Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1907
- Issue
- Heft 50 (27.12.1907)
- Date
- 1907-12-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 50. Die Wahrheit S eite 5. Würdigung seiner hervorragenden Verdienste um die Kultnsgemeinde Wien in die Haskarah der Gemeindebethäuser Stadt und Leopoldstadt aufzunehmen. Vize-Präsident Theodor Ritter von G o l d sch mi d t dankt mit bewegten Worten für diese außergewöhnliche Ehrung seines verewigten Vaters. Wenn es ihm gelungen sei, im Laufe seiner beinahe 20 jährigen Tätigkeit im Vorstande der Kultnsgemeinde Ersprießliches zu leisten, so verdanke er dies einerseits dem unentwegten Festhallen an den Traditionen seines verewigten Vaters und seines seligen Bruders und andrerseits der wohlwollenden und freundschaftlichen Unterstützung, welche ihm jederzeit seitens des Vorstandskolleginms entgegengebracht wurde. Unter den mannigfachen überaus ehrenden Knndgebinigen, welche ihm anläßlich der vor kurzem stattgehabten Feier seines 70. Geburtstages dieses Wohlwollen neuerdings bewiesen, habe ihn keine so ties beglückt, wie der heutige Beschluß, durch welchen der Knltnsvorstand dem Wirken seines in Gott ruhenden Vaters ein bleibendes Andenken gewidmet hat. (Lebhafter Beifall.) Diverse Beschlüsse. Gemäß den Vorschlägen der betreffenden Kuratorien und des Vertreterkolleginms wird die Verleihung diverser Stiftungen genehmigt. Ueber Antrag des Venreterkollegiums wird beschlossen, jener Kategorie von Angestelten, die im Vorjahre eine Teuerungszulage erhalten haben, dieselbe auch pro 1908 in einem Gesamtbeträge von 15000 Kronen zu bewilligen. Nach einem Referate des Hofrat Dr. R a p p a p o r t, wird der Antrag des Vertreterkolleginms, für verschiedene Arbeiten bei dem Znbane des Versorgnngshanses nebst den bereits bewilligten 12000 Kronen noch weitere 8000 Kronen zu votieren, angenommen. Ueber Antrag der Kommission I und des Bertreterkolleginms wird nach einem eingehendem Referate des Dsfizial Fnchsgelb beschlossen, die sofortige behördliche Schließung des vom Vereine Lolloiurs hadath in Der Brigittenau trotz wiederholten Verbotes unbefugt abgehaltenen öffentlichen Gottesdienstes zu veranlassen. Auf die durch Dr. Spitzer gegen die sofortige Schließung erhobenen Bedenken, wird vom Präsidenten darauf verwiesen, daß die Abhaltung des Gottesdienstes durch den genannten Verein nicht ans einem wirklich religiösen Bedürfnisse beruhe, sondern auf eine trotzige Demonstration gegen die Kultusgemeinde und auf private Zwistigkeiten mit den bestehenden Bethausvereinen in der Brigittenau zurückznführen sei. Hierauf gelangt der Voranschlag pro 1908 zur Beratung und erhält der Referent Kultusvorsteher Max Frank das Wort zu nachstehenden Ausführungen: Geehrte Herren l Ich beehre mich, Ihnen hiermit den Voranschlag für die Gemeindebedürfnisse im Jahre 1908 zu unterbreiten. Die Gesamtsumme der Ausgaben stellt sich auf K 3,110.744 90, denen Einnahmen von X 2,912.765-39 gegenübergestellt sind, so daß unser Budget mit einem rechnungsinäßigen Fehlbeträge von X 197.979 51 abschließt. Gestatten Sie mir nun, meine Herren, Ihnen in der Hauptsache, ohne in allzu geringfügige Details einzugehen, eine Begründung der einzelnen Posten zu geben, besonders jener, welche die Erhöhung der budgetierten Allsgaben gegenüber dem Voranschlag pro 1907 verursachen. Redner detailliert nun die einzelnen Posten des Budgets für „Bethäuser und rituelle Angelegenheiten", das ein Mindererfordernis von K 87.240 gegen das Vorjahr ergibt. Dasselbe ist hauptsächlich durch Ausfall der im Vorjahre prüliminierten Reserven für den Bail der Bethüuser im XIX. illld IV./V. Bezirke, durch Wegfall der Reserve für die Mikwah, durch voraussichtliche Mehrerträgnisse in einzelnen Tempeln und in der Fleischregie, sowie durch diverse Ersparnisse bedingt. Der Voranschlag für „Unterrichts-Angelegenheiten" weist gegen das Vorjahr einen Mehrbedarf von K 25.786 auf, die ich in den Hauptzügen damit rechtfertigen kann, daß als Beitragsrate an die Talmud-Thora- >chule K 15.000 in die außerordentlichen Ausgaben eingestellt wurden. Ein Mehrerfordernis von zusammen K 4000 ist bei den ordentlichen Ausgaben „definitive und provisorische Lehrer". Der Grund liegt, darin, daß einzelne Lehrer II. Klasse, in die I. Klasse vorrückten, demnach auf 28 Stunden zu bringen sind und daß ferner infolge Klassenteilung einerseits und andererseits einer fakuliativeu Unterrichrsstunde in der zweiten Volksschulklasse, welche probeweise für drei Jahre an 12 Schulen eingeführt wurde, Mehrstunden zu bezahlen sind. Die oft nötige Klassenteilung bildet eine nicht unbedeutende Last für uns und es ist gewiß ein großes Unrecht, daß wir diese Kosten ganz allein zu tragen haben. X 1500 sind für Unterstützung an arme Schüler mehr eingestellt, X 1000 für Reserve, weil teils neue Jngendgottesdienste geplant sind, teils dieselben — in Mariahilf — für die Mittelschulen separiert abgehalten werden. Die Bibliothek hat ein Mehrerfordernis von K 2500 für Gehalte und außerordentliche Erfordernisse. In den Ausgaben ist eine um X 8000 gegen das Vorjahr erhöhte Reserve eingesetzt, welche für Teuerungszulagen an unseren Lehrkörper bestimmt ist und den nicht budgetierten aber tatsächlich in diesem Jahre erfolgten Ausgaben entspricht. Eine definitive Regulierung des Einkommens unserer nichts weniger als materiell gntgestellten Lehrer wird sich übrigens bei halbwegs günstigeren finanziellen Verhältnissen wohl nicht lange mehr ansschieben lassen, denn es ist dies nicht nur eine Forderung der Gerechtigkeit, sondern vielmehr eine solche der Menschlichkeit. Unsere Lehrer, denen wir unser Höchstes, unsere Zukunft anvertrauen, sollten durch Alltagssorgen, soweit wir imstande sind, dies zu verhindern, nicht bedrückt sein. Wenn wir bisher noch nicht an diese Regulierung geschritten sind, so geschah dies, abgesehen von den gegenwärtig finanziell ungünstigen Verhältnissen, auch deshalb, weil eine, wenn auch nicht genügende Regulierung des Einkommens unseres Lehrkörpers zuletzt vor zwei Jahren erfolgte, während jenes unserer Beamtenschaft seit dem Jahre 1897 keine Regulierung erfuhr und schon deshalb dringender erschien. Aber wir haben immerhin dem durch die Steigerung der Preise aller Lebensbedürfnisse geänderten Verhältnisse doch insofern Rechnung getragen, als wir unserem Lehrkörper im Vorjahre eine Teuerungszulage bewilligten und dies auch int nächsten Jahre zu tun beabsichtigen. Der Betrag für den Religionsunterricht aus dem Landesschulfond ist gegen das Vorjahr mit X 6500 höher bndgetiert. Die für die Brigittenauer Bibel- und Leseschule budgetierten X 1500 und andere kleine Ueberschreitnngen gegen den vorjährigen Voranschlag werden durch sonstige Ersparnisse im Unterrichtsbudget gedeckt. Der Voranschlag für das F r i e d h o f s w e s e u rveist insgesamt ein Mindererfordernis von X 23.582-33 ans und zerfällt in mehrere Teile, die Referent unter Hinweis auf die einzelnen Kapitel der Einnahmen und Ausgaben eingehend erörtert. Unser Spital ergibt ein Mehrerfordernis von K 34.354*40 gegen das Vorjahr mtb der Zuschuß bei dieser unser Budget so überaus schwer belastenden Post ist gegen das Vorjahr allein um mehr als I80/0 gestiegen. Trotzdem gibt es nicht leicht eine Post, welche im vorhinein auf das Absolntorium nicht nur von uns, sondern seitens der gesamten jüdischen Bevölkerung rechnen könnte, wie eben diese. Kennzeichnet sie doch am klarsten den unaussprechlichen Jammer, der gerade ans den breiten Schichten unserer Bevölkerung ruht, und gewährt sie uns doch die große Genugtuung, daß es uns vergönnt ist, für die Aermsten der Armen, für mittellose Kranke helfend einznueten. Und daß wir bei der in Wien herrschenden Spitalnor sogar fast über das Maß nuferer Kräfte gehen, daß wir es nicht über uns bringen, einen Juden abznweisen, der hilfesuchend an die Tür unseres Krankenhauses klopft, solange wir nur noch ein Bett einpressen können, ist, so bedenklich dies auch dem kühlen Kritiker des Budgets erscheinen mag. doch, mld das erfüllt uns mit hoher Freude, ein Ruhmesblatt in der Geschichte nuferer Kultnsgemeinde. Ins Detail übergehend, erlaube ich mir anzuführen, daß die Gehalte um K 6000 gestiegen sind, Beheizung um X 1760, Wäscheanschaffnng um K 1000, Verbandstoffe um K 2000, die Verköstigung tim X 16.000, Medikamente um X 1800,