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Die Wahrheit · 1907-12-20 · Heft 49 (20.12.1907) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 49 (20.12.1907)
Date
1907-12-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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reite 10 Die Wahrheit lUr. 49. ein Polizeikommiffär persönlich im Kloster intervenierte, wnrde das Mädchen daselbst gefnnden. Frau Gänger begab sich nun in Begleitung eines Weltgeistlichen und eines Polizeikommissärs ins Kloster, und da Lea erklärte, das; sie das Kloster verlassen und nach Hause zurückkehren wolle, wurde sie nach Unterfertigung einer Schrift der Mutter ansgefolgt und nach Hause gebracht. Sie erzählte, daß sie seit vielen Wochen Josef Niec und Franz Saczynski, der Briefträger ans Czchow, bestürmten, sich ins Kloster zu begeben nud dort taufen zu laffeu, daß sie infolge ewigen Zuredens sich ins Kloster bringen ließ. Eine Woche blieb dann alles ruhig. Samstag, den 23. November d. I. verschwand Lea Gänger wieder und ist trotz eifrigen Snchens bis heute unauffindbar geblieben. Es besteht der Verdacht, daß die Lea Gänger neuerlich entführt wurde. Infolge schriftlichen Auftrages des Bezirksgerichtes Brzesko hat die Gendarmerie neue Recherchen begonnen, und es ist zu hoflen, daß die Behörde ihre Pflicht tun und das Mädchen ihrer Mutter wieder schassen wird. Saaz, 11. Dezember. (Ein Schocher gesucht.) Einem jungen, ledigen Scliochet wäre günstige Gelegenheit geboren, sich eine dauernde, sichere Existenz zu verschaffen. In der israel. Kulrusgemeinde Saaz (in Böhmen) ist der bisherige langjährige Schochet wegen hohen Alters und Kränklichkeit genötigt, diese Stelle aufzngeben, und soll sogleich ein neuer Schochet angestellt werden. Die Ausübung der Schechita in Saaz bringt dem Schochet, der von der Kultusgemeinde Saaz keinerlei Zahlung erhält, sondern für jede Funktion von den betreffendell Parteien selbst nach der üblichen Taxe bezahlt wird, ein jährliches Einkommen von 1200 bis 1400 Kronen, wofür jedoch selbstredend seitens der Kultusgemeinde keine Garantie geleistet wird. Dieses Einkommen kann dadurch, daß der betreffende junge Manrr in seiner vielen freien Zeit eine angemessene Nebenbeschäftigung betreibt, noch bedeutend erhöht werden. Junge, ledige Leute von tadellosem Charakter, die auf diese Stelle reflektieren und diese ehemöglichst antreten können, mögen ihre Bewerbungen, denen eine Schilderung ihres Lebenslaufes und eine Photographie beiznschließen ist, an die israel. Kulrusgemeinde in Saaz einsenden. Dux. Sonntag, den 1. Dezember l. I. fand im hiesigen Tempel j ein feierliches Chauukafest statt. Nach Absingung des ma towu durch den j Schülerchor wurden die Chanukalichter angezündet, worauf unser Religions-; lehrer, Herr M. Mandl, eine Ansprache hielt, in welcher er die Bej deutung des Chanukafestes in erhebender, auch den Kiiidern leicht faßlicher! Weise darstellte. Dann wurden seitens der Bürgerschülerinnen sinnige, die Chanuka-Feier und Geschichte recht wirkungsvoll beschreibende Fest- > dichmngeu vorgetragen. Hierauf wurde moaus zur gesungen unb das Maariw-Sebet verrichtet. — Am 8. Tage Chanuka veranstaltete der hiesige jüdische Volksverein „Zion" eine solenne Makkabäerfeier. Dieselbe wnrde in den Saallokalitäten des Stadt-Hotels in glänzender Weise abgehalten und bot ein reiches und interessantes Programm. Von der Ostseite des mit zionistischen Emblemen und Blattpflanzen schön ansgeschmückten Festsaales erglänzte neben dem dekorierten Herzl-Bilde die hellstrahlende Menorah. Nach Begrüßung aller Festteilnehmer, unter welchen sich auch der Bürgermeister der Stadt Dux, Herr I. G. Kris ch, befand, durch unseren , verdienstvollen, allverehrten Obmann, Herrn Moritz Freud, sprach die Kautorstochter Frl. Rosa N n ß b a u m den Prolog „Die Makkabäer", von Dr. A. Nossig, in recht wirkungsvoller Weise, worauf das Programm nach bestimmter Vortragsordnnng in gelnngenster Art abgewickelt wurde. Alle Mitwirkenden erledigten sich ihrer Aufgabe znr größten Zuftiedeuheit des Festpublikums. Doch verdienen besonders hervorgehoben zu werden die ergreifende Festrede des Herrn phil. cand. Oskar Stein vom Vereine jüd. Hochschüler „Bar-Kochba" ans Prag, welche den Glanzpunkt der großartigen Veranstaltung bildete, weiters das vollendete Klavierspiel des Herrn Fr. Taußig, Kapellmeister aus Prag, und unter den Rezitattonen aus der jungjüdischen Literatur: „Die Landstreicher" von Frl. N u ß b a u m und „Der Traum" von Frau Rosa Mandl. Zuletzt sang Herr Lehrer M. Mandl mit dem gemeinsamen Chor die jüdisch-nationale Hymne: „Die Hoffnung". Nach Erschöpfung des Programmes wurde bis 2 Uhr früh fröhlich getanzt. — Der jüd. Bolksverern hat durch diese Veranstaltung heuer wieder seine ersprießliche Tätigkeit bewiesen. Trebitsch.' Wir berichten mit großer Genugtuung, daß es auch uns endlich vergönnt war, Channka würdig zu begehen. Das nnstreitige Verdienst, dies bewirkt zu haben, gebührt dem rastlosen Mühen unseres Herrn Rabbiner Dr. Stoß l er. Am ersten Chanukarage wurde eine. Tempelfeier veranstaltet, bei der Dr. Stößler eine geradezu herrliche Predigt hielt. Am 1. Dezember fand eine erhebende Kinder-Chanukafeier statt. Das Programm besorgten jüdische Schulkinder unter Leitung des Herrn Lehrers I. K o r a t e f, den Schluß bildete eine gemütliche Jause für die Kinder. Am 7. Dezember wurde die Makabbäerfeier abgehalten. Das Protektorat führten Herr Rabbiner Dr. Stößler und Herr Kultuspräses Josef T a u s s i g. Der Verlauf dieser massenhaft besuchten Feier war glänzend. Hervorgehoben seien aus dem reichhaltigen Programme: die innige Begrüßung des Komitee-Obmannes Herrn Lehrers I. Koratek; der Prolog, verfaßt von Herrn Dr. Stößler,- meisterhaft vorgetragen von Fräulein H. T r i e s ch e r als Chanuka kostümiert; das Zünden der Chanukalichter durch Herrn Oberkantor M. Fuchs, der den musikalischen Teil des Programmes mit gediegener Fachkenntnis leitete; die unübertreffliche Festrede des Herrn Rabbiners Dr. Stößler, die meisterhaft vollendet in Form, Inhalt und Vortrag einen wahren Beifallssturm entfesselte; der Männerchor von Jg. Brüll „Ein Hauch weht durch die Laude"; Gesangsolo des Herrn Oberkantors M. Fuchs (große Arie aus „Die Jüdin"); Rezitation jungjüdischer Gedichte durch Herrn E. Weiß und Frl. C. Stößler Damenchor „Judenhoffnung", Text von Dr. Stößler. Die Klavier- und Harmoniumbegleitung hat in dankenswerter Weise Frau Oberkantor Fuchs übernommen. An das Programm schloß sich animierter Tanz. Czernowitz. Am 8. d. M. wurde hier im Hause des Großindustriellen Herrn Sach. G a st e r, Besitzer des bulgarischen Ritterkrenzordens, die Verlobung seiner reizenden, liebenswürdlgen Tochter, Fräulein Toni, mit Herrn Rabbiner Dr. M a r m o r st e i n - Jamnitz, gefeiert. Dieses Familienfest gestaltete sich zu einer wahrhaften Szude sollst Mizwah. Außer der herrlich gedeckten Tafel, die im gastfreundlichen Hanse der Familie G a st e r Tradition ist, würzten das Mahi die treffenden Reden, die der Vater der Braut, der Vater des Bräutigams, Herr Bezirksrabbiner M a r m o r st e i n - Szeniez, Herr Oberrabbiner Dr. R o s e n f e l d hielten. Der Bräutigam, Herr Dr. M a r m o r st e i n, sprach noch am Schlüsse eine überaus gelungene, dem feierlichen Momente angemessene Rede, so daß auf den Lippen der Anwesenden schwebte das Wort Es zeigte sich auch, welcher Beliebtheit und Hochachtung die beiden Familien sich erfreuten. Von nah und fern langten noch am selben Tage zahlreiche Gratulationen ein. Szenicz. Am 15. d. M. wurde die ordentliche Generalversammlung des „Maskileldal"-Vereines abgehalteu. Herr Bezirksrabbiner Mar m o rst e i n nahm als Vorsitzender Anlaß, dem in diesem Jahre verstorbenen Präses des Vereines, Herrn Lazar Mayer, einen tiefempfundenen Nachruf zn widmen. Die Rede machte nachhaltigen Eindruck, denn es wurde einstimmig beschlossen, sowohl den Nachruf, als auch die Verdienste des Verblichenen protokollarisch zu verewigen. Dann wnrde die Neuwahl vorgenommeu. Es wurden zu Vorstehern gewählt die Herren : Heinrich Schick, Julius Fuchs, Josef Salomon Schön m a n n. Köln. In der letzten Sitzung des Engeren Aktionskomitees der Zionistischen Bewegung machte der Präsident, David W o l f f s o h n, Mitteilung von gewissen Unterhandlungen, die er während der letzten Monate in Konstantinopel in Gemeinschaft mit dem Direktor der Jüdischen Kolonialbank, Dr. N. Katze n el soh n. mit den türkischen Behörden geführt hatte. Als deren vorläufiges Resultat wurde die Erlangung einer Konzession znr Errichtung einer Filiale der Jüdischen Kolonialbank in Konstantinopel bezeichnet; es wurde jedoch auch gesagt, daß darüber hinaus „dank der jetzt prinzipiell günstigen Stimmung eine Basis für die Erreichung erstrebenswerter Resultate" erzielt sei. An diese Mitteilung knüpft bie nichtzionistische „Jewish World" die Bemerkung, sie werde ihre zionistischen Freunde gern beglückwünschen, wenn Herrn Wolffsohns Hoffnungen sich verwirklichten, aber sie glaubt nicht an die Geschenke der Türkei und ruft den. alten Vergil auf: „lirrrso Danaos st dona ferentes.“ Zwar weiß niemand, was für Geschenke da zu erwarten sind; aber immerhin ist nicht einzusehen, weshalb diesen „Geschenken" der Türkei — abgesehen davon, daß es sich wohl nicht um Geschenke handeln wird, sondern um ein realpolitisches „Do nt des!“ — mit größerem Mißtrauen sollte entgegengesehen werden als all den anderen leeren Versprechungen, denen die Inden bisher stets gern vertrant haben. Paris. In Paris hat sich eine „Union lillärals israslits" gebildet, eine jüdische R e f o r m g e m e i n d e, die wieder einmal die mosaische Religion „dem modernen Geist und den europäischen Begriffen" anpassen will. Mittel: Abschaffung des Jomkippur, Sonntagsgottesdienst, Verdrängung der hebräischen Sprache u. j. w. Mau weiß, wohin dieser Weg führt. Ziemlich direkt zum Taufbecken; wozu also erst der kleine Umweg? Hamburg. (H a m b n r g - A m e r i k a - L i n i e.) Die nächsten Abfahrten von Post- und Passagierdampfern finden statt: Nach N e wy o r k: Die Postdampfer: Patricia 21./12., Blücher 28./12., Graf Waldersee 4./1. 08, Oceana 8./1. 08, President Lincoln ll./l. 08, Amerika 15./1. 08, President Grant 18./1. 08, Pennsylvania 25./1. 08. Nach B o st o n: Die Postdampfer: Bethania 23./12., Badenia 7./1. 08. Nach Baltimore: Die Postdampfer: Bethania 23./12., Badenia 7./1. 08. Nach Philadelphia: Die Postdampfer: Armenia 23../12., Barcelona 31./12. Nach W e st i n d i e n : Die Postdampfer: Mecklenburg 24./12., Hispania 24./12. Nach Mexiko: Postdampfer Dania 18;/12. Nach Ostasien: Die Postdampfer Brasilia 20./12., Sambia 30 /12., Liberia 5./1. 08, Hohenstaufen 10./1. 06, Belgravia 20./1. 08, Suevia 30./1. 08. Nach Wladiwostok: Postdampfer Myrtledene 20./12. Arabisch-Persischer Dienst: Postdampfer Luise l./l. 08. Mtte! Biele hunderte israelitische Kinder in der Brigittenau sind der bittersten Not preisgegeben und leiden Hunger. Wir bitten unsere Glaubensgenossen: Nehmet Euch dieser armen zarten Kinder an und helfet nach Euren Kräften, damit die im Lokale XX., Kluckygasse 7 bereits begonnene Ansspeisung im notwendigen Umfange fortgeführt werden könne. Spenden nimmt entgegen: Das gefertigte Komitee für die Verköstigung israelitischer Kinder in der Brigittenau und die Kassa der israel. Kulttisgemeinde in Wien, I., Seitenstetteugasse 4, I. Stock. D r. Alfred Berger, Heinrich Weiner, Kultusvorstand Obmann des Vereines „Brüder" I., Jndenplatz 8. IX., Pramergasse 1.

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