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Die Wahrheit · 1908-01-02 · Heft 1 (2.1.1908) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 1 (2.1.1908)
Date
1908-01-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheu N i. 1. Biblische Liebeslieder, von Paul H a u p t. I. C. Hiiirichs'sche Buchhandlung. Leipzig 1907. LY und 183 Seiten. Wieder einmal ein vorzügliches, anziehendes, ebenso interessantes wie lehrreiches Buch über das Lied der Lieder, das Hohelied Salomos. Interessant durch die Aussassung des Versaffers von diesem Buche und durch die schöne Verdeutschung, die der gelehrte Verfasser „unter steter Berücksichtigung der Uebersetzungeu Goethes und Herders" im Versmaße der Urschrift gibt und lehrreich durch die zahlreichen Anmerkungen, die das ohnehin bekannte tiefe Wissen des berühmten Verfassers bekunden. Sie sind eben das Ergebnis von Vorlesungen, die der Verfasser an der Zohns- Hopkins-Univcrsilät zu Baltimore gehalten hat. Ter Verfasser sagt von sich : „Was ich gelehrt mit Zung' und Mund, Auch selbst geglaubt von Herzensgrund, Das bracht' ich fleißig zu Papier, Der Leser kann es flnden hier?' Und der Ilubesaugene muß gestehen, daß in dem, was der Verfasser gelehrt", die Stärke und der hohe Wert des Buches liegt. Was die -Gliederung und die Sprache, so schön auch diese sein mag, aulangt, so halkn wir es mit Altmeister Goethe, daß „gerade das Rätselhaft-Ünanflösliche den wenigen Blättern Anmur und Eigentümlichkeit gibt". Aber in den Anmerkungen, da zeigt der Vcrfaffer seine Größe. Der Philologe wie der Kulturhistoriker, der Geograph, der Archäologe, der Theologe und speziell die Assyriologen werden in diesen eine Fülle des Neuen und Interessanten flnden. In den beigegebenen Parallelen ans der Weltliteratur zeigt der Vcrfaffer — oft ohne es zu wollen — de» ungeheueren Einfluß, den die Sprache des Hoheliedes auf die Dichterwclt geübt; manche Redewendung kehrt in den Liedern und Gesäugen unserer beliebtesten arischen Sänger wieder; manches schöne Wort, das im Tale Saron zuerst erklungen,, hat selbst einen Wagner zu neuen Zaubertönen begeistert, zu Tönen, die, gleich himmlischen Kränzen, den Genius des vielgeschmähten und vielgehaßten Judenvolkes umwinden. F. Salus Hugo, D i e Blumenschale. Gedichte. Umschlagzeichnung von Bobumil Nehasil. Preis geheftet 2 Mark, in Leinen gebunden 3 Mark. Bcrlag von Albert Langen. München 1908. Es sind ungefähr 15 Jahre her, als Referent obigem, ihm bis dahin unbekannten Namen in der von C. E. Franzos redigierten „Deutschen Dichtung" zum ersten Male begegnete. Seit jener Zeit hat sich aus dem vielbeschäftigten Prager Arzte einer der geschmackvollsten, feinsinnigsten und auch bekanntesten Lyriker der Gegenwart entwickelt, der sich mit vollem Rechte der langen Reihe seiner engeren Verufsgenoffen in Apoll: Friedrich Bach, Alfred Meißner, Siegfried Kapper, Karl Beck. L. A. Frankl, Hermann' Liugg, I. L. Klein, Richard Leander (Volkmann) bis auf Ludwig Finckh würdig anschlicßen darf. Auch mit diesem neuen G> dichtbuche wird Hugo ' Salus seiner großen Verehrcrgcmeinde eine lebhafte Freude bereiten. Denn es ist eine edle, reise Frucht seiner Kunst, die in ihrer Frische. Vornehmheit tMch Wärme einen sehr erfreulichen Gegensatz bildet zu dem meisten, was -HM« an Lyrik erscheint. Hier sftht einer, der eine hinreichend starke Persönlichkeit ist, um es nicht nötig zu haben, sich durch exzentrische Glicderverrenkungen, durch wildes Brunstgchenchel ans der Masse nuferer Lyriker hervorzuheben. Klar, maßvoll und formvollendet sind diese Gedichte und dennoch spürt man in jeder Zeile das starke Temperament durch und erfemii wieder die alte Wahrheit, daß verhaltene Kraft unendlich viel mächtiger wirkt, als alle wilden Kraftgebärden lärmender Fenerköpfe: „Die Blumenschale" erfüllt alle Hoffnungen, die nißii__ ans das nächste Gedichtbuch von Hugo Salus setzen konnte, ja übcrtrifft sie noch. Dieses Buch wird dem feinen Dichter viele neue Freunde zu seinen alten werben. Thomas Oliva. Der neueste LIII. Band, der durch die historische Kommission bei der königlich bayerischen Akademie der Wissenschaften heransgegebenen „Alllgemciuen Deutschen Biographie" (Leipzig, Verlag von Duncker und Humblot, 1907) bietet unter 285 folgende für die Leser dieser Zeitschrift besonders iunreffante Biographien: P e r l e s Josef. Dr., hervorragender Sprachforscher und Archäologe, geh. 25. November 1835. Baja (Ungarn), gest. 4. März 1894. München. (Mols Biüll.) P h i l i p p s o n Ludwig, Dr., hervorragender Theologe und Polizist, geb. 28. Dezember 1811, Deffau, gest. 29. Dezember 1899, Bonn. (Adolf Brüll.) P o l l a ck Leopold. Maler, geb. 8. November 1806 (oder 1899?;, Lodenitz in Böhmen, gist. 16. Okiobcr 1880, Nom. (Franz Wallentin.) P a o l i Betty (Deckname für Babene Elisabeth Glück), deutschösterreichische Dicht«rin. geb. 30. Dezember 1814, Wien, gest. in der.Nacht vom 4. zum 5. Juli 1894, Baden. (Anton Schlossar.) Pollini Bernhard, Theaterdirektor, (hieß eigentl'ch Baruch Pohl), geb. 16. Dezember 1838, Köln a. Rh., gest. 26. November 1696, Hamburg. (L. Fränkel.) Ra b i n o w i tz Raphael Narhan. hervorragender Talmudgellheter, geb. 4. Aini 1835, Scharagin, gest. 29. November 1688. Kiew. (Adolf Brüll.) Ree Anton, Schulmann, geb. 9. November 1815, Hamburg, fgest. 13. Jänner 1891, Hamburg. (W. Sillem.) R e i n g a n n m Maximilian, Advokat und freisinniger Politiker, geb. 31. Dezember 1798, Frankfttti am Main, gest. 22. Juni 1878. (R. Jung.) Ritter Jma'nuel Heinrich. Dr., hervorragender Vertreter der Reform, geb. 13.'März 1825, Ratibor, gestorben 9. Juli 1890, Johannisbach. (Adolf Brüll.) Robert Emil (ursprünglich Magyar), Schauspieler, geb. 21. März 1847. Budapest, gest. 29. Mai 1899, Würzburg. (Ludwig Fränkel.) Rosen tb al Moriz. Arzt und Nervenaizr, geb. 1633, Großwardein, gest. 30. Dezember 1869, Wien. (Pogel.) Rost n David, Dr, Pädagoge «nd ReligionSphilosoph, geb. 27. Mai 1823, Rosenberg, gest, 31. Dezember 1894. Breslau. (Adolf Brüll.) Rütten Josef Jakob (früher Rindskopf), Berlägsbuckbändler, geb. 22. Dezember 1805, Frankfurt a. .M.. gest. 19. Juni 1878, Frankfurt a. M. (R. Jung.) Sanders Daniel Hendel, Lexi^graph, geb. 12. November 1819, Alrstrelitz, gest. 11. März 1897, Altstrelitz. S a x Emanuel Hans, Volkswirt und Lyriker, geb. 28. Februa 1857, Mikultschitz (Mähren), gest. 3. Juli 1896, Meran. (Ludwig Fränkel. „Als Dichterin — heißt es a. a. O. — nimmt Betty Paoli eine besonders bemerkenswerte, hervorragende Stellung ein und zählt, unbedingt zu den ausgezeichnetesten lyrischen Talenten ihrer Zeit. Der schmerzliche Zug, welcher schon in den ersten ihrer stets formvollendeten Gedichten zutage tritt, erinnert vielfach an Lenau, dem sie ja glich mit einem empfindungsvollen Widmungsgedichte die allererste ihrer Gedichtsammlungen zugeeignet hat. Aber auch der Ausdruck der echten Weiblichkeit tritt uns schon in dieser ersten Sammlung entgegen, die ein so außerordentlich reiches innerliches Leben offenbart. . . Eine große Leidenschaft ist hier gepaart mit dem feinsten poetischen Gefühl.... So sehen wir in dieser Dichterin eine insbesondere auf lyrischem Gebiete hervortretende höchst bedeutende Erscheinnng, wie dann die deutsche zeitgenössische Lyrik nur noch etwa in Annette v. Droste-Hülshoff aufweist, an welche die Paoli nach deren Tode ein tiefempfundenes Gedicht gerichtet hak. Es ist sehr zu beklagen, daß die neueste Zeit Gedichte, wie jene von Betty Paoli, die zu den besten zählen, was individualisierende Lyrik des 19. Jahrhunderts geschaffen, in den Hintergrund gedrängt hat. Eine Gesamtausgabe, nicht nur Auswahl von Betty Paolis Gedichten, wäre heute noch gor wohl am Platze." Noch interessanter mag jene scharfe Charakteristik klingen, welche der bekannte Germanist Prof. Eduard Schröder in Marburg, Daniel Sanders, dem Antipoden seiner wiffenschaftlicheu Meister Brüder Grimm u. a. widmet: „. . . Wohl muß man auch hier des Dichterwortes gedenken: .Wenn die Könige bauen, haben die Kärrner zu tun', aber nur die wir heute noch auf die lange Leidensgeschichte des Grimm'schen Wörterbuches zurückblicken und ihr noch kein Ende absehen, überkommt doch die Klage, daß eS nicht möglich gewesen, oder daß es versäumt'worden ist, rechtzeitig diesen einzigen Belegsammler als Hilfskraft dem großen. Unternehmen dienstbar zu machen. Denn woran es dem Grimm'schen Wörterbuche und seinen Mitarbeitern allezeit gebrach, das hatte Sanders schon so früh in Bereitschaft, daß er unverzüglich an die Ausarbeitung gehen und in weniger als sieben Jahren sein eigenes dreibändiges „Wörterbuch der deutschen Sprache mit Belegen von Luther bis auf die Gegenwart" im Druck zum Abschluß bringen konnte. (Leipzig, O. Wigant, 1859—1865.) Es war ein Werk eigener Kraft und ans einem Gusse. Niemand kann dem Kustos vergessen, daß er sich dessen rühmte. Das Werk eines gescheiten Kopfes, wenn auch engen Geistes.... Sanders war nach dem Zeugnis seiner Freunde ein herzensguter Mensch von milden Umgangssormeu, ja nicht ohne gewisse Noblesse. Er war ein warmherziger Patriot, durchdrungen davon, mit seiner Arbeit der Ehre der deutschen Sprache und des deutschen Namens zu dienen und daß er als Jude mit solcher Hingebung und mit augenscheinlichem Erfolge tat, das hat nicht nur ihn selbst erhoben, sondern auch viele der Besten unter seinen Glaubensgenossen, die gleich ihm sich als Deutsche fühlen wollten, mit freudiger Genugtuung erfüllt. Darin liegt neben den wcrtvollen Diensten, die sein Sainmel- und Ordnungstalent der deutschen Lexikographie geleistet hat, die unleugbare Kulturbedeutuug seines Werkes." Oskar T a l b o t. Perschiedrue Nachrichten. Wien. (Is r a e l i tif ch e Kll l tus g emei II d e.) Sonntag, den 5. Jänner 1908, 11 Uhr vormittags findet eine öffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Knltnsgemeinde Wien statt. Gegenstand: 1. Konstituierung des Kultusvorstandes : a) Wahl des ersten Bize-Präsidenten, b) Wahl des zweiten Vizepräsidenten, c) Wahl von 8 Mitgliedern des Vertreterkolleginms, d) Wahl der Mitglieder für die ständigen und Spezialkommissionen und Komitees. 2. Berichte des Vertreterkolleginms: a) Stiftungsangelegenheit, b) Spitalsangelegenheit, c) Interpretation des § 11 der Dienstpragmatik, dj Friedhofangelegenheit. Wien. (Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur.) Donnerstag, den 9. Jänner 1907, präzise ,/2ö Uhr abends, findetim Festsaale des Ingenieur- und Architektenpereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Bortrag des Herrn Heinrich Jork- Steiner statt. Thema: „Vorlesung eigener Novellen und Skizzen." Eintritt frei, ohne Karten. Wien. Der Brigittenauer israelitische Frauen-Wohltätigkeitsverein, deffen Wohltätigkeitsfeste seit einer Reihe von Jahren zu den beliebtesten der Saison zählen, veranstaltet Samstag, den 11. Jänner 1908, in den Sopyiensälen zu Gunsten seiner Humanitären Vereinszwecke eine große Wohltätigkeitsakademie mit nachfolgendem Tanzkränzchen. In liebenswürdigster Weise Habens ihre bestimmte Mitwirkung bei dieser Akademie bereits zugesagt: Fräulein Gertrnde Förstl, k. k. Hofopernsängerin, Herr Rudolf Hofbauer, Mitglied der Volksoper, Fräulein Louise Kartousch, Mitglied des k. k. priv. Theaters an der Wien, Herr Arnold Korff, k. k. Hosburgschauspicler^ und Herr Professor Sulzer, k. k. Hofmnsiker: am Klavier: Herr Oskar Dachs. Dem Tanze wird die Jugend bei den Klängen der. bewährten Kapelle Johann Müller und unter dem trefflichen Arrangement des Herrn Prof. Julius Singer huldigen können. In allen Kreisen der Wiener Gesellschaft gibt sich für diese Veranstaltung das lebhafteste Interesse kund und es herrscht nach Karten und Logen eine äußerst rege Nachfrage. - Die noch vorhandenen Eintrittskarten st X 3.— , sowie Logen für 6 Personen st K 42.—, 36. —, 30.— und 24.— sind bei der Präsidentin, Frän Emilie Weiß, XX., Klosternenburgerstraße 13, sowie bei .fTWJjg.*;--.»i i- .>UI U t'iHil'll' nIWi I 'Uli I ■ AB Hliw Hl II

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