinlich von Juden haben, ist die Lesung Jahve überliefert, welches eine regelrechte Hiphil- Form von haja, sein, ist und muß demnach die Bedeutung haben: Der ins Dasein Rufende, der Schöpfer. Da hätten wir also das Wesen Gottes in seinem Eigennamen ausgedrückt! In der Tat hat Schräder diese Uebersetzung vorgeschlagen. Aber da wäre doch der Nationalgott der Juden zum Teufel gegangen! Denn der Schöpfer der Welt kann doch nicht der Nationalgott der Juden sein. Und so sträuben sich die christlichen Gelehrten mit Händen und Füßen gegen die richtige Uebersetzung des Gottesnamens. Aber nicht nur die christlichen. Man sehe sich die Musterkarte der Uebersetzungen von JEVE Zebaoth an: > Zunz (Sachs) übersetzt: Der Ewige der Heerschaaren. Kautzsch: Jahwe der Heerschaaren. Kaempf: Herr r Leite 5. | der Heerschaaren. Luther: Der Herr Zebaoth. Mann-! Heimer: Gott Zebaoth. Daß die beiden ersten Ueber- I setznngen keinen Sinn geben, wird wohl jedem einleuchten. I Daß die beiden folgenden falsch sind, erhellt daraus, daß ein Wort vom Zeitwort sein (haja) niemals „Herr" heißen kann, nur das für JEVE gelesene Adonaj heißt „Herr", nicht aber JEVE. Am empörendsten aber ist Mannheimer mir seinem „Gott Zebaoth". — Güdemann (Das Judentum S. 24) polemisiert gegen E w a l d, der JEVE mit Jahve wiedergibt, es sei ein geheimnisvoller Name, mit welchem der deutsche Leser die Vorstellung verbinden muß, daß es sich um einen israelitischen Zeus handle. — Nun frage ich: Ist denn der Mannheimersche „Gott Zebaoth" nicht dem Zeus viel ähnlicher? Und wenn man JEVE mit „G o t t" wiedergibt, wie auch Gndemauu (ib.) vorschlägt, wie will man das Schema übersetzen, etwa: Gott (ist) unser Gott? Oder das Bekenntnis: JEVE hri haelohim — Gott ist Gott? Oder JEVE Elohim — „Gott Gott", wie etwa Luther Adonaj JEVE so geschmackvoll übersetzt: „Herr Herr"? — Aber wie es scheint, hat man hier vor lauter Bäumen den Wald nicht gesehen. JEVE Jahve heißt: der Schöpfer. Deswegen erscheint auch dieser Name in der Thora nnmittelbar nach der Schöpfungsgeschichte, „nachdem der G o t t-S ch ö p f e r Erde und Himmel gemacht hat. (Gen. II, 4) Zebaoth heißt tiach Gen. II, 1 (Es waren nun vollendet der Himmel und die Erde und alll ihre Heerschaaren) nichts anderes als: „Weltall". Demnach heißt Jahve Z e b a o t h einfach: „Der W e l t e n s ch ö p f e r" — wahrlich eine würdige und passende Benennung des Gottes Israels! Mit Stolz konnte Jeremias ansrufen (X, 16): Nicht also ist der Anteil Jakobs! Denn der Schöpfer des Alls ist Er und Israel — nur ein Stamm seines Besitztums: Weltenschöpfer ist Sein Name! Gin indischer Dramatiker. Bon Adolf Heinrich Landau, Wiener-Neustadt. Nicht von einem lebenden Dramatiker will ich erzählen — deren gibt es ja nicht gar viele — sondern von einem toten, der bittere Kämpfe ums Dasein zu bestehen hatte, der in der Heimat verkannt, in der Fremde sterben mußte. Noch liegt der frische Grabhügel ansgeworfen, der das j deckt, was sterblich war an — Abraham Goldfaden.! Der große Tote hat schon manchen Herold seiner Taten gefunden, aber es darf an eines nicht vergesfeti werden, er war nicht allein Dramatiker, nicht allein Volksdichter, er war noch! viel mehr: der Erwecker der jüdischen Volksseele, der Erwecker des nationalen Gefühls. Es wäre ein müssiges Beginnen, wollte man die Bedeutung Abraham Goldfadens im engen Rahmen eines Zeitungsartikels nach Verdienst würdigen. Ader in alle Welt soll es mit Macht hinansgerufen werden — e r w a r unser! Sein Leben — jüdisch, sein Wirken — jüdisch, sein Ende — jüdisch! Als Abraham Goldsaden als Sohn des armen Uhrmachers Chaim Lippe in Alt-Konstantin im Jahre 1840 geboren wurde, da hatte er schon in seiner Jugend das harte Elend der russischen Juden zu tragen, die es nicht wagen dürfen, laut zu sprechen, um nicht denunziert zu werden. Diese drückende Knechtschaft mag ihm Veranlassung gegeben haben zu seinen schönen Zionsliedern, die voll schwermütiger Weisen sind. Lange bevor noch die Idee eines praktischen Zionismus im Westen reiste, schuf Goldfaden im Osten seine herrlichen Gesänge, die zitr Heimkehr nach Palästina ansforderten und zu jüdischen Volksliedern wurden. Und die einschmeichelnden Melodien, die er ersann, sie waren echte jüdische Musik, anklingend an das erhabene Chasonus, das rein und unverfälscht in Rußland und Polen bewahrt wird/ Vielfach hat man ihm sein Bänkelsängertum und seine , Hanswnrstiaden zum Vorwurf gemacht; es waren seine Erstlings- > werke, die der Zufall am rumänischen Kriegsschauplatz geboren hatte. Sie sollen ihm nicht zum Nachteile gereichen, denn sie waren die Uransänge eines jüdischen Dramas, ähnlich den > - - --mrxmmwiov'r