Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 1 (2.1.1908)
- Date
- 1908-01-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Mr. 1. Die Wahrffeil Leite 9. sämtlichen Vorstandsdamen und im Konzertbureau Albert Gutmann, | I., Operngasse 1, erhältlich. I Wien. Bei der am 26. d. M. stattgehabten Vorstandsj sitzung des Bethausvereines „Machsike Hadaß'^ kamen die Trauerj kllndgebnngen des Vereines für die verstordenen Vorstands-! Mitglieder Herrn Josef Schreier, dem. Obmanne und Mit-! grnnder dieses Bethauses, sowie dessen Kassier Herrn Spitzer! zum Ausdrucke lind wurde in Würdigung der namhaften Ver-! dienste des verschiedenen Obmannes Josef Schreier der einstimmige Beschluß gefaßt, in Anerkennung feiner Leistungen für sein Seelenheil sowohl das Maskirgebet zu verrichten, als auch das Jahrzeitlicht zn entzünden. — Sonntag, den 12. Jänner 1908, 11 Uhr vormittags, findet die Generalversammlung des Bet-! Hausvereines „Machsike Hadaß" im Betlokale I., Jndengasse 12 I mit äußerst interessanter Tagesordnung statt. Wien. Am jüngsten Samstag fand die Bar-Mizwa des Chorknaben Eduard, Sohn des Brigittenaner Tempeldieners Herrn Isidor Mand und seiner Frau Rosa geb. Dreikurs, statt. Nach verständnisvoller Rezitation der höchst poetischen Hafthora aus Jesaias, seitens des Konfirmanden hielt Prediger Dr. Aptowitzer in Vertretung des Herrn Rabbiner Dr. Abel es an denselben ein erhebende Ansprache. Nach Schluß des Gottesdienstes vereinigte die Familienglieder ein solennes Festmahl im Hause des Großvaters des Konfirmanden. Herrn Nachman Dreikurs. Wien. Sonntag, den 29. Dezember ist hier der Polizeibezirksarzt - Dr. Ignaz Steinberger im 66. Lebensjahre gestorben. Dr. Steinberger, welcher mehr als dreißig Jahre dem Polizeikommissariat in der Leopoldstadt zur Dienstleistung zugeteilt war, war ein ausgezeichneter Arzt und galt als Muster von Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue. Das Leichenbegängnis fand Dienstag vormittag vom Trauerhause aus. II., Zirknsgasse 38, unter großer Teilnahme nach dem Zentralfriedhofe statt. Die liturgische Funktion versah Oberkantor Singer und am Grabe sprachen Rabbiner Dr. David und Vertreter der diversen ärztlichen Korporationen, die alle die Lauterkeit des Charakters und die seltenen Vorzüge des Verblichenen als Mensch und Arzt schilderten. Prag. Der Komponist der „Polnische Inden", Herr Karl Weiß, hatte das Unglück, vorige Woche sein hoffnungsvolles Söhnchen, namens El u st a v, durch plötzlichen Tod zu verlieren, ans welchem traurigen Anlasse sich demselben die allgemeine Sympathie der hiesigen Kunstfreunde zniueildete. Dux (T e m pelban-Verei n.) Da sich die Notwendigkeit heransstellte, für die große Anzahl der hier nicht ansässigen jüdischen Familien ein würdiges Gotteshaus zu errichten, wurde vor einiger Zeit ein Tempelban-Berem gegründet. Das seit ungefähr 25 Jahren hier bestehende Filialbethaus der isr.. Knltusgemeinde Teplitz entspricht in keiner Weise mehr den Anforderungen der Jetztzeit, außerdem wurde jetzt im selben Hanse eine Restauration eröffnet, so daß die Gründung eines Vereines, dessen Aufgabe es sein wird, die Mittel zum Ban eines Tempels aufzubringen, eine allseits anerkannte Notwendigkeit wurde. Da jedoch die hierorts aufzubringenden Mittel nicht hinreichen, das Projekt verwirklichen zu können, mußten wir zur breiten Oeffenrlichkeit Zuflucht nehmen und die Unterstützung auswärtiger Persönlichkeiten erbitten, welche durch Edelsinn und Opferwilligkeit bekannt sind. Nach Genehmigung der Bereinsstatuten unter gleichzeitiger Bewilligung zur Bildung des Vereines durch die zuständige isr. Knltusgemeinde Teplitz, sowie nach erfolgter Bescheinigung des Vereinsbestandes durch die k. k. Statthalterei in Prag, wurde die konstituierende Generalversammlung abgehalten und die Wahl der Funktionäre vorgenommen. In den Ausschuß wurden gewählt: zum Obmann : Herr Landesadvokat J. U. Dr. Gustav Weiß: Kassier: Herr Terrakottafabrikant Moriz P o l l a k; Schriftführer: Religionslehrer Herr Moriz Mandl, dann noch deren Stellvertreter. Der Verein zählt bisher •65 ordentliche Mitglieder in Dux und Umgebung und ein Ehrenmitglied, welch letzteres auf Grund einer Spende von X 500 gewählt wurde. Bon den vielen Sammelbögen und Briefen, die allenthalben ausgeschickt wurden, waren die meisten vom besten Erfolg begleitet. Wenn sich der Edelsinn und die Opferwilligkeit unserer für edle Zwecke stets hilfsbereiten Glaubensgenossen anch weiterhin unserem Interesse zuwenden wird, können wir vielleicht in absehbarer Zeit an den Aufbau und die innere Vollendung eines würdigen Gotteshauses in unserer Stadt herantreten. Auch ein jüdischer Architekt-Assistent an der deutschen technischen Hochschule in Prag interessierte sich für unser gottgefälliges Unternehmen, indem er uns in liebenswürdigster Weise eine Projektskizze für den zn erbauenden Tempel unentgeltlich ansarbeitete und uns zur Verfügung stellte. Der Verein hat in der Wahl seiner Funktionäre Glück gehabt. Verdient gleich den übrigen Vorstandsnutgliedern schon unser rühriger Kassier für seine hingebungsvolle, selbstlose Mitwirkung lobend hervorgehoben zu werden, so muß der väterlich-fürsorglichen Leitung der verschiedensten Vereinsagenden durch unseren trefflichen Obmann besonders anerkennend gedacht werden. Herr Dr. W e i ß hat unserem Vereine anch nach einer anderen Richtung . hin Popularität verschafft und zur Hebung des jüdischen Selbstbewnßtseins beizutragen sich bemüht, und zwar durch Veranstaltung kostenloser populärwissenschaftlicher Vorlesungen ans der jüdischen Geschichte und Literatur im Laufe der Monate November und Dezember v. I. Dieses Verdienst ist darnm besonders hoch anzuschlagen, weil Herr D^. Weiß als Nichtfachmann sich selbst zur Durchführung dieser schwierigen Geistesarbeit hergab und an der Hand guter Bücher glänzende Vorträge.hielt. Der Vortragszyklus, bei welchem die Themen: „König David And sein Zeitalter", „Die Poesie des Alten Testamentes" und „Palästina" behandelt wurden, gestalteten sich zu wahren Familienabenden, bei welchen die Mitglieder des Tenipelbau-Bereines und deren Damen einander näher kamen und so anch das jüdische Gesellschaftsleben günstig beeinflußt wurde. Nach jeder dieser anregenden und anziehenden Vorlesungen wurde den Anwesenden über den derzeitigen Stand des Vereines eingehend berichtet: Anregungen und Vorschläge zur weiteren gedeihlichen Tätigkeit hatten stets sachgemäße Erörterungen zur Folge, und es wird allgemein gewünscht, daß dieser geistige Zusammenschluß anch weiterhin gefördert werden möge! Unser Tempelban-Verein sieht jetzt am Ende des Berwaltungsjahres 1907 auf eine segensreiche Tätigkeit zurück und es ist nur zn wünschen, daß unsere frommen Bestrebungen auch iir Zukunft reichlich Unterstützung finden, damit wir recht bald in die angenehme Lage kommen, den hehren Zweck des Vereines, den Aufbau und innere Vollendung eines Tempels, zu erreichen. 31. 31. Budapest. Gegenwärtig sind es vierzig Jahre, daß die Legislative die Emanzipation der Inden ausgesprochen hat. Ans diesem Anlasse sand im israel. Knltnstempel in der Tabakgasse ein feierlicher Gottesdienst statt, wobei Rabbiner Dr. Inlins Fischer in schwungvollen Worten die Bedeutung des Tages würdigte. Budapest. Der Präsident des der Pester israelitischen Religionsgcmeinde gehörenden Knabenwaisenhauses Louis B a u m g a r t e n ließ im Tempel der Anstalt für die jüngst verstorbene Präsidentin der isr. Waisenhäuser Frau Kalcharina Stein einen Trauer Gottesdienst abhalten, dem die isr. Waisenknaben mit ihrem Lehrkörper und den beiden Direktoren Csajaghy und Herteka beiwohnten. Außerdem war ein vornehmes Publikum Zeuge dieser pietätsvollen Feier. Wir bemerkten unter den Erschienenen zahlreiche Damen der besseren Stände, ferner den Präsidenten der Gemeinde Hosrat Dr. Philipp Wein m a n n. den Präsidenten der Chewra-Kadischa Julius W i n t e r b e r g, Magnatenhansmitglied Carl S v a b. Hosrat Professor Dr. Berthold Stiller. Gemeindevorsteher Max G r ü n b a n m. Tempelvorsteher Julius Adle r, Generalsekretär Dr. Julius W e i ß b u r g, Dr. Adolf K o h n e r, die Familien Schwab und K o h n e r u. A. Oberkantor Professor Adolf Lazarus verrichtete das Abendgebet, worauf Rabbiner Dr. Simon Hevesi eine würdevolle, großangelegte Gedenkrede hielt, in welcher er das Bild der edlen Heimgegangenen vor das Geistesauge der Anwesenden hervorzanberte. Professor Lazarus intonierte hierauf den stimmungsvollen Trauergesang, dem erden El mole rachamim folgen ließ. Nach demselben sprach Dr. Hevesi vor der heiligen Lade den Kaddijch der Rabbiner. Hierauf wurde ein Tcauerpsalm gesungen. Mit dem Kaddiichgebet der Waisenknaben schloß' die erhebende Tranerfeier. Regenschori Ferdinand Singer leitete den. Chor und besorgte das herrliche Lrgelspiel. D. H. 8.' ' O-Buda. Dr. Heinrich U r b a ch. Oberrabbiner von Dolna Tuzsla, hat unter großem Beifalle eines zahlreichen Auditoriums feine Probepredigten im Altofener Tempel gehaiten. Beim Freitag-Abendgorresdienste sprach er über den brennenden Dornbusch, in welchem er ein getreues Spiegelbild des Volkes Israel erblickte. In seiner samstägigen Kanzelrede wählte sich Dr. Urbach das wohl äußerst aktuelle, aber undankbare Thema vom hebräischen Religionsunterricht, wie er leider ist und wie er nicht sein sollte. (Ehre den rühmlichen Ausnahmen!) Mit beiden Reden erzielte Dr. Urbach einen vollen Erfolg. Nachmittag begaben sich unter Führung des Präsidenten Samuel Ehrlich die Vorsteher der Altosener Jsraelitengemeiude und der Chewra-Kadischa in die Wohnung des Oberrabbiners Dr. Heinrich Urbach, um ihn zn seinen schönen Erfolge zn beglückwünschen. - Hamburg. Die Beisetzung von Isidor Heßlein. Mitgliedes des Hamburger Abgeordnetenhauses und Bürgerschaft, erfolgte gestern vom Trauerhanse, Hallerstraße 6, ans. In den mir Tranerdekoralion und Blattpflanzen reich ansgestatteten Räumen war die Leiche aufgebahrt. Gar bald hatte sich eine große Trauergemeinde eingesunden, um von dem Toten, der sich im Leben so großer Wertschätzung zu erfreuen hatte, Abschied zn nehmen. Die Bürgerschaft war besonders stark vertreten; wir bemerkten unter anderen die Herren Rambatz, Blinkmann, Beit, Reimer, Kohn, Bnntzel. Dr. Blnnck, Dagefär, Dr. Braband. Prahl, Denzin. Die Fraktion der Linken, deren Mitglied der Verstorbene war, harte sich fast vollzählig eiugefunden. Vom Zentralansichnß dem Heßlein lange Zeit als Beisitzer angehörre, waren außer dein Vorsitzenden Dr. Albrecht ebenfalls eine große Anzahl Mitglieder erschienen. Der Bürgervereiu Harresrehnde-Roterbanm. der Bürgervereiu zu Hamburg, gegründet 1871, und der Neustädter Bürgerverein von 1878. deren Mitglied der Verstorbene war. harten ebenfalls starke Deputationen entsandt. Kranzspenden hatten übersandt: die Fraktion der Linken, der Zentralausschuß hamburgischer Bürgervereine die freisinnige Volkspartei, der Bürgerverein zn Hamburg, gegründet 1871, und der Ne.städter Bürgerverein von 1878 u. a. m. Die Trauerandacht wurde durch mehrere Psalmgesänge des Chors der neuen Dammtor-Synagoge eingeleitet. Sodann nahm Herr Prediger Dr. Leimdörfer zn seiner Gedächtnisrede das Wort. Redner legte seinen Ausführungen das Bibelworr zugrunde: „Sahst du einen Menschen pfl-chtekfrig in seinem Lebenswerk, dann wisse, vor den Regenten und den Leitern des Staates steht er gefestigt da." Mit beredten Worten schilderte Redner den Lebenslauf des Verblichenen, de» im Herzen der Angehörigen und der Vaterstadt fortlebe als edle Menschenpflanze. Unserem Parlament gehörte er 27 Jahre an und was er in dieser Zeit geleistet hat, wird ihm unvergessen bleiben. Mit Kraft und Energie wußte er sich anch in geschäftlicher Beziehung emporzuarbeiten und sein Geschäft auf eine ansehnliche Höhe zn bringen. Trotz aller Arbeit und Aemter führte er ein überaus glückliches Familienleben.