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Die Wahrheit · 1907-12-13 · Heft 48 (13.12.1907) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1907
Issue
Heft 48 (13.12.1907)
Date
1907-12-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Leite 8. Die Wahrheit Nr. 48. Herrn Moriz Lettner, worauf Herr Dr. Emil Raab die Stipendien an die Schüler verteilte. Budapest.- Nächsten Sonntag, den 15. d. M. findet die Wahl eines Präsidcnren, eines Vizepräsidenten und fünf Mirglieder des Vorstandes der Pester israel. Religionsgemeinde statt. Durch den Rücktritt des Joseph Hatvany-Deutsch von der Stelle eines Kassenchefs, wird eine Neuwahl nötig, als dessen Remplacaut der hauptstädtische Advokat Dr. Moriz Stiller in den Vorstand gewählt werden dürfte. Dr. Stiller würde aber Chef der Unterrichtssektion werden, wodurch eine Verschiebung bei einigen Sektionen erfolgen wird. So soll Sigmund L. B r e i t u e r Kassenchef und Dr. Wilhelm Grauer Chef der Woltätigkeitssektion werden. Der Magistrat der kön. uug. Haupt- und Residenzstadt Budapest hat der Budapcster am. orth. Jsraelirengemeinde einen geeigneten Baugrund zur Verfügung gestellt. Die Gemeinde beabsichtigt nun, demnächst eine hübsche Synagoge, ferner eine Bürger- und Elementarschule zu erbauen. Das Baukonntee genehmigte bereits die eingelaufenen Pläne, sowie den Kostenvoranschlag. Der Bau wird, den Wert des Grundes inbegriffen, zirka eine Million Kronen erfordern. Die A l t o f n e r israel. Kultusgemeinde hat beschloffcu, die in Folge der Wahl des gewesenen Oberrabbiners Herrn Dr. Elias Adler zum Rabbiner der Pester israel. Kultusgemeinde vakant gewordene Oberrabbinerstelle in Bälde, und zwar im Berufnngswege wieder zu besetzen. Die Probevorträge sollen schon nächstens ihren Anfang nehmen. Es wurde vorläufig bestimmt, die Herren Oberrabbiner Dr. Armin Hoffer, Veßprem, Dr. Bela B ernst ein, Szombathely und Dr. Heinrich Urbach. D.-Tuzla, zur Abhaltung von Probevorträgen einzuladen. Im ganzen haben sich zwölf Bewerber, darunter auch Dr. Funk aus Poszony, gemeldet und dürften, außer den Obigen, noch einige Rabbiner zu Probevorträgen eingeladen werden. Unter den vielen ojfiziellen und privaten Chanukafeierlichkeiten, welche jüngst in Pest, Ofen, Altofen und in Ujpest abgehalten wurden, nimmt die Chauukaschlußfeier, die der ung. israel, Handwerks- und Ackerbauverein am letzten Tage des Chanukafestes im gänzlich beleuchteten Prachrfaale des Amtsgcbäudes der Pester israel. Rcligionsgemeinde veranstaltet. vermöge ihrer imponierenden Großartigkeit unbestritten den allerersten Rang ein. Außer dem Präsidium waren der Vereiusausschuß und das Damenkomitee mit den Präsidentinnen Frau Jakob Fürst de Maroth und Frau Jakob Schwarz, sowie zahlreiche Festgäste erschienen, Den ersten Punkt der Ferer bildete die Verabschiedung der jüngst freigesprochenen 36 Handwerkszöglinge, an die der Präsident Hofrat Dr. Armin Neu mann herzliche Abschiedsworte richtete. Im Namen der freigejprochenen Handwerkszöglinge dankte der Maschinenschlosser Joseph Pollacsek, worauf an die Freigesprochenen Prämien (Taschenuhren, Werkzeuge und Sparkaffebücher) verteilt wurden. Sodann erfolgte die feierliche Aufnahme der Stipendistenzöglinge (33 Schüler der höheren Gewerbefachschulen), an die Rabbiner Dr. Julius Fischer eine herrliche Ansprache richtete. Hierauf wurden die aus den Meisterstiftungen weil. Markus und Babette Pollak und weil. Emilie Singer prämiierten 5 angehenden Meister vorgestellt. Nunmehr erschien vor der Präsidentenestrade eine aus fünfzig Meistern bestehende Deputation, als deren Sprecher der Baumeister Edmund Mi k l o s den Verein begrüßte, worauf der Maurermeister Benjamin Reti eine Stistungsurkunde vorlas, laut welcher die ehemaligen Bereinszöglinge aus Anlaß des 65-jährigen Vereinsbestandes eine Erinnerungsmedaille stiften. Die ersten in Silber geprägten Exemplare dieser, Erinnerungsmedaille überreichte die Deputation dem Vereinspräsidenten Hofrat Dr. Neumann, der Präsidentin Frau Jakob Fürst de Maroth, dem Oekonomen Moriz Lemberger und dem Sekretär David K e m e n y. Nach der Festlichkeit, der ein zahlreiches und vornehmes Damen- und Herrenpublikum anwohnte, gaben die edlen Frauen des Damen-Komitees aus eigenen Mitteln den 400 Zöglingen des Vereines eine opulente Jause und verteilten an jeden einzelnen Handwerkslehrling nützliche Geschenke. O. H. S. Budapest. „A Nap" berichtet, daß einer Meldung zufolge die junge Baronin Rothschild, geborene Rosika W e r t h e i m st e i n, anläßlich der Anwesenheit des deutschen Kaiserpaares in England dem Herrscherpaar vorgestellt wurde. Der Kaiser wußte während eines längeren Gespräches mit der Baronin daran zu erinnern, daß sie aus Ungarn stamme. Gleichzeitig wird aus London berichtet, daß nach dem vor einigen Tagen erschienenen Hofanzeiger die junge Baronin Rothschild zur Palastdame ernannt wurde. Ihre Beeidigung sollte Samstag stattfinden. Da jedoch die Rothschild fromme Juden sind, wurde in einer Eingabe an die Hofkanzlei angesucht, den Termin auf einen anderen Tag zu verlegen. Der König hat darauf bestimmt, daß die Beeidigung der neuen Palastdame Dienstag stattfinde. Verb«. Der allgemein beliebte Kantor Mayer Freudmann ist nach längerer Krankheit am 4. d. M. im Alter von 60 Jahren gestorben. Die Gemeinde verliert einen äußerst würdigen, tüchtigen und pflichttreuen Funktionär. Der Verblichene, welcher 38 Jahre hier wirkte, erfreute sich in allen Kreisen der größten Achtung. Das Leichenbegängnis fand unter zahlreicher Beteiligung Freitag statt. N-' Leipzig, 4. Dezember. Im „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" hielt vor einem hierzu ausnahmsweise zahlreich erschienenen Publikum der als Musiker und Musikhistoriker rühmlichst bekannte Herr Obeckantor Ed. Birnbaum aus Königsberg einen Vortrag über: „Wie und was unsere Altvorderen saugen". Zur Illustration seiner intereffanten und interessierenden Ausführungen war der Redner vom Synagogenchor unter Leitung seines Dirigenten (Herr K a n t o r o w i tz), der auch die Begleitung des Violinisten (Herr Britanitzky) und des Vortragenden in den gesanglichen Teilen am Flügel übernommen hatte, unterstützt. Was Herr Birnbaum in seinem Inständigen Vortrage ansführte und dardot. war eine anschauliche Gegenüberstellung älter und neuer Synagogeumusik. Er verfehlte nicht, auf die Anklänge und Entlehnungeu aus der nichtjüdischen Musik, andererseits aber auch auf die Darleihungen aus deip Schatze jüdischer musica sacra und profaner Volksmusik an die nichtjüdische Welt hinzuweisen. Unter dem vielen Gebotenen zeigte er an einer Piece da Rossis (ein Zeitgenosse Palestrinas) Linienführung und Akkordfolge, die überraschende Aehnlichkeit mit Wagner'scher Musik erkennen ließen. Wer Birnbaums musikliterarische Erzeugnisse nicht schon kannte, har gewiß an diesem Vortragsabende Bedeutendes erlebt, und es bedurfte nicht erst des „Nekrologs" des Vorsitzenden, der in seiner maliziösen Manier die Bedeutung des Königsbcrger Oberkantors durch einen Seitenhieb auf dessen „nichtschreibende" Kollegen (vcn pbps UTK “CD») erhöhen zu müssen glaubte. R. F. Literatur. Amann Paul, Leopold Komperts literarische Anfänge. Prag. C. Bellmann. 1907. (Prager Deutsche Studien Hgbu. von Carl v. K r a u s und August Sauer. V.) Mk. 2-80. Forschungen zur Religion und Literatur des Alten und Neuen Testaments. Herausg. von Prof. DDr. Wilh. B o u s s e t und Herrn. Gunkel. Göttingen, Vandeuhocck & Ruprecht. 10. Heft. Bvusset Prof. Dr. theol. Wilh., Hauptprobleme der Gnosis. Mk. 12. Key Ellen, Rahel. Eine biographische Skizze. Einzig autorisierte Uebertragung ans dem Schwedischen. Manuskript von Marie F r a n z o s. Leipzig. R. E. Haberland. 1907. (Bibliographien deutscher Frauen. VII.) Mk. 4. Samuel el-Magrebi, Die Speisegesetze der Karäer. Nach einer Berliner Handschrift im arabischen Urtext herausgegeben und mit deutscher Uebersetzung, Einleitung und Anmerkung versehen. Von Dr. M. L o r g e. Berlin. L. Lamm. 1907. Mk. 3. Wünsche Aug., Aus Israels Lehrhallen. Kleine Midraschim zur späteren legendär. Literatur des Alten Testamentes. Zum ersten Male übers. II, Bd. Leipzig. E. Pfeiffer. 1908. Mk. 3.20. Eingehende Besprechung vorstehender Werke Vorbehalten. Kingefendet. A n den lö b l. B o r st a n d der i s r. Kultusgemein d e Wien. . Die gefertigten Vertreter streng konservativer Kreise haben mit ganz besonderer Genugtuung von dem in der öffentlichen Plenarversammlung des Kultusvorstandes vom 1-. Dezember einstimmig gefaßten Beschluß, in Angelegenheit der Errichtung einer Mikwa, Kenntnis genommen und nehmen mit Vergnügen Veranlassung, dem löblichen Vorstande aufrichtigst Dank zu sagen für die einzig korrekte, der Würde der Knltusgemeinde entsprechende Lösung dieser seit Jahren auf der Tagesordnung stehenden Frage. Die Gefertigten würdigen diese bedeutsame Entschließung aber nicht bloß in Hinsicht auf den vorliegenden Fall, sondern begrüßen die Form der geplanten Regelung als wertvolles, weithin sichtbares Zeichen, das der Vorstand sich de facto als Vertreter auch der streng religiösen Kreise betrachtet und demgemäß bestrebt ist, im eigenen Wirkungskreise durch die von ihm bestellten Funktionäre, alle jene Institutionen zu schaffen und zu erhalten, welche zur Befriedigung der streng religiösen Bedürfnisse dienen sollen. In der Voraussetzung, daß der löbliche Kultusvorstand sich von diesem Standpunkte durch keinerlei Agitation wird abbringen lassen, sprechen die Gefertigten der Schiffschnlpartei, als einer kleinen Minderheit der hiesigen orthodoxen Juden, jede Berechtigung ab, sich als Vertreterin der Majorität der hiesigen Gesetzestreuen zu gerieren, und erklären gleichzeitig, daß für sic ausschließlich das Nabbinat der Wiener Kultusgemeinde, resp. Herr Rabbiner M e y e r s o h n, zur Entscheidung religiöser Fragen maßgebend ist. Der Vorstand des Vereines __„Machslke-hadath“_ Schutz vor «ugerechlsertigler Kündigung! Wir erhalten folgende Zuschrift:! Sehr geehrter Herr Redakteur! I Vor Jahren, als mein Bruder Israel in der Preßburger! Orthodoxengemeinde den ersten Kantor- und Schochetposten an- 1 trat, ersuchten Sie mich, Ihnen die Lebensgeschichte dieses allgemein gerühmten Chasans für Ihr geschätztes Fachblatt niederzuschreiben. Zur Erlangung der nötigen Daten wendete ich mich

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