Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 1 (2.1.1908)
- Date
- 1908-01-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wahrheit Redaktion u. Sldiiuiiisl,ntton: ji Wie». 11/, SJoüaragajie 27.j TrlrDÖuii t>rr Slriitferel 15S1IS K. k. österr. Postsparkassa- Scheck-Konto Nr. ivv.9l8. llnleratf Die dierinal geipallen- Ronvareille-Zcile Ln Heller. RdoiiiicuiculSii. Inleiliousbeiräge und tu JJlifeii zahlbar und flflflbm. Unabhängige Zeitschrift für jüöische Interessent Erscheint jeden Kreitng. Notto: „Das ISiegul (Lottes ist Wahrheit!" j iMerngsrnkei»: «unzjäyrig ... ff. >4 -; Halbjährig . ff. 7 — i Für (SnltiiSbeuiiite: j <M«ii*iiibvirt . » >» l!| Für NuSliiiid:!j iMiuijirtüUd . . . s Mark jl t? Rudel aber ia ^c4. . Jänner 1908. Znhnit: Das Christentum im Zusammenhänge mit dem Judentum. — Ein Zeitbild. — Tempelverein für Mariahilf und Neubau. — Literatur. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Versöhnte Feinde. — Der Ursprung der Synagoge. An unsere Leser! Bei dem Ernste der gegenwärtigen Zeiten bedarf das Judentum mehr denn je einer starken und unabhängigen Presse, die nicht nur mutvoll und unerschrocken den Kampf nach. Buhen führt, sondern auch im eigenen Lager strenge Wache hält. Von dieser Ueberzeugung durchdrungen, hat „Die Wahrheit" auch im abgelanfenen Jahre an ihrem Programme, Uas Interesse für die erhabenen Ziele des Judentums in allen Bevölkerungsschichten zu wecken, festgehalten, und ihr Bestreben wird auch fernerhin daraus gerichtet sein, jüdisches Leben in allen seinen Erscheinungen zu pflegen, die innere Organisation mit allen Kräften zu fördern, die Vorfälle im Gemeinde-und Vrrrinslrben mit mahvoller und objektiver Kritik zu beurteilen und dabei gleichzeitig den Kampf nach Buhen mit Würde und Entschiedenheit zu führen. Diese publizistische Tätigkeit bitten wir durch Bbonnierung unseres Blattes zu fördern. Abonnements-Bedingungen: HanzMng Kr. 14.— Kalöjährig Kr. 7.—, Inertetjährig Kr. 3.50. K. k. Poftsparkafsen-Konto 100.918. Die geehrten Herren Abonnenten werden ersucht, bei Einsendung des Abonnementsbetrages den beiliegenden Erlagschein zu bemitzen. Are Weöaktron. Dos Christentum im Zusammenhänge mit dem Judentum. In ihrer Weihnachtsnnmmer hat die >,Nene Freie Presse" nicht weniger als drei Artikel von drei berühmten Gelehrten über die Rassentheorie gebracht. Wahrscheinlich hat die vor kurzem im Reichsrate mit Bezug auf Luegers berüchtigte Rede aus dem Katholikentage abgehaltene Debatte die drei Gelehrten — über Aufforderung des Weltblattes — zur Behandlung dieses Themas veranlaßt. Ohne den Inhalt der ziemlich weitläufigen Auseinandersetzungen in den erwähnten Artikeln hier auch nur skizzieren zu wollen, kann ich nicht umhin, wenigstens einen Passus aus dem! Artikel des Geheimen Medizinalrates Professor Dr. Ernst Schweninge r mir der Ueberschrist: „Die christlich-soziale Rassenpolitik" hervorzuheben, um an diesem zu zeigen, wie wenig christliche Gelehrte, selbst wenn sie freisinnig und unparteiisch erscheinen .wollen, dem Judentume gerecht werden. Dieser Passus lautet: „Der schöne christliche Spruch: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst', gilt ihr (der christlichsozialen; Rassenpolitik) eben nur für den Nächsten, den Christen, da der : Nichtchrist, der Jude, doch nur ,Aug' um Aug', Zahn um ’ Zahlst, denkt. Dem im Leben Erfahrenen tritt dies ebenso oft l umgekehrt in die Erscheinung, und er glaubt mit mir, daß so mancher Christ weder Aug' noch Zahn ohne Gleichwert hergibt. > und daß vielleicht mancher Jude die Nächstenliebe nicht so engl herzig anssaßt und betätigt, als mancher Christ." « Weiß Herr Professor Schweninger nicht, oder will er es j nicht wissen, daß ..der schöne christliche Spruch": „Liebe deinen! Nächsten wie dich selbst," ebensogut im alten Testament i (Lev. K. 19, 18) steht, wie der Spruch: „Aug' um Aug', Zahn um Zahn" (Exod. 21, 24), was nebenbei bemerkt, schon; nach der Erklärung des Talmud nie wörtlich genommen wurde. > Beide Sprüche sind also jüdisch oder mosaisch; warum nennt! er den ersten einen christlichen und den zweiten einen jüdischen? i Dadurch, daß der Stifter der Kirche gelegentlich einer an ihn gerichteten Anfrage (Evangel. Matthäi K. 22, B. 36—37) aus i dieses mosaische Gebot hinweist, hat doch dasselbe nicht auf- ■ gehört, ein mosaisches zu sein und ist ein christliches geworden! ' Wenn auch Herr Professor Schweninger dann bemerkt, daß im Leben oft mancher Jude nach dem christlichen Gebote der Nächstenliebe und mancher Christ nach dem jüdischen Spruche:! Aug' um Aug' handelt, so bleibt doch für den unkundigen und j uneingeweihten Leser — und dazu gehören fast alle Christen! und auch viele Juden — die Tatsache bestehen, daß die Nächstenl liebe christlich und das jus salionis jüdisch ist, nur daß mancher! Jude christlich und mancher Christ jüdisch handelt, j Bei einer solchen Darstellung der Dinge geschieht dem l Judentume wahrlich ein großes Unrecht. Leider wurzeln die j durch Jahrhunderte herrschenden Vorurteile und tausendmal als j Wahrheit wiederholten Meinungen so tief, daß selbst solche, die I angeblich nur die Wahrheit suchen und wollen, sich von den! vorgefaßten Meinungen nicht mehr ganz frei machen können.! Solange dies aber der Fall ist, werden alle von jüdischer! Seite geschriebenen apologetischen Schriften, sie können noch so schön, so gelehrt und überzeugend geschrieben sein, ohne jede Wirkung bleiben, denn sie werden in den Kreisen, innerhalb