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Die Wahrheit · 1907-12-27 · Heft 50 (27.12.1907) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 50 (27.12.1907)
Date
1907-12-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Nr. 50. Seile 6. Die Wahrheit Wäschereinigung üm K 1700. Die restlichen Kosten der Baracke { für die Pflegerinttenschule, für welche K 5000 bereits in diesem Jahre verausgabt wurden, haben wir mit X 8000 veranschlagt, und endlich sind in den präliminierten Ausgaben K 2680 als Befriebskosten des neu errichteten Röntgen-Institutes enthalten. Wer unser Krankenhaus, diesen berechtigten, wenn auch etwas kostspieligen Stolz der Wiener Judenschaft gründlich besichtigt hat, weiß aus eigener Anschauung, daß es kein modernes Hilfsmittel, keinen Fortschritt der Wissenschaft gibt, den wir nicht in den Dienst unserer Kranken gestellt hätten. Und so durfte denn auch ein Röntgen-Institut nicht bei uns fehlen, die Apparate für jene wunderbare Entdeckung, die das Innere des menschlichen Körpers erst völlig dem Arzte erschließen. Möge es so segensvoll wirken, wie wir es erhoffen und erwünschen. Ein Anzahl höher als im Vorjahr budgetierte kleinere Posten betragen ca. K 4000. Dagegen sind in den Einnahmen L 10.000 für Verpflegsgebühren mehr eingesetzt. Die neu budgetierte Reserve per K 10.000 kompensiert sich durch Entfallen der gleich hohen im Vorjahre eingestellten Reserve. Die in diesem Jahre so ungewöhnlich starke Steigerung des Zuschusses für unser Spital hat uns genötigt, eine, wenn auch recht geringe Mehreinnahme zu schaffen, die wir in einer allerdings nur mäßigen Erhöhung der Verpflegsgebühren zu finden hoffen. Bei der gegen das Vorjahr um K 10.000 erhöhten, vorher erwähnten Post kommt dies aber noch nicht znm Ausdruck, da der per 1907 budgetierte Betrag von K 45.000 sowohl in Anbetracht des Ergebnisses per 1906 als auch des neunmonatlichen Ergebnisses im Jahre 1907 entschieden zu niedrig angenommen war. Eine Post, die aus fast den gleichen wie den oben angeführten Gründen auf Ihre Zustimmung sicher rechnen kann, ist die ebenfalls 180/^ betragende Steigerung des Zuschusses bei der Post Versorgungs- und Siechenhaus. Auch hier ist es moralische Pflicht der Knltusgemeinde, die sich ja als die Gemeinschaft der in Wien lebenden Jndeuschafl darstellt, für ihre erwerbsunfähigen und alten Leute, soweit sie es vermag, zu sorgen. Ein Institut, dessen Uranfänge sich auf 100 Jahre zurückverfolgen lassen, trägt ja die Rechtfertigung seines Bestandes in sich, und gerade Heuer haben wir Grund, mit besonderem Stolze von unserem Versorgnngs- und Siechenhaus zu sprechen, weil wir uns entschlossen haben, einen Neubau aufzuführen, und Tagränme, die bisher sehr mangelten, zu schaffen, da echt jüdische Großherzigkeit uns durch eine Spende von K 600.000 die Sicherheit für die Erhaltung von weiteren 40 Betten bot und es uns also ermöglichte, die unschätzbaren Wohltaten dieser Anstalt . 40 weiteren arbeitsunfähigen und siechen Juden zugänglich zu machen. Ich' benütze gerne diese Gelegenheit, um unserem Komitee, insbesondere aber dem nnermüdlichen Damenkomitee und dessen überaus rühriger und tatkräftiger Präsidentin, Frau Jda Diamant, für die in so selbstloser Weise uns gewährte Mithilfe hier den herzlichsten Dank abzustatten. Nach Erläuterung der einzelnen Details dieser Budgetpost gelangt Referent zum Abschnitt „Armen- und Wohltätigkeilswesen", der einen Mehrbedarf von K 10.226 zeigt, hauptsächlich dadurch, daß in der Post Kaiserin Elisabeth-Jnstiut für jüdische Krankenpflegerinnen gemäß Plenarbeschlnß K 6000 mehr budgetiert ist, als pro 1907. Die restlichen ca. K 4000 erklären sich aus dem um K 2500 höher veranschlagten Betrage für Unterstützungen, aus der Erhöhung um K 2000 bei der Post Monats- und Quartalsbeteilungen, aus K 2000, welche als Subvention für die neu errichtete Zentralstelle für das jüdische Armenwesen eingesetzt sind, wogegen bei der Reserve um K 300 weniger veranschlagt ist als im Vorjahre. Bei dieser Gelegenheit möchte ich darauf Hinweisen, daß es noch eine Anzahl von Stiftungen und Widmungen bei uns gibt, die aus verschiedenen Gründen bisher noch nicht zur Verwendung gelangen konnten. Unsere Aufgabe wird es nach wie vor sein, uns mit dieser Angelegenheit eingehend zu beschäftigen und unseren Wohltätigkeitsinstitutionen. neue Einnahmsquellen zu erschließen. Einer dieser lange Zeit .unbenutzt gebliebenen Fovde ist gerade heuer seinem Zwecke zugeführt worden, es ist jener, der zur Errichtung eines Kaiserin Elisabeth-Institutes für jüdische Krankenpflegerinnen bestimmt war. In Gemeinschaft mit dem Vereine „Eintracht" B'nai B'rith haben wir uns entschlossen, dieses Institut Heuer ins Leben zu rufen, und haben uns dabei nicht nur von dem Gesichtspunkte leiten lassen, daß es galt, eine alte moralische Pflicht einznlösen, sondern hauptsächlich, weil wir hier die Möglichkeit sehen, armen jüdischen Mädchen und Frauen einen neuen und edlen Erwerbszweig zu schaffe::,, der dazu angetan ist, hebend und versittlichend auf breite Schichten unserer Bevölkerung zu wirken. Wir haben also in wahrhaft sozialpolitischer Weise gehandelt, indem wir wohltätig waren, ohne doch direkte Wohltaten zu erweisen, wir haben aber'auch die Absicht, etwas Neues zu schaffen, indem wir beabsichtigen, unseren mittellosen Kranken, die pekuniär nicht imstande sind, die Kosten für eine Pflegerin zu erschwingen, eine solche, soweit es tunlich ist, unentgeltlich beizustellen. Der Abschnitt „Gemeindeverwaltung" weist ein Mehrerfordernis von zusammen L 34.487-98 ans, welches sich aus den größeren Posten: Gehalte an Personale, Plus infolge der dnrchgeführten Gehaltsregulierung K 34.000, Vorstandswahl und Auslage für die Knltnssteuerregulierung Plus K 17.500, ferner aus verschiedenen kleineren Posten zsammensetzt, ferner bei Zinsen und Conto-Corrent-Spesen ein Plus von K 14.800 hauptsächlich infolge der neu eingesetzten Post Zinsen für Floridsdorfer Sparkassa L 2520 und der Post K 13.200 als Zinsen und Amortisation eines aufzunehmenden Darlehens für den projektierten Ban einer Mikwah und für die K 100.000, welche wir anläßlich des 60jährigen Regierungsjnbiläums des Kaisers znm Bau eines Knabenwaifenhanses gespendet haben. Dagegen sind in der allgemeinen Reserve jene bereits erwähnten L 40.000 weniger eingestellt, die wir im vorjährigen Budget wegen der damals schon im Prinzip beschlossenen Regulierung der Gehalte unseres Beamtenkörpers einzusetzen genötigt waren, und die also natürlich Heuer entfallen, ferner Mehrerfordernis bei Gnadengaben K 2000 und bei lausenden Reparaturen K 1500. Die verbleibende kleine Differenz besteht ans vielen unbedeutenden Plus- und Minusposten. Im ganzen ist also in diesem Kapitel ein Minderersordernis von K 12.804-71 gegen das Budget des Vorjahres. Wenn ich oben davon gesprochen habe, daß die Regulierung der Gehalte unserer Lehrer sich nicht allzu lange hinausschieben lassen wird, so kann ich mit Vergnügen berichten, daß eine solche bei unserem Beamtenkörper bereits erfolgt ist, und eine Steigerung des Defizites, wie ich bereits berichtete, deshalb nicht veranlaßte, weil im vorjährigen Voranschlag bereits für diesen in Aussicht genommenen Fall eine entsprechende Summe in der außerordentlichen Reserve in Aussicht genommen war. Diese endlich dnrchgeführte Regulierung der Gehalte des Beamtenkörpers war eine Forderung, deren Durchführung wir uns nicht verschließen konnten und durften. Die allgemein herrschende Teuerung, welche in gleicher Weise alle Bedürfnisse des Lebens belastet und die naturgemäß den auf fixe Bezüge angewiesenen Beamten am allerschwersten trifft, verlangte gebieterisch die eheste Reform als ein Gebot der Menschlichkeit sowohl, als auch der Erkenntlichkeit und Dankbarkeit gegenüber unserer mustergiltigen, arbeitswilligen und stets pflichtgetreuen Beamtenschaft. Ich kann bei dieser Gelegenheit nicht umhin, auch meinerseits allen Herren Beamten, an ihrer Spitze Herrn kais. Rat Dr. Theoder Lieben, welche ich bei Einholung von Informationen über das Budget so häufig in Anspruch nehmen mußte, meinen besten Dank für ihre stete Bereitwilligkeit auszusprechen, ebenso wie ich insbesondere dem Herrn Liquidator Emil Katz für die so überaus mühsame Zusammenstellung der einzelnen Budgetposten und des Voranschlages selbst meine besondere "Anerkennung hiemit ansspreche. Ganz flüchtig möchte ich nochmals die Post von K 16.000 erwähnen, welche Sie im Voranschläge zur Durchführung der bevorstehenden Kultuswahlen beziehungsweise für die Kosten der Drucklegung der Wählerverzeichnisse rc. finden, u. zw. hauptsächlich nur deshalb, weil bei der in Aussicht stehenden Aenderung unseres Statuts, soviel ich weiß, geplant ist, daß Wahlen in der Regel nur alle drei Jahre stattfinden sollten. Wenn dies Annahme

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