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Die Wahrheit · 1908-01-10 · Heft 2 (10.1.1908) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 2 (10.1.1908)
Date
1908-01-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 2. Die Wahrheit Seite 9. Das mittlerweile vorgenommene Skrntinium ergibt bei Abgabe von 41 Stimmzetteln ein einstimmiges Wahlresnltat, und erscheinen wiedergewählt in den Vorstand die Herren: Gottlieb B e l t e l h e i m, Heinrich G o l d s ch m i d t uub Julius Kopstein; und in den sschuß die Herren: Salo Fnchs, Dr. Alfred Glogau, Leop. Hendl, Gerson llloralek, Wilh. P a p p e n h e i m, Joses Steiner. Dr. Ad. Steiner, Isidor Trebitsch. Herr S. Fried legt dem Vorstand nahe, an den hohen Feiertagen Kindern, auch wenn sie nicht in Begleitung ihrer -Eltern kommen, den Eintritt ins Gotteshaus zu erleichtern. Er habe oft die Bemerkung gemacht, dag Kinder, vielleicht waren es sogar Waisenknaben, mit dem Gebetbnche in der Hand nicht in den Tempel gelassen wurden. Dr. S. B lo ch verweist auf den Verein „Tefilas hanorim", der mit Unterstützung der Knltusgemeinde an den jeweiligen Feiertagen besondere Gottesdienste für die Jugend veranstalte. Gleichzeitig nimmt Redner als Mitglied des Vereines Anlaß, dem Präsidenten für seine viele Mühe und Arbeit, die er dem Vereine widmet, den herzlichen Dank der Mitglieder auszusprechen, und er fordert die Versammlung auf. durch Erheben von den Sitzen dem Präsidenten ihre Verehrung auszndrücken. (Unter lebhaftem Applaus kommt die Versammlung dieser Ausfordernng nach.) Ans die Anregung des Herrn Fried teilt der Vorsitzende mit, daß Eintrittskarten in den Tempel für die hohen Feiertage nicht nur an Arme des Bezirkes verteilt werden, sondern auch jedem Religionslehrer an den Mittel- und Bürgerschulen werden nach Bedarf Karten zngesendet, und jeder Schüler, der sich beim Religionslehrer meldet, kann so Eintritt in den Tempel erhalten. Damit glaubt der Vorstand für das religiöse Bedürfnis der Jugend genügend Vorsorge getroffen zu haben, die Tempeltore aber der Jugend ganz zu öffnen, das gehe mit Rücksicht auf die erwachsenen Tempelbefncher nicht an. Rach Beantwortung einer Interpellation des Herrn Dr. Deutsch, betreffs Werbung neuer Mitglieder, durch den Vorsitzenden wird hierauf die Generalversammlung geschlossen. Ans den Mitteilungen der „Israelitischen Allianz zn Wien". Die letzten, vor kurzem erschienenen Mitteilungen der „Israel. Allianz zu Wien" enthalten nebst dem Berichte aus der Plenarsitzung des Vorstandes vom 27. Oktober 1907 und zwei Aufsätzen über „Die dritte Duma und die Judenemanzipation in Rußland" und „Die Fal a s ch a in Abessinien" überaus intereffante statistische Notizen über die Juden in Deutschland, Frankreich, England und Amerika, die wir nachstehend wiedergeben: Juden in Deutschland. Nach den in den „Vierteljahrsheften zur Statistik des Deutschen Reiches" zusammengestellten Ergebnissen der jüngsten Volkszählung (Dezember 1905) in konfessioneller Beziehung erscheinen Bewegung und derzeitiger Stand der jüdischen Bevölkerung wie folgt: 190» 1900 Inden Gefamtbevölkerung 7o Juden 7» Preußen . . . 409.501 37,293.324 110 392.322 1-14 Berlin allein . . 98.893 2,040.148 4-85 92.206 4-88 Bayern.... Sachsen . . . 55.341 6,524.372 0-85 54.928 0-89 14.697 4,508.601 0-32 12.416 029 Baden .... 25.893 2,010.728 1-29 26.132 1-40 Württemberg . 12.053 2,302.179 0-25 11.916 0-55 Elsaß-Lothringen 31.708 1,814.564 1-75 32.264 1-87 Im ganzen deutschen Reich 607.8Q2 60,641.278 1-00 586.833 1-04 Danach ist für die fünf Jahre seii der vorletzten Zählung in manchen Bundesstaaten (Baden, Elsaß-Lothringen) ein a bs o l u t e r, im ganzen Reiche, wie in Preußen, ein relativer Rückgang der jüdischen Bevölkerung (von 1-04"^, aus 1%- bezw. von 1*14% auf 1*1%) Zu verzeichnen. Juden in Frankreich. Ein i'm „Hed Hasman" erschienener Bericht aus Paris über die jüdische Bevölkerung in Frankreich enthält folgende Daten: Bekanntlich wird die Konfession dort vom Staate wegen nicht registriert, die Religionsgemeinschaften können daher nur nach Mutmaßungen aus Grund bestimmter Anhaltspunkte die ungefähre Seelenzahl der Bekenner seststellen.. Em solcher Anhaltspunkt ist die Zahl der konfessionellen Beerdigungen. Im vorigen Jahre hat das Pariser israelitische Konsistorinm 895 Todesfälle registriert; da nach den Berechnungen der medizinischen Akademie die Sterblichkeit in Paris 17 pro 1000 Einwohner beträgt, io wäre ans der obigen Zahl ans zirka 53.000 Inden zu schließen; man muß jedoch, unter Hinzurechnung derjenigen Familien, die dem konfessionellen Leben ganz ferne stehen und ihre Mitglieder auch nicht ans der jüdischen Abteilung des Friedhofes bestatten lassen, 60.000 als die niedrigste Zahl annehmen. Darin sind die eingewanderten russischen und rumänischen Inden selbstverständlich bereits enthalten. — Die Zahl der Trauungen ist von 315 im Jahre 1901 nur aus 321 im Jahre 1906 (trotz der großen Einwanderung während der letzten Jahre) gestiegen. Als Mitglieder des nach der Trennung der Kirche vom Staate im vorigen Jahre an Stelle des Konsistoriums gebildeten freiwilligen Knltnsvereins haben sich im ganzen 4300 Personen angemeldet. Die Zahl der Inden im gesamten übrigen Frankreich wird ans nicht mehr als 20.000 geschätzt, was jedoch zu niedrig gegriffen sein dürste. In Algerien leben 63.000 Inden. Juden i n E n g l a n d u u d d e n b r i t i i ch e n K o l on i e li. Nach der Zusammenstellung des Rev. Isidore Harris (Jewish Iear Book 5667) können für die jüdische Bevölkerung im britischen Reiche jetzt folgende approximative Zahlen angenommen werden: England (nebst Schottland und Irland 228.707 Seelen (darunter: London 140.000, Manchester 28.000, Leeds 20.000, Liverpool 7000) Canada und Britisch Columbien 40.000 Seelen, Australasien 17.403 Seelen, Indien 18.228 Seelen, Südafrika 48 820, Jamaica 2400, Trinidad und Barbados 50, Gibraltar 2000, Cypern und Malta 165, Aden 3059, Hongkong 680, zusammen 361.512 Seelen. Jüdische Gemeinden und Ansiedln n gen in den inneren und w e st l i ch e n Staaten der n o r damerika nischen Union (nach den vom Zentralburean sür jüdische Answanderungsangelegenheiten gesammelten Daten.*) Ardmore (Indian Territory): 10 jüdische Familien. Atchison (Kansas): 10 jüdische Familien, 3 aus Deutschland, 7 ans Rußland. Boülder (Colorado): Einw. 9000. 40 Inden. Burlington (Iowa): 18 jüdische Familien; orthodoxe Synagoge, jüdischer Lehrer. Carthage (Missouri): Einw. 12.000, 25 Inden. Cedar Rapids (Iowa): 50 jüdische Familien; orthodoxe Sunagoge und andere jüdische Vereine. Chisholm (Minnesota): Einw. 4000, 60 Juden. Clinton (Iowa): Einw. 30.000, 28 Inden. Colorado Springs (Colorado): Einw. 4000. 300 Juden, die Hälfte aus Rußland. Counzil Bluffs (Iowa): 40 jüd. Familien; 1 orthodoxe Synagoge, und 2 andere jüdische Vereine. Dallas (Texas'': 1600 Juden: Reformtempel, orthodoxe Synagoge, mehrere andere jüdische Vereine. Davenport (Iowa): 400 Juden; 1 Resormtempel, orthodoxe Synagoge, mehrere jüdische Vereine. Denver (Colorado): Einw. 175.000, 8000 Juden. 4000 ans Rußland, 1000 ans Galizien; 1 Resormtempel. 8 orthodoxe Synagogen, 1 chassidisches Bethamidrasch. 4 Wohltätigkeitsaustalten, darunter 2 Hospitäler, und ein halbes Dutzend anderer Vereine. Des Moins (Iowa): 1000 jüdische Familien; 4 Religionsgemeinden und mehrere andere Vereine. Dnbnque, (Iowa): 400 Inden; 1 orihodoxe Synagoge. Dulnth (Minnesota) : Einw. 72.000. 2000 Inden; 4 orthodoxe Religionsgemeiuden, 1 Resormtempel. 3 Brilh-Abraham-Logen und eine *) Dieses Verzeichnis kann zugleich als Wegweiser sür osteuropäische (arbeitsfähige, physisch vollkommen gesund e) Juden dienen, die sür eigene Rechnung auswandern wollen; es kann ihnen nicht dringend genug empfohlen werden, die überfüllten Großstädte, wie New-Aork, Chicago, Philadelphia ganz zu meiden, da dorr Arbeit schwer zu finden ist. Nach den hier anfgezählten Orten ist die beste Verbindung über G a l v e st o n, wo ein spezielles jüdisches Einwanderungsbureau besteht.

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