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Die Wahrheit · 1907-12-20 · Heft 49 (20.12.1907) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 49 (20.12.1907)
Date
1907-12-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrheit Nr. 49. Pcfter israel. lleligiousyemeittde. Wie wir in unserer letzten Nummer bereits mitgeteilt, hat Sonntag, den 15. d. M. die konstituirende Generalversammlung der zum Teile neugewählten Gemeinderepräsentanz im Prunksaale der Gemeinde stattgesuuden. Dieselbe war, trotz der Kiß-Feier, welche die Petöfy-Gesellschafl eine Stunde später im Prunksaale der Ungarischen Akademie veranstaltete, von mehr als 160 Repräsentanten besucht. Den Vorsitz führte Wahlpräsident - Gustav G. Ehrlich, welcher die in so schöner Zahl erschienenen! Herren begrüßte, die Sitzung eröffnete und deren Beschlußfähigkeit konstatierte. Nachdem der Vorsitzende das Nötige für den Wahlgang angeordnet hatte, forderte er die Anwesenden auf, zu den Urnen zu schreiten und ihre Stimmen für den Vorstand, sowie für den Ausschuß abzugeben und suspendierte während des Wahlaktes die Sitzung. Bei Wiedereröffnung der Sitzung enunzierte Wahlpräsident Ehrlich, daß mit Stimmeneinhelligkeit in den - Vorstand gewählt wurden: Hofrat Dr. Philipp Weinmann. Präsident, Magnatenhausmitglied Sigmund Kornfeld. Vizepräsident und Vorsteher der Stistuugskommission, Ludwig Adler, Kultuschef, Sigmund Breitner, Kassenches, Max G r ü n b a u m, Vorsteher der Oekonomiesektion, Dr. Wilhelm Grauer, Vorsteher der Wohltängkeitssektion und als neues Mitglied Dr. jnr. Moriz Stiller, Vorsteher der Unterrichtssektion. Das Wahlresultat wurde mit begeisterten Eljenrufen ausgenommen und mit sichtbarer Freude zur Kenntnis genommen. Hieraus entsendete der Vorsitzende unter Führung des Hofrates Dr. Armin Neumann zur Einholung des neurespektive wiedergewählteu Vorstandes eine Deputation, bestehend aus dem Ministerialräte Dr. Ludwig Ballai. Kurialrichter Dr. Ignaz Neub erger de H li nik, Hofrat Dr. Lazar Samuel, Reichstagsabgeordneter Paul S a n d o r, Dr. Samuel Brody und Direktor Arnold K o h u. Während sich diese Herren zum Vorstande begeben hatten, verkündete der Vorsitzende das Resultat der Wahl für den Ausschuß. Als gewählt erschienen: Julius Adler, Robert Auer, Konsul Emerich Birnbaum. Hofrat Dr. Ignaz Brüll, Samuel Deutsch, Alexander v. Deutsch, Gustav G. Ehrlich, Samuel Eisler, Dr. Salomon Eulenberg, Dr. Emil Farkas, Dr. Bela Feleki, Wilhelm Freund, Dr. Bernhard Friedmann, Dr. Jzor Glaß, Josef v. Hatvany-Deutsch, Magnatenhausmitglied Alexander v. Hatvany-Deutsch, Sigmund Herzfeld, Berthold Herzmann, Arnold Kvhn, Hofrat Sigmund Kohner, Dr. Armin Linkß, Kurialrichter Dr. Ignaz v. Neuberger, Stefan Popper, Moriz Rosenberg, Dr. Emanuel Rozsavölgyi, Reichstagsabgeordneter Paul Sandor, Jacques Simon, königlicher Rat Dr. Josef Simon, Sigmund Singer, Franz Szekely, Reichstagsabgeordueter Dr. Wilhelm Vazsouyi, Hofrat Berthold Weiß, Alfred Wellisch und Julius Winterberg. Mittlerweile kam die Deputation mit dem Präsidenten und den Vorstandsmitgliedern zurück. Als die Herren in der Generalversammlung erschienen, wurden sie bei ihrem Eintritt in den Saal mit lebhaften Eljenrnfen und Applaus empfangen. Gustav G. Ehrlich begrüßte die neugewählte Vorstehung und skizzierte kurz die Aufgaben, vor welchen die Leitung der Gemeinde steht: Bau der Bezirkstempel, Bau des Gymuasiums, Erweiterung der höheren Mädchenschule und der Elementarschulen, die intensivere Ausgestaltung des hebräischen Unterrichtes, die Hege und Pflege jüdischen Sinnes und Geistes.in den Gemeindeschulen, die noch vermehrt werden müssen, damit der betrübende Fall nicht eintreten soll, daß, wenn die Kinder von Gemeindeinitgliedern die Gemeindeschule besuchen wollen, diese wegen Platzmangel zurückgewiesen werden müssen. Ferner soll ein Handelslehrkurs und eine Mädchen-Lehrerinnenpräparandie ins Leben gerufen werden, was sehr vonnöten sei. Endlich meldete der Redner, daß Herr Josef v. Hatvany-Deutsch die Stelle eines Vorstehers nicht angenommen habe; dagegen kann mit Freude berichtet werden, daß Herr Josef v. Hatvany-Deutsch dem Vorstande auch künftig seine Unterstützung widmeit wolle. Es ist gelungen, eine äußerst tüchtige Kraft für den Vorstand zu gewinnen, die sich schon vier Jahrzehnten hindurch im Ausschüsse große Verdienste um das Gemeindewohl erworben hat, es ist dies der hervorragende Jurist und große Gelehrte Dr. Moriz Stiller. (Langanhaltende Eljenrufe). Wahlpräsident Gustav G. Ehrlich dankte noch der Wählleitung für die in würdevoller Weise durchgeführten Wahl und überließ den Vorsitz dem Präsidenten Hofrat Dr. Philipp W e i n m a n n. Dieser übernahm nun den Vorsitz, dankte dem Wahlpräsidenten und den anderen Funktionären für die korrekte Durchführung der Wahl und für das Vertrauen, welches die Mitglieder der Gemeinde ihm entgegenbriugen. Hofrat Dr. Weinmann erwähnte, daß er im Vorjahre Bedenken hatte, als er die Präsidentenstelle angenommen, denn die Meinungen der Repräsentanten waren geteilt. Jetzt aber, wo seine Wahl mit Stimmeueinhelligkeit erfolgte, schwinden alle Bedenken. Redner will sein bestes Können in den erhabenen Dienst der Gemeinde stellen und gab seiner Zuversicht Ausdruck, daß er mit Unterstützung des Gemeindevorstandes die Aufgaben der nächsten Zukunft mit Erfolg wird lösen können. Eine dieser .Aufgaben besteht in der Dezentralisation des Gottesdienstes, die durch den Bau von Bezirkstempeln dnrchgeführt werden wird. Für das Extravillan im V. und VI. Bezirk ist der Tempelbau bereits in Angriff genommen und es ist zu Höffen, daß dieser Tempel zu Pfingsten 1908 seiner Bestimmung wird übergeben werden können. Der Plan, in der Leopoldstadt einen monumentalen Tempelbau aufzuführen, ist fallen gelassen worden; der betreffende Baugrund ist der Hauptstadt gegen Ueberlassung von zwei kleineren Baugründen im V. und im IX. Bezirke zum Bau von Tempeln und Schulen zur Verfügung gestellt worden. Die Gemeinde hat bei der Hauptstadt ein Gesuch eingereicht, in welchem gebeten wird, die Hauptstadt wolle den neben der Synagoge in der Dohäny-utcza gelegenen Grund zur Anlage einer öffentlichen Promenade überlassen, die Gemeinde will dann ihre daselbst befindliche Mädchenschule bis zur Gassenfront ausbauen. Es ist zu hoffen, daß dieses Gesuch eine günstige Erledigung finden werde. Eine besondere Aufmerksamkeit erheischt der Schulunterricht. Für dessen Erweiterung soll unter Anderem durch den Bau einer neuen Schule und einer Lehrerinnenbildungsanstalt gesorgt werden. Insbesondere soll die Genehmigung des Kultusministers zur Errichtung einer konfessionellen Mittelschule, deren Plan schon vor Jahresfrist dem Ministerium unterbreitet wurde, urgiert werden. Große Sorgfalt muß auch den Krankenhäusern, dem großen Gemeindespitale, sowie dem „Adele Brody"- Kinderspital zugewendet werden. Auch die Administration des Knabenwaisenhauses zeigt Mängel, die in kürzester Zeit behoben werden sollen. Wohl war das fiuatizielle Gebühren ein vortreffliches, aber die Administration ließ viel zu wünschen übrig. Durch den engeren Anschluß an die Gemeinde soll es auch damit besser werden. Der neue Präsident erklärt es für seine Pflicht, eine feste konfessionelle Organisierung durchzuführen, die staatlichen Unterstützungen in größerem Ausmaße anzusprecheu und danach zu streben, daß konfessionelle Momente auf wirtschaftlichem Gebiete und in der öffentlichen Verwaltung nicht zur Geltung kommen. Er will ferner eine neue Dienstpragmatik ins Leben rufen, die Steuerverhältnisse regeln und darauf achten, daß diese gerecht verteilt werden sollen. Natürlich geht all das nicht so rasch, als er es möchte, aber allmählich kann es durch- > geführt werden. Schließlich gedachte Vorsitzender in pietätsvoller Weise des Heimganges einer edlen Frau, der Frau Katharina Stein, welche nicht nur die Präsidentin der Waisenhäuser, sondern im vollsten Sinne des Wortes der Schutzgeist der Waisenkinder gewesen. — Auch des Ablebens des verdienstreichen Ausschußmitgliedes August Kohner gedachte Hosrat Dr. Weinmann in anerkennender Weise. Generalsekretär Dr. Julius W e i ß b u r g erhielt den Auftrag, der Trauer der Generalversammlung im Protokolle gebührenden Ausdruck zu verleihen. Nun begrüßte der Vorsitzende noch den neugewählten Kollegen.Dr. Moriz Stiller, dessen hohe Begabung er rühmte. (Lebhafte Eljenrufe und Händeklatschen). Hierauf ergriff der neugewählte Vorsteher Dr. Moriz I Stiller das Wort. Er dankte für seine Wahl und entwickelte sein Programm, das in allererster Reihe dahinzielte, in den Gemeindeschnlen, sowie in den Religionsstunden echten jüdischen Geist hineinzutragen und. daselbst heimisch zu machen. Daß ihm

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