Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 2 (10.1.1908)
- Date
- 1908-01-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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' / ^*.1. Jji '. Leite 6. Die Wahrhen Nr. 2. Herr Paul-Schiff dankt für die Einladung und erwähnt, daß er niemals für die Abschaffung des Hebräischen, gesprochen. Wie er privat denke, das kümmere keinen Menschen. Er ist der Anschauung, daß das Hebräische auch in der Mittelschule auf das in der Volksschule vorgeschriebene Maß reduziert werde, beziehungsweise, daß der Unterricht im Hebräischen mit der Vollendung der Unterstufe der Mittelschule seinen Abschluß stnde. Er entstamme einem Milien, wo das Hebräische gepflegt werde, glaubt aber nicht, daß sein Judentum darauf zurück- - zuführen ist. Ihm ist auch das Hebräische ein großer Schatz, wenn er von wirklichen, verständigen, selbst empfindenden Lehrern den Schülern übermittelt wird, er denke aber an keine Katastrophe bei eventueller Einschränkung des Lehrstoffes. Der Vorsitzende dankt für die sachlichen Aussührnngen und legt großen Wert darauf, daß Laien mit Berussmenschen znsammensitzen, .um durch gegenseitige Anssprache großen Segen und Nutzen für die heilige Sache zu erzielen. . Landesschulrat Dr. Gustav K o h n bemerkt, daß die Ausführungen des Herrn Referenten vom Standpnukte der Theorie ganz ausgezeichnet sind; in der Praxis stellen sich die Ausführungen etwas anders. Der Kampf gegen die klassischen Sprachen habe gewisse Beziehungen zur hebräischen Sprache. Die Belastung scheint nicht im Lehrplane zu liegen; er liegt in dem Begriffe, welchen die Herren von der Mittelschule haben. Sie haben sich nicht als Universitätsprofessoren zu fühlen, sondern sollen den Schülern mit Liebe entgegenkommen. Heute sind die Herren Mittelschullehrer souverän. Wehe, wenn das Klassenbuch abgeschafft wird. Denn die einzige Kontrolle liegt noch in demselben. Bei etwaigem Verschwinden desselben ist dann der Schüler dem Lehrer gänzlich ausgeliefert, seinem Wohlwollen anheimgegebeu. Die Klagen sind umdarauf znrückzuführen, daß sich die Herren durch ihr Temperament hinreißen lassen, ungeduldig würden und dem Kinde keine Zeit gönnen, nachzudenken. Mit dem Hebräischen fällt und steht das Judentum nicht bloß vom Standpunkte des Gottesdienstes, sondern auch vom Standpunkte per Znsammengchzmgkeit. r; Herr Rabbiner Dr. David stimmt in die Anerkennung für den Vortrag ein und steht nicht an, sich als . den in dem Vortrag erwähnten Missetäter zu erklären. Er habe in der Predigt etwas Aehnliches gesagt, und behalte das wirklich Gesprochene ausrecht; er sei selbstverständlich ein leidenschaftlicher Anhänger für die Beibehaltung des hebräischen Unterrichtes und spricht fein Bedauern darüber. aus, wenn das Hebräische mit Zwang und Gewalt, ohne Liebe den Schülern beigebracht wird. Die Schlußnote setzt sich, aus mehreren Gebieten zusammen; es ist daher unnötig, nicht genügende Zensuren zu erteilen und nicht nur den Schüler, sondern auch die Eltern materiell in dieser bedrängten Zeit,zu schädigen. Die Lehrer stehen im ganzen und großen aus der Höhe der Zeit, geben sich mit großem Eifer dem Unterrichte hin, erzielen schöne Erfolge, und die Gemeinde kann versichert fein, daß kein Religionslehrer im Amte geduldet wird, der sich in sittlicher Beziehung vergeht. Der Vorsitzende bedauert die Hereinziehung der persönlichen Qualität der Lehrer in die Debatte. Er glaubt, daß kein Schülerbloß aus Religion durchgefallen ist; lueim doch, dann wird es sicherlich aus gewichtigen Gründen geschehen fein. Jeder Lehrer weiß seine Ausgabe zu erfüllen. Lektor F r i e d m a n n wünscht, daß der Unterricht nicht lästig gemacht werde. .Der ist aber kein Lehrer, der nicht den Unterricht interessant zu gestalten weiß. Die Kinder sollen nur das lesen, was sie verstehen. Mau muß ihnen eine gesunde Nahrung geben. Dar heißt es schon bei der Fibel richtig beginnen. Stud. jur. Löhner erklärt, in der Schule nichts gelernt zu-haben, dank dem rohen und lieblosen Entgegenkommen eines -bekannten Religionslehrers. Erst aus der Universität, unter wirklichen Inden, wurde ihm Liebe, und Achtung zu seiner Reügion b eigeb rächt. : *;<i; Herr Pros. Dr.. G r ü n f e l ö .erwähnt, daß bei uns der Mißbrauch besteht, .alles Schlechte dem Lehrer zuzuschreiben. Wir Md eben Gegenwartsmenschen und fragen uns immer, was nützt uns-pir ,Sache; wir.haben also einen praktischen sinn. Wir müssen aber stuch^rnen, ohne das Gelernte aus die Wage des 'V momentanen Gewinnes zu legen, müssen vielmehr das Wissen aus die Höhen des Idealismus emporheben. . Der Vorsitzende hofft,, daß es kein Fehlgriff war, dieses Thema ans die Tagesordnung zu setzen und hebt rühmlich hervor, daß sich die öffentliche Diskussion ans derselben Höhe befunden habe wie der Vortrag selbst, und wünscht nun, daß die Versammelten die Empfindung ans dem Saale tragen, daß die Lehrerschaft mit den Eltern die heilige Sache fördern will und erklärt den VI. Verbandstag für geschlossen. Hebräisch in der Mittelschule." Anläßlich des sechsten Verbandstages der israelitischen Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen hielt am 30. Dezember Herr Professor Dr. Adolf Weiß einen mit vielem Beifall anfgenommenen Vortrag über die Notwendigkeit des hebräischen Unterrichts, den wir, weil sich viele Kreise für diese Frage interessieren und weil die bevorstehende Enquete über die Reform des Mittelschulwesens möglicherweise sich auch mit dieser Frage beschäftigen dürste, auszugsweise mitteilen. Angesichts der im Publikum vielfach gehörten Klagen über den hebräischen Unterricht hält es der Vortragende für eine Pflicht der Mittelschnl-Religionslehrer, sich zu äußern, und glaubt, daß fortgesetztes Schweigen darüber überall ungünstig ansgelegt werden dürfte. Ohne die Religionslehrer dürfe über den Religionsunterricht nicht entschieden werden und dieser müsse vor bleibendem Schaden bewahrt werden. Obgleich die Zustimmung der Religionslehrer zur Abschaffung des hebräischen Unterrichts sie von manchem Odium entlasten würde, zwinge sie ihre Gewissenspflicht, sich entschieden gegen btefeit Schritt anszusprechen. Vom religiösen Gesichtspunkte sei kein Zweifel darüber, daß der Religionsunterricht vor allem Unterricht in der Thora sein und bleiben müsse: Gegen diesen seien alle anderen Bestandteile des Religionsunterrichts von verschwindender Bedeutung. Allerdings falle diese Aufgabe zunächst den Eltern zu. Leider seien gegenwärtig nur mehr wenige Eltern in der Lage oder geneigt, dieser Aufgabe gerecht zu werden. Was blieb also anderes übrig, als daß die Kultnsgemeinde in ihrer pflichtgemäßen Fürsorge für bie religiösen Interessen subsidiarisch an die Stelle der Eltern trat, und der Vortragende müsse bekennen, daß die Vertretung der Wiener Kultusgemeinde ihre Aufgabe im idealsten Sinne erfaßt, daß die gedeihliche Gestaltung des Religionsunterrichts jederzeit den Gegenstand der schwersten und ernstesten Sorge des Kultusvorstandes gebildet habe. Tatsächlich sei bereits ein Versuch gemacht worden, den hebräischen Unterricht anszuschalten und zwar von 1878—1891, die Erfolge aber könnten zur Wiederholung dieses Versuches nicht ermuntern. Im Jahre 1891 sei der Kultusvorstand durch eine elementare Bewegung unter den Kultnswählern zur Wiederherstellung des hebräischen Unterrichts gezwungen worden. Der hebräische Bibelunterricht könne in keinem Falle durch eine Bibelübersetzung substituiert werden, weil ihre Sprache viel eindringlicher, tiefer und bleibender auf das Gemüt der Jugend wirke. Die Sprache, in der Israels heiligstes Erbe der Menschheit überliefert wurde, die Sprache, in der - die erhabensten Lehren der Gerechtigkeit und Nächstenliebe, die völkerbeglückenden und Heute noch vorbildlichen sozialpolitischen Einrichtungen verkündet wurden, in welcher mit hinreißender Beredsamkeit die universalistischen Ideen der Propheten vorgetragen wurden,, die Sprache, in der jene herzergreifenden Gesänge gedichtet wurden,, die noch heute Millionen Herzen in Synagogen, und Kirchen erheben und trösten, dürfe der israelitischen Jugend nimmermehr ooreuthalten werden. Auch vom national-geschichtlichen Standpunkte komme man zu dem gleichen Ergebnis. Seit dem Bestehen des Judentums wurde der Erlernung des.Hebräischen die eifrigste Fürsorge zugewandt. Sie bildete die Sprache des Gottesdienstes und habe auch in denspäten Zeiten des Mittelalters zahlreiche Dichter zu so herrlichen Liedern begeistert, denen keine Poesie der Welt gleichwertige gegenüber, zu stellen hat und die das nationale Leid und die innige Beziehung Israels zu Gott so ergreifend schildern. Die hebräische Sprachehat eine Literatur von untrer-